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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-18 · 12 (18.3.1904) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Llocd's Mocvenscvrm. Sette 187 waltung anlangenden Briefe den Adressaten gratis zugestellt werden sollen. Es ergeht nun die Aufforderung an alle diejenigen Bewohner Jerusalems, welche durch die österreichische Post ihre Sendungen erhalten, derselben ihre genaue Adresse (Gasse, Hausnummer u. s. w.) bekanntzugeben, sowie auch ihre im Auslande lebenden und mit ihnen korrespondierenden Verwandten, Freunde rc. zu veranlassen, auf ihren Postsendungen die Adresse genau und leserlich anzugeben, damit die Zustellung der Post raschestens effektuiert werden könne. Die österreichische Post in Jerusalem übernimmt auch die Beförderung von österreichischen Geldwerten und zwar sowohl in Banknoten, wie auch Gold, Silber und Nickel. Der Krieg hat den Juden in Rußland eine eigene Art Gleichberechtigung gebracht. Die Ordonnanzen des Kriegsministeriums über Formierung von Freiwilligenbataillonen in Ostasien aus allen regulären Truppen enthalten die ausdrückliche Klausel, daß man in diese Freiwilligenbataillone ohne Unterschied auch politisch verrufene Elemente und Juden stecken dürfe. Natürlich werden vor allem die jüdischen Soldaten nach Ostasien bestimmt. Die Erpressung „freiwilliger Beiträge" für Kriegsfond rc. bei der jüdischen Einwohnerschaft wird in Warschau mit großem Eifer betrieben. So hat man bei dem Millionär F. eine Haussuchung veranstaltet, bei der man sogar die Dielen aufgerissen hat und nach ergebnislosem Verlauf Herrn F. zu verstehen gegeben, daß die Juden sich verdächtig gemacht hätten, weil sie nicht genug freiwillige Beiträge spenden. Sogar die Diener im jüdischen Krankenhaus, die ein Gehalt von 5 Rubel haben, hat man zu freiwilligen Beiträgen herangezogen. Wieviel von diesen freiwilligen Beiträgen ihre eigentliche Bestimmung erreichen werden, ist recht zweifelhaft. . Die Meldung in, der „Neuen Freien Presse", daß man den einberufenen jüdischen Aerzten einen Teil ihrer Löhnung unterschlagen hat, bewahrheitet sich; man hat ihnen 900 Rubel statt der von der Regierung angewiesenen 1225 Rubel ausgezahlt. Die Tatsache kam nur durch den Zufall ans Licht, daß bei der Ablöhnung eines dieser jüdischen Aerzte ein höherer Offizier aus einer andern Garnison anwesend war. Hinrichtung jüdischer Deserteure in Warschau. Ueber einen grausigen Vorgang berichtet der „Oziennik Poznanski" wie folgt: „Nur prozentual zur Teilnahme an den Schulen — bekanntlich beträgt der höchste Prozentsatz 10% — und zu anderen Gerechtsamen zugelassen, werden die Juden ohne irgendwelche Einschränkung zur Teilnahme an den Wohltaten des Krieges aufgefordert. Niemals und nirgends staatlich ausgebildet, flüchten sie sich feige aus Reihe und Glied bei dem bloßen Gedanken an Rauch und Pulver, selbst wenn die Vorgänge sich im fernen Osten abspielen. Es haben also solche Juden zu desertieren begonnen, welche das Los für Ostasien gezogen haben. Sie desertierten, doch die Behörden erwischten die Deserteure, und drei von ihnen wurden kriegsrechtlich zum Tode verurteilt. Nun hat man sie am Glaces der Zitadelle, an einer für unser Gedächtnis ehrenvollen Stelle — auch polnische Freiheitskämpfer haben dort geblutet — aufgeknüpft. Warschau, das große, schöne, lebensvolle Warschau, wußte nichts von dem blutigen Drama, das sich innerhalb seiner Mauern abspielte: die Riesenstadt hörte bei Tagesbeginn nicht die Seufzer, die sich als letzter Atemzug der Brust der Unglückseligen entrangen, sie sah nicht die letzten krampfhaften Zuckungen der sich eines Verbrechens nicht bewußten Söhne Israels, welche unter dem Zwange der Regierung für das Vaterland, das nicht das ihrige war, in den Tod gehen sollten, wußte nichts von dem letzten Pulsschlag dreier Parias auf dem seit Jahrhunderten für sie gastlichen Boden Polens, der die am Galgen erstarrten jüdischen Leiber gleich so manchem früheren Opfer moskowitischen Despotismus in seinen warmen Schoß aufnahm. London. (Rußland und die sibirischen Juden.) Einer Petersburger Meldung des „Daily Expreß" zufolge bat die russische Regierung sämtliche Juden aus Tomsk, Omsk, Irkutsk und aus anderen Städten an der transsibirischen Eisenbahn ausgewiesen. Die Juden haben Protest gegen diesen Befehl eingelegt, aber die ruffischen Beamten erklären, daß die Ordre notwendig gewesen sei, weil die Inden in dem ganzen ruffischen Staatsgebiet den Hochverrat begünstigten und man deshalb befürchten müffe, daß sie militärische Geheimnisse über den Transport und die Disposition der Truppen an Japan gelangen lassen würden. Die Führer der Inden erklären dies für eine grobe Verleumdung, aber trotzdem werden die sibirischen Juden ihre Heimstätten verlassen müssen, und ihre Lage wird dadurch eine verzweifelte, daß die russische Regierung ihnen die Benutzung der Eisenbahn zur. Rückkehr nach dem europäischen Rußland verweigert. Die armen Leute haben auf diese Weise Strecken von 1500 bis 2000 englische Meilen zu Fuß zurückzulegen. Dabei herrscht eine furchtbare Kälte und die Wege sind tief verschneit. Außerdem haben die russischen Beamten Befehl erhalten, die Wanderer nicht zu unterstützen, und es wird diesen nicht einmal möglich sein, in dem schneebedeckten Sibirien Nachts Unterkunft zu finden. Die Zahl der zu dieser furchtbaren Rei'e verurteilten Juden wird auf zwei bis drei Tausend Köpfe geschätzt. Wohl wenige von de» Leuten dürften die Reise überstehen, was der ruffischen Regierung, die verachtungsvoll auf die asiatischen Juden herabsieht, selbstverständlich ganz gleichgiltig ist. Belfast. (Grundsteinlegung.) Hier ist der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt worden. Tie Gemahlin des jüdischen Lord-Mayors Jaffe hat den feierlichen Akt vollzogen und in einem dabei gesprochenen Gebet den Segen Gottes für das neue Gotteshaus erbeten. Als die jetzige Synagoge vor 40 Jahren in Belfast erbaut wurde, gab es hier nur zehn jüdische Familien; jetzt zählt die Gemeinde 700 Seelen und die Synagoge ist längst zu klein geworden. Das neue Gottehaus soll im Schiff Raum für 350 Sitzplätze bieten, die Frauengalerie enthält 200 Sitzplätze. Anschließend an die neue Synagoge wird eine rituelle Badeanstalt erbaut. London. (P o l n i s ch e I u d e n in den Kohlenbergwerken Schottlands.) Mr. Markham hatte jüngst an den Staatssekretär des Innern die Anfrage gerichtet, ob ihm bekannt sei, daß in den Kohlenbergwerken Englands 4000 polnische Juden, die der englischen Sprache unkundig seien, arbeiten und eben wegen dieser Unkenntnis eine ständige Gefahr für die Sicherheit in den betreffenden Kohlenwerken bedeuten. Falls dem Minister diese Tatsachen bekannt seien, möge er sich äußern, ob er Schritte unternehmen wolle, um die fernere Verwendung solcher fremder Elemente in den Kohlengruben zu verhindern. Der Staatssekretär Mr. Akers Douglas beantwortete diese Frage in folgender Weise: Meine Information über diese Angelegenheit, die das Staatssekretariat des Innern seit einigen Jahren beschäftigt, weicht von jener des verehrten Interpellanten einigermaßen ab. Sorgfältige Nachforschungen in den schottischen Kohlenwerken, wo 1200 polnische Juden beschäftigt sind, haben ergeben, daß diese Leute in keiner Weise eine Gefahr für die anderen Arbeiter darstellen. Ich habe mich selbst überzeugt, daß die fremden Arbeiter in den Gruben über ihre Pflichten belehrt werden, und ich sehe mich daher nicht veranlaßt, gegen die polnisch - jüdischen Arbeiter irgend welche Schritte zu unternehmen. Newyork. (Die Einwanderung in Nordamerika.) In Amerika macht sich neuerdings eine Bewegung zur Verschärfung der Einwanderergesetze bemerkbar. Die Bewachung der kanadischen Grenze wurde im abgelausenen Jahre effektiv durchgesührt; auch an der Grenze gegen Mexiko wird in Zukunft ein strenger Ueberwachungsdienst eingesührt werden. Der Kommissioner General schlägt vor, allen über 60 Jahre alten Personen die Einwanderung zu verbieten, außer sie haben dort ansässige Kinder. Weiter sollen nach den europäischen Einschiffungsplätzen Bevollmächtigte des Einwandereramts gesandt werden, um die Ausnahme kranker Reisender zu verhindern. Es wird der Vorschlag gemacht, in den Häsen der Union Agenturen zu errichten, welche die Verteilung der Ankömmlinge nach jenen Landesteilen zu besorgen haben, wo Arbeitskräfte vonnöten sind. Jnsbesonders soll der Strom der Einwanderung von den großen Städten abgelenkt werden. Schließlich wird noch der Vorschlag gemacht, bei der Verleihung des Bürgerrechtes an Fremde einschränkende Maßregeln zu ergreifen.

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