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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-04-01 · 14 (1.4.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 220 Br. Mocb's MocbenscbrM. Nr. 14 entgeltlichen Arbeitsnachweis, Dr. Böla T a u s i g, kais. Rat Dr. Theodor Lieben samt Frau Gemahlin, die Vorsteher der Chewra-Kadischa S. Heit, S. Steiner, I. K a n n, A. Rosenbaum, die Rabbiner Dr. Bach, Dr. Dawid, Dr. Grunwald, die Vorsteher der Armenanstalt Julius Wolf, Joses Jellinek, Wilhelm Papenheim und M. A. P o l l a k, Gemeinderat Dr. Mittler samt Frau Gemahlin, der Präsident des Tempelvereines Josefftadt Heinrich Beck samt Frau Gemahlin, die Bethausvorsteher Stiaßny, Wasservogl, kais. Rat Wilhelm, der Armenrat und Tempelvorsteher vom XX. Bezirk Herr Adolf Schreiber und Herr Moriz Traube. Auch von Auswärts kamen Verehrer des Verblichenen,' um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Für den Verband der B'nei Brith- Vereinigungen in Oesterreich der Groß-Sekretär Adalbert S k a l l in Prag, für die „Moravia" in Brünn die Mitglieder Rosenthal und Troll er, für die „Philanthropia" in Reichenberg Herr Heinrich P o l l a k, für die „Praga" in Prag der gewesene Präsident Direktor Korner und G. P e r u tz. Nach Rezitierung der Trauerpsalmcn durch den Oberkantor der israelitischen Kultusgemeinde Josef Singer hielt Oberrabbiner Dr. G üd em a n n dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf. Er knüpfte an die Erzählung der heiligen Schrift an, daß der Hohepriester Aron den Tod zweier Söhne gottergeben und schweigend hinnahm, und fuhr fort: „Wenn wir also auch schweigend uns in die Tatsache fügen, daß Heinrich T e l t s ch e r nicht mehr lebt, so dürfen wir doch nicht verschweigen, daß und wie er gelebt hat. Der Dahingeschiedene gehörte nicht zu denen, die unsere Feinde uns jetzt auf das Kerbholz schneiden, weil sie das Judentum durch ihren Wandel verunehren, sondern er gereichte chm zur Ehre und zum Stolze. Man brauchte ihn nicht erst an das Judentum zu erinnern, sondern stets blieb er seiner eingedenk und betätigte es in seinem musterhaften Familienleben, in seiner rechtschaffenen Handlungsweise und in seiner unerschöpflichen Wohltätigkeit." Dann trat der I. Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Alfted Stern an die Bahre, um im Namen der Gemeinde dem Vorstandskollegen den Dank für sein segensreiches Wirken abzustatten. Ansprache des Vize-Präsidenten Dr. Alfred Stern an der Bahre des Vorstandsmitgliedes Heinrich Teltscher: „Wenige Monate ist es her, seit wir, die Mitglieder des israelitischen Kultusvorstandes, hier die Bahre eines lieben in jüngeren Jahren dahingeschiedenen Kollegen umstanden und wieder versammeln wir uns heute hier, um einem uns Allen teuren lieben Kollegen das letzte Geleite zu geben. Jung an Jahren ist er dahingegangen, jung an Alters-, auch jung an Dienstjahren; denn kaum zwei Jahre hat er dem Vorstande der Gemeinde angehört. Aber als er in unsere Mitte trat, als er seinen Platz an unserem Beratungstische nahm, da war er uns Allen längst kein Fremder. Wer in unserer jüdischen Gemeinde kannte nicht den Namen Heinrich Teltscher! Wem war es unbekannt, daß überall dort, wo in unserer Gemeinde Gutes und Nützliches zu schaffen, zu erhalten war, in unseren Kultus-Einrichtungen wie in unseren Wohltätigkeits- Instituten, Heinrich Teltscher, wenn der Ruf an ihn erging, dienstbereit zur Seite stand. Und so wußten und empfanden wir es im Kultusvorstande, daß der Mann, wann er das Wort ergriff, auf Grund reicher Erfahrungen, in voller Kenntnis der Sachlage und, einem guten, edlen Herzen, warmer Empfindung entquellend, seinen Ueberzeugungen Ausdruck gab. Und so hörten wir auf ihn, nicht selten folgend seinen Meinungen und Anschauungen, und entsandten ihn als Vertreter des Vorstandes in die hervorragendsten Wohltätigkeits-Institute unserer Gemeinde. Es ist uns herzensleid, wir klagen Leid um Dich, Du edler, treuer Glaubensbruder! Du warst uns Allen lieb und freundlich. Wir danken Dir für das, was Du für unsere Gemeinde getan! Wir bewahren Dein Angedenken! Es sei gesegnet!" Erschütternd wirkten auf die zahlreichen Teilnehmer die letzten Abschiedsgrüße, welche Prof. Dr. König st ein im Namen der Bnei Brith-Loge dem verewigten ehemaligen Präsidenten in die Gruft nachfendete. Sodann richtete Doktor Klemperer im Namen des Vereins für Arbeitsnachweis folgende Dankesworte an die Manen des Verblichenen: „Teuerer Freund! Namens des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis bringe ich Dir die von Trauer und Wehmut, aber auch von Dank erfüllten letzten Grüße. Du warst seit Beginn unseres Vereines unsere Stütze und vornehmste Säule, und wenn der Verein wohltätig gewirkt, so ist es zum großen Teile Dir zu danken. Du wirktest begeistert und begeisternd in unserer Mitte, Du fandest zu rechter Zeit das rechte Wort und setztest am rechten Ort die richtige Tat. Du begnügtest Dich nicht mit dem guten Willen, Du warst ein Mann der Tat, des edlen Wirkens. Deswegen ist der Gedanke furchtbar für uns, daß dieser Mann uns jählings entrissen wurde, unfaßbar, daß dieser edle Mann nicht mit uns und für uns wirkt. Man sagt, sein Herz sei krank gewesen; allein er hatte ein goldenes Herz und deshalb ist die Trauer um ihn eine wahre und echte und unsere Tränen, sie kommen uns von Herzen. Doch wir rufen mit dem Dichter: denn er war unser dieser stolze Ruf übertönt den gewaltigen Schmerz. Heinrich Teltscher war unser und bleibt unser, die Erinnerung an ihn bleibt lebendig in uns, er bleibt uns als leuchtendes Vorbild, als Heiliger wird er von uns verehrt werden. Dank Dir, Heinrich Teltscher, für Dein segenvolles Wirken bei uns, sowie bei den vielen Wohltätigkeitsanstalten. Heinrich Teltscher, Du guter, edler, Du bedeutender Mann, die Erde sei Dir leicht." Nun hat sich die Erde über Heinrich Teltscher geschlossen und das Wiener Judentum ist um eine schöne Hoffnung ärmer. Generalversammlung des „Kaiser Franz Josephs- Ferienheim". Im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeinde Wien wurde Montag den 28. v. M. bei überaus zahlreicher Beteiligung der Freunde und Gönner des Vereines „Ferienheim" unter dem Vorsitze der Vereinspräsidentin Frau Sofie Grünfeld dessen VI. ordentliche Generalversammlung abgehalten. Es waren anwesend: Als Vertreter des Kultusvorstandes die Herren: Baurat Ritter von Goldschmidt und Dr. Alfred Berger, die Delegierten des Israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines für den I. Bezirk Frau Dr. Maximilian Steiner, die Vertreterinnen des Israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines für den VI. und VII. Bezirk Frau Strauß und Frau Engel, des Vereines „Frauenhort" Frau Ziffer er und Frau Kopstein, des Israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines für den XVI. und XVII. Bezirk Frau Bach und Frau T r e b i t s ch, der Israelitischen Versorgungsanstalt Frau K o l i s ch, namens des Ausspeisungsvereines für den XVI. und XVII. Bezirk Herrn S ch i ck l e r, ferner die Präsidentin des Bundes österreichischer Frauenvereine Frau Marianne H a i n i s ch, die Herren Rev. Professor Hechler, Rabbiner Dr. David, der Herausgeber der „Oesterr. Wochenschrift" Dr. I. S. Bloch, Oberkantor Singer, Bezirksrat Melcher, Ortsschulrat Fuchs u. v. a. — Nach erfolgter Begrüßung der Anwesenden gab die Vorsitzende unter Hinweis auf die in Händen der Mitglieder befindlichen Jahresberichte in kurzen Zügen ein Bild der Ereignisse, die der Verein in den Jahren 1902 und 1903 zu verzeichnen hat, und brachte insbesondere allen jenen Persönlichkeiten und Korporationen, welche durch ihr Wohlwollen und ihre Opferwilligkeit dem Ferienheim die Ausübung seiner so segensreichen Tätigkeit ermöglichten, innigen Dank zum Ausdrucke. Die Schriftführerin des Vereines Frau Adele Zins trug hierauf den Bericht über die vom Vereine in den Berichtsjahren unterhaltenen Kolonien, vor, den die Versammlung mit lebhafter Befriedigung zur Kenntnis nahm. Dem Kassenberichte, der nunmehr von der Vereinskassierin Frau Martha Popper erstattet wurde, konnte man entnehmen, daß der Verein „Ferienheim" im letzten Jahre für seine Zwecke die ansehnliche Summe von rund K 33.000 und während des 12jährigen Bestandes insgesammt K 391.000 verausgabt hatte. Der Kassenbericht wies auf jene großen Auslagen hin, die dem Vereinen durch unbedingt not-

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