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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-11 · 11 (11.3.1904) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 164 Dr. Llocv's MocdenscbrLkr. Nr. 11 begriffen sind, daß die Begleitung auf der Orgel zu steten Diskrepanzen führen muß. Für jüdische Synagogenmusik ziemt sich nur ein Männer- und ein Knabenchor. Dem Vernehmen nach wollen zahlreiche Vorbeter und Vertreter vieler Kultusgemeinden und Bethausvereine das Andenken Sulzer's zu deffen hundertjährigem Geburtstage feiern. Sie können dies nicht besser tun, als wenn sie die Gesänge feines Schir Zion gründlich studieren und für deren Wiedereinführung — ein bitteres Wort — in ihren Bethäusern Sorge tragen. Dahin sollen sie ihr Bemühen richten; sie ehren dadurch am Besten Sulzer's Gedächtnis und nützen ihren Glaubensgenoffen, indem sie erhebend und andachtstimmend wirken. Gesellschaft und Geselligkeit in Wien. Einst und Jetzt. Bortrag gehalten am 15. Februar 1904 im Vereine zur Abwehr des Antisemitismus von Josef v. D o b l h o f f, I. Vizepräsident des Vereines. I. Aus der guten alten Zeit. Der Titel meiner heutigen Mitteilungen ist Hochgebildet dem Namen eines Fest-Vortrages, welcben Hofrat M. A. Ritter v. Becker zur Eröffnungsfeier des Wisseuschaftlicheu Klubs am 21. Dezember 1876 vor den versammelten Mitgliedern und Festgästen gehalten hat. Früher schon und auch nachher gesammeltes Material hat es mir ermöglicht, die damals nur in engerem Rahmen gebrachten Mitteilungen des Gelehrten zu ergänzen. Ich werde daher die Gelegenheit benützen, uni Vergleiche zwischen Einst und Jetzt zu ziehen, zu zeigen, wie es heute mit dem Verkehre der Menschen steht, welche Perspektiven zu erkennen sind, welche Lösung wir erhoffen können, welche verwirrenden Folgen wir befürchten müssen. Das soll der rote Faden fein, der sich durch alle Abteilungen zieht und sie verbindet. Vorerst aber will, ich in kurzen Worten des Inhaltes des Becker'schen Essays gedenken: Nach ihm nahm das gesellschaftliche Leben Wiens unter Maria Theresia stiueu Anfang: „Es bildete sich aus dem engen, beschränkten Familienleben und zog einen inimer weitere» Bannkreis. Es entwickelte sich, bis es endlich im Jahre 1848 einerseits behördliche Einschränkung erfuhr, anderseits durch bestimmte Gruppierungen, durch Bildung von Fachvereinen, exklusiv-geselligen Vereinen und endlich von politischen Vereinen eine neue Richtung erhielt."*) Weiter blickend bezeichuete Redner die B a u k i e r s g a t t i n Arustein, die Schriftstellerin Karoline Pichler und den berühmten Botaniker Jacquin als die Gründer größerer geselliger Zirkel in Wien." Hofrat Becker besprach sodann die später unter Haidiuger erfolgte Bildung gelehrter Zirkel und ging zum Schluffe auf eine Schilderung der Scherz-Veniue über, unter welchen, wie er sagte, die „Ludlamshöhle" besonders hervorragte. Meine ergänzenden Beiträge zu Becker's Vortrag stützen sich teils auf mündliche, teils auf schriftliche Mitteilungen Bauernfeld's, Direktor Döll's, L. A. Frankl's, v. Haan- Chimaui's, Ludw. Mielichhofer's rc. rc. Nach Vesque begann das eigentliche gesellschaftliche Leben Wiens erst im Jahre 1815 zur Zeit des Kongresses. Wiffeuschaft und Kunst reichten sich die Hände vorerst im HauseArnstein und Eskeles,dann beiFries, dessen berühmte Galerie so oft schon von Kunstkennern. besprochen wurde, später bei P e r e i r a. Der Zuspruch, welchen diese Wiener Häuser seitens der schöngeistigen Gesellschaft fanden, (be¬ *) Siehe I. Jahresbericht des Wissenschaftlichen Klubs Jahrg. 1876—77 (Feierliche Eröffnung des Wissenschaftlichen Klubs.) sonders da die erstereu Bahnbrecher waren), kehrte nicht wieder, auch nicht bei Jacquin, was Wien beirifft. Der Vater Jacquin war Ausländer, geb. 1727 und kam als Arzt 1752 nach Wien. Er starb 1817. Sein Sohn, geb. 1766 (in Ungarn), setzte die geselligen Bestrebungen des Vaters fort. Vesque schilderte mir das Haus Jacquin „als einen Zentralpnnkt in- und ausländischer Koryphäen der Wissenschaft". Man traf sich im Winter in der Bäckerstraße, im Sommer im botanischen Garten, dessen Direktor Jacquin war. Die Jugend wurde ebenfalls geladen. Es gab sogar Bälle, auf denen die alten Leute neben dem Tanzsaale diskutierten. Wurzbach nannte das Hans Jacquin „einen Vereinigungs- Punkt aller Freunde der Wissenschaft und Kunst, der Einheimischen und der Fremden ohne Unterschied des Alters. Keine Entdeckung, keine Erfindung von nur einiger Wichtigkeit (heißt es dort) wurde gemacht, die nicht in Jacquusts Hause wissenschaftlich und populär erörtert worden wäre". In diesem Hause verkehrten de Ha6n, van Swieten, Muschenbroech. Jussieu, Baron Stoerk, Lagusius, Schreibers, Coudamiues, Sauvage u. v. a. Eine Gasse in Wien heißt Jacquingasse. Einer Mitteilung des hochverehrten Klubmilgliedes Direktor Döll verdanke ich noch den Namen eines anderen gastlichen Hauses, des Bankiers Van der Nüll (dessen Sohn Architekt wurde und mit Siccardsbnrg unsere neue Hofoper baute). In dessen Hause befand sich die schönste Privat- Miucralieusammlnng Wiens. Bankier Van der Nüll brachte auch den berühmten Mohs aus Freiberg nach Oesterreich, dessen Monument vor dem „Joanneum" in Graz steht und dessen Namen auch eine Gasse in Wien trägt. Bei Van der Nüll verkehrte auch der junge Haidinger, der Gründer des ersten naturwissenschaftlichen Vereines in Wien und der erste Leiter der geologischen Neichsanstalt, die heute in der ganzen Welt einen großen Ruf genießt. Nach Jacquiu's Tode setzte v. Reichenbach (der bekannte „Oä-Reichenbach") diese Zusammenkünfte fort. „Öd" entspricht dem Begriffe „Emanation" Ausstrahlung. Reichenbach schrieb recht verrückte Sachen, auf die Karl Vogt in seiner Broschüre „Wissenschaft und Köhlerglaube" vernichtend antwortete. Nach dem „Oä"-Manne beherrschte die Gesellschaft Wiens wieder ein wissenschaftliches, ein botanisches Haus, das des Direktors Endlicher. Eines Tages wurde (wie v. Haan-Chimani mir erzählte) ein Draht zwischen dem botanischen Garten und der Aula gezogen und Wiens Gesellschaft sah zum ersteumale den elektrischen Telegraphen. Endlicher spielte 1848 eine Rolle und starb plötzlich 1859. Gehen wir nun über auf die vormärzlichen Unterhaltungs-Vereine. Die „gute Laune", welche damals bestand, schuf vorerst die 1) L u d h a m s h ö h l e. Ueber diese hat Castelli gründlich geschrieben. Hier sei nur erwähnt, daß häufig „Spitzl" hinkamen, wie es ja heute auch überall solche gibt; „Naderer" nannte sie der Wiener. Wenn nun Bauernfeld einen solchen geheimen Polizei-Gewaltigen bemerkte, legte er die Faust an den Mund und tat, als imitierte er eine Trompete, Naderada! d. h. Ein Naderer ist da! — Harmlose Scherze neben der finsteren Inquisition Metteruich's! Ein Neuling im „Naderer"-Geschäfte amüsierte sich aber dermaßen, daß er um Aufnahme bat und seine wichtige Spionage aufgab. Andere Zeiten, and're Menschen. 2) Weniger kindisch-fröhlich war die „Concordia"; eine Zusammenkunft von Künstlern (anfänglich beim „gold. Kreuz" ans der Wieden, später im Hotel „Kaiser v. Oesterreich" 1844—1848 alle acht Tage). Man stellte Bilder aus, man brachte neue Kompositionen zu Gehör, trug neue Gedichte vor, hielt Vorträge, auch oft heitere. Baumanu, der

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