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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-18 · 12 (18.3.1904) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Moeb's Mlocbenscbritt. Sette 198 kund, Welche der greise P o h r l i tz e r Rabbiner an Hirsch richtete. „Herr Landrabbiner!" — schon in diesem gemessenen, amtlichen Titel statt des anerkennenden devoten „Kebbe“, Meister, lag der Mangel an Hochachtung — „folgende Frage taucht soeben in mir auf. Es ist uns religiös geboten, wenn wir einen großen Gelehrten zum erstenmal sehen, durch einen Segensspruch Gott zu danken, „daß Er einen Strahl seiner Weisheit einem Sterblichen zuteil werden ließ." Nun habe ich aber den Herrn Landrabbiner schon im Bilde gesehen, — ich frage daher : muß ich, ja d a r f ich diesen Segensspruch auch jetzt noch sprechen?" Die Frage war an und für sich nicht so leicht zu beantworten, aber die Malice lag darin, daß aus derselben der Vorwurf herausklang, daß Hirsch zu dem Bilde gesessen, während die alten frommen Rabbiner sich stets geweigert hatten, im Bilde sich verewigen zu lassen. Hirsch ließ sich diese Opposition nicht nahe gehen, festen Schrittes, unentwegt, ohne nach rechts oder links abzulenken, verfolgte er sein Ziel, dem Prinzipe Geltung zu verschaffen, das in dem kurzen Satz sich zusammenfassen läßt: Altes, glaubenstreues Judentum in modernem Gewände. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde, Heft XIII, 72 Seiten und 16 Tafeln Kunstbeilagen. Für die wie anderwärts, so auch an dieser Stelle wiederholt betonte Verdienstlichkeit des Hamburger Unternehmens legt das vorliegende Heft von Neuem ein rühmliches Zeugnis ab. Den Reigen der Beiträge eröffneten Dr. S. W e i s s e n b e r g und Dr. A. Landau mit der Herausgabe eines jüdischdeutschen „Purimspieles von Ahasverus und Esther", welches, wie üblich (vgl. S. 3 der Einleitung) in eine dialektische Paraphrase des Schoschannath Jaakob und den K i d d u s ch l e Purim, ein Potpourri von Bibel- und Gebetbuchstellen, ausklingt. Der Text dieser Bearbeitung des Estherstoffes. welcher seit dem Mittelalter bis auf Racine und Grillparzer dramatisch behandelt worden ist und selbst zum Repertoire des Puppentheaters gehört (vgl. Carl Engel, Deutsche Puppenkomödien, Oldenburg 1877), ist von Dr. Weissenberg aus zwei Niederschriften zweier von einander unabhängigen russischen Purimspieler zusammengestellt und von Dr. Landau mit anderen Ueberlieferungen verglichen worden. Die Form dieser Purimspiele, sowie Einzelheiten der Sprache und die Tracht des Narren erinnern an das volkstümliche Schauspiel des ausgehenden Mittelalters. Einen Anklang an das Schuldrama des XVI. und X VII. Jahrhunderts, welches doch den Bachurim bei ihren Aufführungen in Prag, Hamburg u. s. w. (vgl. Schudt, Jüdische Merkwürdigkeiten) das Vorbild geboten hat, möchte ich z. B. in der ausführlichen Klage über die bösen Weiber heraushören, welche ja auch in Joh. Chrysen's „Haman" einen Chorgesang bildet. Auf den Salomo und Morolt" weist die Wahl des Baumes hin, an welchem Haman gehängt werden soll. Salomo und Morolt gleichsam in einer Person verschmolzen, bieten uns diese jüdischen Purimspiele in der Figur des Mondrisch (Mondrino), der Mordechai und den Narren zugleich darstellt, wie Landau aus triftigen Gründen annimmt, aus Rücksichten der Oekonomie. Die einzelnen Motive gehen, außer auf die Bibel auf Targum, Talmud und Midrasch zurück. Es fehlt nicht an einem Anlauf zu sozialer Satire, da, wo von dem Geschäftsgebahren der Kaufleute und Handwerker die Rede ist. Die Arbeit läßt den Wunsch nach rascher Fortsetzung derartiger Publikationen rege werden. Wie nach seinen volkskundlichen Arbeiten im „Globus" zu erwarten, ist Herr Doktor Weissenberg, dem übrigens, nach den „Mitteilungen des Wiener jüdischen Museums", dieses eine höchst wertvolle Spende zu verdanken hat, mit aller Sorgfalt zu Werke gegangen. Nur hätten sich manche Uebersetzungen ins Deutsche erübrigen lassen. Dadurch wäre auch der Lapsus memoriae S. 27 (statt tekhelet: takhlit, statt tikvatam: chuckotam) weniger aufgefallen. Auch einige kleine Druckfehler in den letzten Zeilen der folgenden Seite sind dem Auge der beiden sonst so scharfsichtigen Forscher entgangen. Ueber die „Glasmalereien der neuen Synagoge in Szegedin" berichtet Dr. I. L ö w. Es ist, wie der Herausgeber in einem Hinweis auf eine frühere Bemerkung in Erinnerung bringt, der erste — und wie wir hinzusügen dürfen — durchaus gelungene Versuch, ein Gotteshaus mit rein jüdischen Motiven zu schmücken, die übrigens streng vegetarisch gehalten sind. Es wäre sicherlich von Bedeutung, wenn, wie hier der Botaniker unter den jüdischen Theologen, bei dem geplanten Synagogenbau in Brünn der Zoologe unter den Rabbinern, Herr Dr. P l a c z e k zu Wort käme. Dr. M. Kayserling behandelt einige „Luxusverbote", Dr. G r u n w a l d bietet die Fortsetzung seiner Geschichte der Deutschen Juden Hamburgs, A. Wolf eine Zusammenstellung der „Hamburger auf und von Juden geprägten Medaillen", Siegm. Seeligmann zwei Miszellen. Aus dem Kapitel „Moral. Streiflichter" S. 44 ff. sei der Versuch hervorgehoben, dem von Historikern der Medizin gegen die Moral der Hamburger Juden des 18. Jahrhunderts erhobenen Vorwurf gegenüber auf Zustände hinzuweisen, welche dem österreichischen Xumerns elausus (Familiantentum) ähnelten, ferner die Tatsache, daß von 500 milden Stiftungen Hamburgs (im Jahre 1898) etwa 111 jüdischen Ursprungs sind, darunter etwa 16 „ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntnis". Auf S. 64, Nr. 27 a ist zu entnehmen, daß Laz. G u m p e l nicht, wie K a r p e l e s annimmt, das Urbild des Hein e'schen Gumpelino darstellt. Sein Landhaus lag in Neumühlen, das Sal. Heine» in Offensen. (S. 65, Nr. 46.) Von einer Nachbarschaft, wie Karpeles konstruirt, kann also nicht die Rede sein. Auch war Gumpel orthodoxer Jude. Er ist der Gründer des noch heute in Hamburg bestehenden Gumpel-Stiftes (S. 64, Nr. 27 d). Soviel in großen Zügen aus dem reichen Inhalt des Heftes. Besondere Anerkennung verdient der Reichtum an Illustrationen. Nur hätten wir die L ö w'schen Synagogenfenster gern in größerem Maßstab und in bunter Ausführung gesehen. Dr. F. Neue Bücher. Dr. Mied. N. Leo. Hat das Menschenleben einen Zweck? Naturwissenschaftliche Betrachtung. Verlag von W. u. S. L ö w e n t h a l, Berlin 6. Dr. A. Heppner, Rabbiner in Koschmin, und I. Herzberg, Lehrer in Bromberg. Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen. Heft 1, 1904. Preis jeder Lieferung 75 Pfg. Verlag von Israel Tuch in Koschmin. Kriefkafte«. R. S> Herr Samuel Montagu in London hatte im Sommer j. I. eine Reise nach Palästina gemacht, und das Sitzungsprotokoll der Alliance israelite universelle vom 6. Oktober veröffentlichte dessen Bericht und seine Ratschläge zur Verbesserung der Lage unserer Glaubensgenossen. Letztere kulminieren in den Resolutionen „Fort mit der Chalukkah. Substituierung von Handwerkerschulen, Darlehenskassen und Ackerbauversuchen an deren Stelle." A S. Für die Qualifikation eines Rabbiners in Mähren ist nicht ein Doktordiplom, sondern der Nachweis eines erfolgreich absolvierten Gymnasiums, bezw. die Vorlage eines österreichischen Maturitätszeugnisses erforderlich. B. D. iu 71. R Ungeeignet. Schön. Für diese Woche zu spät. K. L. in Lirtz. Die Mitteilung stimmt nicht vollständig mit dem wirklichen Vorkommnis überein, welches sich vielmehr vor einem ungarischen Provinzgerichte zugetragen hat. Es geschah nämlich, daß ein Staatsanwalt-Substitut gelegentlich der Verhandlung gegen einen

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