Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 12 (18.3.1904)
- Date
- 1904-03-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 12 Dr. Blocb’s HAocbenscbrM. Seite 189 edlen Spender, an die wir heranzutreten durch die Verhältnisse gezwungen sind, unseren Humanitären Verein gütigst berücksichtigen zu wollen, wodurch die Vereinsleitung in den Stand gesetzt würde, seine notleidenden Mitglieder, diese ärmsten der Armen, zweckmäßig zu unterstützen. Für die Vereinsleitung: M. Münz, Obmann; M. Köpfte in, Schriftführer. —Das Vereinslokal befindet sich XIV. Bez., Schwendergasse 1, wohin allfällige Spenden gesendet werden können. Wien. (Die „O est crrei ch is ch -Isra elitisch e Union") veranstaltete am 10. d. M. im Saale des „Hotel Guth" eine überaus zahlreich besuchte Vereinsversammlung, in welcher Herr Rabbiner Dr. Simon Mandl aus Neutitschein einen Vortrag unter dem Titel: „Der Monotheismus — ein WeltPrinzip" hielt. Der Vortragende zeigte, wie das Gottesbewußtsein im jüdischen Volke zunächst aus der tiefen Empfindung für die Erhabenheit der Natur herauswuchs und wie mit der fortschreitenden kulturellen Entwicklung dieser psychologische Monotheismus durch den denkenden Verstand zum wissenschaftlichen Monotheismus ausgebaut wurde, der die Brücke zwischen den beiden nur scheinbaren Gegensätzen, „Glaube und Wissen", darstellt. Den Gipfelpunkt der Gotteserkenntnis aber bildet der ethische und sittliche Monotheismus, welcher seinen prägnantesten Ausdruck in den Lehren des Judentums findet. Diese durch Sittenreinheit zu betätigende Gotteserkenntnis ist wunderbar dargelegt in unserem Prophetentume, welches als den Maßstab aller ethischen Gottesanschauung den unveräußerlichen Anspruch jedes Menschen auf sein Leben und seine Ueberzeugung betrachtet. Wahrhaft heilig sein, heißt wahrhaft menschlich sein. Diesen Maßstab werde in Zukunft jede wahrhafte Humanität anlegen müssen. Die wesentliche Mission des Judentums bestehe darin, seine religiösen Gedanken rein und lebendig zu erhalten und durch vollendeten Lebensgang zu beweisen, wie. dieselben auf den Menschen und feinen Charakter wirken können. Die Bekehrung Anderer jedoch, die immer einen Beigeschmack von Gewalt behält und mit der Ueberzeugung derselben gar nichts zu tun hat, sei dem Wesen des Judentums diametral entgegengesetzt. Leben heiße leiden. Wohl dem duldenden Volksstamme, der sich der Ursachen seines Leidens treu bewußt bleibt, wehe ihm aber, wenn er nicht mehr weiß, wofür er leidet! Israels Stolz bilde es, den Zweck seiner Prüfungen zu einem System erhoben zu haben. Dieses System sei innig verwachsen mit der Ueberzeugung aller Guten, daß diese schöne Welt nur zur Liebe gegründet sein kann. Jedes Jahrhundert der Kultur bedeutet trotz allem Haß und Kampf einen neuen Lenz der Menschheit, dessen frischer, lebendiger Hauch alle schwarzen Raben des Hasses in ihre düsteren Schlupfwinkel verscheucht. Wenn der letzte von ihnen verschwunden fein wird, dann werde der Monotheismus als das anerkannt werden, was er in der Tat ist, als ein Weltprinzip. Lebhafter, andauernder Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. In der darauffolgenden Diskussion über Vereinsangelegenheiten gaben die Herren Brill, Dr. Zins, Markus und Dr. K a d i s ch wertvolle Anregungen für die fermere Tätigkeit der „Union". Erst um Mitternacht schloß der Vorsitzende, Herr Dr. Schreiber, die interessante Versammlung. Leichenbegängnis des kaistrl. Rates Alois Pollak. Am 9. März d. I. wurden die sterblichen Ueberreste des kaiserlichen Rates Alois Pollak zu Grabe getragen und das Leichenbegängnis gestaltete sich durch die Beteiligung einer Fülle der angesehensten Persönlichkeiten aller Berufskreise zu einer der imposantesten Trauer-Manifestationen, die wir in den letzten Jahren sahen. Was aber dieser Leichenfeier sein charakteristisches Gepräge gab, das war die aufrichtige Teilnahme, die innige Ergriffenheit aller Leidtragenden und die korporative Beteiligung der. gesamten Beamten- und Arbeiterschaft, die mit ihren Angehörigen dem Verblichenen, den sie als ihren väterlichen Freund und Wohltäter ehrten und liebten, das letzte Geleite gaben. Aus der. Liste der hervorragendsten Personen, die sich im Trauerhause eingefunden, erwähnen wir: von der Chewra- Kadischa: die Herren Kultusvorsteher Salo Cohn, Ortsschulrat Heit und Adolf Rofenbaum: den Gesamt-Vorstand des Mariahilfer Tempel-Vereines unter Führung des Präsidenten Baurates Max Fleischer und Vize-Präsidenten Dr. I. Engel: das Präsidium des Vereines reisender Kaufleute: Herren kais. Rat Jos. M. Wolfbauer, Frankl, Engländer, Herrmann, sowie Delegierte mehrerer Ortsgruppen: in Vertretung des Handelsgerichtes: Oberlandesgerichlsrat Dr. Julius Kutschern, die Landesgerichtsräte Dr. S. Preuß und Dr. Jos. Löwner: den Präsidenten des Niederösterreichifchen Gewerbevereines Kommerzialrat Aug. Denk, Vize-Präsidenten Joh. Oesterreicher, Vize-Präsidenten des Wiener Kaufmännischen Vereines Herrn Friedrich Reiter, Gremialrat Panzer und Gehilfenobmann Karl Pick, eine Deputation des Kaiser Franz Josef-Ambulatoriums unter Führung des Obmannes Herrn kais. Rates Dr. Leop. Dömeny, den Generaldirektor der Südbahn Hofrat Dr. Ritter von Eger mit Gemalin, Herrn Regierungsrar Morawitz und Gemalin, Herrn Regierungsrat Moriz Wilhelm, Oberfinanzrat Dr. Hugo R. v. Leonhardt, Groß-Industriellen kais. Rat Arthur Ritter von Kink, Reichsratsabgeordneten Doktor Julius Ofner, Gemeinderat Stadt bäum elfter Zifferer: die kaiferl. Räte Moritz Hirsch, Wilh. Neuber, Baurat Stiaßny, Kommerzialrat Alb. Janowitzer, Sekretariats-Vorstand der Oesterreichifchen Bodenkreditanstalt Dr. Max Wilhelm, Primarius Dozent Doktor Otto Zuckerkand! und Gemalin, Lektor Friedmann und Religionsinspektor Dr. Langfelder, sowie Vertreter des Handels, der Papier-Industrie, Advokaten, Aerztc u. v. A., die alle dem Verblichenen auf den Zentralsriedhof das Geleite gaben. Der Trauerzug wurde durch zwei Blumenwagen eröffnet, welche die Fülle der herrlichsten Blumengewinde kaum zu fassen vermochten und eine unübersehbare Wagenreihe beschloß denselben. Die große Zeremonienhalle des Zentral-Friedhofes erwies sich für die zahllosen Trauergäste als zu klein und viele mußten in den Vorräumen der Trauerfeier beiwohnen. Tiefste Ergriffenheit bemächtigte sich der Trauerverfammlung, als Oberkantor Simon Dünmann vom Mariahilfer Tempel in gewohnter Meisterschaft und mit zu Aller Herzen gehenden Empfindung die Trauergesänge rezitierte: hierauf entwarf Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Taglicht in großen Zügen das Lebensbild des Verstorbenen: er schilderte, wie er durch ''Arbeitsamkeit, Fleiß und Rechtlichkeit im Vereine mit feinem gleichgesinnten Bruder sein Unternehmen zu einem der bedeutendsten und angesehensten des Reiches gestaltet, wie er zu Besitz und Ansehen gelangt, die Früchte seines Fleißes mit freigebiger Hand nach allen Seiten ausstreute; was der Verblichene unserer Gemeinde, was er vor allem seiner Familie gewesen. Kein Anwesender konnte sich der mächtigen Wirkung dieses liebevoll gezeichneten Charakterbildes entziehen. Nun trat der Präsident des „Vereines reifender Kaufleute", Herr kais. Rat Josef M. Wolfbauer an die Bahre, um namens des Vereines seinem verblichenen Ehren-Präsidenten die letzten Grüße zu entbieten. Er gedachte der unvergänglichen Verdienste, die sich der Verewigte um diese große kaufmännische Korporation durch die Schaffung und Förderung seiner mustergiltigen Wohlfahrts-Einrichtungen erworben, die für alle Zeiten ein bleibendes Denkmal seiner Hochherzigkeit und seines Edelsinnes bilden werden. Im Namen der Beamten und Arbeiterschaft ergriff nun einer der ältesten Beamten der Firma, Herr Hermann Schreiber das Wort zu folgendem Nachruf: „Erschüttert und vom tiefsten Leid erfüllt, folgt Deiner Bahre Alois Pollak die treue Schar Deiner Mitarbeiter, Deiner Beamten, Deiner Arbeiter und in ihrem Namen soll ich Dir, dem teuern Toten, den letzten Gruß entbieten, den letzten Zoll der Dankbarkeit darbringen. Wie soll ich Worte finden, die an das hinanreichen, was Du für uns getan, für Deine Güte, Milde, für Deine Hochherzigkeit, Deinen Edelmut, Deine weise väterliche Fürsorge. Noch sind die Worte kaum verklungen, die Dein Lebensbild gezeichnet, doch Viele, die leidvoll an Deiner Bahre stehen, haben nur ein Stück dieses Lebens gekannt. Wir,