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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-04 · 10 (4.3.1904) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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L*.aa>MEghgE«agigf3 Nr. 10 Hierauf wird eine Reihe von angeklagten Bauern einvernommen, welche der Frage des Vorsitzenden nach ihrer Schuld das stereotype „Nein" entgegensetzen. Bei dem Verhöre des Angeklagten Michails Zolkiel kommt es zu einem interessanten Zwischenfall. Das Bajonett im Gerichtssaal. Zolkiel ist Gemeiner im 36. Landwehr-Infanterie-Regiment und erscheint mit dem Bajonett vor Gericht. Der Präsident macht ihn aufmerksam, daß er das Bajonett abzulegen habe, doch Zolkiel erwidert, daß ihm der Kompagniechef befohlen habe, vor Gericht das Bajonett nicht abzulegen. Präs, (erregt): Hier habe ich zu befehlen und nicht der Kommandant Ich befehle Ihnen nochmals, das Bajonett abzulegen. — Der Angeklagte gehorcht. Auf Befragen des Präsidenten, ob er an den Exzessen teilgenommen habe, antwortet er mit Nein. Präs.: Die Zeugen werden Ihnen das Gegenteil beweisen. Die folgenden Angeklagten wollen durch eine Reihe von Entlastungszeugen ihre Unschuld dartuu. Der Gerichtshof beschließt, die Beweise zuzulassen. Der Oberaufseher als Rädelsführer. Unter allgemeiner Spannung wird der k. k. Finanzwach-Oberaufseher Eduard Skalski einvernommen. Er erzählt folgendes: Ich sah, wie ein Jud', der von einem Haufen Bauern verfolgt wurde, in den Mühlbach sprang. Als ich fragte, was das bedeuten solle, antwortete man mir, daß die Juden eine Bäuerin abgeschlachtet haben. Ich selbst habe die Juden nicht geschlagen, vielmehr versucht, beruhigend auf die Menge einzuwirken. Präs.: Sie haben den Juden in den Mühlbach gestürzt und geschrieen: „Schlagt ihn tot!" Sie haben unter den Bauern Stöcke verteilt und gerufen: „Schlagt die Juden, wie Ihr nur könnt! Denn jetzt ist es Zeit, die Juden totzuschlagen!" Schließlich haben Sie selbst mit dem Säbel losgeschlagen und die Bauern aufgefordert, nach den Juden mit den Messern zu stechen. Dem Rachmiel Nier haben sie mit dem Säbel einen Hieb versetzt und dabei geschrieen: „Kusch oder ich fetze dich durch!" Dann sind Sie in die Wohnung des Feibel Engler eingedrungen, haben seinen Bretterzaun zusammengerissen und die Planken unter die Bauern verteilt. — Der Angeklagte schweigt längere Zeit, dann sagt er: „Das ist alles nicht wahr. Ich habe Feinde, die gegen mich aussagen." Präs.: Sie sind sogar angeklagt, versucht zu haben, einige Zeugen zu falscher Aussage zu verleiten. — Skalski : Auch das ist nicht wahr. Möglich, das ich den Säbel gezückt habe, aber dies nur, um den Rachmiel Nier vor der ruthenischen Bauernmenge zu schützen. Außer im Hause Burg habe ich keine Wohnung betreten. Ich habe nicht „kusch" gesagt, dazu bin ich zu gut erzogen und zu intelligent, um derartige Ausdrücke zu gebrauchen. (Große Heiterkeit.) Die auf der Pruthbrücke versammelte Menge suchte ich zu zerstreuen, indem ich rief, daß die Gendarmerie schießen werde. Der Präsident verliest dann die nachträglich erhobene Anklage, daß Skalski in der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober das Haus des Salomon Seiler überfiel, die Fenster einschlug und den Sohn des Seiler mit dem Säbel und mit den Fäusten bearbeitete Skalski leugnet. Am zweiten Verhandlungstage wurde zur Zeugeneinvernahme geschritten. Die Vorbereitung der Exzeffe. Von besonderem Interesse ist die Einvernahme des Gendarmeriewachtmeisters und Postenkommandanten Jon Orzech, welcher, wie folgt, aussagt: Seit den griechisch-katholischen Ostern verbreitete sich unter den Bauern das Gerücht, daß die ruthenischen Turnvereine „Siez" die Berufung einer großen Versammlung planen und die Abschlachtung der Juden beschließen wollen. Dieser Plan solle während der griechisch-katholischen Pfingsten ausgeführt werden. Ich habe sofort die politische Behörde in Sniatyn in Kenntnis gesetzt und um entsprechende Vorkehrungen gebeten, welche aber leider nicht erfolgten. Präs.: Woher wissen Sie, daß die Exzesse von den Mitgliedern der Turnvereine „Siez" veranstaltet wurden? — Zeuge: Ich weiß es, weil nur die Turner „Siez" den größten Haß gegen die Juden und Polen hegen und an den Exzessen teilgenommen haben, während die Bauern von Zablotow sich von den Exzessen ferngehalten haben. Präs«: Haben Sie geglaubt, daß Dulberg eine Bäuerin abgeschlachtet hat? — Zeuge: Durchaus nicht; sondern ich gewann die Ueberzeuguug, daß dieses Märchen der Grund zur Hervorrufung der früher geplanten Exzesse gegen die Juden ist. Zeuge sagt weiters aus, daß er nach Ausbruch der Exzeffe sich in die Stadt begeben habe. Auf dem Wege dahin haben mich Judenweiber angefallen und flehentlich gebeten: „Vater, retten Sie uns!" Ich habe sie beruhigt und lief auf den Ring, wo sich mir ein fürchterliches Bild darbot. Bauern und Bäuerinnen liefen, wie besessen, mit Stöcken, Brettern, Steinen rc. den Juden nach, als ob sie ein Wild hetzten, und zertrümmerten die Fensterscheiben und vernichteten die Waren. Präs.: Also wer hat die Exzesse vorbereitet? — Zeuge: Das weiß ich nicht, aber sie wurden sicherlich vorbereitet. Präs. : Das ist Ihre persönliche Ansicht, aber ich möchte nur Tatsachen haben. — Zeuge: Man erzählte mir, daß am Tage nach Seite 153 den Exzeffen die Bauern ihrer Freude Ausdruck gaben, daß ihnen die Sache gelungen sei und daß sie während des Jahrmarktes zur Ausführung gebracht wurde. Auffallend ist es doch auch, daß das Gerückt von der Ermordung der Bäuerin an beiden Stadtecken zugleich auftauchte. Der Hauptbeschädigte. Einer der Hauptbeschädigten ist der 27jährige Abr. Eisenberg. Er erzählt, wie die Bauern mit Gewalt in seine Wohnung drangen, die Waren Herausriffen und ihn zu prügeln begannen. Er habe geweint und gebeten, aber die Bauern schrien ununterbrochen: „Schlagt diesen Juden tot. er hat die Bäuerin geschlachtet " Dann fielen sie wieder über mich her und schlugen mich so lange, bis ich blutete und bewußtlos hingefallen bin. Was weiter geschehen ist, weiß ich nicht, „da ich tot war". Aus meiner Tasche hat man mir 50 Kronen herausgenommen, auch eine Uhr im Werte von 25 Kronen hat man mir gestohlen. Die 16jährige Zeugin Butulinska sagt unter Eid aus, sie habe gehört, daß die Juden eine Bäuerin und ein Mädchen abgeschlachtet haben. Präs.: Wer hat Ihnen das alles erzählt? Zeugin: Ter Angeklagte Budnik. (Fortsetzung folgt.) Olmüh. (Generalversammlung des israelitischen Freitisch-V er e in es in O l m ü tz.) Unter Vorsitz des Präses Herrn Sigmund Zweig fand unlängst die ordentliche Generalversammlung mit der statutengemäß festgesetzten Tagesordnung statt. Vor Eingang in dieselbe hielt der Vorsitzende dem kürzlich verstorbenen Proponenten und bisherigen Geschästsleiter Herrn JUDr. Berthold Gams einen tiefempfundenen Nachruf, stattete den Vereinsfunktionären für ihre Bemühungen im Jnteresfe des geregelten Dienstes, den Mitgliedern und Gönnern des Vereines, allen voran Herrn Ignaz Brieß für ihre werktätige Unterstützung den Dank ab und empfahl eine intensivere Tätigkeit behufs Vermehrung der Mitgliederzahl. Der Rechenschafts- und Kassabericht, der die Anzahl der Mitglieder mit 191, (+ 6), der Jahresbeiträge mit K 2763, (+ K 334), der Spenden mit K 903.12, (+ 108.80), der Zinsen mit K 311.93, (+ 45.40), des Effektengewinnes mit K 260.33, der verpflegten Schüler mit 19, der Verpflegskosten mit K 2636.84, (+ 130.74), der Administrationskosten mit K 218,74, (+ Iv 108.43), des gegenwärtigen Vermögens mit K 9860.54 (K 3482.80) beziffert, wurde über Antrag des Revisionskomitees, Referent Herr Ed. Thaussig, einstimmig genehmigt. Die ausscheidenen Vorstandsmitglieder, die Herren Jonas Fischer, Gabriel Morgenstern und Sigmund Zweig wurden einmütig wieder- und an Stelle der Herrn Dr. Berthold Gams Herr Louis Löw, Direktor der Olmützer Kreditbank, mit gleicher Stimmenzahl neugewählt. Die Mitglieder des Revisionskomitees, Herren Max Diamant, Max Kaufmann und Ed. Thaussig wurden per Akklamation in ihrem Amte bestätigt. Nach Schluß der Tagesordnung vermittelte Herr JUDr. Eben dem Vereinsvorstande unter allgemeiner Zustimmung den Dank der Generalversammlung für die ersprießliche Leitung der Vereinsgeschäfte. Olmütz. (Wissenschaftlicher Vortrag.) Die von der Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde eingeführten Vorträge begegnen immer mehr gesteigertem Interesse der Gemeindemitglieder und ein zahlreiches Auditorium, in welchem sich wieder viele Damen befanden, war es, das den gestrigen trefflichen Ausführungen des Herrn Rabbiners Dr. Berthold Oppenheim über das Thema: „Talmud-Verfolgungen" lauschte. Der Redner besprach die ungerechtfertigten und haltlosen Verfolgungen, welchen der Talmud, die jüdische Literatur und infolgedessen die Juden selbst im Laufe der Jahrhunderte ausgesetzt waren, hob das maßgebende und schätzenswerte Urteil christlicher Dichter und Gelehrter, wie Herder, Reuchlin u. a., über den Talmud, dieser Fundgrube des Wissens und Tiefe des Denkens hervor und konstatierte schließlich, daß die böswilligen Angriffe und Verdächtigungen zu allen Zeiten siegreich abgeschlagen wurden. Herr Dr. Oppenheim wurde am Schluffe seines einstündigen lehrreichen und eine Fülle historischer Daten enthaltenden Vortrages, verdienter, reicher Beifall gespendet und Herr Kultus- Präsident Dr. I. Eben sprach ihm und der Bibliotheks-Kommission, über deren Vorschlag die Abhaltung wissenschaftlicher und populärer Vorträge eingeführt wurde, unter allgemeiner Zustimmung den Dank der Versammlung aus. Dr. Dlocb s Mocbenscbrirr.

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