Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 13 (25.3.1904)
- Date
- 1904-03-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 208 Dr. Llocb's Mocbenscbritt. Nr. 13 ©erlitt.*) Am 14. März beging hier Frau Lina Morgenstern, die Veteranin der deutschen Frauenbewegung und einstige eifrige Vorkämpferin für Frauenbitdung und Frauenrechte, mit ihrem Gatten Theodor Morgenstern das Fest der goldenen Hochzeit. Lina Bauer, geboren am 25. November 18 0 in Breslau, vermählte sich am 14. März 1854 mit dem Kaufmann Morgenstern. Das Paar übersiedelte bald nach Berlin, wo die junge Frau eine segensreiche Tätigkeit auf dem Gebiete der Frauenbewegung und ganz besonders für humanitäre und sanitäre Einrichtungen zu entfalten begonnen; z. B. verschaffte sie den Frobel'schen Kindergärten Eingang und Verbreitung in Berlin, rief den Kinderschutzvern ins Leben und begründete den Berliner Hausfrauenverein. Ihr Hauptwerk sind jedoch bis zur Stunde die von ihr 1866 geschaffenen Berliner Volksküchen geblieben, deren vortreffliche Organisation bald in vielen anderen großen Städten begeisterte Nachahmung fand. In den Kriegsjahren >870/71 widmete sie sich mit hingebungsvollem Elser der Speisung der durch Berlin ziehenden Truppen, von ihrem Gatten lebhaft unterstützt, wie dieser überhaupt ihr stets bei ihren Bestrebungen nicht nur anteilnehmend, sondern helfend und fördernd zur Seite gestanden hat. Während ihr Gatke damals den Kronenorden erhielt, wurden ihr für die Gründung der zum Wähle der notleidenden Volksschichten der Reichshauptstadt so segensreichen Volksküchen, welche die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zogen, zahlreiche Anerkennungen und Auszeichnungen zuteil, wie das Elserne Verdienstkreuz für Frauen und die Angusta-Medaille. Mit der «Deutschen Hausfrauen-Zeitung", die sie noch heute leitet, hat sie sich 1874 das Verdienst erworben, die erste deutsche Frauenzeitung dieser Art, kein Modeblatt, ins Leben gerufen zu haben. Ihr Gatte übernahm den Verlag, den er erst zu Anfang dieses Jahres in die Hand einer jüngeren Kraft gelegt hat. Die überaus glückliche Ehe des Paares wurde mit zwei Söhnen und drei Töchtern gesegnet, von denen jedoch zwei Töchter in die Ewigkeit hinübergegangen sind. Da der im 77. Lebensjahre stehende Jubilar seit einiger Zeit leidend ist, mußten die zahlreichen Freunde und Verehrer des in weit sten Kreisen hochgeschätzten Paares verzichten, demselben an dem seltenen Feste rauschende Ovationen darzubringen R. N. Karlsruhe (Errichtung einer Wanderbibliothek.) Der Großherzogliche Oberrat der Israeliten hat an die Rabbinate, Synagogenräte und Religionslehrer nachstehende Mitteilung gerichtet: „In manchen größeren israelitischen Gemeinden bestehen Bibliotheken für Erwachsene und für die Jugend, die bei geeigneter Auswahl der Bücher und fleißiger Benützung einen wohltätigen Einfluß auszuüben vermögen. Mittlere und kleinere israelitische Gemeinden werden jedoch nur ausnahmsweise in der Lage sein, derartige Bibliotheken anzulegen und das Jntereffe daran durch Neuanschaffungen lebendig zu erhalten. Um auch solchen Gemeinden die Vorteile einer guten Büchersammlung zugänglich zu machen, haben wir die Errichtung einer Wanderbibliothek beschlossen, in der belehrende und unterhaltende Bücher und Schriften für Erwachsene und für die Jugend, sowie allgemein bildender Art, als auch besonders Erzählungen aus der jüdischen Geschichte und aus dem jüdischen Familienleben enthaltend, ihren Platz finden sollen. Diese Wanderbibliothek wird vorerst 10 Serien (Abteilungen zu je 25 Werken) umfassen, die von hier aus an zehn Gemeinden zur Benützung während eines halben Jahres versendet werden. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt die Rücksendung an die hiesige Zentralstelle, die die Wicdervcrsendung in der Weise vornimmt, daß jeder Gemeinde eine andere als die bisher benutzte Serie zugeht. .Vorbedingung ist, daß in der Gemeinde der Rabbiner, der Lehrer oder eine sonstige geeignete Persönlichkeit das Amt des Bibliothekars übernimmt. Die Synagogenräte der Gemeinden, die in den Turnus der Wanderbibliothek einbezogen zu werden wünschen, mögen sich unter Bezeichnung des in Aussicht genommenen Bibliothekars binnen vier Wochen bei uns melden." Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler hielt am Samstag in der Frankfurt-Loge unter Vorsitz von Eh. Hallgarten chre zweite ordentliche Hauptversammlung ab. Die Mitgliederzahl ist gestiegen. Im abgelaufenen Jahr wurde im Notizblatt Nr. 2 ein reichillustriertes Doppelheft der Mitteilungen über Kultusgegenstände in Synagoge und Haus herausgegeben. Der Verein bedarf größerer Beträge und Zuschüsse, um feine Ziele fördern zu können. Man will übrigens dem Gedanken nähertreten, die bereits erivorbene Sammlung von Photographien, Aquarellen, Kupferstichen, Radierungen, Holzschnitten, Büchern, Pergamentmanuskripten und Originalgegen¬ *) Eine Biographie Lina Morgenstern's brachten wir anläßlich ihres 70. Geburtstages. ständen zu einer Ausstellung zu vereinigen. Direktor Frauberge r—Düsseldorf hat durch wiederholte Reisen nach Paris, Brüssel, London, Amsterdam, Wien, Budapest, Prag, Dresden, Berlin, München, Straßburg und Basel einen Ueberblick über die Fortschritte der Gesellschaft gewonnen. Sein Bericht brachte interessante Einzelheiten. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 4320 Mk. und eine Ausgabe von 4356 Mk. auf; der Kassenvorrat betrug Ende vorigen Jahres 2896 Mk. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra - Kadischa Wien, I>, Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Sofie Prager: Von Bernhard Pollak K 50. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Rudolf P e r g e r : Von Ignaz Wolf K 20.—, Dr. Friedrich Silberstein K 20.—, Ludw. Schulz K 40.—, Gustav Schulz K 30.—, Eduard Friedenstein K 10.—, Ing. Sig. Reisner L 10.—, kais. Rat Karl Duschnitz K. 30.—, Oskar und Richard Grünblatt K 20.-. Zusammen K 180.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Sigmund Tr e bi tsch: Von Salo Landau L 10.-, Adolf Jellinek K 20.—. Zusammen K 30.-. An'äßlich des Ablebens des sel. Herrn Jakob Mayer: Von Frau A. Goldschmidt K 20.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Sigmund K o l i s ch : Von Rudolf Köser und W. Möller K H'.—. Statt eines Kranzes auf die Gruft weil. Ignaz L u st i g: Von Frau M. L. K 10.—. Wien. Der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" veranstaltet Dienstag den 29. März a. c. um 7 7* Uhr im Saale des Wissenschaftlichen Klub, I., Eschenbachgasse Nr. 9 einen Vortragsabend, u. zw. wird Herr Siegfried Fleischer über „Antisemitische Exzesse" sprechen. Wien. (S ch ö n l a t e r n - B e t h a u s.) Samstag den 26. März beginnt der Morgen-Gottesdienst, bei welchem Se. Ehrwürden Herr Gemeinderabbiner Dr. Feuchtwang eine ntm halten wird, um 8 Uhr. Wien. Der unter dem Protektorate Ihrer Exzellenz der Frau Gräfin Anastasia Kielmansegg stehende Verein „Zwanglos" veranstaltet Samstag, den 26. März 1904, Abends halb 8 Uhr im Raimundtheater eine Vorstellung, aufgeführt vom Ensemble des Raimundtheaters, und zwar „Drei Paar Schuhe". Lebensbild von Alois Berla, Musik von Karl Millöcker. Frau Hansi Niese-Jarno spielt die Rolle der Leni, Herr Willy Thaller die Rolle des Julius von Nachtfalter. Das Reinerträgnis stießt dem Humanitären Zwecke des Vereines zur Bekleidung armer Schulkinder zu. Karten sind im Raimundtheater und bei den übrigen Verkaufsstellen erhältlich. Wien. Sonntag, den 27. März veranstaltet der Verein jüdischer Mädchen „Hadassa" einen Vortragsnachmittag. Herr I. W. Marmorek wird über: „Etwas Jurisprudenz" sprechen. Der Vortrag findet Türkenstraße 9, im Kongreßbureau, um halb 4 Uhr statt. Gäste herzlich willkommen. Wien. (I. Wiener jüdischer Turnverein.) Das heurige Schauturnen findet Samstag den 26. März im Ballsaal Ronacher mit folgendem Programme statt: 1. Freiübungen. 2. Stabübungen der Damenabteilung. 3. Keulenreigen. 4. Allgemeines Geräteturnen. 6. Sektionsturnen an drei Barren. Beginn prözUe 9 Uhr. An das Schauturnen schließt sich ein Tanzkränzchen an. Karten ä K 2.— sind erhältlich: am Turnplätze Mölkerbastei 5 und zwar Montag und Donnerstag von halb 8 bis 10 Uhr; bei allen Komitee-Mitgliedern; im Cafe de France, I., Schottenring, und an der Abendkasse. Wien. Der Verein „Tesilas-Hanorim" (Jugendandacht) veranstaltet am bevorstehenden Pessach-Feste im Bethause des „Bet- Hamidrasch", II. Tempelgasse Nr. 3, einen Gottesdienst für die Jugend, welcher an folgenden Tagen stattfinden wird: Mittwoch den 30. März abends V,7 Uhr, Donnerstag den 31 März morgens 8 Uhr und abends */47 Uhr, Freitag den 1. April morgens 8 Uhr; ferner Dienstag den 5. April abends 3/47 Uhr, Mittwoch den 6. April morgens 8 Uhr und abends 7/7 Uhr, Donnerstag den 7. April morgens 6 Uhr. Wien. (JüdischerFrauen-Wohltätigkeitsverein „Z u f l u ch t".) Im „Hotel Guth" fand am 19. d. M. die 3. ordentliche Generalversammlung dieses Humanitären Vereines statt und nahm einen würdigen Verlauf. Der junge Verein hat es merkwürdigerweise in kurzer Zeit zustande gebracht, ein bedeutender Faktor in der Armenpflege Wiens zu werden. Er zählt jetzt laut Jahresbericht bei 1200 Mitglieder, die, wie die