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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-04 · 10 (4.3.1904) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 148 Dr. Llocv's Mocvenscbrlrl. Nr. 10 genügt, um auch anderen Zöglingen der Ahlemer Anstalt gute Anstellungen zu verschaffen. Die Lehrgärtnerei zu Ahlem deckt heute bereits einen großen Teil ihrer Bedürfnisse aus dem Verkaufe der eigenen Produkte. Sie vereinnahmte im Jahre 1902 für Zierpflanzen 8873 Mark, für Gemüse 3379 Mark, für Bohnen und Obst 1127 Mark, für Erzeugnisse der Obst- und Gehölzschule 5715 Mark, für Getreide- und Feldfrüchte 1455 Mark, für Milch 1296 Mark, für Geflügel und Eier 232 Mark, für rückvergütete Arbeitslöhne 1455 Mark und für Brot aus der eigenen Bäckerei rein 1102 Mark. Die Ahlemer israelitische Erziehungsanstalt ist nur ein Glied in der Kette jener Einrichtungen, welche unsere Glaubensgenossen in Deutschland geschaffen haben, um aus verelendeten Juden durch die Arbeit neue nützliche Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft zu machen. Ich habe mich auch in Berlin davon überzeugt, mit welcher Begeisterung sich alle gebildeten Elemente der deutschen Judeuschaft dieser modernen Form der Wohlfahrtspflege zuwenden, mit welch' wetteiferndem Opfermut alle diese Anstalten und Stiftungen gefördert werden. Lokalkomitees in allen großen deutschen Städten, bestehend aus Herren und Damen, sorgen für eine rührige Agitation, und mit Freude müssen wir die Tatsache verzeichnen, daß die Früchte dieser gemeinnützigen Tätigkeit auch einem immerhin bedeutenden Teile unserer armen galizischen Glaubensgenossen zugute kommen. Hiezu gehören außer der Erziehungsanstalt von Ahlem die jüdische Arbeiterkolonie in Weißeusee, die israelitische Fürsorge-Erziehungsanstalt in Repzin, die Fürsorge - Erziehungsanstalt für jüdische Mädchen in Plötzensee; der Verband der Vereine zur Förderung des Handwerks und der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands, die Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerkes und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staat, das Lehrlingsheim in Pankow, der Hilssverein der deutschen Juden, der Verein für Arbeitsnachweis, die Abteilung des Gemeiudebundes zur Beförderung des Handarbeitsunterrichtes für Knaben, die Kristeller-Stiftung zur Gewährung von Darlehen an Handwerksmeister, die Zeutralversicherungs- und Pensionskaffe für jüdische Gemeiudebeamte u. s. w. u. s. w. An allen Ecken und Enden rührt sich ein impulsives sozial-politisches Schaffen. Alle diese Bereinigungen und Stiftungen sind darauf gerichtet, die jüdische Wohltätigkeit aus den veralteten Formen des bloßen Almosengebens hinüber zu führen in die Fürsorge für die Gesunden und noch Arbeitsfähigen, indem man Die Wankenden stützt, die Sinkenden erhebt und ein neues Geschlecht zu Fleiß und Anspruchslosigkeit, zu berechtigtem Selbstgefühl und zu tätiger Selbständigkeit erzieht. Diese große Bewegung kann nicht oft und nicht eindringlich genug unserer österreichischen Judeuschaft als Muster und Vorbild hingestellt werden. An Anläufen zu gleicher Wohlfahrtspflege fehlt es ja auch bei uns nicht und wir verweisen diesbezüglich auf den „Hilfsverein für Galizien" und den „Verein für Arbeitsnachweis", allein noch immer erschöpft sich bei uns zum größten Teile die jüdische Wohltätigkeit in dem Begriffe des „Rachmonaus". Noch immer sorgen wir fast ausschließlich durch Krankenhäuser, durch Altersversorgungs- und Siechenhäuser, durch Armenvereiue nur für solche Existenzen, welche vollständig niedergebrochen sind und nicht wieder aufgerichtet werden können. Das große Prinzip der Erziehungzur Arbeit, das uns umsomehr nottäte, als wir in Galizien ein unerschöpfliches Reservoir proletarischer Existenzen besitzen, die nichts gelernt haben, als den Schacher im Kleinen und im Großen, ist uns noch nahezu vollständig fremd geblieben. Es fällt mir nicht ein, die hingebungsvolle Erfüllung solcher sozialer Pflichten, wie sie auch unser österreichisches Judentum an den Armen und Kranken, an den Witwen und Waisen übt, verkennen zu wollen. Allein neben dieser Armenfürsorge muß, wenn das mittel- und westeuropäische Judentum von der Hochflut des stetig sich heranwälzenden östlichen Proletariats nicht überschwemmt werden will, die stetige Erziehung zur Arbeit, die Heranbildung von tüchtigen jüdischen Handwerkern und Ackerbauern gehen. Hundertmal im Jahre kommen mir Fälle unter, wo man arbeitsfähige und arbeitswillige Leute mit einem Almosen von zwei Gulden abspeist und sie im Uebrigen ihrem Schicksale überläßt, weil es an Einrichtungen fehlt, in welchen ihre Arbeitskraft verwertet werden könnte. Im fernen Osten, in Slobodka leschna, hat die „Jca" durch Ankauf eines größeren Gutsgebietes eine Ackerbauschule errichtet, die noch zu kurze Zeit besteht, um ein Urteil über ihre Erfolge zu ermöglichen, allein nach meiner bescheidenen Kenntnis der Verhältnisse ist es angesichts der Tatsache, daß in Slobodka leschna das Schwergewicht auf die Erziehung zum reinen Ackerbau gelegt wird, einigermaßen zweifelhaft, ob der Erfolg die aufgewendete Mühe und die aufgewendeten Mittel lohnen wird. Der Jude im Allgemeinen und der galizische Jude im Besonderen eignet sich für die schwere Arbeit des Ackerbauers weniger als für die intensiv betriebenen Zweige der Bodenkultur. Die Verhältnisse liegen bei uns weitaus schlechter als in Deutschland, weil wir es in Galizien mit physisch degenerierten Menschen zu tun haben. Wir werden doch immer das Schwergewicht mehr auf die Heranbildung tüchtiger Handwerker und Fabriksarbeiter, als auf jene von Bauern zu legen haben, zumal ja auch das Los der christlichen Bauern in Galizien ein keineswegs beneidenswertes ist. Mit diesen Zeilen soll nur eine Anregung geboten, nur eine allgemeine Direktive für den Wohltätigkeitssinn der österreichischen Judenschaft gegeben werden. Hilfe für die Lebendigen und Gesunden! — das muß in Zukunft die Parole der jüdischen Wohlfahrtspflege auch in Oesterreich werden, und es wäre wahrhaftig keine Schande, wenn wir die musterhaften Anstalten, die in dieser Richtung unsere deutschen Glaubensbrüder geschaffen haben, auch hier bei uns uachahmen würden. . _ S. F Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. (D ie „Rei ch sp o st". - D er Affe. — Die freie Universität. — Die katholische Universität. — Herr Gregorig, derh kn ausgelehnt ward.) Von allen Geistern, die verneinen, ist mir die „Reichspost" am wenigsten zur Last. Ich möchte mir hier noch eine kleine Korrektur an Goethe erlauben: von allen Geistern, die — sich verneinen! Sie hat vor den andern antisemitischen Organen gewisse liebenswürdige Nuancen voraus. Sie hüllt ihren Antisemitismus in einen stommen Weihrauchduft und sie pflegt so eine stille, milde, versöhnende Art des Stumpffinns, sie vermittelt eine angenehme, sanfte Verblödung, die schon jenseits der Aufreizung liegt. Das tut zu Zeiten wohl, und ich, der ich sie vor dem Schlaferlgehen zu lesen Pflege, weiß, was ich ihr schuldig bin. Sie ist nämlich ein spätes Abendblatt und erscheint, wenn's finster wird. Wenn es recht finster ist, da lebt sie erst recht auf. Austegende Neuigkeiten bringt sie nicht, aber sie bringt immer etwas, wofür man ihr dankbar sein muß — ich weiß, was ich ihr schulde. Neulich ist sie durch den Tod des Schimpansen „Konsul" ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht worden und sie hat in ihrer Verstörung den unglücklichen Einfall gehabt, geistreich sein zu wollen. Das war nun allerdings ein Fehler, aber der Haß ist ein schlechter Ratgeber. Und sie hat den armen eingegangenen Affen bitter gehaßt, wahrscheinlich — so ganz einfach ist es nämlich nicht, den Weg ihrer Gedanken zurückzuverfolgen — weil sie ihn persönlich verantwortlich und haftbar macht für die Deszendenztheorien der modernen Wissenschaft, die sich nicht immer dem Redaktionsprogamm der „Reichspost" einstigen wollen. Sie hat es also scharf auf den todten Affen und Polemisiert sehr schneidig mit ihm. „Ja", ruft sie in edler

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