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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-04-01 · 14 (1.4.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Blocb s Mocbenscbrift Seite 227 Groß Becskerek. (Vortrag im freien Lyzeum.) Im Pruuksaale der Bürgerschule hielt vergangenen Sonntag Dr. Moriz Klein einen Bortrag über „Aberglauben und Zauberei". Der so lehrreiche und interessante Vortrag erregte bis zum Schlüsse die Aufmerksamkeit des zahlreich erschienenen intelligenten Publikums. Der Vortrag selbst entwickelt ans Grund historischer Forschungen ein sehr interessantes Bild über die Geschichte des Aberglaubens, welcher auch schon dadurch an besonderer Wichtigkeit gewann, daß derselbe von einem solchen eklatanten Redner und Gelehrten, wie es Oberrabbiner Dr. Klein ist, zur Besprechung gelangte. Die dankbaren Zuhörer zollten auch dem Vortrage die beste und lobenswerteste Anerkennung. Hohenems. (D e k o r i e r n n g.) Am 22. März feint» im festlich geschmückten Schulhause der hiesigen israelitischen Kultnsgemeinde die lleberreichnng des silbernen Verdienstkreuzes mit der Krone an den Oberlehrer Herrn Moritz Federmann statt. Ein zahlreiches und vornehmes Publikum ans Hohenems und Umgebung hatte sich zu dem festlichen Akte eingesunden. Nach Vortrag eines Liedes durch den Synagogenchor hielt Herr k. k. Bezirkshauptmann v. Zigau eine ehrenvolle Ansprache an Herrn Oberlehrer Federmann, in der er dessen Verdienste in eingehender Weise würdigte, und heftete ihm sodann das Verdienstkrenz an die Brust. Herr Oberlehrer Federmann dankte tiesgerührt für die Auszeichnung durch Se. Majestät den Kaiser, der selbst das edelste Vorbild, der Pflichttreue, sei und schloß mit einem begeistert ausgeuommeneu „Hoch!" aus den Kaiser, an das sich die Absingung der Volkshymne schloß. Sodann hielt Herr Bezirksschulinspektor Ender eine sehr ehrenvolle Ansprache an den Gefeierten, den er als trefflichen Lehrer, Erzieher und Bürger würdigte. Herr k. k. Statthaltereirat Gras Schassgotsch sprach hieraus herzliche, anerkennende Worte namens des k. k. Landesschulrates, Herr Rabbiner Dr. Tänzer feierte den Jubilar auch namens des Lehrkörpers, woraus der jüngste Schüler, der kleine Paul Tänzer, ein Gedicht in ausgezeichneter Weise vortrug. Herr Kultusvorsteher Menz dankte sodann namens der Kultnsvorstehung, Herr Federmann desgleichen den erschienenen Gästen, womit die offizielle Feier ihren Abschluß fand. — Im Gasthose zur „Post" fand noch eine fröhliche Nachfeier statt, bei welcher eine größere Anzahl von Toasten gehalten wurde. Herr Dr. Tänzer erössnete diese mit einem begeisterten, stehend augehörten Trinksprnch aus Se. Majestät den Kaiser. Svorms Lebhaftes Interesse, so schreibt die „Wormser Zeitung", wird in weiten Kreisen die Ernennung des Gerichtsassessors May zum stellvertretenden Amtsrichter in Osthosen Hervorrufen. Mit dieser Ernennung fällt der Vorwurf, daß man in Hessen prinzipiell keine israelitischen Richter in Dienst stelle, in sich zusammen. Dresden. Der antisemitische Pfarrer Segnitz mußte jüngst infolge eines Eheskandals, in den er verwickelt war, sein Amt an der Annenkirche niederlegen. Nunmehr hat ihm die Disziplinarbehörde die Qualifikation abgesprochen, je wieder ein geistliches Amt zu übernehmen. Bei der letzten Reichstagswahl hatte der saubere Pfarrer als autisernitisch-kouservativer Kandidat sich um das Mandat Dresden-Altstadt beworben, mußte aber, eben um jenes Skandals willen, kurz vor den Wahltag zurücktreten. Feuilleton. Alle Rechte Vorbehalten Indische Knllurbildrr. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komäroiu. (Fortsetzung.) Auch noch ein zweitesmal hat dieser edle Mann aus schwerer Not mir geholfen. Als ich im ersten Semester, wo ich vorn Schulgelde noch nicht befreit werden konnte, trotz mehrmaliger Aufforderung nicht in der Lage war, dasselbe bezahlen zu können, da kam eines Tages der Direktor während der Schlilsiuude in die Klasse und wies mich hinaus. Weinend vor Scham und Leid nahm ich meine Bücher und ging nach Hause. Aus dem Wege begegnete mir der junge Glaser. „Warum weinen Sie, mein Kind?" kragte er mich. Ich erzählte ihm, was mir begegnet: er schüttelte den Kops, sagte nichts und ging weiter. Am anderen Tage ließ mir der Direktor durch einen Mitschüler sagen, ich möge nur wieder in die Schule kommen, das Schulgeld sei für das erste Semester bezahlt. Neben dem Gymnasium besuchte ich die Talmud-Vorlesungen des Landesrabbiuers. „Vorlesungen — das ist die richtige Bezeichnung für diese Vorträge, die so ganz anders geartet waren, als diejenigen, die ich bisher gehört hatte. Aus dem Katheder stehend, „las" er eine ganze Seile Talmud vor. „Und nun wollen wir Raschi „lesen" — und nun wollen wir Taussesaus „lesen", während wir gewohnt waren, nach jedem einzelnen Satze des Textes zu sehen, was Raschi „macht" und was Taussesaus „fragt". Es ist wahrscheinlich, daß ich viel zu wenig reis war, diese Art des „Lernens" zu würdigen, aber nach Rabbi Quetsch mit seiner wunderbaren Geistesgymnastik, mit seiner verblüffenden Gelehrsamkeit, mit der er die scheinbar schärfsten Gegensätze in harmonischen Einklang zu bringen wußte — dieses ruhige, nüchterne „L e f e n" ohne irgend eine Diskussion, ohne Einsprache und Gegenrede von Seiten der Hörer, und noch dazu — was ich schon gar nicht fassen konnte — ohne den hergebrachten Singsang beim Talmudlernen, den ich als conditio sine qua non betrachtete, das war mir so fremd, so eigenartig, so wenig packend, daß ich — Gott verzeihe es mir — so rechte Langeweile dabei hatte und herzlich froh war, wenn „die Stunde" vorüber war. Ganz gewiß lag die Schuld nur an mir. Hingegen war ich begeistert, wahrhaft berauscht von den Predigten, die der Landesrabbiner allsabbatlich von 9—10 Uhr hielt, nicht im Rahmen des Gottesdienstes, welcher erst nach der Predigt seinen Anfang nahm, sondern zu einer Zeit, wo es den Besuchern aller 12 Synagogen Nikolsbnrgs möglich war, in die „Altschul" zur Predigt zu kommen. Wer den Mann mit seinem durchgeistigten Gesichte, mit seinen großen, flammenden Augen aus der Kanzel sah, wer ihn hörte, wie sein mächtiges Wort bald dem dröhnenden Donner glich, so er den Hochmut und den dünkelhaften Stolz der Menschen beugen wollte, bald wie ein wuchtiger „Hammer, der Felsen zerschmettert", die Hartherzigkeit und die Selbstsucht traf, — bald sanft, melodisch, schmelzend klang, wie Harsenton aus Himmelssphären, wenn er den lindernden Balsam des religiösen Trostes in die blutenden Wunden des vom Schicksal Gebeugten träufelte: wer da sah, wie sein Auge sprühte, seine Gestalt stolz sich hob, wenn er von der Geschichte Israels, von seinen Propheten und Dichtern, seinen Weisen und Lehrern, seinen Helden und Märtyrern, seinen Kämpfen und Siegen sprach: wie sein Antlitz sich verklärte, wenn er mit gläubiger Scheu in die Zukunst den endlichen Sieg des Rechtes und des einen, reinen Gottesglanbens aus Erden verkündete: der mußte sich sagen: Wahrlich, ein Zauber ruht aus den Lippen dieses Rednersürsten: der mußte es anerkennen, daß er ein Gottbegnadeter sei, aus dessen Lippen der Engel der Beredsamkeit den Kuß der Weihe gedrückt, der von sich sagen konnte, wie der Prophet Jesaias: „Der Geist Gottes ruht aus mir, weil Gott mich geweiht, Heil zu künden". Ich habe die größten Meister der Rede, ich habe Mannheimer, Jellinek, Meisel gehört, aber Hirsch vereinigte in sich a l l d a s, was diese Männer anszeichnete. Mit Mannheimer teilte er die hinreißende Macht der Unmittelbarkeit und des heiligen Ernstes, mit Jellinek den Gedankenreichtum und die meisterhafte Auslegung und Anwendung der Schriftverse und der Agada, mit M e i s e l die tropischen Bilder und den dichterischen Schwung der Sprache.

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