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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-18 · 12 (18.3.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Ns. 12 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 191 Schreib-, beziehungsweise Spielart mutzte imponieren Auch dem garten und ziselierten Teile der Vortragsstücke wurde er vollauf gerecht, so daß das Ganze eine wirklich plastische, vom Geiste des denkenden Musikers überhauchte Gestaltung annahm. Zahlreiche stürmische Hervorrufe lohnten des jungen Künstlers bravouröse und interessante Leistung. Die gesammte Reichenberger Presse ist einstimmig des Lobes und der Anerkennung für diesen jungen Künstler. Reichenberg. Am 28. Februar wurde unter außergewöhnlicher Teilnahme Herr Karl W i l l n e r zu Grabe getragen. Der Verblichene, welcher für alles Jüdische reges Interesse hegte, hat sich um die Gründung des Tempelchorvereines, dessen Obmann er war, besondere Verdienste erworben. In einer trefflichen Rede beleuchtete Herr Rabbiner Dr. Emil H o f m a n die Vorzüge des erst im 46. Lebensjahre stehenden Verblichenen, während Herr Dr. Emil Peres als Obmann-Stellvertreter des Tempelchorvereines einen ehrenden Nachruf am Grabe hielt. Der Chor selbst brachte seinem verdienten Obmanne den letzten Gruß durch Absingung eines Trauerchores, der auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Temesvar Herr Jacob F r i e d m a n n, seit 9 Jahren zweiter Kantor unserer Gemeinde, ist in der Plenarversammlung der Gemeinderepräsentanz vom 6. d. M. zum Oberkantor gewählt worden. Der Erwählte erfreut sich sowohl wegen seiner musikalischen Kenntnisse, seiner schönen Stimme, als auch wegen seines Charakters allgemeiner Beliebtheit und wurde die Wahl mit großer Befriedigung ausgenommen. Lrdeö Die Vorstehung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde hat den Lehrer Herrn M. M a n d l, welcher seit dem l. August 1903 zur besonderen Zufriedenheit sein Amt versteht, zum Rabbinatsverweser der hier seit Jahren unbesetzten Rabbinerstelle ernannt und die k. k. Bezirkshauptmannschaft hat auf Grund des § 13 des Gesetzes vom 21. März 1890 denselben bestätigt. Nachdem Dispense vom Nachweise des allgemeinen Bildungsgrades seit 1900 nicht erteilt werden, so wird Herr Mandl nach 6 Monaten durch Ablegung einer nachträglichen Matura den Nachweis erbringen. Sofia. Am 13. v. M. brachte ein russisches Schiff mehrere jüdische Familien nach Warna, die sich bei Baltschik ansiedeln wollten. Einer vor drei Jahren erlassenen Ministerialverordnung gemäß, welche die Ansiedlung fremder Juden in Bulgarien verbietet, wollte der Stadtpräfekt die Auswanderer am Landen verhindern. Der russische Konsul Tscherkawski aber brachte unter Vorantragung der russischen Flagge die Auswanderer ans Land. Die „WetschernaPoschta" bezeichnet Tscherkawski als geistesgestört und verlangt seine Abberufung. Warschau. Von 70 Warschauer Aerzten, die in diesen Tagen nach dem Kriegsschauplätze abreisten, sind nicht weniger als 35 Juden. Der Verein jüdischer Aerzte hat eine Unterstützungskasse für die unbemittelten Familien der nach dem Kriegsschauplätze abgegangenen Aerzte ins Leben gerufen. Das holländische Gesetz über die Sonntagsruhe. In Holland wird jetzt eine allgemeine Gesetzesrevision vorgenommen. Unter anderem wurde auch das Gesetz über die Sonntagsruhe — modernisiert. Die diesbezüglichen Gesetzesparagraphen lauten: „Der allgemeine Ruhetag ist der Sonntag." Artikel 361: „In Fabriken und Ateliers hat die Arbeit am Sonntag unbedingt zu ruhen." Art. 362 fügt jedoch hinzn: „Solche Arbeiter, welche im Sinne ihrer Religion einen anderen Ruhetag als den Sonntag haben und an demselben von der Arbeit ruhen, dürfen am Sonntag arbeiten." In Holland herrscht jetzt ein klerikales Regime und es hat glänzend bewiesen, daß der gesunde, aufrichtige Klerikalismus mit der Verfolgung anderer Religionen nichts zu tun hat. Prinz und Schnorrer. Aus Berlin wird geschrieben: Vom Todesurteil zum Zuchthaus, vom Zuchthaus ins Gefängnis, vom Gefängnis in die Allgemeine Irrenanstalt und von da in ein privates Sanatorium - diese Karriere eines prinzlichen Verbrechers hat Prosper Arenberg mit vielem Glück und großer Geschwindigkeit zurückgelegt. Am Sonntag ist er von der Irrenanstalt Herzberge nach der Privatanstalt Ahrweiler gebracht wordul und wird wahrscheinlich bald der Aristokratie ganz wiedergegeben sein. Ganz andere Schicksale erlebte der aus Rußland cingewanderte jüdische Proletarier Skläroff alias Habermann. dessen entetzliche Leidensgeschichte die Berliner „Welt am Montag" ausführlich erzählt. Arbeitslos und halb verhungert hatte er eine Uhr gestohlen und erhielt dafür ein Jahr Gefängnis (also zwei Monate mehr als der Prinz in erster Instanz für seinen Mord erhalten hat!). Im Gefängnis war der Mann nicht zu bewegen, die ihm anbefohlene Arbeit zu tun. sondern er stierte ununterbrochen aus einen Fleck. Wegen dieses „Ungehorsams" wurden über ihn in der Zeit vom 24. März bis zum 24. Mai 190 . fünf Tage, acht Tage, zwölf Tage, drei Wochen und vier Wochen Arrest bei Wasser und Brot verhängt. Nachdem man also den unglücklichen Mensch-n fast zwei Monate lang wie ein wildes Tier einqesperrt gehalten hatte, ohne Licht, ohne Bettunterlage, fast ohne Nahrung, kam man endlich darauf, daß er nickt aus Bosheit, sondern infolge geistiger Erkrankung die Arbeit verweigert hatte. Als man ihn ins Lazarett übersührte. lag er vollständig entkräftet und besinnungslos am Boden. Man darf sich nicht wundern, daß dieser Vorfall erst jetzt, nach vier Jahren, zur Sprache kommt. Was im Innern der Strafanstalten vorgeht, entzieht sich der Oeffentlichkeit und wird höchstens ab und zu durch gelegentliche Indiskretionen bekannt. Es ist nicht leicht, ja vielfach unmöglich, die Grenze zwischen Verbrechertum und Irrsinn zu ziehen. Diese Wahrheit gilt für alle fehlenden Menschen, mögen sie nun Prinzen oder Proletarier sein. Aber während man dem Prinzen, trotz der auffälligsten Merkmale geistiger Entartung, Mordfreiheit läßt und seine Geisteskrankheit erst entdeckt, wenn die Tat gesühnt werden soll, bemerkt man umgekehrt am Proletarier die sicheren Zeichen der Erkrankung nicht, so lange er nicht bis zum völligen Zusammenbruch mißhandelt ward. Das Leben eines solchen Schnorrers, der aus Hunger stiehlt, bedeutet nichts gegen das kostbare Leben eines Prinzen, der bedauerlicherweise ein wenig zu morden geruhte! Feuilleton. Alle Rechte Vorbehalten Jüdische KrrltnrKilder. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komärom. (Fortsetzung.) Einige Tage darauf, es war der Rüsttag zum Wochenfeste, ließ mich der Rabbi rufen. Was kann der von mir wollen? Sollte vielleicht doch die zuversichtliche Vorhersage des Vaters sich bewahrheiten wollen? Will der Rabbi, von meiner schweren Notlage gerührt, mich denn doch an Kindesstatt annehmen? Meine kindliche Phantasie spann schon geschäftig das Gewebe dieses epochalen Ereignisses; ich hielt schon im Geiste ein Zwiegespräch mit dem hochwürdigen Adoptivvater und beflügelten Schrittes eilte ich, dem Ruse zu folgen und stand bald vor dem Rabbi. „Heißt du Harschele?" Ich bejahte. „Nun von deinem Vater hast du einen Brief bekommen, und auch die Mutter schreibt darin." Zitternd vor freudiger Erregung griff ich nach dem Briefe: doch der Rabbi zog mit einer raschen Bewegung die Hand mit dem Briefe zurück. „Erst bring' mir dreizehn Kreuzer-Münz 47 Heller Postgeld, dann bekommst du den Brief." Das wirkte niederschmetternd auf mich. War es doch der so lange und sehnsüchtig erwartete e r st e Brief vom Hause, die erste Botschaft aus der so fernen Heimat; die erste Nachricht von Vater, Mutter und Geschwistern! Und nun „zwischen Lipp' «und Kelchesrand" schwebt des strengen Rabbi Hand! Er, der als wohltätig galt und viel Gutes den Armen tat, mußte wohl schon öfter um das vorausbezahlte Porto gekommen sein, sonst wäre er nicht so pedantisch gewesen. Es gab damals noch keine Briefmarken und wurde das Porto für jeden Brief direkt beim Postmeister entrichtet. Da aber in Hunsdors kein Postamt war, so mußte man die Briefe nach Kesmark schicken. Da mochte wohl der Bote das Porto eingesteckt haben, das ihm der Vater zur Frankierung mitgegeben. Ich eilte nun voll herber Enttäuschung mir die dreizehn Kreuzer zu verschaffen und erhielt den Brief. O, welche Freude, als ich die herrliche jüdische Kursivschrift des Vaters mit ihren kühn geschwungenen Zügen erblickte! Für mich begann das bevorstehende Sch ew not fest schon einen halben Tag früher, denn ich las und las den Brief immer wieder, besonders ater rührten

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