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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-25 · 13 (25.3.1904) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 206 Nr. 13 Dr. JSIocb’s Mocdenscbrttt. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redakteur! Die in Nr. 10 und 11 Ihres geschätzten Blattes veröffentlichten Erinnerungen an Salomon S u l z e r und den Wiener Tempel haben gewiß, nicht nur in Wien, sondern auch überall wo Judentum und Religiosität zu finden ist, lebhaftes Interesse erweckt; dabei drängt sich aber einem unwillkürlich die Frage aus: „Was soll und kann geschehen, um das Andenken des großen Organisators des Tempelgesanges zu ehren und zu bewahren?" Diesen Gedanken zu realisieren, bietet eben die beste Gelegenheit eine Bemerkung des geschätzten Verfassers benannter Las Werk Sn lz e r's ernstlich bedroht sei, zumal in sehr vielen Synr^ogen ftrmde Tonftücke Eingang finden. Das dem so ist, ist eben dem Umstande zuzuschreiben, daß Snlzer's Werk, der Schir Zion, im Buchhandel gar nicht, antiquarisch aber äußerst selten erhältlich ist. Der Kantor, der nun ein Musikwerk benötigt, muß zu jenem greifen, welches er erhätt, würde aber den Schir Zion bevorzugen, so er ihn erhielte. Meine unmaßgebende Meinung wäre demnach: „Daß mit einer Neuauflage des Schir Zion das Andenken Snlzer's am besten und sinnigsten gewahrt wäre. Selbstredend ist ein derartiges Unternehmen mit großen Kosten verbunden, ein Mäcen aber, der dieses Unternehmen finanzieren würde, schwer zu finden, weshalb die Wiener Kultusgemeinde berufen wäre, um das Andenken Sulzer's zu ehren und dauernd zu bewahren, die Finanzierung dieses Unternehmens in die Hand zu nehmen. Um gewissermaßen die Rentabilität dieses Unternehmens zu sichern, könnte die Neuauflage in dem Sinne ungearbeitet werden, daß dieselbe nur in zwei Schlüsseln geschrieben wäre, zumal die beibehaltenen vier Schlüssel namentlich den Kantoren jüngerer Generation Schwierigkeiten verursachten. Um ferner die Druckkosten zu verringern, könnten viele Piecen, die vierlinig geschrieben sind, in zwei Linien zusammengezogen werden; dies hätte auch einen praktischen Wert. Ich bin überzeugt, daß viele Kantoren auf das Erscheinen einer Neuauflage des Schir Zion warten. Genehmigen Herr Redatteur die Ausdrücke meines besten Dankes für die Aufnahme dieser Zeilen, womit ich zeichne Ihr ergebener Josef Schön. Wien. (Verein zur Unter st ützung israel. Handwerker und Kleingewerbetreibender.) Am 16. d. M. fand im großen Sitzungssaale der Kultusgemeinde die XV. Generalversammlung dieses Vereines unter dem Vorsitze des Präsidenten Baurates Stiaßny statt. In der zahlreich besuchten Versammlung, deren Mitglieder der besten Wiener Gesellschaft angehören, nahmen Vertreter hervorragender Wiener Humanttätsvereine teil. Es waren erschienen: In Verttetung des Kuttusvorstandes Herr kais. Rat I. Weil, für den Verein zur Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten dessen Präsident Herr Ortsschulrat S. Heit (gleichzeitig für die Chewra- Kadischa), für die I. Wiener Suppenu. Tee-Anstalt Präsident Dr. Moriz Singer, für den „Frauenhort" Präsidentin Frau Gemeinderat Zifferer und die Vorstandsdamen Frau Martha Sttaßny und Frau Baurat Stiaßny, für das Kaiser Franz Josefs-Ferienheim Frau Präsidentin Dr. Grünfeld und Frau Kommerzialrat Adele Neumann und viele Andere. In seiner Begrüßungsansprache gab der Vereinspräsident Baurat Stiaßny eine kurze Skizze der 15-jährigen Tätigkeit des Vereines, welchem gegenwärtig noch eine große Zahl der Gründungsmitglieder angehören. Schriftführer Dr. Bela Taussig erstattete hierauf den Jahresbericht. Demselben entnehmen wir, daß im verstoßenen Vereinsjahre als sttftende Mitglieder beigetreten sind: K. k. Kommerzialrat Alfred Pollak Ritter v. Rudin, Leopold Kern s. A., dann die Herren Friedrich und Rudolf Kohn. Im abgelaufenen Jahre wurden 33 Gesuche um Darlehen im zusttmmenden Sinne erledigt und insgesamt 4170 X an Darlehen gegeben. Eine große Anzahl von Gesuchen mußte abschlägig beschieden werden, teils weil dieselben nicht in den Rahmen der Vereinsstatuten paßten, teils, und es muß dies mit tiefem Bedauern hervorgehoben werden, weil die Mittel des Vereines nicht hinreichend waren. Seit dem Bestände des Vereines wurden bis zum Ablaufe des Jahres 1903, also im Zeiträume von 15 Jahren 586 Darlehen im Gesamtbeträge von X 87.430 bewilligt. Im Vereine besteht außerdem eine Baurat Stiaßny- Stiftung, welche am Schlüsse des Vorjahres eine Höhe von X 4224 erreicht hat. Der Bericht hebt die rühmliche Tätigkeit des Damen- Komitees hervor und gedenkt der Verdienste, welche sich Vize- Präsident Dr. Arthur Kuranda um die rechtsfteundliche Vertretung und Rechnungsführer Gustav Frankl um die Kassaverwaltung erworben haben. Beide Ansprachen wurden mit lebhaften Beifalle ausgenommen. Die ausscheidenden Funktionäre: die Herren k. k. Baurat Max Fleischer, Emil Jelinek, kaiserl. Rat Kohnberger, Doktor Arthur Kuranda, Karl Taglicht wurden einstimmig wiedergewählt und für die erledigten Stellen die Herren k. k. Baurat Theodor Ritter v. Goldschmidt, Hof- und Gerichtsadvokat Doktor Alois Klemperer und Apotheker Benno Rothziegel neugewählt. Die bisherigen Revisoren, die Herren Bezirksrat Jakob Mensch und Fabriksbesitzer S. Steiner wurden wieder bestätigt. Herr kaiserl. Rat I. Weil beglückwünschte den Verein zu seiner erfolgreichen Tätigkeit namens des Kultusvorstandes in schwungvollen Worten und wünschte ihm auch für die Zukunft eine gleich ersprießliche, segensreiche Tätigkeit. Frau Gemeinderat Zifferer gedachte in herzlicher Ansprache der gemeinsamen Tätigkeit dieses Vereines mit dem Vereine „Frauenhort" und anderen humanitären Institutionen, wodurch in vielen Fällen eine ausgiebige Unterstützung, ja eine gesicherte Existenzgründung für manche Familien herbeigeführt wurde. Nunmehr hielt Herr kais. Rat Johann Lichtenstadt, Mitglied des'Vereins-Vörsfänöesi einen Vortrag "„Arbeitsvermittlung in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika", welcher mit allseitigem lebhaften Beifalle ausgenommen wurde; wir werden noch Gelegenheit nehmen, auf den Inhalt dieses hochinteressanten Vortrages, der im Wortlaute in dem demnächst erscheinenden Jahresberichte veröffentlicht werden wird, zurückzukommen. Nach 1'/? stündiger Dauer schloß die Generalversammlung, welche einen glänzenden, würdevollen Verlauf genommen hatte. Wien. Die Palästina-Ausstellung, über deren Eröffnung wir in voriger Nummer berichteten, hat das große Publikum in einer Weise interessiert, die die kühnsten Erwartungen der die Ausstellung veranstaltenden Karmel-Gesellschaft weit übertroffen hat. Die Ausstellung ist von 9 Uhr früh bis 9 Uhr abends ununterbrochen besucht und übt auf weite Kreise eine große Anziehungskraft aus. Die Besucher rekrutieren sich aus allen Schichten der Bevölkerung und erscheinen täglich größere Gruppen, wie Schulen, Institute, Studentenverbindungen, Seminarien rc., um die interessante Exposition zu besichtigen und sich über verschiedene Einzelheiten ausführliche Erklärungen geben zu lassen. Abgesehen von der farbenprächtigen Wirkung, welche die Ausstellung im Ganzen ausübt, ist das Arrangement im Einzelnen als vorzüglich gelungen zu bezeichnen. Die Gliederung der ausgestellten Objekte nach den Kolonien, aus welchen dieselben kommen, ermöglicht eine rasche Orientierung über die Kolonien. Von Rischon le Zion finden wir außer den verschiedensten Getreidearten auch konservierte Früchte, deren Größe den Beweis der unbedingten Fruchtbarkeit des Bodens liefern. Allgemein überraschen die aus Ekron eingetroffenen Hafergarben, nicht minder aber die mannsgroßen Durahbesen und Weizenhalme aus Zichron Jakob, die die Bewunderung und das Staunen eines jeden Kenners der Landwirtschaft erregen. Auch aus Rechoboth, Tantura, Katra und Chedera werden die besten, zum Teil hier unbekannten Produkte des Acker- und Gartenbaues gezeigt. Ihnen reihen sich die Erzeugnisse aus Jessod Hamaalah (ätherische Oele und Parfümerien) würdig an. Ein Kasten aus Eucalyptusholz zeigt uns, daß die Probe, dieses Holz für die verschiedensten industriellen Zwecke zu verwerten, als gelungen angesehen werden kann, welcher Umstand umso höher zu veranschlagen ist, als dieserBaum, der zum Zwecke derBodenaustrocknung gepflanzt ist, mit einer rapiden Schnelligkeit wächst. Aber nicht nur diese landwirtschaftlichen Produkte, sondern auch die Erzeugnisse der Hausindustrie bilden eine Anziehungskraft für den Besuch der Ausstellung. Zu erwähnen sind als solche die Weißsteinarbeiten (Modelle von Gebäuden und Denkmälern rc.), sowie die Krüge und Geräte aus Jordanstein. Einen breiten Raum nehmen sowohl die

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