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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-02-12 · 7 (12.2.1904) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 102 Dr. Mocb's Wocbenscbrtft Nr. 7 nicht nach Byzanz zu bringen, sondern nach — Jerusalem und dort sie zu verteilen unter Christenkirchen und Bethäuser der Inden. So hat der alte Jude einen Teil der Schätze seinem Volke zurückerworben — ohne Schwertstreich — während Römer, Vandalen, Byzantiner sie nur durch heißen Kampf, gegen sehr viel Blut gewonnen. Ob der Alte an den Fluch geglaubt, der aus dem Schatze liegt? Ich glaub' es, daß er's geglaubt. Er lügt nicht, und es nützt seinem Zweck, daran zu glauben; so glaubt er's ganz leicht und er glaubt es im Ernst. Der Germane sagt: „lieber durch Blut als durch Schweiß erwerben," der Jude sagt: „lieber durch Schweiß, als durch Blut und viel, viel lieber durch Geld, als durch Schweiß!" Von den Juden kann man rühmen: chre Fehler und Tugenden wetteifern, sie zu erhalten und ihren Reichtum, ihr Leben, ihre Zahl zu mehren, während die Germanen durch maßlose Trägheit und maßloses Zechen nicht minder sich, ihr Leben, ihre Habe, ihre Macht zu Grunde richten und durch maßlosen Trotz und durch ihr dummes „Heldentum der Ehre". Man haßt die Juden, man verachtet sie; ich meine, man sollte sie fürchten und in ihren Vorzügen sie zu übertreffen suchen." Felix Tahn über getaufte Jude». Auch der Roman Felix Dahn's „Weltuntergang", der im Jahre 1000 n. Chr. Geburt, dem Jahre, in welchem man den Untergang erwartete, spielt, hat einige Szenen, in denen auch die Juden eine Rolle spielen. Ein Jude namens Jsak, der Sohn edler jüdischer Eltern, war Christ geworden und hatte den Namen Renatus angenommen, er war aber einer der ärgsten Kornwucherer. Der Bischof tritt mit seinem Begleiter in das Haus dieses Renatus und sagt: „Ich bin wenig vom Treiben dieses Renatus erbaut." „Nennt ihn doch nicht Renatus, Jsak heißt der Jud." „Er ist getauft." Supfo (so heißt der Diener des Bischofs) lachte. „Tauft ihn noch einmal; auf's erstemal half's wenig; aber besser: laßt 's ganz bleiben." „Wein kann man wässern, nicht Blut." „Ich verbiete Dir, so von dem heiligen Sakrament zu sprechen." „Verzeiht mir Herr! Aber ist's nicht so? Der Glaube wird danach — vielleicht, vielleicht auch nicht! — geändert. Aber das Geblüt? Da lob' ich mir die ungetansten Juden, unter denen sind die Besten." „Du sprichst unchristlich, die Taufe bringt ihnen das Heil." „Ja aber nur, wenn sie daran glauben, wenn sie das Sakrament deshalb suchen. Wenn sie's aber suchen, weil sie sich ihres Volkes schämen und lieber mit den Christen die Juden placken wollen, als sich mit den Christen von den Juden Placken lassen. Ihr Volk verleugnen diese Abtrünnigen und Euch, Herr Bischof, lügen sie vor, sie glauben; Untreue und Lüge aber bringt nicht Heil, sondern Schmach." Im Verlaufe der Unterredung verbessert der Bischof, der vom „jüdischen" Wucher und Geiz gesprochen hatte, sich selbst, indem er sich des Vaters des Renatus, des alten Menasse, erinnert, der einst in der großen Kornnot viele Christen gespeist hatte. Interessant ist es auch, wie dieser von der Mutter des Renatus erzählt,- daß sie, während Papst und Bischöfe das Märchen vom Untergang der Welt in der Johannisnacht des Jahres 1000 glaubten, fest bei der Meinung blieb, Gott würde seine schöne Welt nicht vernichten. Die Philosophie Kanins ittjfr die didlischtalmudische Weltanschauung. Zum hundertsten Todestag Kant's. (12. Februar 1904.) Von Rabbiner Dr. Simon Rubi», Wien-Mariahilf. Kausalität und Freiheit sind die beiden Punkte, um welche die ganze Kant'sche Philosophie sich dreht. Der Skeptizismus verneint beide, der Kritizismus bejaht beide. Das klingt paradox, ist aber bei näherer Betrachtung sehr einfach. Die Behauptung, daß in der Natur ein jedes Geschehen eine Ursache haben müffe, worauf es notwendig folge, wird vom Skeptizismus negiert, weil im Begriffe des „Geschehens" das Verursachtwerden nicht enthalten sei, und Erfahrung keine Notwendigkeit und Allgemeingiltigkeit verleihen könne, welche der genannte Grundsatz beansprucht. Ja, selbst den Begriff der Kausalität auch nur auszustellen, sind wir gar nicht berechtigt, weil wir in der Erfahrung nur ein „post hoc“, eine Aufeinanderfolge der Dinge wahrnehmen, die uns zu einem „propter hocli, zu der Annahme, daß ein Gegenstand den zweiten verursache, gar nicht berechtige. Wohl können wir mit aller Wahrscheinlichkeit behaupten, daß auf Feuer Wärme folgen werde, weil wir es immer so wahrgenommen haben, allein dieser Aufeinanderfolge Apodiktizität beizulegen und überdies gar zu behaupten, daß Feuer Wärme erzeuge, sind wir gar nicht berechtigt. Wie können wir aus einem „post hoc“ ein „propter hoc“ machen und ihm Notwendigkeit beilegen? David Hume, der Kühnste unter den Skeptikern, war der erste, der die Konsequenzen zog und das Kausalitätsgesetz verwarf. Es entsteht, meint er, nur aus Gewohnheit. Wir haben die Dinge immer auf einander folgen gesehen, deshalb legen wir ihnen Ursächlichkeit und der Aufeinanderfolge Notwendigkeit bei, die aber beide nur auf Täuschung beruhen?) Keine Kausalität! ist die Parole des Skeptizismus. Freilich eine Ausnahme macht der Skeptiker doch, nämlich in Betreff der menschlichen Handlungen. Er, der das Kausalitätsgesetz aus der Natur verbannt wissen will, gönnt dem Menschen diese Freiheit nicht. Ist auch jenes Gesetz im mechanischen Sinne nur eine Täuschung, eine Fata morgana, die unsere Phantasie uns vorspiegelt, so ist doch der Mensch ein Wesen, welches nach Motiven handelt und dadurch von den Begierden und äußeren Eindrücken abhängig, so daß bei seinen Handlungen von Freiheit keine Rede sein kann. So führt der Skeptizismus zur Verwerfung der Kausalität und der Freiheit zugleich. Der Kausalität in der Natur, der Freiheit in Betreff der menschlichen Handlungen. Die Verwerfung dieser beiden Prinzipien aber mußte selbstverständlich eine Umwälzung auf allen Gebieten des menschlichen Wissens Hervorrufen. Ohne Kausalität keine Wissenschaft, die ja nur im Aufdecken der "Ursachen zu den Wirkungen besteht? Ohne Freiheit keine Ethik, die auf Verantwortlichkeit des Menschen für seine Handlungen beruht, die ihrerseits wieder ohne Freiheit undenkbar scheint. Diese zwei Prinzipien, die Kausalität und die Freiheit, zu restaurieren, ist die Aufgabe der Kant'schen Philosophie. In der Kritik der reinen Vernunft wird das Kausalitätsgesetz, in der Kritik der praktischen Vernunft die Freiheit des menschlichen Willens in ihr früheres Recht einzusetzen versucht, und zwar so, daß in der ersteren schon die Grundlage für die letztere enthalten ist. Um das Kausalitätsgesetz zu rehabilitieren, beweist Kant an der Tafel der logischen Urteilsformen, daß dasselbe im menschlichen Verstände seinen Ursprung habe, daß es ein Verstandesbegriff a priori und nicht der Natur abgelauscht sei?) Das heißt, mit anderen Worten, wir Menschen können nicht anders denken, als daß jedes Geschehen eine Ursache haben müsse, die es erzeuge. Freilich tritt dieses Gesetz nicht in seiner ganzen Bedeutung mit einemmale im menschlichen Denken auf, es gehört vielmehr dazu eine gewisse Entwicklung des Geistes, doch latent ist es in diesem letzteren enthalten, und wenn der menschliche Geist zur Entwicklung kommt, muß er kausal denken. Das nennt Kant a priori. Gewonnen ist freilich damit noch nicht viel. Denn es entsteht die Frage, wie wir berechtigt sind, der Natur .Gesetze vorzuschreiben. In der Tat, wären die Dinge der Sinnenwelt solche Gegenstände, die unabhängig von unserer Vorstellung uns gegenüberstehen, denen wir ihre Gesetze ablauschen müßten, so wäre die Kausalität nicht zu retten. Anders verhält sich aber die Sache, wenn es zu beweisen gelingt, daß die Sinnenwelt gar keine „Dinge an sich", sondern Erscheinungen, d. i. Produkte unseres Vorstellungsvermögens enthält, dann hätten wir ja das Recht, diese Produkte nach unseren Verstandesbegriffen zu ordnen. Eben dieses beweist Kant. Das ist der Kopernikanische Stand- ') David Hume. Herausgegeben von Jakob S. 161—2. Kant. Prolegomen a S 31. ') Kant. Kritik der reinen Vernunft S. 89. 96.

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