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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-02-19 · 8 (19.2.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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dir. 8 Dr. Dlocd's 'Mocvenscdrm. Leite 117 d) „Als Rabbi Abahu nach Liberias kam, merkten die Schüler Rabbi Jochanan's, daß sein Gesicht leuchtete." (Jerusch. Sabbath VIII, 1.) s) So oft Rabbi Abahu vom Lehrhause zum Kaiser ging, liefen ihm die Bediensteten des letztem mit den begrüßenden Worten entgegen: „O, du . . . lodernde Fackel, gesegnet sei dein Kommen in Frieden! (Kethuboth 17 a, Z. 17; vgl. Rasch., das.) k) „Rabbi Elieser saß und hielt einen Vortrag. Sein Gesicht war so hell wie die Sonne und von einer Strahlenkrone umgeben, wie sie Moses besaß." (Pirke de Rabbi Elieser H.) g) „Der ganze Körper des Gelehrten besteht gleichsam aus Feuer." (Chagiga 27a, Z. 17.) h) „Das Wort Sonne ist hier auf die Stirne des Menschen zu beziehen." (Sabbath 151b, Z. 47.) l) „Als er den Korb öffnete, da erglänzte Egypten in dem Lichte, das ihrem Körper entströmte." (Jalkut Schimoni LXVHI.) j) „Er bemerkte eine Feuersäule, die vom Himmel bis zur Erde reichte und stellte an Jsak die Frage, ob auch er diese Erscheinung wahrnehme. Dieser bejahte. Als aber Elieser und Jsmael behaupteten, von einer Feuersäule nichts zu sehen, da sanken sie in seiner Achtung zu Eseln herab." (Pirke de Rabbi Elieser XXXI.) Diese Zitate laufen nun alle auf die Vorstellung aus, daß manchen Körpern und namentlich dem Menschen ein gewisses Licht entströme. Freilich sind oft Mitteilungen der letzterwähnten Kategorie in das Reich der Sage zu verweisen. Allein, uns kommt es vornehmlich auf den Gedankengang an, der vor unserem Auge ein anschauliches Bild von: Geistes- und Gemütsleben der antiken Welt entrollt. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, erscheinen gar manche Wundererzählungen in einem ganz natürlichen „Oä-Lichte", und so mythisch namentlich das letzte Zitat klingt, läßt es sich doch schließlich auf eine Wahrnehmung zürückführen, die der erwähnte Feuilletonist in folgende Worte kleidet: „Aber nicht blos die Reizbaren (leuchten im Dunkeln), sondern alle Menschen, die gesunden, kräftigen, lebhaften, geistreichen am meisten". Jsaac Hirsch. Christliche Jirdenselrten in Rußland. Dem Kernrussen auf dem flachen Lande ist seit Jahrhunderten der eigenartige Drang nach religiöser Erkenntnis und Glaubenswahrheit eigen. Was in Westeuropa besonders nach den blutigen Zeiten der gewaltigen Religionskriege allmählich in streng umgrenzte Rahmen gesetzt worden ist und unwandelbare Grundlagen erhalten hat — die Einteilung der Staaten, Völker und Völkerteile in streng dogmatische Glaubensbekenntnisse —, das befindet sich noch jetzt in Rußland im Zustande des Werdens, sowie des Kampfes um die Existenz und Ausbreitung. Trotz der schrecklichsten, blutigsten Verfolgungen seitens der offiziellen Kirche und der Regierung, die Tausende von „Abtrünnigen" in düstern Kerkern schmachten ließ, nach den öden, eisigen Gefilden Sibiriens verbannte, Hunderte und Aberhunderte bald auf den Scheiterhaufen warf, bald zur Selbstverbrennung veranlaßte, gibt es jetzt in Rußland mehr als zehn Millionen Bauern, die mit der zarischen Kirche auf dem Kriegsfuß stehen und ihren eigenen Glaubensbekenntnissen huldigen. Die Gründung der Sekte der Molokanen (Milchtrinker), der Stundisten, der Altgläubigen und wie sie alle heißen, weitverbreiteter, Millionen von Adepten zählender Sekten und Religionsgemeinschaften — ist teils in der grauen geschichtlichen Vergangenheit, teils in der allerneuesten Zeit zu suchen. Sehr interessant ist die Geschichte und der gegenwärtige Stand der sogenannten „Juden-Sekten" (Jidowskaja Jeresj); die Existenz und die Erfolge dieser Judensekten sind umso bezeichnender für die russischen Verhältnisse und das geistig-kirchliche Leben auf dem flachen Lande, als man in den russischen Regierungskreisen seit Jahrhunderten systematisch bemüht ist, den Anschein zu erwecken, als ob dem^ruffischen Volke gleichsam angeborener Haß und narionalinstinktive Abneigung gegen die Juden innewohnten, wo es sich doch in allererster Linie um eine von der Staatsgewalt und der kirchlichen Hierarchie großgezogene und mit allen Mitteln der „Staatskunst" geförderte „staatsrettende Kampsmethode" handelt. In dem jüngst erschienenen Jännerheft der gediegenen russischen Zeitschrift „Jstoritscheski Wjestnik" ist eine höchst bemerkenswerte Studie des Forschers Juwatschew über die kaukasischen Sektierer jüdischen Bekenntnisses veröffentlicht. Ter Verfasser besuchte im vorigen Jahre das Eriwaner Gouvernement im Kaukasus. In dem in der Nähe des reizenden Hokersees gelegenen Dorfe Jelenvwka leben zahlreiche Vertreter der großrussischen Dissidentensekten „Molokanen" und „Sabbatharier" („Subotniki"). Diese letzteren feiern nach jüdischem Brauch statt des Sonntags den Sonnabend. Den „Sabbathariern" ist es in den letzten Jahren gelungen, eine große Anzahl der Molokanen zu ihrem Glaubensbekenntnis zu bekehren. Es sind lauter echt russische Bauern, die aus den zentralen kernrussischen Gouvernements Woronesch und Tambow nach dem Kaukasus übersiedelten. Den Gottesdienst verrichten sie in Bethäusern, die nach dem Muster jüdischer Synagogen errichtet sind. Der Verfasser wohnte mehrmals dem Gottesdienst der Judensekten bei, der nach dem kirchlichen Gebrauche der russischen Juden verrichtet wird und voll Andacht verläuft. Unter den Sabbathariern gibt es auch solche, die sich nach den siidwestlichen Gouvernements begaben, um sich dort mit jüdischen Mädchen zu verheiraten. — Auf die an eine Frau gerichtete Frage: „Warum haben heute früh beim Gottesdienst eure Männer gesungen: ,Sei gesegnet, Allmächtiger, daß du uns nicht zu Frauen machtest"?" antwortete dem Verfasser lächelnd die Frau: „Das verletzt uns Frauen nicht. Es sind doch Männer, die solche Gebete verfassen." Als er die Bauern fragte, seit wann sie Jesum Christum leugnen, antworteten diese ihm: „Dies haben bereits unsere Väter, vielleicht auch Großväter getan." Da viele Sabbatharier, mit denen der Verfasser sprach, zuerst Molokanen waren, so warf er ihnen folgende Frage auf: „Wenn auch eure Großväter zu der Judensekte gehörten, so waren doch eure Urgroßväter als Molokanen Christen. Ihr wißt sicherlich, was im Gesetz Moses' über die fremden Völker steht. Dort heißt es doch, daß die Ammoniter und Moabiter nie, die Jdumäer und Egypter dagegen im dritten Geschlecht in das Volk Gottes ausgenommen werden können. Also selbst wenn man euch mit den Eghptern vergliche, so könntet ihr erst im dritten Geschlecht in die jüdische Volksgemeinschaft ausgenommen werden." Darauf erhielt der Verfasser zur Antwort von den Bauern: „All dies ist uns bekannt. Erlaube aber, an dich folgende Frage zu richten: Wohin sind die zehn israelitischen Stämme gekommen, die in die assyrische Knechtschaft geführt wurden?" — „Sie haben sich wahrscheinlich über die ganze Erde verstreut. Einige Büchergelehrte haben die Vermutung ausgestellt, daß gegenwärtig diese zehn israelitischen Stämme in irgend einem europäischen Volksstamm stecken. Es gibt auch solche Gelehrte, die glauben, daß es die Russen sind." — „Auch wir glauben", versetzte mit Genugtuung ein alter Bauer, „daß der Allmächtige diese zehn israelitischen Stämme weise in Rußland bewahrt. Lies nur das dritte Buch Esras. Dort wird berichtet, wie sich diese zehn Stämme in einem weitentlegenen Lande verborgen haben. Wir glauben, daß dieses Land Rußland sei. In demselben Buch heißt es auch, daß eine Braut erscheinen werde, die in der Erde verborgen liegt. Wer ist nun diese Braut?" — Das sind wir, die zehn Judenstämme." Der Alte lud dann den Verfasser ein, ihm ins Gebethaus zu folgen und der Gemeindeversammlung beizuwohnen. Die Bauern wiesen Juwatscheto den Ehrenplatz hinter einem großen Tische an, der in der Mitte des Bethauses stand, und baten ihn, ihnen einige Stellen in dem dritten Buche Esras zu erklären. Auch wollten sie seine Ansicht über die Braut, die die Judengemeinschaft versinnbildlicht und noch unter der Erde schlummert, hören. Diese Vorliebe für Auslegungen und Deutungen der Bibel und besonders so apokrypher Bibelabschnitte, wie dieses Buches Esra, war für den Gelehrten der beste Beweis, daß die Bauern von Molokanen abftammen. Er lenüe

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