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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-25 · 13 (25.3.1904) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Mocb's MocbenscbrM, Sette 207 Holzschnitzereien,. als auch die Seiden- und Goldstickereien ein, von welch' letzteren ein großer Teil bereits angekanft ist. Wohlverdiente Anerkennung finden die bereits für den Export ins Ausland geeigneten Produkte des Weinbaues und der Orangerien und werden speziell die ausgestellten Medizinalweine von Aerzten und Apothekern als vorzüglich geeignet, sowie als preiswürdig anerkannt. Der eigentliche Zweck dieser Ausstellung, das Interesse für Palästina, für seine Kolonisation, sowie für die zum Export nach Europa geeigneten Artikel zu Wecken, dürfte sohin mit dieser Ausstellung erreicht werden, und empfiehlt es sich daher, die Gelegenheit, einen Einblick in den heutigen Stand der Kolonisationsbewegung zu gewinnen, nicht vorübergehen zu lassen. Sollte diese Ausstellung außerdem den Anlaß bieten, in Oesterreich alle Freunde der Kolonisation Palästinas und deren Förderung zu gemeinsamer, tatkräftiger Arbeit aufzurufen und zusammenzuschließen, so wäre der bedeutende Aufwand an Mitteln und Arbeit von herrlichstem Erfolge gekrönt. Wien. Der „M äd ch e n - u n t e r st ü tzu n g s -V e r ei n" versendet soeben seinen siebenunddreißig st en Jahresbericht. Der Verein ist neben dem Frauen-Erwerb-Vereine, mit dem er gleichzeitig gegründet tvurde, der erste Verein in Wien, welcher sich die Erwerbsfähigkeit und wirtschaftliche Selbständigkeit der weiblichen Jugend zur Aufgabe gestellt hat. Er unterhält große Schulen — Fortbildungsschule für der Bürgerschule entwachsene Mädchen, einen Handels-Lehrkurs, Arbeitsschulen mit Abteilungen für Wäschezuschneiden und Weißnähen, Maschinnähen, Schnittzeichnen und Kleidermachen, Weiß- und Kunststickerei, welche sämtlich im abgelaufenen Jahre bis auf das letzte Plätzchen gefüllt waren. Der Unterricht wird von 20 Lehrkräften erteilt; er ist in allen Abteilungen unentgeltlich. Den Besucherinnen der Arbeitsschulen wird das Material beigestellt. Die bedürftigsten Schützlinge werden mit Mittagskost und Kleidung versehen, auch hat der Verein im letzten Sommer für Schulbäder gesorgt. .Die vieler Orten angestrebte Institution des Schularztes wurde schon vor einigen Jahren verwirklicht; als solcher fungiert Dr. Rudolf Neurath. Hals-, nasen- und ohrenleidende Schülerinnen behandelt Dr. Hugo Frey. Zahnarzt der Schulen ist Dr. S. Singer. Das Lehrziel haben im letzten Schuljahre 163 Mädchen erreicht. Den absolvierten Schützlingen vermittelt die Schulkanzlei nach Möglichkeit Stellungen und Arbeit, und es sind viele derselben in Wiener Geschäftshäusern, Banken und Kanzleien, sowie in Ateliers und Familien untergebracht. Olmütz. (Wissenschaftlicher Vortrag.) Vor einem aufmerksamen Publikum referierte vor kurzer Zeit Herr Rabbiner Dr. I. Grünzig aus Loschitz über das Wesen, den Inhalt und die Bedeutung des Talmud. Seine Ausführungen, die auf profundem biblischen Wissen, gründlichem Studium des Talmud und der jüdischen Literatur basierten, gaben ein anschauliches und bewunderungswürdiges Bild der Entstehung, des reichen Inhaltes und der Bedeutung dieses alle Gebiete des Volkslebens enthaltenden und behandelnden Riesenwerkes, dessen Entstehung 500 Jahre v. Ehr. zurückreicht und mehr als 2500 der gelehrtesten Mitarbeiter zählt. Reicher Beifall folgte den ausgezeichneten Ausführungen des Redners, der durch den materiellen Inhalt und die vornehme Form seines Vortrages das Interesse seiner Hörer zu beleben und aufrecht zu erhalten verstand. Die Herren Vizepräsident Josef Löw und Siegmund Zweig sprachen demselben namens der Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde Dank und Anerkennung aus. Agram Anläßlich des bevorstehenden hundertsten Geburtstages Salomon Sulzer's und des vierzigsten Todesgedenktages Giacomo Meyerbeer's hielt der Oberkantor und Sekretär unserer Knltusgemeinde Herr Josef R e n d i am 20. d. M in unserem israel.- kroat.-literarischen Verein einen Vortrag „Ueber Richard Wagner's Pasquill, das Judenthum in der Musik". Nach einer Inhaltsangabe der erwähnten Schrift Wagner's führt der Vortragende aus, daß jüdischer Geist den Löwenanteil an der weltlichen Musik im XlX. Jahrhundert hatte, schildert das Leben und epochemachende Wirken Meyerbeer's, des größten dranlatischen Komponisten seiner Zeit und des Entdeckers neuer Bahnen auf dem Gebiete der Oper, zeigt, daß Wagner in seiner ersten Schaffensperiode unter dem Einflüsse der Meyerbeer'schen Kunst gestanden, daß er aber mit dieser Richtung neben Meyerbeer Schiffbruch leiden mußte und deshalb, mit Neid und Mißgunst gegen Meyerbeer erfüllt, sein „Judenthum in der Musik" schrieb. Der Vortragende schließt den ersten Theil mit den Worten: „Die Hoffnung des Biographen Meyerbeer's, daß „aufs neue die Zeit kommen könnte, wo Meyerbeer wieder empor kommt und Wagner in den Hintergrund tritt", kann sich verwirklichen, wenn die Juden, anstatt scharenweise in das Lager ihrer Todfeinde zu strömen, ihren Tonheroen Geltung verschaffen würden." Im zweiten Teile führt der Vortragende an der Hand der Bibel, des Talmud und der Geschichte der Mrsik den Beweis, daß die alten Hebräer das musikalischeste Volk des 3W«twns waren und daß die Idee, Musik und Gesang beiin Gottesdienste zu verwenden, eine jüdische ist, die allen anderen Konfessionen zugute kommt; fe# bar, daß sich die schöpferische Kraft der Juden itt der Musik durch d« Jahrhunderte des Mittelalters bis auf die Neuzeit erhalten hat und $t$t, «wwehr bei Sulzer angelangt, sein ruhmgekröntes, unübertreffliches. segrnSveiches Wirken hervor, dessen Tondichtungen er ewig lebende Widerleg»«^» der falschen Anklagen Richard Wagner's nennt. Der Vortragende schließt mit der folgenven Variation eines Heine'schen Ausrufes: Was Israel im Laufe der Jahrhunderte geschaffen, es war groß; wir merken es an der Kleinheit der Zwerge, die davor stehen und schwindlich hinaufblicken. Ihr Blick reicht nicht bis zur Spitze und sie stoßen sich nur die Nasen an dem Piedestal jener Monumente, die Israel aufgepflanzt hat zum ewigen Ruhme des jüdischen Geistes! Das gilt von unseren großen Schöpfungen int Allgemeinen, insbesondere vom Judentum in der Musik. Der gehaltvolle, lehrreiche, an interessanten Details reiche Vortrag wurde vom Publikum, das sich immer mehr für den Verein erwärmt und begeistert, mit großem Beifall ausgenommen. Dr. G. Schwarz, Professor Oderberg. Der isr. Bethausverein in Oderberg-Bahnhof hielt am 13. d. M. seine VIII. ordentliche Generalversammlung ab, welche folgenden Verlauf nahm. Nach Begrüßung der Anwesenden, insbesondere des Delegierten der Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau Herrn Dr. Reik seitens des Obmannes Herrn Viktor Lustig verlas der neugewählte Schriftführer Herr Wilhelm Morvayi den Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Ausschusses im verflossenen Vereinsjahre, wie auch über den Stand der kultuellen Institutionen des Vereines. In demselben wird in lobender Weise der eifrigen Tätigkeit des Obmannstellvertreters Herrn H. Jmerglück gedacht, welcher zugleich Obmann der Chewra-Kadischa-Sektion ist, in welcher Eigenschaft er sich bei der Einrichtung und Instandhaltung des neuen Friedhofes bereits bedeutende Verdienste erworben hat. Auch das Wirken des Herrn Oberkantors und Religionslehrers I. Goldmann, der eifrig bestrebt ist, die ihm anvertrauten Kinder zu religiösen Juden zu erziehen, wurde in anerkennender Weise hervorgehoben. Reicher Beifall wurde dem Schriftführer für seinen in interessanter und launiger Weise vorgetragenen Bericht zuteil. Der Kassier Herr Josef Zänker verlas sodann den Kassebericht, dessen Daten sehr erfreuliche waren. Im verflossenen Vereinsjahre hatte das Vereinsvermögen einen Zuwachs von K 5032.83 erhalten und beträgt das Gesamtvermögen K 57.575. Herr Josef Zänker, der für den Verein eine bedeutende, fast unentbehrliche Kraft bildet, nahm sich auch die Mühe, durch ziffermäßige Daten nachzuweisen, daß für den Fall der Umgestaltung des Vereines zu einer Kultusgemeinde, derselbe im Stande sein wird, den Pflichten einer solchen in Bezug auf Anstellung eines Rabbiners u. s. w. nachzukommen, ohne die Mitglieder bedeutender als bisher belasten zu müssen. Auf Antrag des Revisors Herrn Emil Spitzer wurde Herrn Zänker einstimmig das Absolutorium erteilt. Hierauf gelangte der Hauptpunkt der Tagesordnung, Lostrennung von der Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau, zur Verhandlung. Nachdem der Obmann die Frage vorgelegt hatte, schilderte Herr Morvayi die Schwierigkeiten, welchen der Verein durch die Abhängigkeit von der Kultusgemeinde bei Abhaltung von Hochzeiten und Leichenbegängnissen unterliegt, und nachdem Herr Dr. Goldklang die juridische Seite der Sache in beredten Worten auseinandergesetzt hatte, wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, die Lostrennung von der Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau und die Bildung einer besonderen Kultusgemeinde mit aller Kraft anzustreben. Zwar verlautet, daß einige Herren aus dem Kultusvorstande Mähr.- Ostrau die Absicht haben, der Lostrennung entgegenzutreten, resp. Entschädigungsansprüche an den hiesigen Verein zu stellen, indeß hofft man hier allgemein, daß eine liberale Gesinnung, welche für die freie Entwicklung spricht, auch im Kultusvorstande Mährisch- Ostrau die Oberhand gewinnen und dem Verein in seiner Metamorphose nicht hinderlich sein wird. In diesem Sinne sprach sich auch der Delegierte der Kultusgemeinde Herr Dr. Reik aus, wofür ihm der Dank der Anwesenden gezollt wurde.

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