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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-04 · 10 (4.3.1904) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Rr. 10 Kolonisationsidee in den letzten Monaten sind teils durch die Wirksamkeit des Pariser Zentralkomitees der Kolonisationsvereine (Chowewe Zion) und seiner Berliner Propaganda-Kommission, teils durch die Initiative anderer Organisationen zu erklären. Dank einer Reise, welche der Vorsitzende der Propaganda-Kommission Dr. Hirsch Hildesheimer im Dezember v. I. nach London und Paris unternommen, hat der Gedanke der ununterbrochenen Fortführung der praktischen Arbeit in Palästina in England sowohl in jüdisch-philanthropischen, als auch in zionistischen Kreisen sich viele neue Freunde erworben und in Paris zur Rekonstituirung des Kolonisationsvereines „Jischub Erez Israel" geführt. Eine von der Propaganda-Kommission veranlaßte Agitationsreise nach Skandinavien war von den besten Resultaten begleitet, indem eine erhebliche Anzahl von Palästinafreunden, besonders in Stockholm und Göteborg, ohne einen eigenen Kolonisationsverein zu gründen, dem Zentralkomitee als Mitglieder beitraten. Aus diese Form des Anschlusses an die Organisation der Palästinafreunde sei hier besonders aufmerksam gemacht. (Anmeldungen nimmt der Schatzmeister des Pariser Zentralkomitees Herr S. Altmann, Paris, sowie der Schatzmeister der Berliner Propaganda-Kommission Herr Berthold Israel, Berlin, Königsstraße 11/14 entgegen.) Gegenwärtig befindet sich ein Vertrauensmann der Propaganda- Kommission auf einer Agitationsreise durch Belgien und Holland. Das der Kommission von Dr. Alfred N o s s i g vorgelegte Referat ließ erkennen, daß auch in Rußland, Polen, Galizien, Oesterreich und Ungarn die leitenden Ideen des erneuerten Kolonisationsprogramms, insbesondere die des systematischen wirtschaftlichen Vordringens und der dauernden Verständigung aller in Palästina tätigen jüdischen Organisationen Verständnis gefunden haben. Auf dem Boden dieses Programmes haben sich vielfach Palästinafreunde und Zionisten die Hand gereicht. Neben der Bildung von Propagandagruppen, die einer festeren Organisierung entgegensehen, ist der Umstand hervorzuheben, daß das Kolonisationswerk in der jüdischen Presse der genannten Länder .mehrere warme Fürsprecher und zielbewußte Vorkämpfer gewonnen hat. Eine mehrwöchentliche Reise, welche Herr Willy Bambus im Aufträge einer anderen Körperschaft nach Palästina unternahm, gab der Kommission Gelegenheit, sich über den gegenwärtigen Stand der jüdischen Kolonien und der gesamten praktischen Tätigkeit in Palästina eingehend zu informieren. Aus dem Berichte des Herrn Bambus geht hervor, daß nicht nur die von der Jewish Colouisation Association verwalteten, sondern auch die übrigen, insbesondere die vom Verein „Esra" unterstützte Ansiedelung sich auf dem Wege des wirtschaftlichen Aufblühens befinden und zu den besten Hoffnungen für die Zukunft berechtigen. Höchst bedeutsam und erfreulich ist die Tatsache, daß die Bodenkaufs-Bewegung in Palästina stetige Fortschritte macht, ohne eine Preissteigerung zur Folge zu haben. Neben den großen Wohltätigkeitsorganisationen haben sich auch die zionistischen Kreise in der letzten Zeit an dem Bodenkauf beteiligt, ein deutlicher Beweis der Hinneigung derselben zu dem Programm der Kolonisation auf rechtlichem Wege. Dem bis jetzt stark empfundenen Mangel an informierenden programmatischen und propagandistischen Schriften, welcher die Entwicklung der Kolonisationsidee erschwerte, wird demnächst abgeholfen werden. Der Schilderung der Palästinakolonien und dem Aufschwünge ihrer Weinproduktion widmet Willy Bambus eine Broschüre, welche mit einem Titelblatte von E. M L i l i e n und zahlreichen Illustrationen von Hermann Struck binnen kurzem erscheinen wird. Professor Dr. Otto Marburg veröffentlicht sein in der Versammlung der Palästinafreunde zu Hamburg gehaltenes Referat im Organ der zionistischen Kommission zur Erforschung Palästinas und läßt es unter dem Titel „Der wirtschaftliche Wert und die Kolonisation Palästinas" in Broschürenform erscheinen. Die Schrift behandelt in großen Zügen die Besiedelungsmöglichkeiten und die Aussichten der Hauptproduktionszweige in Palästina. Auch das Referat von Dr. Alfred N o s s i g über „Das jüdische Kolonisationsprogramm" erscheint, bedeutend erweitert, als Seite 155 selbständige Schrift, jedoch nicht als Publikation der Propaganda- Kommission. Diese Abhandlung, welche das Palästinawerk im Zusammenhänge mit anderen Kolonisationsprojekten, insbesondere mit dem ostafrikanischen, erörtert, hat auch das Jntereffe der zionistischen Kreise erweckt. Eine Gruppe von russischen Zionisten veröffentlicht eine Jargon-Ausgabe und eine russische Uebersetzung derselben, während die zionistische Verlagsgesellschaft „Kadimah" eine polnische Uebersetzung erscheinen ließ. Auch auf anderen Gebieten läßt sich dieses erfreuliche Zusammenarbeiten von Palästinafreunden und Zionisten beobachten. Große Bedeutung für die Entwicklung des Kolonisationswerkes dürfte die A u s st e l l u n g v o n E r z e u g n i s s e n der jüdischen Kolonien in Palästina erlangen, welche zunächst im März in Wien veranstaltet wird und hierauf nach mehreren anderen Städten transportiert werden soll. Das Wiener Ausstellungskomitee besteht aus einer Reihe der angesehensten Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde Wiens, darunter Oberrabbiner Güdemann, Dr. Alfred Stern, Dr. Gustav Kohn, Baurat Stiaßny, Rudolf Auspitz, Dr. Edmund Kohn. Auch drei Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees, Dr. Herzl, Architekt Marmorek und Fabrikant Kremenetzky, haben sich demselben angeschloffen. Im Einklänge damit steht die Tatsache, daß das Wiener Aktionskomitee dem Vertreter einer Gruppe von Palästinafreunden, welche die Gründung eines Kolonisationsvereines in Oesterreich vvrbereiten, die Zusage erteilte, dem Vereine gegenüber eine wohlwollende Stellung einzunehmen. Diese Umstände beweisen wohl zur Genüge, daß die Idee der systematischen Kolonisation heute in allen Kreisen gewürdigt wird und daß die parteiversöhnende Tendenz der Palästina-Bewegung Anerkennung findet. Berlin. Die seit längerer Zeit zu Tage tretenden Bestrebungen zur Erforschung der verborgenen Schätze der hebräischen Musik haben seit einigen Tagen durch Begründung eines „Vereins zur Pflege hebräischer Musik" einen Sammelpunkt erhalten. Der in der verflossenen Woche konstituierte Verein, welcher zunächst im Wesentlichen den Charakter eines Chorgesangsvereines (gemischter Chor) tragen wird, hat sich in erster Reihe zur Ausgabe gestellt, Kompositionen aus dem Bereiche der hebräischen Musikliteratur zur Aufführung zu bringen. Maßnahmen zur Förderung und Organisation musikhistorischer Forschungen auf dem gleichen Gebiete sind für später in Aussicht genommen. Mit der musikalischen Leitung ist Herr Kapellmeister Albert Kellermann betraut worden. Die Chorproben finden allwöchentlich am Dienstag von 5—7 in der Aula des Sophien- Gymnasiums, Weinmeisterstraße, statt. Anmeldungen zur Mitgliedschaft werden von dem Dirigenten in seiner Wohnung, Oranienburgerstraße 26, entgegengenommen. Berlin. Im Gegensatz zu den Bemerkungen des Herrn Bambus gehen meine Erfahrungen dahin, daß trotz lebhafter Korrespondenz mit Palästina Briefe, die von dort mit der türkischen Post an mich abgesandt wurden, niemals verloren gegangen sind. Auch Herr Cohn, der seit einigen Monaten im Westen befindliche Direktor der Lämel-Schule, bestätigte mir soeben, daß die in dieser Zeit mit der türkischen Post an ihn gesandten Briefe immer pünktlich angelangt sind. In keinem Falle würden etwaige Mängel in der Briefbeförderung durch die türkische Post eine Entschuldigung für die dortigen Juden bieten, sich gerade der russischen Po st zu bedienen. Habe ich es auch allgemein für angemessen erklärt, daß die türkischen Juden sich der türkischen Post bedienten, so lag doch der Schwerpunkt meiner Ausführungen darin, daß wir westeuropäischen Juden es als eine moralische Insulte empfinden, wenn Juden, die in Palästina ein Heim gefunden haben, den Einfluß desjenigen Landes befördern helfen, in welchem die Juden systematisch verfolgt werden. Solange nicht über Homel und Kischenew etwas Gras gewachsen ist, dürfen wir uns die russischen Briefmarken auch dann verbieten/ falls die türkische Post schlechter wäre, als sie meinen Erfahrungen nach ist. Hochachtungsvoll Dr. Dlocb's Mocbenscbrttt. Dr. C.

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