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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-04-01 · 14 (1.4.1904) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Blocb's Mocbenscbrift Sette 229 das Andenken des.Frommen sei zum Segen, für gut befunden, das will der.Umstürzen! Das ganze Jahr sind wir keine Juden, sollen wir es Jom Kippur auch nicht fein?" Der Landesrabbiner verließ sofort die Synagoge und ging nach Hause, ohne an diesem Abende wiederzukommen. Die Aufregung hatte ihn zu sehr angegriffen. Schw. wurde mit hundert Gulden bestraft intö durfte ein Jahr lang d ie A lisch u l e nicht besuchen, was ihn um so empfindlicher traf, als er in der ersten Reihe seinen Sitz hatte. . . . Wenn auch ein solch skandalöser Vorfall nur ein einziges Mal sich ereignete, so mögen doch kleine Nadelstiche, aus ähnlichen Motiven ihm versetzt, den Sitz in Nikolsburg ihm verleidet haben. Doch war das nur Vermutung. Gewiß ist, daß Rabbiner Dr. Hirsch, von dem heiligsten Eifer beseelt, den Beruf in sich fühlte, die Sache des gesetzestreucn Judentums in Deutschland, die damals sehr bedroht war, in seine starke Hand zu nehmen und ihr zum Siege zu verhelfen. Sein Idealismus ließ ihn an sich selbst vergessen. Nicht mehr als 11, sage elf Mitglieder waren e s, die seine neue Gemeinde in Frankfurt bildeten und an deren Spitze er sich stellte! Sein selbstloses Streben aber ward mit dem glänzendsten Erfolge gekrönt. Um sein Banner scharten sich gar bald Hunderte und Hunderte, feilte religiösen Einrichtungen in Frankfurt, besonders die von ihm gegründete Realschule, wurden mustergiltig; die von ihm redigierte Monatsschrift „Jeschunm“ ward zum beredten Verkünder seiner Ideen, und bald konnte er — wie Stammvater Jakob — von sich sagen: „Mit dem Wanderstabe zog ich her, und nun bin ich — zu zwei Lagern geworden." Denn seine G e m e i nd e hatte sich auch geteilt. Er war zu streng, allzueifrig, intransingent. Doch blieb er bis zu seinem Tode (1888) der unbestrittene Schöpfer und Führer der Orthodoxie in Deutschland. Wir aber, seine in Nikolsburg zurückgebliebenen Jünger, fühlten schmerzlich seinen Abgang, wir blieben „wie eine Heerde ohne Hirten". Die meisten verließen Nikolsburg. Ich blieb noch ein Jahr und lernte eifrig Talmud bei dem Rabbinats-Assessor Samuel Zilz bis Ende des Schuljahres 1853, wo ich die Heimreise antrat. Diesmal konnte ich schon die Eisenbahn von Lundenburg aus benützen. In Bielitz fiel mir ein, daß ich nach mehr als dreijähriger Abwesenheit denn doch nicht mit leeren Händen heimkommen könne. Ich dachte lange darüber nach, was ich Neues, Ueberraschendes aus fremden Landen heimbringen könnte, ohne allzutief in die nicht besonders gefüllte Tasche greifen zu müssen. Und da kam mir der glückliche Gedanke, daß man in meinem geliebten Hunsdorf — Brausepulver noch nicht kennt. Ich kaufte daher ein Pfund Weinstein und ein entsprechendes Quantum doppelkohlensaures Natron und freute mich schon im Vorhinein auf den sensationellen und imponirenden Effekt, den mein „Mitgebrachtes" zu Hause auf meine Lieben üben wird. (Fortsetzung folgt.) Charoles (Eine Oster-Erinnerung) Von Simon Frug, übersetzt von Malwina Blumberg. I. Seid gesegnet, ihr Schatten meiner stillen, strahlenden Kinderzeit! . . . „Was tust Du, Großmama?" „Was ich tue? Geh', geh', störe nicht", antwortet Großmama und wirft einige weißglühende, eiserne Kugeln in ein kleines Fäßchen . . . Man hört mit Zischen vermischtes Aufplätschern des umherspritzenden Wassers, eine Wolke dichten Dampfes blendet mich und hüllt die ganze Küche in Nebel. „Mach' daß Du fortkommst!" schreit die erzürnte Greisin, „wenn Du nicht gehst, werde ich Dir gleich solch eine Kugel in den Mund stecken... Warte nur noch einen Augenblick.." Erschrocken ergreife ich die Flucht. II. „Was tust Du, Großpapa?" „Was ich tue?" antwortet Großpapa, indem er mit dem Stößel in den roten, blitzbank geputzten Mörser umherrührt, „was ich tue? Nun, ich beabfichrige, egyptische Festungen zu bauen. Siehst Du?" und Großpapa zeigt mir die mit einer klebrigen, grausalbenen Masse bedeckte Spitze des Stößels. „Python und Ramfes will ich aufbauen." „Wieso Python und Ramfes?!" rufe ich verwundert, „diese Festungen find doch feit langem von unseren Vorfahren in Egypten erbaut worden. Was sprichst Du, Großpapa?" „Seit langem, sagst Du, find sie erbaut worden. Ja, es st schon lange her, sehr lange." Mit leiser, trauriger Stimme wiederholte der Greis diese Worte; er schüttelt sein graues Haupt und fein Blick schweift in die Ferne mit einem mir unbegreiflichen Ausdruck großen, tiefen Herzeleids. „Ach, ach, mein Kind! Lange, sagst Du, ist es her, feit sie erbaut wurden? Freilich ist's lange her. Den Lehm mußten sie selbst dazu kneten, das Stroh sammeln, die Ziegeln trocknen, in den Steinbrüchen arbeiteten sie, keuchten unter Steinplatten, die hundert Pud wogen, legten Fundamente an, errichteten hohe, hohe Mauern. Fort, pack an! Um ein Haar hätte er mir das Tischtuch heruntergezerrt!" Ich bringe das Tischtuch in Ordnung, treibe den Hund aus dem Z mmer und den Kopf in beide Hände stützend, bitte ich: „Erzähle weiter, Großpapa." Und der Großpapa entfernt ein Stückchen Nußschale aus dem Mörser und fährt mit eintöniger, gedehnter Stimme zu erzählen fort. „Ja, ja... Und die Ziegeln bereiteten sie allein, und das Wasser zur Arbeit trugen sie aus demselben Fluß, in welchen tnan ihre Kinder warf... Man ertränkte unsere kleinen Lieblinge... Und man schlachtete sie auch, goß das unschuldige Blut in eine Wanne und in dieser Wanne badete Pharao... Sein ganzer Körper war bedeckt mit Blattern und Geschwüren und das Blut sollte ihm Heilung bringen. . . Und wir mittlerweile sammelten Stroh auf den Straßen, denn von der Regierung erhielten wir nicht ein einziges Bündchen... Und grausam war er, dieser Pharao,' der König von Egypten, — ich sage Dir, mein Sohn — schrecklich grausam! Denk' doch nur! Ein ganzes Volk verwandelte er in Lasttiere, in Parjas, die von Morgen bis zur Nacht Lehm kneten und Ziegel brennen nmßten... Und das ist noch nichts im Vergleich... Warte einen Augenblick, gib mir jenen roten Llpfel..." Und langsam schält Großpapa den Apfel, schneidet ihn in kleine Stückchen, wirst denselben in den Mörser und beginnt mit dem Stößel gewissenhaft umherzurühren.., „So sag ich denn", fuhr Großvüterchen fort, einige Tropfen Wein gießend, „so sag ich denn: Ziegel brennen, — mag sein, wie kann man aber die tägliche Lieferung einer bestimmten Zahl von Ziegeln an die Regierungsmagazine verlangen und kein Stroh zur Herstellung dieser Ziegeln geben?! Such' vor allem Stroh zusammen, auf den Straßen findest Du einen Halm, den zweiten, den dritten . . . Hast Du Stroh zur Genüge gesammelt, — so geh' den Lehm kneten. Ist der Lehm fertig, — rasch an die Ziegel!... Den älteren Sohn hat man zum Heer genommen, — muß man doch die lybischen und äthiopischen Völker für Egypten unterjochen; der zweite Sohn sitzt beim Ofen und brennt Ziegeln, den neugeborenen Säugling hat man im Nil ertränkt — und Du mit deiner kranken Frau marsch hinaus, Stroh auf der Straße zu sammeln! . .. Pharao ist als einer der mächtigsten Herrscher der damaligen Welt, Egypten als eines der reichsten Länder berühmt, das obendrein durch systematisch betriebene Unterjochung der Nachbarstämme seine Grenzen immer mehr erweitert; jeder Egypter lebt wie ein König, von der Arbeit seiner Sklaven, — und Du, Abkömmling von Joseph

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