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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-18 · 12 (18.3.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 184 Dr. Dlocb's Wocbenscbrtft Nr. 12 die Herr Schwarz mit der Bitte eröffnete, nähere Auskunft bezüglich der subventionierten Schulen und insbesondere der religiösen Richtung derselben zu erteilen. Herr Dr. Nathan antwortete durch Verlesung des folgenden Paragraphen aus der Schulstiftung des Vereines: „Der deutsche Unterricht soll in den Schulen den Zusammenhang mit der Kultur der zivilisierten Welt vermitteln; im übrigen sollen diese Anstalten durchaus den lokalen Bedürfnissen angepaßt sein. Insbesondere soll der Unterricht in der jüdischen Religion und im Hebräischen den Ueberzeugungen jener Kreise durchaus entsprechen, die ihre Kinder der Anstalt anvertrauen. Die Anstalten haben die religiösen Anschauungen der überwiegenden Mehrzahl der Eltern zu vertreten und weder eine liberale, noch eine orthodoxe Propaganda zu treiben. Redner fügte hinzu, daß, obwohl er selbst auf der äußersten Linken im Judentum stehe, er vollkommen anerkennen müsse, daß im Orient die Orthodoxie eine sittliche Macht sei und daß cs unrecht wäre, die religiöse Anschauung der dortigen Juden in irgend einer Form anzutasten. In Galizien lägen die Verhältnisse so, daß die Schulpflicht gesetzlich sei, aber äe facto nur auf dem Papier stünde. Für die Juden böten einen gewissen Ersatz die Schulen der Baron Hirsch-Stiftung, deren Wirken ein überaus segensvolles sei. Der Hilfsverein habe sich entschlossen, gemeinsam mit dem Wiener Hilfsverein eine Anzahl von Knaben, welche diese Hirsch-Schulen absolviert hätten, in Westösterreich zu tüchtigen Handwerkern ausbilden zu lassen. In Rußland scheitere leider eine derartige Tätigkeit an dem Widerstand der Regierung; doch gehe man dort mit dem Plan um, ein Lehrerseminar zu errichten, das sicher die Unterstützung des Hilfsvereines finden würde. Herr S e l i g s o h n bedauert das mangelhafte Interesse speziell der Berliner Juden für den Hilfsverein und bittet, die Propaganda noch energischer als bisher zu betreiben. Für die großen Zwecke des Vereines sind die Mittel zu klein, während die „Allianz" z. B. einen Etat von 1!/2 Millionen jährlich habe. Der Vorstand des Hilfsvereines verdiene für seine eifrige Tätigkeit seinen wärmsten Dank. Herr Generalkonsul Landau dankt namens des Vorstandes für die freundliche Anerkennung und verweist darauf, daß die „Allianz" um '/,<> ihrer Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen zieht, während 9/,0 aus den Zinsen von Stiftungen fließen. Natürlich kam sich der Hilfsverein, der erst zwei Jahre besteht, mit der „Allianz", die fast ein halbes Jahrhundert hinter sich hat, in diesem Punkte nicht vergleichen. Redner bittet die Anwesenden, bei festlichen Gelegenheiten, wie insbesondere auch bei Testamenten des Hilfsvereines zu gedenken und für solche Stiftungen in ihrem Bekanntenkreise Stimmung zu machen. Ein schöner Anfang sei ja bereits durch die Stiftung von 300.000 Mark seitens der Baronin von Cohn-Oppenheim gemacht worden. Herr B e h r gibt einige Anregungen in Bezug auf die ausländischen Juden in Berlin und tritt für die Aufrechterhaltung der Religion bei den Juden im Orient ein. Herr James Simon dankt für die Anregungen, betont aber, daß die Sorge für das jüdische Proletariat in Berlin nicht Sache des Hilfsvereines sein könne. Liberale und orthodoxe Juden sind vom sittlichen Standpunkte aus vollkommen gleichwertig; nur die Moralität des Einzelnen mache einen Unterschied. Professor Barth spricht dem Vorstand den speziellen Dank der Versammlung für sein rasches und erfolgreiches Eingreifen in der Kischencw-Affaire aus und hebt hervor, wie vortrefflich sich die Organisation des Vereines bei diesen Sammlungen bewährt habe. Da sich Niemand weiter zum Wort meldet, wird die Diskussion geschlossen und die beantragte Erteilung der Decharge einstimmig angenommen. Ebenso wird einstimmig der vorgelegte Bericht genehmigt. Herr James Simon dankt Herrn Direktor Picard, dem bisherigen Schatzmeister, der sein Amt niederlegen muß, weil er Berlin verläßt, für seine aufopferungsvolle Geschäftsführung und schließt mit einigen Dankesworten - an die Erschienenen die Versammlung. Mährisch-jüdischer Landesmafsefonds. Die Montag in Brünn abgehaltene Generalversammlung der Delegierten zur Verwaltung dieses Fonds war von 40 Gemeindevertretern besucht. Der zum Vorsitzenden gewählte Regierungsrat Doktor Spitzer gedenkt nach Begrüßung der Versammelten und Konstatierung der Beschlußfähigkeit des Ablebens eines langjährigen Delegierten, des Herrn Samuel Königsstein aus Bisenz, dessen Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrt. Der Rechnungsabschluß des Fonds nebst dem Rechenschaftsberichte des Kuratoriums für das Jahr 1903, der den allmählichen Rückgang des Fondserträgnisses beklagt, dem die steigenden Ansprüche der Gemeinden gegenüberstehen, wird nach Verlesung des Revisionsberichtes durch den Delegierten Bittner genehmigt und es wird dem Kuratorium die Entlastung erteilt. Hierauf erstattet der Vorsitzende einen Bericht über den Stand der Versicherungsangelegenheit der Gemeinde-Angestellten, wornach 28 Gemeinden den Beitritt zur Versicherung derselben bei der Mährischen Landesversichernngsanstalt angemeldet haben, einige bedingt beitraten, während von 16 Gemeinden noch kein endgiltiger Beschluß vorliegt. Zu den Kosten der Versicherung der bisher angemeldeten 88 Angestellten, denen ihre bereits vollstreckte Dienstzeit entweder ganz oder zum Teil angerechnet werden soll, hat der Fonds vorläufig eine jährliche Annuität von 4404 K durch 40 Jahre beizntragen, die sich nach dem Beitritt der weiteren Gemeinden eventuell bis zum Maximalbetrage von 10.000 X erhöhen wird. Der Vorsitzende betont, daß mit dieser Aktion eine hervorragende sozialpolitische Aufgabe gelöst wurde und daß sich die Delegierten mit diesem Beschlüsse einen gerechten Anspruch auf den Dank der Gemeindebeamten wie auch der Gemeinden selbst erworben haben, da die soziale Stellung und die Arbeitsfreudigkeit der Beamten hiedurch gehoben wurden. Kurator Dr. Körner spricht sich im selben Sinne aus und befürwortet wärmstens die Annahme der bezüglichen Anträge des Kuratoriums. Bittner beantragt eine interne Versicherung, die aus Grund der jährlichen Dotation von 10.000 X günstigere Ergebnisse für die Angestellten voraussetzen ließe. Nach längerer Debatte wird unter großem Beifall beschlossen, das Kuratorium zum Abschlüsse der Versicherung für die bisher beigetreteneu Gemeinden zu ermächtigen, die gedachte Beitragsquote auf den Fonds zu übernehmen und die Verhandlungen mit den übrigen Gemeinden wegen ihres Beitrittes fortznsetzen. Da die verfügbaren Mittel des Fonds für die Uebernahme dieser neuen Last nicht ausreichen, wirdeine Statutenänderung in dem Sinne beschlossen, daß die bisherige jährliche Dotation des Reservefonds mit 5 Perzent des Fondserträgnisses zu entfallen habe. Es wird hieraus in die Beratung, des Voranschlages per 1904 eingegangen und dessen Posten im einzelnen und in den Summen genehmigt. Bei der Post Bildungs- und Humanitätsanstalten werden außer den bisherigen einige kleinere Subventionen neu bewilligt. Die Subvention für die jüdisch-theologische Lehranstalt in Wien per 2000 X, die seinerzeit auf 10 Jahre bewilligt war, konnte wegen der anderweitigen Inanspruchnahme der Fondsmittel, namentlich durch die Versicherung der Gemeindebeamten bei aller Anerkennung der Notwendigkeit und ersprießlichen Wirksamkeit dieser Anstalt nur mehr mit dem auf die Hälfte herabgesetzten Betrage von 1000 X eingestellt werden. Zu Revisoren werden die Herren Bittner, Pollenz und Tandler wiedergewählt, und nachdem Dr. Nokotnitz dem Vorsitzenden für seine Mühewaltung gedankt, schließt dieser die Versammlung mit dem Wunsche, es mögen die heute gefaßten Beschlüsse den Gemeinden und der gesamten mährischen Judenschaft zum Segen gereichen. Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Kuttusvorstandes vom 13. März 1904, unter dem Vorsitze des I. Vize-Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags. An Spenden sind eingelaufen: Von den Damen Jda Fließ, Marie Bondy, Melanie Rie und Herrn Oskar Bondh zur Errichtung einer Bettstiftung im israel. Siechenhause zum Andenken an ihre dahingeschiedene Mutter Pauline Bondy.K 12.000.— Sammlung der Administration der „Neuen Freien Presse" zur Ausspeisung armer isr. Schulkinder im XX. Bezirke.„ 160.— Von Herrn Fritz Weiß für den isr. Waisen-Verein „ 10.— Von K. S. für arme Wöchnerinnen. ...... „ 4.— „Jahrestag" für wohltätige Zwecke.......... 4.—

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