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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-11 · 11 (11.3.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 168 Dr. Dlocb's Mlocbenscbritt. Nr. 11 mit ins Spiel gebracht werden. Der japanisch-russische Krieg, an dem, wie wir hier verraten dürfen, die Juden wirklich nicht die Schuld tragen, hat keine schlimmeren Schmutzfluten der Beschimpfung wider die Juden entfesselt, wie die Absetzung des Hauptmann'schcn Stückes vom Repertoire des Burgtheaters. Man. greift sich an den Kopf. Wie ist das nur möglich? Gerhart Hauptmann ist kein Jude. Das Stück behandelt kein jüdisches Motiv. Der Direktor des Burgtheaters ist kein Jude. Kein Jude hat das Stück auf die Bühne gebracht und kein Jude und keine Jüdin haben die Absetzung verlangt — cs fehlt jeglicher Kausalnexus und doch, wenn ein Ereignis da ist, das die Gemüter beschäftigt, dann muß es erst das rechte parteimäßige Relief erhalten, und dann erst fühlt man sich erleichtert, und dann erst vermag man sich in ein richtiges Verhältnis dazu zu setzen. Das deutsche Volk hat in Gerhart Hauptmann eine ragende Dichtergröße. Er wird nach oben mißliebig und da schlägt der Antisemitismus nach hinten aus. Was die christlich-sozialen Blätter aus diesem Anlasse an Schmähungen wider die Juden produziert haben, das würde, gesammelt, Bände füllen. Sie sehen die Dummheit nicht ein, die sie begehen, indem sie den größten deutschen Dichter der Gegenwart als einen Schützling der Juden hinstellen, den diese erst auf das Piedestal gestellt haben; die Dummheit nicht, daß sie den Juden den Schutz und die Wahrung der wertvollsten Interessen deutschen Schrifttums zuschieben, sic sehen nur das Eine, daß es immer gut und nützlich und gesund ist, hepp hepp zu schreien. Das genügt. Whig. Ikorrespondenzen. Wien (D i e Niederlage der Antisemiten in Sh Pölten.) Der große Kampf der Christlich-Sozialen gegen St. Pölten hat mit einer bitteren, aber verdienten Niederlage der Wiener Rathauspartei geendet. Noch in letzter Stunde hofften ihre Anhänger; durch die Unterstützung der Regierung über die allgemeine Erbitterung hinweg kommen zu können, die das Vorgehen des niederösterreichischen Landesausschusses in der St. Pöltcner Bevölkerung erzeugt hatte. Unerhört ist es, was Statthalterei-Sekretär Galatti sich geleistet hat. In einer amtlichen Kundmachung trat er auf die Seite der christlich-sozialen Hetzer, erhob er gegen die frühere Gemeindevertretung Vorwürfe, die er nicht bewiesen hat und nicht beweisen konnte. Allein die Christlich-Sozialen haben nicht den erhofften Vorteil davon. Der Unwille der Bevölkerung hat sie aus der Gemeindestube hinausgescgt, ihnen auch den dritten Wahlkörper genommen, den sie bisher besaßen. Umsonst hat der Landesausschuß einen Kamps geführt, der den Abscheu aller rechtlich Denkenden erregte, umsonst hat Herr Dr. Pattai alle juristischen Spitzfindigkeiten ins Treffen geführt, um das Unrecht als Recht erscheinen zu lassen. Der gesunde Sinn der Bevölkerung, die in allem, was gegen die St. Pöltner Gemeindevertretung und das Elektrizitätswerk unternommen wurde, nichts anderes sehen konnte als gewissenlose Herrschsucht, hat den Wiener Gewaltherrschern die richtige Antwort gegeben. Der Wahltag von St. Pölten hat eine Bedeutung über die Grenzen dieser Stadt hinaus, weil dadurch das System des Wiener Rathauses eine Züchtigung erfahren hat. Die Gemeindewahlen auch in Baden zeigen, daß die Bevölkerung selbst Leute von dem Schlage des Denunzianten Herzog williger erträgt, als die Parteigänger der Wiener Klique. Wien. (K. k. Baurat Max Fleischer.) Die „Wiener Zeitung" meldet, daß der Kaiser dem Architekten Max Fleischer den Bauratstitel verliehen hat. Die unmittelbare Veranlassung war das uneigennützige und hingebungsvolle Wirken Fleisch er's beim Bau des Asyls für obdachlose Familien. Diese kaiserliche Auszeichnung wurde allgemein mit hoher Beftiedigung ausgenommen. Denn die selbstlose Tätigkeit Fleische r's ist eine sehr vielseitige. Seit vielen Jahrzehnten ist er Mitglied des Cultusvorstandcs und steht an der Spitze des hochangesehenen Mariahilfer Tempelvereines, den er zu hoher Blüte brachte. Fleischer beteiligt sich auch an vielen anderen humanitären Vereinen und entfaltet sowohl im israelitischen Gemeindeleben als auch als Architekt eine unermüdliche Arbeitskraft. Er war nicht nur einer der fleißigsten Mitarbeiter Friedrich Schmidt's beim Bau des neuen Rathauses, sondern auch der treueste, indem er bis zum letzten Momente beim Bau aushielt, nachdem alle anderen Mitarbeiter Schmidt's sich schon auf die Posten zurückgezogen hatten, die ihnen als „Schmidt-Schüler" gern geboten wurden. Nach dem Tode Schmidt's widmete sich Fleischer hauptsächlich dem Synagogenbau, und die von ihm erbauten Tempel zeichnen sich vornehmlich durch große Stilreinheit aus und bilden Kunstwerke ersten Ranges. Allein auch zahlreiche Profanbauten legen Zeugnis ab von dem guten Geschmack des Architekten. Die Bauherren aber wissen besonders seine Gewissenhaftigkeit zu rühmen und seinen Eifer, die Interessen der Kunst, die er immer hochstellte, mit ihren Interessen in Einklang zu bringen. Wie er sich als Künstler des besten Rufes erfreut, so ist er auch ein treuer Jude und hat er als Mensch und Freund sich immer bewährt und infolge dessen einen Kreis um sich versammelt, in welchem er die größte Verehrung genießt. Wien. (Vortragsabend im „Jüdischen Museum".) Ueber Einladung der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums hielt der Oberrabbiner von Szegedin, Dr. Immanuel L ö w am 2. d. M. im Festsaalc des Jngenieur- und Architektenvereins unter dem Titel' „Botanische Streifzüge" einen Vortrag über die Geschichte der Kulturpflanzen aus der jüdischen Literatur. Dem Vortrage, der überaus zahlreich besucht Uvar, wohnten bei: Albert Freiherr v. Rothschild, Oberstleutnant Lemberk, Major Bardach, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Präsident D. v. Gutmann, der englische Botschaftspfarrer V. Hechler, Dr. Johann Seberiny, Hofrat Müller, Hofrat Taussig, Präsident Dr. Alfred Stern, Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, Universitätsprofessor Dr. S. Ehrmann, Ober-Finanzrat Dr.. Rapaportz Bezirksschulrat Dr. Spitzer, Dr. Berger und Sieg. Kauders, Prokurist E. Horner, kais. Rat Lieben, der Präsident des „Politischen Volksvereines" Dr. H. Fialla, der Präsident des B. B. Wien, Dr. L a n g st e i n, Baurat Fleischer und andere Persönlichkeiten. Dr. Löw, der vom Präsidenten des Kuratoriums der Gesellschaft, Baurat Stiaßny, in herzlicher Weise begrüßt-wurde, verbreitete sich über die Symbolik der Myrte, dann der Lilie, die er als die hebräische „Schoschana" nachzuweisen versuchte, und vieler anderer Pflanzen, welche die Bibel kennt, und flocht in seinen Vortrag nicht uninteressante Aussprüche von Gelehrten über diese Pflanzen ein. Dann sprach er von Josephus, welcher der erste jüdische Gelehrte gewesen ist, der eine Pflanze wirklich beschrieben hat, und machte im Verlaufe seiner weiteren Ausführungen in humorvoller Weise darauf aufmerksam, daß Hermann Sudermann bezüglich der jüdischrituellen Pflanzen schlecht informiert sei, wenn er in seinem „Johannes" zum Beispiel statt des Lattich den Lauch nenne. Und die Kresse, von der Sudermann spricht, ist überhaupt nicht verwendet worden. Ueberaus fesselnd beleuchtete Dr. Löw das Auftreten des Pfeffers, des Mais, des Erdapfels und aller anderen Kulturpflanzen in der jüdischen Geschichte, indem' er von der Bedeutung jeder einzelnen von diesen Pflanzen manches hübsche Detail zu erzählen wußte. Das Auditorium dankte dem Vortragenden mit lebhaftem Beifall. Wien. (Synagogen-Verein „Beth Jsrael".) Am 28. Februar l. I. fand die 23. ordentliche Generalversammlung des Synagogen-Vereines „Beth Israel" unter zahlreicher Beteiligung seiner Mitglieder statt. Nach Eröffnung derselben hielt der Obmann-Stellvertreter Herr S. Deiches dem dahingeschiedenen Obmanne, Herrn Ober-Ingenieur Arthur Edlen v. Mises einen warmen, tief empfundenen Nachruf, den die Versammlung, stehend anhörtc. Redner stattete der verehrlichen Cultusgemeinde in Halberstadt offiziell den wärmsten Dank ab, für das an die sterblichen Uebcrreste des verewigten Obmannes geübte „Chesed schel Emes“. Hierauf begrüßte derselbe den

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