Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 14 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 14 Dr. Jßlocb s Mocbenscbrm. Seite 231 wendig gewordene Neubauten im Kaiser Franz Josephs-Ferienheim erwachsen waren. Der vom Revisor Herrn Moriz Graf gegebene Revisionsbericht führte zur Erteilung des Absolutoriums. Nunmehr ergriff die Vize-Präsidentin des Vereines Frau Sofie Quittner das Wort, um namens des Vorstandes der Begründerin und Präsidentin des Vereines Frau Sofie Grünfeld innigen Dan? zu sagen, wobei sie der Generalversammlung den Beschluß des Vereinsvorstandes bekanntgab, im Vestibüle des Kaiser Franz Josephs-Ferienheim in Tischnowitz das von Künstlerhand in Marmor auszuführende Medaillonbildnis der verdienstvollen Präsidentin anbringen zu lassen. Diese Enunziation rief den lebhaftesten Beifall und die Zustimmung der Versammlung hervor. Der Vorstandsbeschluß, die Präsidentin Frau Sofie G r ü n f e l d zur E h r e n Präsidentin zu erwählen, konnte nicht zur Ausführung gebracht werden, da die Präsidentin diese Ehrung dankend ablehnte mit der Begründung, daß ihr das ersprießliche Zusammenwirken mit dem derzeitigen Vereinsvorstande genugsam zur Ehre gereiche. Namens des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde brachte Baurat R. v. G o l d s ch m i d t dem Vereinsvorstande Dank und Anerkennung für sein ersprießliches Wirken in schmeichelhaften Worten zum Ausdrucke. Die hieraus per Akklamation vorgenommenen Wahlen ergaben die Wiederwahl der ausscheidenden Funktionärinnen. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren: Wilhelm F r e y b e r g, Moriz Graf und Direktor Alois W e i s h u t. Die Vorsitzende unterbreitete den Beschluß des Vereinsvorstandes, die langjährige ehemalige Vizepräsidentin des Vereines Frau Julie F i a l l a zum Ehrenmitgliede zu ernennen, der Generalversammlung zur Genehmigung, die seitens der Anwesenden unter lebhafter Akklamation erteilt wurde. Nach den Wahlen hielt der Beirat des Vereines, Herr Dozent Dr. Julius Z a p p e r t, den angekündigten Vortrag: „Was leistet der Verein Ferienheim für das Studium schulhygienischer Fragen in Wien?" und sand mit seinen sehr interessanten Ausführungen warmen, dankbaren Beifall. Zum Schluffe ergriff Rabbiner Dr. David das Wort, um in geistvoller, launiger Rede das Verdienst der Frauen auf dem Gebiete der Humanität zu würdigen, und schloß mit einem warmen Appell an die Anwesenden, die eminent wohltätigen Bestrebungen dieses Vereines zu fördern. Auf den Tätigkeitsbericht des „Ferienheim" kommen wir in der nächsten Nummer unseres Blattes zurück. W-ien. (Bon der Modeausstellung.) Wenn den Arbeiten der Industriellen, die sich an der Wiener Modeausstellung beteiligt haben, allseits große Anerkennung ausgesprochen wird, so haben sie dies gewiß redlich verdient. Aber über dem Lob, das ihnen zuteil wird, sollte man doch auch nicht derer vergessen, die mühsam daran gearbeitet haben, um diese Kunstwerke des Geschmackes und der Nadel herzustellen, die vielleicht ihre Nächte haben opfern müssen, damit die Arbeiten rechtzeitig vollendet werden, in jedem Falle aber ihre ganze Kraft und Kunstfertigkeit darauf verwenden mußten, damit die Konzeptionen ihrer Arbeitgeber in bester Weise zur Ausführung gelangen: die Arbeiter und namentlich die Arbeiterinnen. Es soll demnach von all dem verdienten Lob für die Aussteller auch ein gebührend Teil aus diejenigen entfallen, die in schwerer und vielleicht nicht einmal sehr gut entlohnter Arbeit an der Ausstellung mitgewirkt haben, ohne daß man ihre Namen kennt und nennt. Und nur Lob? Sollte man für diese fleißigen Hände nicht noch etwas mehr tun können? In Wien besteht ein Verein, der es sich zur Aufgabe stellt, arme Arbeiterinnen der kräftigenden Wohltat eines Sommeraufenthaltes teilhaftig werden zu lassen. Allerding nur ein Verein, der „Frauenhort", dessen Gründerin und Präsidentin Frau Rosa Ziffer er ist. Es wäre wünschenswert, daß mehrere solcher Vereine bestünden, allein in Ermanglung derselben wäre es doch Pflicht wahrhaft sozial denkender Frauen und Männer, wenigstens diesen einen Verein mit allem Nachdruck zu unterstützen und ihn in die Lage zu versetzen, nicht blos sein humanitäres Werk in größerem Umfange fortzuführen, sondern daß sein Ziel, ein eigenes Arbeiterinnen-Erhdlungsheim, für welches die Bewilligung, dasselbe „Kaiser Franz Josephs-Arbeiterinnen-Erholungsheim" nennen zu dürfen, bereits erteilt ist, baldigst verwirklicht werden könne. Unwillkürlich wird jeder, der die Modeausstellung besucht, nicht blos der Aussteller, sondern auch der Hersteller der Arbeiten gedenken und dann wird ihm sein Gefühl sagen, daß er dem Wohlgefallen an der Ausstellung keinen besseren Ausdruck geben könne, als wenn er auch der Arbeiterinnen in deni von unS bezeichneten Sinne sich annimmt. Die Ausstellungskommission wird gewiß auch gern bereit sein, einen aliquoten Teil der Einnahmen oder etwa den Ertrag bestimmter Feste oder Empsangstage dein von uns bezeichneten Zwecke zuzuführen. Wien. (Antisemitische Exzesse.» In der kürzlich abgehaltenen Versammlung des Vereins zur Abwehr des ''Antisemitismus hielt der Sekretär der „Israelitischen Union" Herr S. Fleischer einen Vortrag über antisemitische Exzesse. Ter Vortragende betonte zunächst, daß der Zweck jeder bürgerlichen Gemeinschaft, die friedliche Entfaltung aller geistigen und materiellen Kräfte, nur erreicht werden könne, wenn die wichtigsten Rechtsgüter, die persönliche Freiheit, die Sicherheit der Ehre, des Lebens und des Eigentums, in vollem Maße geschützt erscheinen. Legt man diesen Rechtsschutz als Maßstab für die Kulturhöhe eines Gemeinwesens an, dann muß Oesterreich, in welchem gewalttätige Angriffe aus Hab und Gut, aus Leib und Leben, auf Freiheit und Ehre einzelner oder ganzer Bevölkerungsklassen nur zu häufige Erscheinungen sind, zu den kulturell weit rückständigen Staaten gerechnet werden. Redner bespricht im Verlause seiner Rede die lange Reihe antisemitischer Exzesse, deren Schauplatz Oesterreich in den letzten zehn Jahren gewesen ist. Seit dem Amtsantritte des Ministeriums Koerber sei es infoferne besser geworden, als die Regierung aufrichtig bemüht fei, alle ihr unterstehenden Organe zur strengen und unparteiischen Handhabung des Gesetzes anzuhalten und administrative Willkürakte zu verhindern. Unerläßlich für die Verhinderung künftiger Exzesse sei jedoch vor allem ein Hastpflichtgesetz, welches die Gemeinden und suppletorisch Land oder Staat verpflichtet, für den bei den Exzessen angerichteten Schaden, insoserne derselbe nicht durch das gerichtliche Urteil von den Exzedenten selbst hereingebracht werden kann. Ersatz zu leisten. Wien. (Kranke u-, Witwen- und W a i sen- Unterst ü tz u n g s v e r e i u rChesed schel e m e s“.) Am Sonntag den 13. März fand die 36. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines in den Saallokalitäten des Restaurant Guth unter zahlreichem Besuch der Mitglieder statt. Zu dieser Generalversammlung war auch Herr Daniel Simon als unterstützendes Mitglied des Vereines erschienen und wurde gelegentlich der Neuwahl der statutengemäß ausscheidenden Funktionäre vom Präses Herrn Siegfried Beer eingeladeu, in den Vorstand einzutreten. Herr Simon dankte in warmen Worten für die ihm zugedachte Ehre und sprach gleichzeitig sein lebhaftes Bedauern aus, ein Mandat nicht annehmen zu können, weil ihn seine Berufsgeschäste häufig von Wien fernhalten. Herr Simon betonte ferner, daß es ihn freue, einem Vereine als unterstützendes Mitglied anzugehören, welcher vermöge seiner eminent wohltätigen Tendenzen und durch sein bnmalutäres Wirken in der ersten Reihe der jüdischen Vereine stehe — einem Vereine, welcher durch Gründung eines Witwcnnnd Waisenfondes seinen Mitgliedern neuerlich eine nicht genug hoch zu veranschlagende Wohltat erweise, und versprach, den Verein auch fernerhin mit freudigem Herzen fördern zu wollen. Der Präses teilt nun der Generalversammlung mit, daß der Vorstand seinem langjährigen verdienten Mitgliede Herrn Wilhelm Fantl gelegentlich der Feier seines 70. Geburtstages als teilweise Anerkennung seines Wirkens ein Gruppenbild des Gesamtvorstandes zum Andenken an diese bedeutungsvolle Etappe überreicht habe, und spricht den Wunsch aus, Herr Fantl, welcher fett seinem mehr als 2-ftährigen Wirken im Vorstande noch keine einzige Sitzung versäumt habe, möge noch viele Jahre dem Vereine seine geschätzten Dienste in bester Gesundheit widmen können. Bei der nun folgenden Wahl wurden die ausscheidenden Herren: Siegfried Beer, Leopold Blaß, Ludwig Fried, Salomon Neufeld. Josef Neumann, Friedrich Reiß, Moritz Stärk, Leopold Weinwurm, Julius Wottitz per Akklamation wieder- und Herr Adolf Popper, Beamter der israelitischen Kultusgemeinde, ueugewählt. Bei der nach Schluß der Generalversammlung stattgefundenen vertraulichen Sitzung wurde beschlossen, auch Heuer — wie seit einer Reihe von Jahren — an arme Mitglieder Mazzos zur Verteilung zu bringen. Wien. (Verein zur Bekleidung armer alter Männer i s r. Konfession.) Samstag den 26. Mäitz, Uhr abends, fand in Sohr's Restauration die ordentliche Generalversammlung des Vereines zur Bekleidung armen alter Männer statt. Der verdienstvolle Obmann des Vereines Herr Isidor Schwarz eröffnete die Generalversammlung, begrüßte die erschienenen Mitglieder und Gäste und gedachte in herzlichen warmen Worten zweier verstorbener