Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 12 (18.3.1904)
- Date
- 1904-03-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 12 Dr. Vlocb s MocbenscbrM. Seite 183 semitischer Bund hatte die Juden hinausgeworfen,' die Inden wenden alles auf, um einen antisemitischen Verband auszunehmen! Den christlichen Radfahrern kam das sehr gelegen. Denn sie waren durch eine ungetreue Leitung in eine arge Schlamastik geraten, und zudem winkte ihnen die Aussicht, sich des ganzen Touring-Klubs mit seinen reichen Mitteln zu bemächtigen. So wurde denn unter allseitiger Rührung die Vereinigung vollzogen. Was aber vorauszusehen war, traf ein; die Partie hielt sich nicht. Die christlichen Radfahrer ziehen wieder ab. Mit der Eroberung ist es nicht gegangen; die Ehre verbietet ihnen, mit Juden in einem Klub zu sein, und dann sind ihnen die Beiträge zu hoch. Sie haben ihr Herz und ihre Gesinnung entdeckt; sie gehen. Das Bild aber stellt sich nun folgendermaßen dar. Der österreichische Radfahrerbund ist krank, der Oesterreichische Touring-Klub ist krank, der Verband christlicher Radfahrer ist krank, und der ganze österreichische Radfahrsport ist auch krank. — Wo der Antisemitismus hintritt, wächst kein Gras mehr. 'Whig. „Rltnerrland" Nr. 3 schreibt: Volksdomänen in Palästina. Die „Kommission zur Erforschung Palästinas" unterbreitet der jüdischen Oeffentlichkeit folgenden Vorschlag: Die gemäß Beschluß des 6. Kongresses mit den Mitteln des Nationalfonds angekauften und noch anzukaufenden Ländereien Palästinas werden zu .Volksdomänen" erklärt. Es wird unter dem Namen „Oelbaumspende" eine allgemeine Geldsammlung für den Volksdomänenfonds emgeleitet, zu dem Zwecke, die Volksdomänen mit Olivenbäumen zu bepflanzen und derart für die ideellen Zwecke des jüdischen Volkes nutzbar zu machen. Als Minßestspende wird die zur Pflanzung und Pflege eines Oelbaumes bis zu seiner Selbsterhaltung nötige Summe von 6 Mark oder 7-50 Francs oder 3 Rubel oder 6 Shilling oder 1-5 Dollar festgesetzt. Der Name des Spenders wird mit der Nummer des von ihm gestifteten Baumes in ein Spenderbuch eingetragen. Ter Spender erhält eine Kopie dieser Eintragung. Die Spenden von mindestens zehn Bäumen, mit denen ein Dunam (Gartenparzelle) bepflanzt wird, werden in ein eigenes Tonatorenbuch, die Spenden von mindestens 10 > Bäumen, die für 1 Hktar (Garten) ausreichen, in das goldene Buch des Nationalfonds eingetragen. Außerdem tragen die innerhalb der einzelnen Volksdomänen angelegten Gärten respektive Gartenparzellen den Namen der Stifter oder eine von ihnen in Vorschlag gebrachte Benennung. Der Stifter von mindestens 1000 Bäumen (für 10 Hektar) gibt einem ganzen Olivenhain seinen oder einen von ihm bestimmten Namen. Es können allerdings anch Vereine und Verbindungen aller Art, Familien, Landsmannschaften und andere Korporationen als Spender, Donatoren und Stifter eingetragen werden. Die jüdischen Zeitungen werden aufgefordert, diese Spenden unter dem Titel „Oelbaumspende" entgegenzunehmen und auszuweisen. Alle Spenden und Stiftungen werden an den Jewish Kolonial Trust abgeführt, der den Volksdomänenfonds ebenso wie den Nationalfonds verwaltet. Auf diese Weise wird es keine Schwierigkeiten machen, für die aus dem Nationalfonds angekauften Ländereien die Mittel zu ihrer sofortigen Bepflanzung bereitzustellen. Die Verwaltung der Volksdomänen wird einer vom Kongreß eingesetzten und vom A -C. überwachten Kommission übertragen. Die „Kommission zur Erforschung Palästinas" erbietet sich, die Grundlage der Organisation zu schaffen und durch ihre fachmännischen Beamten und Mitarbeiter in Palästina die ersten Abgrenzungs- und Pflanzarbeiten ausführen zu lassen, bis der Umfang der Geschäfte eine eigene Verwaltung erfordert. Ueber die Verwendung der freilich erst nach 6-10 Jahren zu erwartenden Einkünfte dieser Volksdomänen wird auf eineni Kongreß Beschluß gefaßt werden. Wir möchten aber schon jetzt befürworten, daß die Einnahmen der Volksdomänen zur Gründung und Unterhaltung von Hochschulen in Palästina verwendet werden. Ideelle Arbeit für ideelle Güter. Da der künftige Ertrag pro Hektar Olivcnland auf mindestens 300 Francs zu veranschlagen ist, so würde schon die Bepflanzung der dem jetzigen Stande des Nationalsonds entsprechenden Ländereien (etwa 3000 Hektar, genügen, um eine Hochschule zu unterhalten. Aber auch materielle Güter würden geschaffen: Tausende von jüdischen Arbeitern oder Erbpächtern werden bei den Volksdomänen dauernd ihren Unterhalt finden, neue Industrien werden in Palästina entstehen, die Ausfuhr sich vermehren irnd Handel und Wandel erblühen. Der Hilfsverein der deutschen Juden hielt in Berlin am 13. März 1904 im Saale des Hotels Prinz Albrecht eine stark besuchte Generalversammlung ab. Herr James-Simon, der Vorsitzende des Vereines, eröffnete die Versammlung mit der Konstatierung, daß die Einladung ordnungsgemäß erfolgt sei, und ernannte Herrn Bambus zum Protokollführer. Alsdann teilte er mit, daß den Berliner Mitgliedern ein Korrekturabzug des Jahresberichtes zugegangen sei, der vom Zentral-Komitee genehmigt worden ist. Die Versammlung nahm von der Verlesung dieses Berichtes Abstand, jedoch gab aus Wunsch aus derselben Herr Dr. P. Nathan einen Extrakt des Berichtes. Er führte aus, daß der Verein im abgetaufenen Jahre mit seinen Erfolgen zufrieden sein könne. Die Mitgliederzahl habe sich verdoppelt — aus fast 6000 — die Einnahmen aus den verschiedensten Quellen seien auf 96.000 Mk. gestiegen. Mit den anderen Organisationen gleicher Tendenz hat der Hilfsverein im freundschaftlichen Verhältnis gestanden und bei mannigfachen Gelegenheiten gemeinsam gewirkt. Die Tätigkeit des Vereines in Galizien hat in erster Linie in der Unterstützung des befreundeten Wiener Vereines bei seinen Bemühungen, Hausindustrien einzuführen, bestanden. Die Haarnetzindustrie hat immer weitere Ausdehnung gefunden. Daneben verspricht die Herren-Konfektion ein wichtiger Beschästigungszweig für unsere Glaubensgenossen in Galizien zu werden. Einen großen Erfolg bedeutet der Kongreß in Lemberg zur Bekämpfung des Mädchenhandels, wo sich alle interessierten Organisationen zusammengefunden haben und dessen wichtigstes Resultat die Gründung eines speziellen Vereines zum Schutze jüdischer Frauen und Mädchen ist. Der neue Verein hat seine Tätigkeit bereits begonnen und wird sich der eifrigsten Förderung seitens des Hilfsvereines erfreuen. Auf die russischen Verhältnisse näher einzugehen, hält Redner überflüssig, da dieselben aus den Zeitungen genügend bekannt sind. Der Hinweis ist ausreichend, daß der Hilfsverein die erste lvesteuropäische Organisation war, welche auf die frühesten Nachrichten hin einen eigenen Delegierten, Herrn Berget, an Ort und Stelle sandte, um die Verhältnisse zu studieren, und gleichzeitig einen namhaften Beitrag aus eigenen Mitteln zur Verfügung stellte. Dank der Bereitwilligkeit unserer Glaubensgenossen, zu Helsen, sind die Mittel für die Unterstützungsaktivn in Kischenew sehr reichlich geflossen, und es ist möglich gewesen, einen Teil davon auch für Homel zu verwenden, wo ähnliche Exzesse vorgekommen sind. Die große Gefahr für unsere Glaubensgenossen dauert aber noch immer fort, und noch immer ist es möglich, daß die Regierung sie dem Pöbel opfert, um dessen Mißstimmung zu beschwichtigen. Unsererseits ist alles geschehen, um in der öffentlichen Meinung auf derartige Zustände hinzuweisen, sowie wahrheitsgetreue Berichte an die höchste Stelle in Rußland gelangen zu laffen. Leider haben die Gerichtsverhandlungen in Kischenew nur das Resultat ergeben, daß die Verführer straflos ausgegangen sind, während der verführte Pöbel verhältnismäßig geringe Strafen erhalten hat. In Rumänien ist die Handhabung der antisemitischen Gesetzgebung seitens der Regierung etwas besser geworden, aber noch immer sind die Juden tatsächlich aus den öffentlichen Schulen fast ganz ausgeschlossen, und wir haben wiederholt eingreisen müssen, um von unseren Glaubensgenossen speziell unterhaltene Schulen zu unterstützen. Auch in der Türkei, wo die Juden sonst in Ruhe leben können, sind Nichtmohammedaner, also Juden und Christen, in Bezug auf das Schulwesen ganz aus ihre eigenen Kräfte angewiesen. Der Hilfsverein unterstützt eine Anzahl Schulen, in denen neben Hebräisch und der Landessprache, also Türkisch oder Arabisch, das Deutsche als moderne Kultursprache herrscht, weil die jüdische Bevölkerung der betreffenden Städte deutsche Schulen fordert. Diese Tätigkeit des Vereins bahnt der Kultur den Weg: wir arbeiten nicht nur im Interesse unserer Glaubensgenossen, sondern zugleich im Interesse der Staaten, indem wir die geistigen und materiellen Fähigkeiten unserer dort lebenden Glaubensgenossen entwickeln. Darum dürfen wir hoffen, daß uns der gebildete Teil der zivilisierten Welt und nicht bloß die Juden bei unserer Arbeit unterstützen werden. Mit einem warmen ^Appell an die Anwesenden, dem Verein neue Mitglieder zu werben, schloß der Redner. — Es folgt eine lebhafte Diskussion.