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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-04 · 10 (4.3.1904) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seüt 150 2>r. JBlocb’s MlocbenscbrM. nt. 10 Entwicklungslehre, d ie fine f 1 e u r der m od e r n e u N a t u r e r k e n n t n i s, deren Vorahnung oder gar Vorstellung ich übrigens schon in dem alten a g a d i st i s ch e n, 1Jahrtausende umfassende n, in die Zeit vor C h r i st u s zurückreichenden Schrifttum nachge wiese n,*) besonders aber die Schlußfolgerung der Evolution, der Atavismus, genau genommen eine umgekehrte Metcmpsychose. Diese läßt die Menschensecle in Tierleiber wandern, und jene zeigt uns in Entartung und Deformationen den Rückschlag in frühere Tiergebilde und, um was cs sich hauptsächlich handelt, psychisch aufgesaßt, den Rückfall in tierische Geisteszustände, oder sie zeigt, wie Tierseelen in Menschenleiber wandern. Darauf reflektierte M. I. Schleiden, der Begründer der Pflauzenphysiologie, der vornehme Apologet des Judentums und seiner Wissenschaft, mit folgenden Zeilen: „Ich habe Ihre Arbeit mit dem größten Jntereffe durchstudiert. Das ja allerdings in der Agada sehr zerstreut liegende Material haben Sie mit Liebe und mit kundiger Hand gesammelt und zu einem neuen Kranze für das Judentum vereinigt. Es ist gewiß auffallend, wie da viele alte talmudische Aussprüche so ganz schlagend mit dem Geiste der neuen Naturwissenschaft zusammenklingen . . . Ihre Arbeit bleibt immerhin eine höchst interessante und nach vielen Seiten hin anregende, die ich mit Genugtuung meiner Bibliothek einverleibt habe. Dieselbe schlägt eben eine Seite an, die wohltuend aus dem oft recht unharmonischen Geschrei für und wider den Darwinismus, das nicht nur ewige Wiederholung ist, hervortönt. Es ist ctnias Neues, noch nicht Behandeltes, noch wenige* Abgedroschenes, während ich des ewigen Wiederkäuens derselben Sache bei den Fanatikern pro und contra Darwinismus nachgerade herzlich müde bin Daher sage ich Ihnen noch einmal meinen herzlichen Dank kür die angenehme Geistesanregnng, die Sie mir durch Ihre Forschungen gewährt haben " Aehnlich schrieben mir über die erwähnten Studien Charles Darwin, Ernst tzäckel, Eduard Sueß, Theod. Gomperz, ttt. Wünsche und Andere. Wie verlockend auch die Gelegenheit ist, an „Enosch" — Mensch die eigentliche Menschwerdung oder Entbrutalisierung der Adamiten als Beweis für die Evolutions- oder Transmutationslehren zu knüpfen, werde hier darauf doch nicht weiter eingegangen. Nicht versagen kann ich mir indeß, einen Ausspruch anznführcn, der geradezu verblüffend die transformistische Entwicklungslehre und so präzise wie kein Darwinist vor Darwin darlegt. Die Stelle findet sich im Szeder hadoroth von Jechiel Hcilprm. Seite 9 a: „Im Midrasch Abchir (gegen Ende des >1. Jahrhunderts) heißt cs: Alle vor Noah Geborenen hatten klumpig zusammen gewachsene Hände ohne Trennung u n d T e i l u n g d e r F i n g e r," denn sie hatten es noch nicht nötig, die Eide zu bearbeiten; Noah hingegen wurde geboren mit d e m E i n s ch n i t t d e r F i n g e r. Daralls erkannte dessen Vater Lemcch, daß Noah dies zur Bearbeitung der Erde nötig haben werde. Darüber schreibt P. R.: Es heißt l. Buch Mos. 8,29: Dieser (Noah) wird uns trösten ob unserer Arbeit und ob der Mühsal unserer Hände von dem Boden; denn bis jetzt hatten wir Mühseligkeiten der Hände wegen des Bodens ... da die Hände bisher ohne Teilung der Finger waren." Das Radium und die Schöpfungsgeschichte. Im Jahre 1834 erschien eine kleine, jetzt begreiflicher- und wohl auch verdienterweise fast vergessene Schrift, in der sich folgende Stelle findet: „Moses sagt, daß das Licht am ersten Tag geschaffen wurde, die Sonne und der Mond aber erst am dritten Tag. Da wir jetzt kein anderes Licht haben, als das der Himmelskörper, so müssen wir daraus schließen, daß das Licht des ersten Schöpsungstages ein von dem der Sonne verschiedenes Wesen besaß. Während der ursprünglichen Bildung unseres Planeten müßte dieser also ein seiner Masse innewohnendes *) Vergl. Ko: mos. VI. Jahrg.. Bd. XI. (II. Jahrg. Bd. III. V. Jahrg., Bd. X), besonders Jüdisches Llleraturblatt, Magde- T'vv i 1878. Licht gehabt haben, das vielleicht dem geglichen hat, das die Kometen in einer entsprechenden Phase ihrer Entstehung begleitet." Diese vor siebzig Jahren niedergeschriebenen Sätze sind merkwürdig genug, aber noch sonderbarer klingt ihr Pendant aus dem Jahre 1904. Heute schreibt nämlich ein frommer Mitarbeiter der in London erscheinenden „Saturday Review":, „Aus unserer heutigen Kenntnis von den Eigenschaften des Radiums, dieses mit Körperstrahlen begabten Stoffes, und anderer atomisch (?) strahlender Sonnen, erlaube ich mir den Schluß zu ziehen, daß ein Ring in die Beweiskette eingefügt worden ist, die eine Übereinstimmung mit dem ersten Kapitel der Genesis und den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung vermittelt." Mit anderen Worten also: Das Licht des ersten Schöpfungstages ist nichts anderes gewesen, als Radiumlicht, und die Schöpfungsgeschichte ist vor dem bisher nur mangelhaft erklärten Widerspruch, der in einer besonderen Erschaffung des Weltlichtes und der Himmelskörper gefunden werden konnte, gerettet. Die Japaner und — Heinrich Heine. Welches deutsche Buch war das erste, das in japanische Sprache übersetzt wurde? Es ist interessant, zu erfahren, daß dieser Erstling ein Gedichtband von Heinrich Heine war. Und zwar erfahren wir dies aus Heine's eigenem Munde. In den „Geständnissen" (Paris 1854) schreibt er: Es ist Nichts aus mir geworden, Nichts als ein Dichter.— Nein, ich will, keiner heuchlerischen Demut mich hingebend, diesen Namen geringschätzen. Man ist viel, wenn man ein Dichter ist, und gar, wenn man ein großer lyrischer Dichter ist in Deutschland, unter dem Volke, das in zwei Dingen, in der Philosophie und in Liebe, alle andern Nationen überflügelt hat. Ich will nicht mit der falschen Bescheidenheit, welche die Lumpen erfunden, meinen Dichterruhm verleugnen. Keiner meiner Landsleute hat in so frühem Älter, wie ich, den Lorbeer errungen, und wenn mein College Wolfgang Goethe wohlgefällig davon singt, „daß der Chinese mit zitternder Hand Werthern und Lotten auf's Glas male", so kann ich, soll doch einmal geprahlt werden, dem chinesischen Ruhme einen noch weit fabelhafteren, nämlich einen japanischen entgegensetzen. Als ich mich etwa vor 12 Jahren hier im „Hotel des Princes" bei meinem Freunde H. Wöhrmann^aus Riga befand, stellte mir derselbe einen Holländer vor, der ebenfalls Japan gekommen, dreißig Jahre dort in Nagasaki zugebracht und begierig wünschte, meine Bekanntschaft zu machen. Es war der Dr. Bürger, der jetzt in Leyden mit dem gelehrten Seybold das große Werk über Japan herausgibt. Der Holländer erzählte mir, daß er einem jungen Japanesen deutsch gelehrt, der später meine Gedichte in japanischer Uebersetzung drucken ließ, und dieses sei das erste europäische Buch gewesen, das in japanischer Sprache erschienen — übrigens fände ich über diese curiose Uebertragung einen weitläufigen Artikel in der englischen „Review von Calcutta". Ich schickte sofort nach mehreren Cabinets de lecture. doch keineihrer gelehrten Porsteherinnen konnte mir die „Review von Calcutta" verschaffen, und auch an Julien und Paultier wandte ich mich vergebens, an jene gelehrten Widersacher, welche die Wissenschaft mit -wei großen Entdeckungen bereichert: Herr Julien, der berühmte Sinologe, hat entdeckt, daß Herr Paultier kein Chinesisch versteht, während Herr Paultier, der große Jndia list, entdeckte, daß Herr Julien kein Sanskrit versteht; sie haben überdies für das Publicum höchst wichtige und höchst interessante Thema in vielen Büchern veröffentlicht. — Seitdem habe ich über meinen japanischen Ruhm keine weiteren Nachforschungen angestellt. In diesem Augenblick ist er mir ebenso gleichgiltig, wie etwa mein finnländischer Ruhm.-" Brunnenvergiftung. Die „Franks. Ztg." veröffentlicht aus der Feder von Dr. .jur. Konrad Marcus-Straßburg folgenden Beitrag zur Geschichte des Fanatismus: Es ist den Lesern bekannt, in wie furchtbarer Weise die Juden des Mittelalters unter der Anklage der Brunnenvergiftung zu leiden gehabt haben. Von den Kreuzzügen bis in das Zeitalter des dreißigjährigen Krieges hinein hat dieser Wahnglaube unendliches Elend über blühende Judengemeinden gebracht, und noch heute ist er im fernen Osten nicht ausgestorben. Im dritten Heft des 13. Bandes des Archivs'für Kriminalanthropologie und Kriminalistik veröffentlicht der Herausgeber, Herr Professor Dr. Hans Groß (Prag), ein ihm aus privater Hand zugegangenes Blatt aus dem Jahre 1546, beidessen Lektüre man sich in die Zeit des schwarzen Todes zurückversetzt

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