Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 11 Dr. Llocd's MocbenscbrM. Sette 165 Verfasser des „Versprechen hinter'm Herd", war ein belebendes Element bei diesen Konventikeln. 3) Das ,)Supiritum" so hieß die Znsammenkunft von Künstlern und Kunstfreunden (auch Schriftsteller) im „Matschakerhof". Grillparzer, Bauernfeld, auch Hoven (Vesque) waren dabei. Es erlosch mit der „Concordia" 1848; der Sturm fegte Alles weg. Wie Ludwig Mielichhofcr mir erzählte, geschah es dort einmal, daß Bauernfeld (ans England zurückgekehrt) ausrief: „In England ist jeder Kohlenträger gescheidter, als bei uns ein Hofrat." Ein Herr wendete sich um, es war ein Hofrat, aber ein genialer, eine „singender Hofrat", darum auch ein Versöhnungs-Hofrat, denn nur böse Menschen haben keine Lieder. Er trug es ihm niemals nach! . . . Nach 1848 kam eine Zeit, in. der man, wie ein älteres Mitglied der „Concordia" mir klagte: „das Traurige der Zustände durch ein heiteres Zusammenwirken von ausgezeichneten Männern zu paralysieren suchte, um noch während einiger Stunden vor dem Schlafengehen die ehemalige Gemütlichkeit wieder hervorzurufen." Dies war der Fall in der 4) Baumannhöhle" und nach deren frühzeitigem Ableben in der 5) „Gnomenhöhle". Die große Mehrzahl der Teilnehmer auch dieser Vereinigungspunkte war schon in den Sechziger-Jahren (des 19. Jahrhunderts) gestorben; neue „Gnomen" waren nicht zu finden; es lebten nur noch Grillparzer, Hebbel, Bauernfel') und einige Andere von den „Gnomen". 6) Die „Grüne Insel" besteht noch heute; sie ist der einzige Rest der auf den vormürzlichen Vereinigungen aufgebauten jüngeren des „Nach-Märzes". Der kürzlich verstorbene Ethnograph Felix Kauitz. Reisender und Künstler, war einst eines der tätigst' n Mitglieder gewesen; erster Vorstand war der Theaterdichter Kaiser. Dieser Verein hat viel Gutes getan, ist aber später zu umfangreich geworden, um gemütlich zu bleiben. Der Wahlspruch : „Kunst, Freundschaft und Menschlichkeit" bringt den Verein den Bestrebungen der Freimaurer nahe, Musik wiegt hier vor wie in zahlreichen Vereinen; Musik war von sicher in Wien ein solider Gesellschafts-Kitt (seit der Zeit Mozart v bis zur Zeit Beethovens. Schuberts) besonders im „Vormärz". Bar Vesque Püttlingen charakurisierte mir einmal lachend die Verhältnisse vor dem Jahre 1848 mit folgenden Worten: „Die einzigen diplomatischen Noten, die man dem Volke erlaubte, waren die Musiknoten, die einzige Sprache des Vormärzes blieb der Gesang! — Musikalischen Ruf hatten viele Wiener Häuser, wie bekannt zur Zeit Beethoven's: Rasumoffsky, Sonnleithner, Breunig, Lichnofsky, zur Zeit Schuberts: Spann, später Heintl, ärztliche Zirkel Schuh, Chrobak, Leop. Dittl, Lumpe, Billroth, Seegen rc. Die „Haute finance“ pflegte durchwegs gute Musik, besuchte und förderte die „Ooueerts 8xiritu6l8", aus denen dann Nicolai beim „Amor" in der Singerstraße die „P h i lharmonischen" schuf. Künstlerisch veranlagte Menschen, freisinnige Pfleger der Künste zählten sich auch vielfach zu den Reihen der »I o s e f i n e r". Diese Bezeichnung versteht heute ein Junger nicht mehr. Man haßte später Kaiser Josefs System, die Toleranz, die Humanität! Sedlnitzky erklärte Professor Schneller direkt, daß das «Josefinische System die Monarchie und die Religion untergrabe". „Es ist in den Grundsätzen vernichtet, in den Folgen leider noch nicht! *) Der Kaiser Josefs-Kult ist leider Parteisache geworden, wie die Blumen politische Bedeutung bekommen haben und nicht mehr Poesie hauchen. 1881 schaute die Polizei (unter Taaffe) mißgünstig auf den Fackelzug zu Ehren Kaiser *) Schnellere hinterlassene Werke, Artner nach Schnellere Kant in Oesterreich, „Neue Freie Presse" Nr. 14.178, S. 34. Josefs, auf die Beleuchtung Wiens, natürlich witterte man gleich überall „Freimaurerei", die zwar in Cisleithanien verboten, aber in Transleithanien erlaubt war. Nun, die „Josefiner" waren allerdings eine Art von „Freimaurern", ohne „Schurz und Kelle", d. h. edle Menschen, wahre Christen, die das Humanitätsprinzip, das im Christentume steckt, nicht fift Partei-Reklame, sondern zum Besten der Mitmenschen verehrten. Dafür werden sie von schwarzen Zeloten böswillig „Erz-Josefiner" geschimpft. Was das „Freimaurertum" an Gegensätzen seit Kaiser Josefs Zeit und in den ersten Jahren nach der französischen Revolution geschaffen, ist sicherlich nicht ohne Einfluß geblieben auf den Wiener geselligen Verkehr vor der Kongreßzeit. Gab es doch sogar in der Provinz „Jlluminaten"; vom Rheine kamen „Maurer". Mystische Darstellungen waren allerdings beliebt, hinter denen auch viel Firlefanz steckte, von Italien kam der Typus Casanova, von Paris der Typus St. Germain! Diese waren keine echten Freimaurer. Zu den „Logen" aber hatten gehört der Gemal Maria Theresias, die Aristokraten und Großen des Hofes Kaiser Josefs, ein Mozart, ein Sonuenfels, viele Dichter (so Blumauer), aber auch mancher höhere Geistliche! Ein Abraham ä Santa Clara sprach auch ganz anders noch zu den Massen, als später Sebastian Brunner und Pater Wiesinger oder gar Pfarrer Deckert, die nur seine Derbheit, nicht aber seinen Geist besaßen. Mit ihren „Freimaurer und Juden" waren letztere bald fertig, wenn sie im Stile der Landpfarrer von der Kanzel auf die Wiener herabdonnerten. Man lese in der „Geschichte der Freimaurer in Oesterreich" (von Lewis), wie Maria Theresia sie verfolgte, wie Kaiser Franz sie aufhob, wie sie 1848 als „nicht staatsgefährlich" erlaubt wurden*), wie sie von Wiudischgrätz im Herbst lo48 aufgelöst, sich nach Baden zurückzogen als „Loge St. Josef", von Minister Bach nur privatim empfangen wurden. Trotzdem wies die k. Wienerzeitung im Dezember 1848 einige hundert Gulden Spenden für die Verwundeten in Italien von der „Loge St. Josef in Baden" aus. Alles das und noch viel mehr kann man in diesem Buche lesen, auch die Anschuldigungen seitens Vieler, welche das Christentum für Lebenszeit gepachtet und ein direktes Billet zur Himmelfahrt in den Taschen hatten. — Daß die Logen in der Schmerling-Zeit, der Verfassungsära, in Cisleithanien verboten geblieben sind, das ist lächerlich! Die Zeremonien sind allerdings etwas Veraltetes und halten gewiß Viele ab und ich finde, der Kampf für Elende und Arme gegen die schlechten Einflüsse mangelnder Luft und mangelnden Lichtes, gegen Volksverdummung und geistigen Schleichhandel wäre würdevoller mit offenem Visier. — Trotzdem sie den Gottesglauben verehren, galten sie bei Prinzen-Erziehern und Reaktionären immer noch als Atheisten. Die geistige Elastizität, die Intelligenz, wird stets angefeindet und zugleich heißen die Freimaurer „Staatsfeinde". Wer Gutes stiftet, Frieden und Eintracht vermittelt, wer belehrt, wo zu belehren ist, der dient dem Vaterlande besser, als wer nur zankt, zersetzende Politik treibt und dabei dem Volke die Güter des Herzens raubt! — Die Wahlreden haben die Gemütlichkeit verbittert. Die Haupttypen: der liebe, der natürliche Wiener, der naive Wiener, der herzgewinnende Wiener in der Art des Moritz Schwind, der biderb, spaffig, artig, wenn's sein mußte scharf, nie schartig sein konnte, deren kaustischer Witz sogar auf „keltischen Ursprung" zurückgeleitet wurde — dahin sind sie! Man mache aber nicht die Kelten für das „argute loqui“ des Wieners verantwortlich; der „Wiener Witz" hat bajuvarischen Einschlag und die Bonhomie und Urbanität des Vornehmen von Einst stammt von Maria Theresia und Josef. — Wie es *j Von Minister Doblhoff ist das Aktenstück signiert.