Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 12 (18.3.1904)
- Date
- 1904-03-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021560--13453-3038105- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 190 Dr. Mocb's Mlocbenscbrltt. srr. ir Deine Mitarbeiter, von denen viele in Deinem Dienste ergrauten, wir haben das ganze herrliche, lichtvolle Bild gesehen. Wir waren Zeugen Deiner hohen Gesinnung, Zeugen Deines Glaubens an alles, was gut und edel ist, Deines unerschütterlichen Glaubens an die hohen Ideale der Menschheit. Unerschütterlich war dieser Glaube, weil er in Deinem treuen, edlen Herzen wurzelte. Und dieses große Herz steht still. Das Herz, von dem das Wort galt: „Es war nicht einer Menschenseele, es war der ganzen Menschheit Schmerz, der dieses Herz bewegte." Dieses Herz, das jedes Leid als das seine empfand, das jede Träne erbeben machte, das jedes Unrecht tief verletzte, das durchglüht war von dem Verlangen, alles Weh' dieser Erde zu tilgen. Dies' vermochte Deine schwache Menschenhand nicht, aber reichen Segen hat diese Hand ausgestreut, der reichste ward uns zu Teil. Groß ist unser Schmerz, daß wir Dich verlieren, daß Du allzufrüh Weggehen mußtest von dieser Erde. Doch ein Lichtstrahl fällt in diese trübe Stunde des Abschieds, da wir Dich scheiden sehen als einen der Edelsten und Besten, geliebt, geehrt, gepriesen und gesegnet. Immerdar werden wir Dein gedenken: unser heißer Dank folgt Dir ins Grab, unser heißer Wunsch, daß ein gütiges Geschick den Segen, der von Dir ausging, zurückführe auf Dein Haus und auf das Haupt der Deinen. Alois Pollak! Engel der Güte und Liebe standen schon an Deiner Wiege, Engel der Liebe und des Friedens geleiteten Deinen Lebensweg. Ziehe hin in Frieden!" Diese mit Wärme und überzeugungsvoller Ergriffenheit gesprochenen Worte übten auf die ansehnliche Trauerversammlung den stärksten Eindruck. Unter Trauergesängen setzte sich nun der Leichenzug zur letzten Ruhestätte, der von Meister Fleischer's Künstlerhand erbauten Familiengruft, in Bewegung, in welche, was von Alois Pollak sterblich war, zur ewigen Ruhe beigesetzt wurde. Ein edler Mensch ist mit ihm dahin gegangen, ein großes Heiz hat zu schlagen aufgehört; sein Andenken aber wird gesegnet sein bis in die entferntesten Zeiten! — y. Wien. (S o k o l o w-F e i e r.) Samstag den 12. d. M. fand im „Hotel Romania" eine vom hebräischen Sprechvereine „Jvria" einberufene Festvcrsammlung zu Ehren des Herrn N. Sokolow, Redakteur der „Hazefirah" anläßlich seines fünfundzwanzigjährigen Schriststellcrjubiläums statt. Herr E. Torczyner eröffnete die Versammlung und begrüßte die erschienenen Freunde und Verehrer Sokolow's in einer warm empfundenen Ansprache, in der er in Kürze den Lebenslauf Sokolow's darstellte und seine Tätigkeit innerhalb der zionistischen Organisation rühmend hervorhob. Den Festvortrag hielt Herr Schriftsteller D. S. Silberbusch. Mit großer Sachkenntnis entwarf er ein klares Bild von Sokolow's Bedeutung und Stellung innerhalb der neuhebräischen Literatur; er wies nach, wie sich Sokolow seit seinem ersten Auffatze bis in die letzte Zeit immer glänzender entwickelte, bis er auf der hohen Stellung anlangte, die er heute in der hebräischen Literatur einnimmt. Er feierte in ihm den hervorragenden Stilisten, den poetisch beanlagten Feuilletonisten und einen der fruchtbarsten Publizisten, die in der hebräischen Tagespresse das Größte leisten. Dann sprach Herr M. Berkowicz über die Tätigkeit Sokolow's als Redakteur und Journalist und beantragte, die Versammlung möge an den Jubilar eine Glückwunschadresse absenden. Ein aus 3 Mitgliedern bestehendes Komitee wurde mit der Abschickung der Adresse betraut, worauf Herr Dr. Kahn, der die Begeisterung an diesem Abend durch seine Weinspende erhöht hatte, das Schlußwort sprach, indem er Sokolow's Tätigkeit als Zionist würdigt. Sämtliche Reden waren selbstverständlich in hebräischer Sprache, die die Redner mit einer großen Gewandtheit gebrauchten. Der Abend, der mit einem tosenden „Hoch" auf Sokolow schloß, hinterließ den Eindruck eines schönen Festes der neuhebräischen Literatur. H. S. Ein jüdischer Meisterschwimmer. Der Wiener Schwimmklub „Austria" schreibt in seinem Rechenschaftsberichte: In der Zeit vom 3!. März bis 4. April gewann Raberl in Cleveland die Meisterschaften von Amerika über 220 Uards, '/. und '/„ englische Meile gegen erhebliche Konkurrenz bei dichten Feldern. Nunmehr folgten 3 Monate systematischen Trainings unter Wahle's Anleitung, worauf Ruberl im August an den Festen des Ottawa Canoe-Klub zu Rockcliffe-Ottawa in Eanada teilnahm. Die Canadischen Meisterschaften über 100 und 440 Iards und über die 7* englische Meile an einem Tage ausgetragen und in großem Stile an sich zu reißen, waren neue Triumphe, die in dem frenetischen Beifalle der zahlreichen Zuschauer ein lebhaftes Echo fanden. Seinen Siegeslauf beschloß Ruberl durch sein treffliches Abschneiden in den Meisterschaften der Amateur Athletik-Union am 11. und 12. September, in welchen er über *20 Uards, die '/, und l englische Meile jedesmal als erster landete. 10 Meisterschaften und 5 anerkannte neue amerikanische Rekorde bilden den Rahmen seiner glanzvollen Erfolge im vergangenen Jahre und möge er auch fernerhin fortschreiten auf dieser ruhmreichen Bahn des Championats zu seiner und seines Vaterlandes Ehre. Brünn. Infolge eines Erlasses der k. k. mährischen Statthalterei wurde Herr Dr. Salomon Funk, Rabbiner in B o s k o w i tz, über Ansuchen des Herrn Landesrabbiners Dr. B. Placzek zum Landesrabbiner-Stellvertreter ernannt. Herr Dr. Funk gilt mit Recht als ein hervorragender Theologe und scharfsinniger Talmudist. Er ist im Besitze von beachtenswertem, allgemeinem Wissen, ein ehrenwerter, zuverlässiger Charakter. Durch sein konziliantes, versöhnliches Wesen, sowie durch sein kluges selbstloses Wirken ist es ihm gelungen, seine Gemeinde Boskowitz aus tiefer Zerrüttung zur früheren Blüte zu bringen und sich daselbst der wohlverdienten, ungeteilten Verehrung zu erfteuen. Jagerndorf. Bei den in der vorigen Woche vorgenommenen Kultuswahlen wurden gewählt die Herren: A. M. B u b e r als Vorsteher, Heinrich Groß als Vorsteher-Stellvertreter, Dr. Adolf Schnabel, Heinrich Krämer, Max B e r l. Sigmund Stark, S. Bock, Karl Müller, Leo Westreich, Sigmund L ö w y als Ausschußmitglieder und in gleicher Eigenschaft 2 Herren aus Freudenthal, und zwar Nathan Hamburger und David Goldberger. Vier an. Am letzten Samstag hat im hiesigen Tempel der Königswarter-Stiftung Herr Bensch er aus Leipzig fünftausend Kronen der Stiftung für Kranke gewidmet. Liszt-Abend in Reichenberg. (Am 1. März 1904.) Die Vereinigung „Ernste und heitere Kunst" hat mit dem heutigen Konzerte einen Volltreffer getan, es ist ihr für die überaus glanzvolle Gestaltung des Konzertes Dank und Anerkennung zu zollen. Der Triumph des Abends fiel Herrn Leo K e st e n b e r g, einem Sohne unseres verehrten Oberkantors, zu. Der junge Künstler hatte sich eine große Aufgabe gestellt. Nicht weniger als drei Liszt'sche Klavierkonzerte führte er vor: A-dur, Es-dur und den „Totentanz". Die Schule Busoni's mit ihrem im Feuer Bach'icher Kunst gestählten, gewaltigen Anschlag, ihrem wie mit ehernem Tritt einherschreitenden Vortrag und der überraschend scharfen Ausmeißelung der Themen hat den jugendlichen Virtuosen vollständig unter ihre Fittiche genommen. Aber Herr Kestenberg ist zu viel unspriinglicher Musiker, als daß er sich mit einer bloßen Kopie seines großen Lehrmeisters Bnsoni begnügen würde. Gleichwie alle bedeutenden Liszt-Schüler sich ihre Selbständigkeit im Vortrage gewisser Meister bewahrt haben, macht auch Herr Kestenberg den günstigen Eindruck des frei aus sich herausschöpfenden Klavierspielers, des Musiker-Interpreten, der die in der Meisterschule empfangenen Lehren mit der eigenen Individualität in Einklang zu bringen weiß. Wäre Leo Kestenberg ein nur nach der brillanten Technik veranlagter Virtuose, er hätte in Feruccio Busoni sicherlich nicht jenen freundschaftlichen Berater gefunden, der ihm mit soviel persönlicher Zuneigung, mit so umfassender Unterweisung zur Seite stand Herr Kestenberg hat übrigens auch eine gute Vorschule. Schon in seinen jungen Jahren, als Zwölfjähriger, genoß er den musikalischen Unterricht des hochgebildeten Musikdirektors Albrecht in Zittau Später besuchte er die Berliner Akademie der Tonkunst. Hier hatte er das Glück, unter Friedrich Kullak, dem hochbedeutenden Klavierpädagogen, und Felix Draeseke, dem Meister des Kontrapunktes und reinen Satzes, zu studieren. Nach Absolvierung der Berliner Musikhochschule wurde er Schüler Busoni's (1899 bis 1901). Für einen strebsamen Kunstjünger und künftigen Virtuosen bedeutet die Aufnahme bei solchem Meister einen Haupttreffer. Das wird Herr Kestenberg zeitlebens dankbar empfinden. Gehört ja doch Busoni zu den geistvollsten Künstlern der Gegenwart! Die Vorführung der drei genannten Konzerte, insbesondere des „Totentanzes" und des Es-dur-Konzertes, welch letzteres schon vom Standpunkt der Komposition einen weit liebenswürdigeren Eindruck machen mußte als das mit nicht ganz ungesuchten Mitteln geschaffene A-dur-Konzert, gelang Herrn Kestenberg in glänzender Weise. Seine reife Technik, sein kühnes Sicheinsetzen für alle äußeren und inneren Schönheiten, Absonderlichkeiten und — Schwierigkeiten der Liszt'schen