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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-25 · 13 (25.3.1904) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13 Dr Wlocb's Mocbenscbrttt. Seite 203 Wie man sieht, ist da viel hineingeheimnist. Daß der Konvertit Pablo sich einer solchen Abstammung rühmte und deshalb den Namen Santa Maria annahm, und daß man zu seiner Zeit daran glaubte, da ja im Evangeliunl Johannis (XIX, 25) von einer Schwester Maria Cleopae die Rede ist, erscheint nicht unwahrscheinlich, haben doch die bet Balzo in Neapel ihre Herkunft von einem der heiligen drei Könige abgeleitet, während manche jüdische Familien noch in viel späterer Zeit ihren Stammbaum bis zu König David hinaufführten. Wie kommen wir aber von da zu Columbus? Auf sehr einfache Weise: Die erwähnte Chiffre kommt von den Santa Maria her und Bischof Pablo hat auch eine Tochter gehabt, welche die Mutter des großen Entdeckers gewesen ist. Der Vater soll, wie Paredes unter Berufung aus die Lokaltradition und des Fr. Alonso Fernandez Annalen von Plasencia meint, ein „alter Christ" aus Estremadura gewesen sein. Wie Columbus dann nach Italien gekommen ist, sagt er nicht. Doch gibt er an, daß er 1470 nach Lissabon und dann wieder 1485 nach Spanien gekommen ist. Plausibler klingt es, wenn Paredes nachweist, daß Columbus keine Erklärung seiner Chiffre geberO wollte und daß er und seine nächsten Nachkommen jede Angabe über Herkunft und Abstammung vermieden, sie in ein gewisses Dunkel hüllten. Er wollte eben, meint Paredes, seine jüdische Abkunft verheimlichen, da sie das Zustandekommen seiner Entdeckungsfahrt verhindert, ja ihn selbst den ärgsten Verfolgungen ausgesetzt hätte. Von der Gunst, die seine Oheime und der Großvater genossen hatten, konnte im letzten Jahrzehnt des XV. Jahrhunderts nicht mehr die Rede sein. Columbus trat seine erste Entdeckungsfahrt am 3. August 1492 an, vier Monate nach Erscheinen des königlichen Edikts, welches die Vertreibung aller Juden aus Spanien verfügte. Der Großinquisitor Torqnemada hatte schon 1483 begonnen, die Bischöfe Juan Arias Davila von Segovia und Pedro der Aranda von Calahorra wegen ihrer Abstammung von Juden zu verfolgen.*) War Columbus der Sohn einer Jüdin, so hatte er alle Ursache, es zu verheimlichen. fff Weitere Beweise Paredes' sind: Des Columbus genaue Kenntniß der heiligen Schrift (im Urtext?) was bei „alten" Christen jener Zeit in Spanien gewiß sehr selten war; daß er stets die heilige Maria anzurufen pflegte und Jerusalem erobern wollte. (Das wollten ja auch die Kreuzfahrer, die nicht von Juden abstammten.) Und endlich sein moralischer und physischer Habitus. In Bezug auf letzteren ist jedoch zu bemerken, daß Columbus, nach Las Casas, zwar eine Adlernase aber auch blaue Augen und blondes Haar hatte!**) Dies wäre freilich auch auffallend, wenn er ein spanischer oder italienischer „alter Christ" gewesen wäre. Unverständlich ist mir, was damit bewiesen werden soll, daß Columbus zu sagen pflegte, er sei nicht der erste Admiral in seiner Familie. Wie sich Paredes mit Harrisse auseinandersetzt, der jetzt als der gründlichste Columbusforscher gilt, weiß ich nicht. Diesem zufolge wurde der Entdecker der neuen Welt als der Sohn des Tuchwebers Domenico Colombo und seiner Frau Susanna geb. Fontanarossa zwischen 1446 und 1451 in einer Vorstadt Genuas geboren. Selbst wenn man den Beweis in Bezug auf diese Mutter für nicht überzeugend hält, bleibt noch die Frage, wie der Genueser Tuchweber nach Spanien gekommen ist, um die Tochter des Bischofs von Burgas zu freien. Man müßte also der These Paredes' zufolge zugeben, daß auch der Vater Christobals ein Spanier war. Quod erat demonstrandum. Um dies zu beweisen, kann man sich auch die jüdische Mutter gefallen lassen. Wie sagt doch Rahel in Lope de Vega's „Jüdin von Toledo": „Yo, Sibila, aunque no soy Christiana. soy Espanola, Que basta esta gracia sola.***) _ Dr. M. Landau. *) J. A. Llorente, Historia critica de Ia Ioquisieiou de Espana cap. VIII. art. II 2 **) Bei H. Harrisse, Colomb devant l’liistoire, S. 37. ***) Wenn ich auch keine Christin bin, so bin ich Spanierin, und dieser Vorzug allein genügt. Korrespondenzen. Centenarinm Salomon Snlzer's. Die Sulzer-Centenarfeier beging die Wiener israelitische Kultusgemeinde in solch' würdiger erhebender Art, daß sie ein Ehrenblatt in der Geschichte der Gemeinde bilden wird. Der Festabend vom 20. d. M. im Stadttempel, ebenso der Festabend vom 21. im Leopoldtstädter Tempel werden allen Teilnehmern in dauernder Erinnerung verbleiben. Die festlich beleuchteten heiligen Räume waren durch ein den distinguiertesten Kreisen angehöriges Publikum bis auf den letzten Platz gefüllt, welches mit Andacht und Entzücken den unübertrefflichen Leistungen der unter der begeisterten und begeisternden Leitung Joseph S u l z e r's stehenden Sängerschar der vereinigten Chöre des Stadt- und Leopoldstädter-Tempels lauschte und sowohl den herrlichen Tondichtungen Salomon Sülze r's als auch deren mustergiltigen Interpretation durch dessen genialen Sohn begeisterte Anerkennung zollte. Auch die beiden Herren Oberkantoren Singer und G n t t m a n n dürfen mit Befriedigung auf ihre solistischen Leistungen zurückblicken. Die Reihenfolge der — sämtlich dem Schir Zion entnommenen Gesänge — war folgende: I. 11a town. II. En Komaut-ho. III. Eine Borchu. IV. Ez-chaim (rwnueho-Jaumar). V. Adaun-Aulom (Es-dnr): Die Gedenkrede, welche Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n dem Sangmeister S u l z e r widmete, entzündete allgemeine Begeisterung und war ein Kunstwerk nach Form und Inhalt. Rede des Oberrabbiners Dr. Güdemann gehalten am 20. d. M., im Stadttempel. Ein Jahrhundert ist abgelaufen seit der Geburt Salomon Sülze r's, und wenn wir der hundertsten Wiederkehr dieses Tages eine gottesdienstliche Feier widmen, w bedarf diese Entschließung keiner Erklärung, und noch weniger einer Rechtfertigung. Wie es in der Thora von ihr selbst heißt: „Sie ist dir nicht fremd und nicht fern, sondern überaus nahe ist dir das Wort, in deinem Munde und in deinem Herzen, es zu üben," so darf man von Sulz er sagen: er ist keinem fremd und keinem fern, nicht blos denen, die ihn gehört, sondern auch denen, die nur von ihm gehört haben, allen ist er vertraut und gegenwärtig, sein Name schwebt auf ihren Lippen, bewegt alle Herzen, lind zumal, wenn ich hier diesen Namen nenne, in diesem Gotteshause, das er einst — vor wenigen Tagen waren es 78 Jahre — im Vereine mit dem ruhmwürdigen ersten Lehrer unserer Gemeinde eingeweiht und seiner heiligen Bestimmung übergeben hat, vermeinen wir da nicht, mit seinen Weisen auch wieder seine Stimme zu vernehmen, der die Bekenner unseres Glaubens andächtig lauschten, die aber auch solche, die nicht unseres Glaubens waren, und unter ihnen die größten Meister der Tonkunst, zur Bewunderung hinriß? Dies ist eben das Einzigartige an der Persönlichkeit Sülze r's, daß es ihm nicht bloß gegeben war, die entsprechenden musikalischen Weilen für unseren Gottesdienst zum Teil selbst zu schaffen, zum Teil berühmte Tonsetzer zu deren Schöpfung anzuregen, sondern daß er auch der gottbegnadete Sänger und Dolmetsch dieser Weisen gewesen ist. lind diese Tatsache schreibt auch der Betrachtung, mit der wir das Andenken Sülze r's feiern wollen, ihre Richtung und ihren Inhalt vor. Versuchen wir denn uns klar zu machen, was Sulz er als Schöpfer des modernen Synagogengesanges und was er als dessen Dolmetsch durch seine Vortragskunst bedeutet. I. In den Psalmen Davids kommt wiederholt, mit geringer Veränderung, der Satz vor: „Erwache Psalter und Zither, ich will erwachen mit dem Morgenrot". Das ist ein Ausruf, der wohl oft aus dem Herzen eines gottbegeisterten Sängers, den seine Sangesfreudigkeit nicht schlafen läßt, sich losringen mag. Die Nacht währt ihm zu lang, schon mit dem ersten Morgen-

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