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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-11 · 11 (11.3.1904) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 11 Dr Klocb's Mocbenscbntt Seite 173 Volkes und Landes bestrebter Regent wurde. Dieser Widerspruch im Charakter läßt sich psychologisch erklären — führte Tr. I Ernst aus — denn Agrippa's Neigung zur Schlemmerei, seine Leidenschaft für Wohlleben und Verschwendung entsprangen dem Streben im Strudel des römischen Lebens, zu vergessen der grausigen Erinnerungen, die sein kindliches Gemüt vergiftet hatten. War doch Agrippa auch während seines Aufenthaltes in Nom ein warmer Fürsprecher seiner Glaubensgenossen z. B. bei Claudius. Frömmigkeit wohl zierte ihn erst am Throne. Die Schilderung des damaligen jüdischen Parteilebcns. der Zustände in Alexandrien mit bemerkenswerten Hinweisen und Streiflichtern ans ähnliche heutige Ereignisse und Zustände verliehen dem Vortrage besonderes Interesse. Die fesselnde Darstellung, die volkstümliche Bearbeitung begründeten vollauf den anhaltenden Beifall, womit die zahlreiche Zuhörerschaft, in welcher die Damen einen bedeutenden Teil bildeten, die Mühe des Vortragenden lohnte, der gerne dem Rnfe der Vereinsleitung folgte, an deni Werke der Förderung und Verbreitung jüdischen Wissens tätig mitznwirken. Pöchlarn. (P u r i m k r ä n z ch e n.) Um den in der Kultnsgemeinde Amstetten und in den angrenzenden Gebieten zerstreut wohnhaften jüdischen Familien Gelegenheit zu bieten, das Pnrimfest einmal in ihrer Heimat gemeinsam zu feiern, ist von eurem rührigen Komitee in dem zentral gelegenen Pöchlarn ein Purimkränzchen veranstaltet worden, welches äußerst gelungen verlaufen ist. Den Ball haben mit ihrem Besuche beehrt: Ihre Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Adolf Schächter aus St. Pölten und Dr. D. Rudolfer ans Amstetlen, sowie eine Deputation des Purimballkomitees St. Pölten. Hoffentlich wird das Komitee durch diesen ersten glücklichen Versuch veranlaßt werden, alljährig eine PurimunterHaltung zu veranstalten. Preftburg. Vor kurzem verstarb hier der allbekannte und hochgeachtete hiesige Lederhändlcr Leopold Schlesinger. Der Verstorbene hat noch im Oktober vorigen Jahres seine diamantene Hochzeit gefeiert, wie auch für seine besonderen Verdienste vom Kaiser Franz im Jahre 182, eine Auszeichnung persönlich erhalten. Er war das älteste Mitglied der orth.-Israel. Knltnsgemeinde und Vorsteher mehrerer israel. Wohltätigkeitsvereine. Im Trauerhause erschienen: die Vorstände der orth. und neol. Gemeinde; korporativ erschienen: die Vereine Chewra- Kadischa unter Führung W. Schwarz, D. Kann, S. Löwensohn; Verein Schmuck der Jugend: Israel Weiner, Elkan Meier, Wilhelm Neumann; Verein Temimi Deiech : Leopold Frankel, Moriz Szamek, S. Weiß; Verein Tliorad Chesed: M. Fray, G. Neuschloß; Israel. Versorgungshaus: Hermann Steiner, Salomo» Lustig; Waisenhaus: Lazar Gestettner, Ludwig Treusch. Rabbiner Steinschneider hielt eine tief ergreifende Rede mit dem Schluffe: velai jökim bejisroel. Es wird sobald in der Gemeinde ein solcher Mann nicht zu finden sein, wie Schlesinger war. Auch der Präses der orth. Kultusgemeinde, Herr Lazar Gestettner, widmete dem Verstorbenen bei der Gemeindesitzung einen warmen Nachruf und sein Name wurde protokollarisch verewigt. Leipzig. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Grafen Pückler-Klein-Tfchirne, der am 6. Oktober vom Landgericht II Berlin wegen Beleidigung der jüdischen Einlvohner Glogaus, begangen durch eine Rede in Berlin, zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Auch die Revision der Nebenkläger wurde durch dasselbe Urteil verworfen, soweit dadurch Pückler und Stenograph Schimmelpfennig der Beleidigung der Glogauer Juden durch den Vorwurf des an Pückler begangenen Giftmordversuches für nicht schuldig befunden wurden. Magdeburg. Am 2. März verschied hier nach langem Leiden der Rabbiner Dr. Moritz Rahmer nach 37jährigem Wirken in der hiesigen' israelitischen Gemeinde. Der Verstorbene, welcher ein Alter von 67 Jahren erreichte, war einer der angesehensten Rabbiner Deutschlands, der sich nicht nur als Gelehrter und Redner, sowie durch seine vielfache literarische Tätigkeit rühmlichst bekannt gemacht hat, sondern er war auch durch das Vertrauen seiner Mitbürger früher viele Jahre lang liberaler Stadtverordneter in Magdeburg und hat sich als solcher große Verdienste um die Schulangelegenheiten unserer Stadt erworben. Warschau. Die Jubiläumsfeier der 25jährigen schriftstellerischen Tätigkeit des Herrn N. Sokolon findet am Sonntag den 20. März 1904 statt. Die Adresse des Jubiläums-Komitees ist: Herrn Dr. S. Mintz, Warschau, Ohranizznastraße 8. Kiew. (Brand einer uralten Synagoge.) In der Stadt Umau, der ältesten jüdischen Ansiedlung in Wolhynien, ist die aus dem IX. Jahrhundert stammende Synagoge ein Raub der Flammen geworden. Der tausendjährige Bau ist bis auf den Grund abgebrannt. Siebzig Thorarollen von großem Werte und verschiedene andere rituelle Kostbarkeiten sind ebenfalls verbrannt. Feuilleton. Alle Rechte Vorbehalten Indische Kulturbilder. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komärom. (Fortsetzung.) Ich will mit einigen Federstrichen sein Bild entwerfen- Rabbi Salamon Quetsch war mittelgroß, eher klein als groß, sein glattrasiertes Gesicht unirahmte ein grauer Backenbart, über seine freundlich blickenden grauen Augen wölbte sich eine hohe Stirne. In Nikolsburg von armen Ettern geboren, war er einer der hervorragendsten Schüler des berühniten mährischen Landesrabbiners R. Morde chai Be net gewesen. Nach dessen Tode war er neben den Söhnen des Verblichenen und dem aus Polen eingewanderten T r i e s ch e r Rabbiner R. Eleazar Löw, gewöhnlich nach seinem Werke Schemen r o 1c e a e b genannt, Kandidat für das erledigte Landrabbinat.*) Doch wurde keiner von ihnen, sondern RabbiNachum- Trebitsch gewählt. Vor diesem Herrn des Talmuds beugte auch Rabbiner Quetsch sein Knie. Doch konnte er es nicht verwinden, daß nach dessen Ableben nicht er, der schon als Nikolsburger Kind das meiste Anrecht aus das Rabbinat zu haben glaubte, sondern ein Ausländer, Rabbiner Samson Rafael Hirsch aus Emden, gewählt wurde, dessen klassische Bildung ihm durchaus nicht imponierte, ja, den er pur et simple einen „Amhorez“ (Unwissenden), nannte. Dem sollte er, der scharfsinnigste und gewiegteste unter den Rabbinen Mährens, untergeordnet sein, dem seine Reverenz als Landesrabbiner bezeigen? Nie und nimmer! Und er unterließ es auch nicht, bei jeder Gelegenheit dieser seiner Mißachtung Ausdruck zu geben. Als er einmal seine Vaterstadt besuchte und ihm — wie üblich — die Abhaltung einer Predigt vom Vorstande angeboten wurde, welchem Ansuchen er auch Folge gab, da a b s e nt i e r t e sich der Landesrabbiner, ein Halsleiden vorschützend. — Rabbiner Quetsch bemerkte hierauf mit beißendem Sarkasmus: Ein L a m d a n (Gelehrter), hat Kopfweh, ein Sänger — Halsweh. — Rabbiner Hirsch galt nämlich als vorzüglicher Pianist und guter Sänger. Und weil es der Leipniker Rabbiner herausfühlte, daß nur der Mangel an weltlichem Wissen, besonders aber Kenntnis der deutschen Sprache, die Ursache seiner Prüterierung war, so suchte er diese Lücke auszusüllen, und las deutsche oder vielmehr ins Deutsche übertragene französische Romane. Er bemühte sich auch, in seinen Predigten eine gewählte Sprache zu gebrauchen, aber sie war entsetzlich anzuhören, diese „erhabene Sprache" und die prononziert jüdische Aussprache machte die allerschönste Phrase ungenießbar. Bei seinem strengen Konservatismus war er liberal und nachsichtig. Ich erinnere mich einer Predigt, wo er die jüdischen Gymnasialschüler, welche er von seinem Fenster aus am Sabbat auf die Mauer mit Bleifeder schreiben sah, zurechtwies; aber wie sanft und liebevoll tat er es! Er benützte hiezu folgende Stelle im Midrasch: *) Für Feinschmecker und — Kenner will ich folgenden trefflichen Witz mittheilen, der damals die Runde machte. Ein guter Kopf hat nämlich heransgefunden, daß diese drei Kandidaten schon in der Hagada stehen, p« *]*n nwoä m—u*3r n« 8i'i „Gott sah unser Elend", — das ist der Mangel an Anstand; kann da ein anderer gemeint sein, als — der Pole, der Triescher Rabbi? — Unser schweres Leid' — das sind die Söhne; pmn m - nrri und unser Druck — das ist der ,.Q u e t s ch". Besonders gefördert wurde durch diesen Witz die Kandidatur dieser Herren nicht.

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