Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 14 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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<£eae 218 Dr. Llocb's Mlocbenscbrlrr. Rr. 14 L e i p; i fl, 7. Tezemb-.r 33. Sie autwoite» zwar liicfit, uu'rtefrcr Herr R-.'voliüioiis Hoirat: aber ich imü; doch wieder einmal a:i Sie schrei den. Ich lieft', Kourad und Sie befinde rr sich wieder wach.; Sanerlander') aus Aarau schrieb mir. Sie kränk ltcn. Eben habe ich Exp!, des 5. und <•. Bds. Ihrer Briefe erwischt, u»d gelacht und geflnchl und gewütet mit Ihnen. Glauben Sie wohl, das; selbst wir Mutigsten mitte» iui Jagdterrain so eingekoppelt, ewig genizelt und emgeichüchieit sind, das; ich auf den ersten Seiten Ihres Buches erschrak, bis ich wieder im Train von 1830 war. Wenn Sie sich de» ärgsten Begriff davon machen wie ei» Schriftsteller unserer Art jetzt in Deutschland dran ist, so ist esiosenfarben gegen den wirklichen Zustand. Lllan bindet uns im Dunkel» an den Pfahl, geißelt uns, stopft uns de» Mund und wen» sie nur an den Augen merke», daß wir inwendig »nickst», so werfe» sie uns aus der Stadt. Aber ich halte es für ei» Berdieust, ausiuhalte». damit doch eine Art Besatzung dableibt — meine» Sie nickt auch? Ich habe sogleich eine Anzeige Ibrer Briefe für mein Journal') gemacht, es ist u.:r zu fürchten. das; gar ferne irlaubt wird —- warum ließe» Sie nicht eine» deun'ckeu Dinckoi! darauf setzen: Mauuhei»! oder io etwas — Alles von Paris Datierte ist unbesehe» verboten, und was verboten ^st, darf gar ii'ckt erwälnit werde». Es ist wie in de» spanischen Stücke» mit i>a» König, seine Richtigkeit ist außer Frage wie die Luft. Ich hwe diplomatisiert, denn nur ein Wort Lob wir) nicht geduldet, und gesagt, Ihre Bücher seien keine Bücher, sondere politische Taten, die hätte ich als literarischer Kritiker nicht;u loben und zu tadeln, nur die Farm ihrer Erschcinui g ginge mich an und Sie seien nicht alt geworden, Ihr Humor, Ihre Satire seien frischer denn je :c - Sehen Sie denn die Elegante bei Galigiian? Kaum wird ein anderes Journal ein Wort über Sie sagen soweit sind wir. Daun Hab' ich das Urteil über Heine ansgezogen, da außer dem Dramaturgischen Alles von Politik strotzt, Sie können sich nicht die Strümpfe ausziehen, ohne auf einen Fürsten zu fluchen, sich nicht barbieren lassen, ohne an Karl II. von Engelland zu denken. Ich weiß nicht, ob Sie „Polen" von mir und meine „politischen Briefe", meine Jugendarbeiten (Neues Jahrhundert 2 Bde ) bekommen baden. Ich fürchte, sie haben Ihnen nicht gefallen. Sollten Sie das zweite nicht haben, so würde mir's sehr leid tun, da es durch seinen Inhalt und die vielfache Besprechung Börne's Ihnen eigentlich dediziert ist. Hier schicke ich Jhncu ei» neues, die Revolution in seidenen Strümpfen, unter den Mädchen in den Familien. Troxelh wird's Ihnen geben. Regt es Sie an. etwas darüber zu sagen, mit so baffer für mich, ich liebe auch de» Tadel, und das ist keine Redensart. Gefalle ich Ihnen hie und da. freut mich's doppelt. Ich möchte Sie vor Herrn Spazier, einem renommiftifchen Septembiisieier, warnen, der jetzt in Paris ist, wenn es nicht immer etwas Klatschhaftes an sich hätte, zu warnen. Er hat keinen Teil an unserer Freude, denn er liebt nur sich und hat uns viel schlechte Streiche gespielt. Vielleicht hat Ihnen auch Campe davon gesagt. Doch wozu das? Sie werde»'» selber scheu, wenn Sie ihn sehen. Um etwas für die Elegante darf ich Sie wohl nicht mehr bitten, da Sie mchr dazukommen: aber ich meine, es müsse angenehm sein, mit dem. was Einem eine Kleinigkeit ist. große Freude zu machen. So zum Bei'piel ein paar französische Poiträls. Aber ich will nicht bitten, Sie haben wir schon -o viel gegeben, denn ick habe von keinem Menschen so viel gelernt als von Ihnen. Möge es Ihnen wohl dafür ergehen, ich wünsche es von Herzen. Adresse: Ihr H Laube. Herrn Dr. Ludwig Börne, Rne Go^ot Nr. 1. Diese 2 Briefe sind aus dem soeben erschienenen fleißigen und glehrten kleinen Schristchen, das uns der bekannte Börnervrscher Dr. M. Holzmann unter dem Titel: „Ans dem Lager Bar Goethegegner" mit einem Anhänge: Ungcdrucktcs von uns an Börne, Berlin W. 35, B. Behr's Verlag 1904. 3.50 Mk., geschenkt hat, entnommen. Wir haben diese interessanten Briefe ganz wiedergegeben und möchten bei dieser Gelegenheit aus das Schristchen aufmerksam machen. ES ist bis jetzt viel über die Gegnerschaft Börne's zu Goethe geschrieben worden. Brandes sowie Lublinski haben bereits dieselben in ihren literarischen Werken zusammengestellt. Was uns aber die Schrift Hvlzmann's wert macht, ist seine Zusammenstellung von Börne's Aeußernngen über Goethe mit den Aeußernngen anderer berühmter Gegner- Goethe's jener Zeit. Wir lernen daraus die Stärke des Charakters Börne's kennen, daß er sich von der Genialität Goethe's, die er nicht anerkannt hat, nicht abschrecken ließ, wenn es galt, nach seiner Ucberzeuguug, gegen den Charakter und gegen den Menschen Goethe zu kämpfen. Wir sehen den Unterschied Börne's von seinen ') Ter bekannte ans Frankfurt am Main gebürtige Aaranec Verleger und Freund Heinrich Zschokke's, Heinrich Remig ns Sauerländer. *) „Zeitung für die elegante Welt". 3) Christian August Tiaxel, bekannt unter seinem Schriflstellernani'n Viktor Len;, gestorben 12. Oktober 1>39 in Mannheim. Zeitgenossen, die sich sogar erfrechten, Goethe's Gedichte nmzuarbeiten oder wie der Vater der alldeutschen Literatur Wenzel Pustknchen abschreibt, ohne die Quelle anzngeben, um Goethe's literarischer Tätigkeit Hiebe zu versetzen. Mit einein Worte: Der Leser wird viel Interessantes und Erregendes in diesem kleinen Schristchen finden, worauf wir aus Raummangel hier nicht einmal Hinweisen können. Er möge daher das Büchlein selbst zur Hand nehmen, er wird es nicht bereuen. In keiner jüdischen Bibliothek soll dieses Büchlein fehlen. Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Kultnsvorftaudes vom 27. Marz 1904, unter dem Vorsitze des I. Vize-Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags. Vor Beginn der Sitzung ergreift der Vorsitzende das Wort zu nachfolgender Ansprache: Wieder ist eines der jüngeren Mitglieder unseres Vorstandes aus dem Leben geschieden, Heinrich Teltscher, ein Mann, von dem man sagen konnte, daß er hier und überall nur Freunde, hatte. Obgleich der Verewigte nur kurze Zeit unserem Kollegium angehörte, hat er in uns die Heber,zeugung gefestigt, daß jedes seiner Worte, geschöpft aus dem Schatze seiner reichen Erfahrungen, wahr und aufrichtig geN'esen ist. Durch seine Hingebung für das Wohl der Gemeinde, seine Betätigung bei einer Reihe von Wohltätigkeits-Anstalten, durch die Lauterkeit seines Charakters, durch seine Pflichttreue wäre er geradezu prädestiniert gewesen, einst eine führende Stelle einznnehmen. Wir werden dem Verewigten, einem der Besten unserer Gemeinde, ein unvergängliches Andenken bewahren! — Der Vorsitzende ersucht die Versammlung, welche den Nachruf stehend angehört hatte, um die Genehmigung, diese Trauerkundgebung dem Protokolle cinzuverleiben und der Familie des Verewigten hievon Mitteilung zu machen. (Zustimmung.) Im Präsidialberichte erwähnt der Vorsitzende der in den letzten Tagen abgchaltenen Feierlichkeiten anläßlich des 100. Geburtstages des unvergeßlichen Altmeisters Oberkantor Salomvn Snlzer und hebt insbesondere die Gottesdienste hervor, welche in den beiden Gemeindetempeln Stadt und Leopoldstadt stattgesunden haben. Die musterhaften gesanglichen Leistungen, die geradezu hervorragenden Reden, welche bei diesem Anlasse gehalten wurden, trugen dazu bei, daß die Feier allen Anwesenden in dauernder Erinnerung bleiben wird. Die Bedeutsamkeit der Feier wurde erhöht durch die verbreitete Schrift eines unbenannten Verfassers, in welcher nebst der Würdigung Sulzer's auch dargetan lvird, wie der Vorstand der damals kleinen Gemeinde Wien bahnbrechend auf dem Gebiete des Gottesdienstes und der Liturgie gewirkt hat. — Weiters gibt der Vorsitzende bekannt, das; zur bleibenden Erinnerung dieser Säcularseier in der Vorhalle des Stadttempels — gegenüber der Tafel für unseren unvergeßlichen Lehrer Mannheimer -— eine Gedenktafel angebracht wurde. So ist in Sang, Rede und Schrift und auch im Stein das Andenken Sulzer's geehrt, verherrlicht und auch kommenden Generationen bewahrt worden. Redner ist der Zustimmung der Versammlung gewiß, wenn er allen bei den Feierlichkeiten für Snlzer beteiligten bekannten Personen, ferner dem unbenauntcn Verfasser der geradezu ausgezeichneten Broschüre den Dank des Vorstandes zum Ausdrucke bringt. An Spenden werden bekanntgegeben: Von Herrn Leopold Trebitsch als letztwillige Verfügung des seligen Herrn Sigmund Trebitsch für Arme jüdischer Konfession . - - K 2000.— Von Frau Rosalie Goldschmidt anläßlich des Sterbegedächtnistages ihres seligen Gatten Herrn Karl Goldschmidt: Zur Verrichtung des Kadischgebetes und Kosten des Seelenlichtes . . -.K 50.— Zur Verteilung an jüdische Arme am Jahrzeittage „ 200.— Für beit Handlnngs-Krankenverein 200 —