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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-18 · 12 (18.3.1904) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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^eite 186 Dr. Blocb’s TKHocbenscbrift. Nr. 12 daß sich die Kultusgemeinde sehr wenig um denselben interessiert. Mörtel fällt von allen Seiten ab, Mauern drohen einzufallen Md ist zu befürchten, daß binnen kurzer Frist alles baufällig wird. Diese Schäden könnten derzeit noch mit wenig Opfern gutgemacht werden. Doch wenn nicht sofort Schritte unternommen werden, kann das viele hundert Kronen kosten. „Mit einer Handvoll Kalk, rettet man ein Haus." Hoffentlich werden diese Zellen genügen, die Kultusgemeinde an ihre Pflicht zu erinnern. I. S. in W. Brünn. Vielfach wird in den Kultusgemeinden darüber geklagt, daß cs. in der Gegenwart an Männern fehlt, welche bei gesegnetem Wohlstand Gemeinsinn auch mit jüdischer Wisfenschast moderner Bildung vereinten, um heilsam auf den Nachwuchs einzuwirken, wie es ehedem deren sehr viele in jeder größeren Gemeinde gab. Demgegenüber dürste es die Leser Ihrer geschätzten Wochenschrift sehr interessieren, von einem Vorkommnis der jüngsten Tage Kenntnis zu erhalten, das nicht nur documentat lo Almun Jisroel, sondern auch als Vorbild zur Nacheiferung dienen kann. Herr David T a u s s i g in Hermanmestec, der sich sowohl wegen seiner Solidität als Geschäftsmann, als auch in Anbetracht seiner Intelligenz und Wohltätigkeit im wellen Umkreise seines Domizils, wie auch über die Grenzen seines Heimatlandes eines großen Ansehens erfteut und seit Jahren in Zurückgezogenheit lebt, weilt zum Besuch bei seinen Kindern gegenwärtig in Brünn, wo sein Sohn unter des Vaters Firma das Geschäft weiter führt. Der betagte Herr T a u s s i g, welcher trotz langjähriger Arbeit voll geistiger und leiblicher AnstrengMg sich noch eine solche Rüstigkeit und Geistesfrische bewahrte, daß kein Fremder sein hohes Alter vermutet, feierte den vergangenen Purim sein achtzigjähriges Geburtsfest, aber so füll im engen Familienkreise, daß außer seinen Nächststehenden niemand in Brünn etwas davon merkte. Nichtsdestoweniger wurde er von auswärts mit zahlreichen telegraphischen und brieflichen Gratulationen begrüßt, von welcher nachstehende Zuschrift sellens des Vorstandes öffentliche Beachtung verdient, da diese ebenso dem Gratulierenden als dem Gefeierten zur Ehre dient. Sie lautet wörtlich: Sr. Wohlgeborcn Herrn David T a u s s i g, derzeit Brünn. Durch die Gnade des Allmächtigen begehen Sie am heutigen Tage im Kreise Ihrer engeren Familie die Feier Ihres achtzigjährigen Geburtssestes; ich bitte zu gestatten, daß sich zu dieser Feier auch ein großer Kreis Ihrer weiteren Familie, zu welcher sich mit Stolz unsere — Ihre Kultusgemeinde zählt, mit einfindet. Denn wie nur ein Vater für das Wohl seiner Kinder sorgen kann, behüteten und betreuten Sie Ihr ganzes segensreiches Leben hindurch in Liebe unsere altehrwürdige Gemeinde und deren Vereine und Institutionen, und zum allergrößten Teile gebührt nur Ihnen, allverehrter Herr Taussig das unbestrittene Verdienst, wenn unsere Gemeinde bis zum heutigen Tage einen ehrenvollen Platz unter den Cultusgemeinden einnimmt. Darum nimmt auch unsere Gemeinde dankbaren Herzens und in aufrichtiger Verehrung an Ihrem heutigen. Feste sreudigsten Anteil und als deren bevollmächtigter Dolmetsch will ich einsttmmen in das Gebet aller Ihrer Lieben und Getreuen: Der Allgütige nehme Sie auch fernerhin in Seinen gnädigen Schutz; Er behüte und bewahre Sie vor jeder Sorge und vor jedem Kummer und erhalte Sie noch eine ungezählte Reihe von Jahren an der Selle Ihrer geschätzten Frau Gemahlin, im Kreise Ihrer engeren und weiteren Familie in steter Gesundheit Md Geistesfrische. Bewahren Sie auch fernerhin Ihr liebevolles Wohlwollen unserer Kullusgemeinde, welche mit Stolz zu Ihnen emporblickt, und möge es uns gegönnt sein, Ihren bewährten Ratschlägen zum Wohle und ferneren Gedeihen unserer Kultusgemeinde noch lange, lange Jahre lauschen zu können. Jsraelllifche Kullusgemeinde Hermanmestec am 29. Februar 1904. Der Kullusgemeinde-Vorsteher Th. P o k o r n y. Zwei Immediatgesuche. In der „Breslauer Zeitung" veröffentlicht der Vorsitzende des Breslauer Anwaltsvereines Herr Justtzrat Feige zwei an den Kaiser gerichtete Eingaben, die gerade jetzt, unter dem Eindrücke der Reden des Abgeordneten Eickhoff und des Kriegsministers v. Einem, ein ganz besonderes Interesse hervorzurufen geeignet sind. Die Immediatgesuche lauten: „B r e s l a u, den 10. Oktober 1903. Ew. kaiserlichen und königlichen Majestät trage ich folgendes Gesuch vor: Mein ältester Sohn, Student der Rechte, Ernst Feige, hat vor wenigen Tagen bei dem Schles. Feldartillerie-Regiment Nr. 6 v. Peucker den Dienst als Einjährig-Freiwilliger beendet. Die Beförderung zum Unteroffizier und die Befähigung zum Reserveoffizier ist von ihm nicht erreicht worden, obwohl seine Führung tadellos war und obwohl er seine Schuldigkeit in vollem Umfange getan hat, gleich seinen beförderten Kameraden. Aber er ist Jude. Ich empfinde diese Zurücksetzung um so schwerer, als ich selbst den Krieg gegen Frankreich mitgemacht, mir das Eiserne Kreuz erworben habe und Offizier geworden bin. Der Stand, dem ich angehöre, und die Achtung, welche ich genieße, gestatten mir, meine Ehre derjenigen jedes anderen Vaters gleichzu-? achten, dessen Söhne der Aufnahme in den Offiziersstand für würdig erachtet werden. Es wäre nutzlos, wenn ich mich an eine andere hochstehende Person als an Ew. kaiserl. Majestät wenden wollte. Nur ein Wort Ew. Majestät vermag diesen Zustand zu beseitigen oder zu erhalten, welcher eine ganze Volksklasse mit der Schmach der Minderwertigkeit belastet. Als treuer Staatsbürger und alter Soldat wende ich mich an Ew. Majestät mit der Bitte, diese ebenso ehrenrührige wie unverdiente Zurücksetzung zu beseitigen." Hierauf erging unter dem 20. Oktober 1903 seitens des Generalkommandos des 6. Armeekorps, unterzeichnet v. Woyrsch, folgender Bescheid an Herrn Justizrat Feige: „Das Immediatgesuch Euer Hochwohlgeboren vom 10. Oktober d. I., betreffend die nicht erfolgte Beförderung Ihres Herrn Sohnes, des ehemaligen Einjahrig-Freiwilligen beim-Feldartillerieregiment v. Peucker (1. Schlesischen) Nr. 6, Ernst Feige, ist auf allerhöchsten Befehl dem Generalkommando zur Prüfung übergeben worden. Nachdem diese-Prüfung stattgefunden hat, 'teilt'das Generalkommando Euer Hochwohlgeboren ganz ergebenst mit, daß Ihr Sohn nur aus dem Grunde nicht befördert werden konnte, weil er den an einen Vorgesetzten zu stellenden Anforderungen nicht genügt hat." Dieser Bescheid war die Veranlassung zu dem zweiten Immediatgesuch, das unter dem 16. November abging und also lautet: „Ew. kaiserlichen und königlichen Majestät spreche ich meinen untertänigsten Dank dafür ans, daß eine Prüfung meiner Immediateingabe vom 10. vorigen Monates veranlaßt worden ist. Wenn dieselbe nach der Zuschrift des hiesigen Korpskommandos vom 28. vorigen Monates das Ergebnis gehabt haben soll, daß mein Sohn „nur aus dem Grunde nicht befördert werden konnte, weil er den an einen Vorgesetzten zu stellenden dienstlichen Anforderungen nicht genügt hat", so verkenne ich die wohlwollende Absicht keineswegs, von welcher diese Zuschrift diktiert ist. Entspräche sie aber den Tatsachen, so würde mich der Vorwurf treffen, auf Grund unzureichender Information eine leichtfertige Beschwerde erhoben zu haben. Sie entspricht den Tatsachen aber nicht. Denn eine vervollständigte Prüfung meiner Vorstellung wird ergeben, daß seit Jahrzehnten in Preußen nicht ein einziger Jude zum Reserveoffizier befördert wurde, daß somit eine grundsätzliche Ausschließung stattfand, und daß für uns Juden der Satz gilt: „gleiche Pflichten, ungleiche Rechte." Einer lediglich persönlichen Zurücksetzung wegen würde ich nicht wagen, Ew. kais rliche Majestät zu behelligen. Aber diese Minderwertung trifft mich als Mitglied einer ganzen Volksklosse. Das Generalkommando eines einzelnen Armeekorps ist bei dieser Sachlage auf Erteilung eines ausweichenden Bescheides augewiesen. Nur Ew. kaiserliche und königliche Majestät selbst haben die Macht, die Befolgung eines Grundsatzes zu untersagen, welcher eine Prüfung der etwa vorhandenen Befähigung von vornherein ausschließt und dadurch jenen beleidigenden Charakter gewinnt, der mich zur Beschwerde zwingt. Wer mit Stolz Preuße ist, hat einen empfindlichen Sinn für Wahrheit und Recht; und er wird es für selbstverständlich halten, daß dieser Sinn bei niemandem empfindlicher und stärker entwickelt ist, als bei seinem Kaiser und König. Die Zuversicht auf die Richtigkeit dieses Gedankens gibt mir die Hoffnung, daß meine Bemühungen nicht vergebliche sein werden, die Ursachen zu beseitigen, welche das bittere Gefühl entehrender Entrechtung erwecken." Auf dieses zweite Immediatgesuch ist keine weitere Antwort erfolgt. Die österreichische Post in Jerusalem. Die österreichische Post in Jerusalem veröffentlicht in den dortigen Blättern ein Zirkular, in welchem bekanntgegeben wird, daß die k. k. österreichische Postverwaltung zwei Briefträger angestellt habe, weil von nun an die durch die genannte Postver-

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