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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-25 · 13 (25.3.1904) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Blocb s MoebenscbrM. Seite 209 Versammlung bewies, durchaus den besseren Ständen angehören. Viele der Mitglieder haben sich zum Worte gemeldet und haben in anerkennender Weise die Verdienste der Vereinsleitung rühmend hervorgehoben. In den Vorstand wurden wiedergewählt die Damen: Laura Goldschmidt, Bertha Antal, Dr. Fanny Rappaport, Josefine Tischler, Jda Figdor, Jlka Reiß, Szerene Löwy, Dr. Bertha Hopfinger, Dr. Ella Neufeld, Dr. Jenny Finkler, Käthe Teichtner, Hermine Gerber, Jeanette Abeles, Adele Lewie, Ernestine März, Klara Borger und Anna Kolieb. Neugewählt wurden die Damen: Kaiserl. Rat Wilhelm, Dr. Julie Eisenstädter und Paula Alt. Es wurden ferner die Herren Berthold Figdor und Siegfried Lewie als Revisoren, und die Herren Dr. Salo Rappaport, Dr. Jos. Finkler, G. Marburg und Ignatz Stern als Beiräte gewühlt. Der Verein „Zuflucht", der das eminent praktische Ziel verfolgt, in Not geratenen oder gefährdeten Existenzen wieder aufzuhelfen, und, wie dem Jahresbericht zu entnehmen ist, auf diesem Gebiete auch Hervorragendes bereits geleistet hat, verdient demnach die weitgehendste Förderung. Wien. Sonntag den 20. d. M. fand im israelitischen Tempel Simmering die Trauung des Herrn Wilhelm Enge l, Neffe des allgemein geachteten Herrn Hermann Enge l, mit Fräulein Jenny B a ch u s statt. Die Trauungsrede hielt Herr Rabbiner Dr. Abeles. Wien. (Trauung.) Am 20. v. M. fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräulein Gabriele Horner, Tochter des seligen Herrn David Horner, Schwester des Herrn Emil Horner, Prokurist des Hauses Rothschild, Borsteher der israelitischen Kultusgeuiemde, mit Herrn Hugo Schwarz, Oberbeamter der k. k. priv. Depositenbank, statt. Eine große Anzahl von Gästen aus den distinguirtesten Kreis n der Wiener Gesellschaft, unter denen man auch den Reichsratsabgeordneten Herrn N o s k e bemerkte, war in dem schönen hellerleuchteten Gotteshause erschienen. Rabbiner Dr. Gelbhaus hielt eine sehr erhebende Traurede. Oberkantor Kläger trug unter Orgel- und Chorbegleitung die Gesänge in Vorzüglicher Weise vor Wien. Der Bethausvorstand hat in seiner am 15. d. M. stattgehabten Sitzung beschlossen, am ersten Tage des Pessachfestes, d. i. Donnerstag den 31. März d. I., aus Anlaß der Wiederkehr des 100. Geburtstages des verewigten Oberkantors Salomon Sulzer im Kultustempel Ottakring einen Festgottesdienst zu veranstalten. Wien. („Kaiser Franz Josephs-Ferienheim.") Im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, II. Stock, findet Montag den 28. Mäi^ 1904, 6 Uhr abends, die VI. ordentliche Generalversammlung des „Kaiser Franz Joseph-Ferienheim" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Erstattung des Jahresberichtes pro 1902 und 1903. 2. Kassabericht und Rechnungsabschluß. 3. Revisionsbericht. 4. Ergänzungswahlen in den Vorstand. 5. Wahl von 3 Revisoren und Skrutatoren. 6. Vortrag des Herrn Universitäts- Dozenten Dr. Zappert. Wien. Vergangenen Samstag fand im Bethause „Llontetiors“ die feierliche Einweihung einer neuen Thorarolle, welche über Anregung des Vorstandsmitgliedes Herrn Jakob Sputz von wohltätigen Frauen gespendet wurde, statt. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. Rosen selb. Abends fand im Restaurant Herlinger ein Bankett statt, bei welchem die Obmänner I. A. Wasservogl, Josef Pollak und Herr Dr. L. Brady und Jakob Pollak Reden hielten. . Wien. Im Löth-Uamiäraseh „Ohel Abraham“, IX., Grüne Thorgasse 28, wird Se. Ehrwürden Herr Rabbiner I. L. Abeles am Samstag den 26. März und Donnerstag den 7. April um 7.8 Uhr früh, ferner am Freitag den 1. April 7*8 Uhr Früh Herr Dr. F. Freidman einen Vortrag halten. Auch wird Herr Doktor F. Freidman am Mitwoch den 30. April 7 Uhr früh Sium ahhalten. Hohenems. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde beging das Gedächtnis SalomonSulzer's, der hier am 18. März 1804 geboren wurde, am Samstag den 19. d. M. durch eine von unserem Rabbiner Herrn Dr. Tänzer gehaltene Predigt, in der er sowohl Salomon Sulzer's Bedeutung für das Judentum, wie den grundlegenden Einfluß, den Hohenems zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Sulzer übte, darlegte. Die Sulzerbiographien, soweit sie Sulzer's Vorfahren oder seine eigene Lebensgeschichte bis 1826 behandeln, enthalten zahllose Jrrtümer. Die erste authentische Biographie Salomon Sulzer's enthält der 2. Bd. (15. Cap.) der in wenigen Wochen erscheinenden „Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg" von Rabbiner Dr. Tänzer und von der auch die Auszüge für die Sulzer-Biographie in der „Jewish Encyelopetlia" gemacht wurden. Neutitsch ein In eine der achtbarsten Familien unserer Gemeinde ist leider Trauer und Schmerz einpezogen. Der überaus talentierte Sohn unseres Knltnsvorstandsmitgliedes Herrn Jakob Allerhand, Oskar Allerhand, ist einem tückischen Scharlach erlegen. Derselbe war Hörer des III. Jahrganges der höheren Lehranstalt für Textilindustrie an der k. k. Staatsgewerbeschnle in Brünn. Tiefe Wehmut beschleicht Jeden, der diesen eminent veranlagten Studenten kannte, der Borzugsichüler in allen Klassen von Anfang bis zu Ende war. Genau an dem Tage, da er sonst zum Semesterschluß in die geliebte Heimat zuriickkehrte. am 14. Februar, ging er in die ewige Heimat ei». Mögen seine trauernden Eltern im Hinblick auf ihre anderen trefflichen Kinder Trost finden! Berlin. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hat am 11. d. M. Frau Dr. Helene Herrmann, der jüngste weibliche Doktor der Berliner Universität, einen sehr interessanten Vortrag über Heine's „Hebräische Melodien" gehalten. Die Grundstimmung des Dichters, sein beständiges Schivankeu zwischen Sensualismus und Spiritualismus, seine Quellen — namentlich Sachs, Jost und Basnage — und seine Kunstmittel wurden sachlich und gediegen erörtert. Das außerordentlich zahlreich versammelte Publikum spendete dem Vortrage lebhaften Beifall. Feuilleton. Alle Rechte Vorbehalten. Jüdische Knllnrbilder. Bon Dr. Armin Schnitzen, Oberrabbiner in Komärom. (Fortsetzung.) Und darum galt H i r s ch, der einige Jahre später der Begründer der starrsten intransingenten Orthodoxie in Deutschland wurde, zur damaligen Zeit in Nikolsburg als Reformer. Es war eben der Kampf der alten, untergehenden Zeit mit der neuen, die eben zu dämmern begann. Er verfaßte eine Synagogenordnung, in welcher er den Gottesdienst bis ins kleinste Detail regelte. Diese Synagogenordnung, welche in der Vorhalle aller jüdischen Bethäuser Mährens und Schlesiens affichiert wurde, war der Geßlerhut, vor dem die Rabbiner der Gemeinden in stillem, ohnmächtigem Grimme die Reverenz machen mußten. Er führte die Trauung im Tempel und die Trauungsrede ein, was bis dahin nirgends war und was bekanntlich die Orthodoxie Ungarns heute noch perhorresziert und als schwere Sünde bezeichnet. Hingegen aber drang er darauf, daß bei einer Trauung die Frauen, mit Ausnahme der 2 Brautführerinnen, auf der Frauengalerie Platz nehmen müßten: und als einmal, seinem Verbote entgegen, einige Frauen dennoch in den für Männer bestimmten Raum eindrangen, da unterbrach er seine Rede und wies sie mit strengen Worten hinaus. Als ich einen Tag nach meiner Ankunft mich dem Landesrabbiner vorstellte, fand ich dort zwei Talmudjünger — u nbedeckten Hauptes vor ihm stehen und rasch riß ich meinen Hut vom Kopfe. Das war für mich etwas Ungeheuerliches, Unfaßbares! Bor dem Rabbi b l o ß k ö p f i g stehen! Ich fühlte es, daß nun ein Riß durch mein Leben ging, daß ich von diesem Momente an aufgehört hatte — ein Hunsdorfer zu sein. Wenn das mein Großvater gesehen hätte, daß sein Enkel vor dem „Rebbe" „porhapedik" (barhaupt) steht! E r, der eine Schlafhaube, darüber ein rundes Sammtkäppchen und darauf einen dreieckigen Hut trug! Aber Hunsdorf war weit und der Großvater begraben und ich fügte mich willig ohne Klagen und Jammern in die neue Zeit.

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