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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-02-05 · 6 (5.2.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
6 (5.2.1904)
Date
1904-02-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Ar. 6 Dr Dlocb's Mocbenscbrrtt. Seite 95 ihrer Tochter zu versprechen, unter der Bedingung nämlich, wenn diese freiwillig ohne jeden Zwang I a sagte. Dora hatte es bekanntlich ihrem Manne auf dem Sterbebette versprochen, ihre Kinder niemals zu einer Heirat zu zwingen oder auch nur zu überreden, nachdem sie beide überzeugt waren, daß nur aus gegenseitiger Zuneigung und Achtung — Liebe, und ein glückliches, friedliches Zusammenleben entstehen kann. Ein alter Knittelvers wird oft zitiert: Hans Sachs war ein Schuhmacher und Poet dazu. Von dem Besitzer der Schuhmacherwerkstätte, in welche wir den geneigten Leser führen, kann man ähnliches sagen. Meister Juda Vogel war ein tüchtiger Schuhmacher und hatte, wie seine Ehefrau Hendel zu sagen pflegte, wenn sie die Vorzüge ihres Gatten aufzählte, auch eine poetische Ader. Worin diese eigentlich bestand, hätte sie sich selber nicht zu sagen vermocht. Möglichen Jrrtümern vorzubeugen, bemerken wir im vorhinein, daß der ehrenwerte Judele Schuster niemals weißes Papier mit schwarzer Tinte beschmiert hatte, außer gelegentlich eines notwendigen Schreibebriefes, oder Abfassung von Selichoszetterl, auch niemals Verlagsanstalten und Redaktionen mit den Erzeugnissen seiner Produktivität unsicher gemacht hat, sondern Frau Hendel dürfte unter dem Begriffe poetische Ader das verstanden haben, daß ihr Mann die Werke klassischer und auch neuerer Dichter leidenschaftlich gerne las und ihrer Meinung nach sehr gut verstand und nur zu wollen brauchte, um es allen diesen Dichtern und Denkern nachzumachen, ja alle diesen großen Männer zu überragen. Aber er wollte nicht. Ein großes Unrecht von ihm dieses Nichtwollen in den Augen seiner Frau, aber was ließ sich dagegen tun? Ihr Judaleben war nicht nur mit einer besonderen Begabung zur Welt gekommen, sondern mit einem ungewöhnlichen Starrkopfe. Zudem wurde er noch Schuhmacher und Jedermann ist bekannt, wie dieses schöne und unentbehrliche Handwerk von jeher dem Eigen- und Starrsinn Vorschub geleistet hat. Der auf ihren begabten Gatten stolzen Frau schien der dreifüßige Schemel, auf welchem derselbe bei der Arbeit saß, nichts anderes als der Dreifuß zu Delfi zu sein, und jedes Wort, das Juda sprach, dünkte ihr wirklich ein Orakelspruch von großer Bedeutung zu sein. Aber Juda Vogel war nicht nur ein guter Handwerker, welcher Stiefel und Schuhe gut zu besohlen verstand, sondern auch ein Chasen, und nicht nur das, er versah auch nach dem Ableben des bekannten Mosche Schames die Stelle eines solchen. Eine merkwürdige Vielseitigkeit, die er da entfaltete! Aber leider stand die Entlohnung für alle diese Funktionen nicht im Einklang mit dieser vielseitigen Beschäftigung! Die ehemals ganz stattliche Gemeinde, welcher Judele Schuster seine Dienste widmete, war bis auf ein Minimum zusammengeschmolzen, die Synagogentüre wurde nur an Sabbat- und Festtagen geöffnet, oder wenn Jemand der Gemeindeangehörigen Jahrzeit hatte. Bei schlechtem Wetter nicht einmal damals, denn in der Gemeinde selbst war kein Minjan zusammenzubringen, und wenn die Auswärtigen durch die Ungunst des Wetters am Erscheinen verhindert waren, dann blieb die Schul leer, und bei aller Anstrengung von Seiten des Gemeindeangestellten, unseren Juda Schuster, gelang es nicht, ein Minjan aufzutreiben, selbst wenn er jeden Barmizwah-Jungen in Pflicht nahm. Aber kamen die Somim Neroim, da wurde die altertümliche Synagoge voll von andächtigen Betern, welche aus allen umliegenden Ortschaften herbeiströmten, um hier in Gemeinschaft ihre Andacht zu verrichten, da war es Juda gegönnt, öffentlich seine Stimme zu erheben und seine Gesänge ertönen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit brach seine poetische Begabung durch, und seine Frau, die nachsichtigste und eifrigste Bewunderin seines Gesanges, pflegte ihre Nachbarinnen und Freundinnen in der Weiberschul darauf aufmerksam zu machen, mit welcher verständnisvollen Betonung ihr Judaleben die Piutim und Selichos vortrage. Und setzen konnte er, Gottes Wunder wie richtig, nicht einmal Keile Schaletsetzerin traf das so gut als er. Das war natürlich ein Witz, und zwar ein an den Haaren herbeigezogener, zu dessen Verständnis viel dazu beitrug, daß er alljährlich am Neujahrs- und Versöhnungstage vor ein und deinselben beifällig lächelnden Publikum wiederholt wurde. Ganz unvorbereitet konnte natürlich eine so hervorragende Leistung, wie die Reb Judas war, nicht geliefert werden. Von dem Tage an, wo in Schul bei ungewöhnlichem Zuspruche der Besucher der Neumond des letzten Monates im Jahre verkündet wurde, wo Resch Choclesch Ellul gebenscht wurde, von diesem Tage verstummten in der Wohnung und Werkstätte Meister Judas alle profanen Lieder, die ihn in den Verdacht, eine poetische Ader zu besitzen, gebracht hatten, und synagogale Melodien wurden vernommen. Erst leise, fast zagend wagten sie sich hervor, dann immer mutiger und beherzter, bis die schmetternden Töne einer Kadischa sowie die melancholisch schmelzenden eines Unessane tokef und die unvergleichlich süße Melodie des Kol nidre mit den Hammerschlägen auf eine widerspänstige Stiefelsohle um die Wette erklangen. Mein Mann klopft seine Nigumin aus, damit sie nicht mollig werden. Pflegte Frau Hendl zu sagen, wenn sie recht gut gelaunt war, und nicht mit ihrer M a g r a n e (Migräne, sollte es heißen) geplagt war. Bei diesem biederen Ehepaare hatte Fanni eine Zufluchtsstätte gefunden, als sie vor den Gefahren, die ihr das eigene Herz schuf, fliehend hier Schutz suchte. Die kinderlosen Leute hatten das junge Mädchen während der kurzen Zeit seiner Anwesenheit in ihrem Hause fest ins Herz geschloffen, daß sie nur mit Furcht der Zeit gedachten, wo Fanni sie verlassen und sie wieder ihr einsames Leben so wie früher führen sollten, bevor das liebliche Kind eine so wohltuende Abwechslung, in ihr einförmiges Dasein brachte. (Schluß folgt.) Nene Bücher. Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft. (Sitz: Frankfurt a. M.) 190^—5664. Verlag von I. K a u f f m a n n, F r a n k f u r t a. M. Inhalt: 1. Rede, gehalten im Rabbinerseminar am Gedenktage, 4. Tamus 5661. Von Professor Dr. A. Berliner. 2. Die hebräischen Druckereien in Sulzbach. Bon Distriktsrabbiner Dr. M. W e i nb e r g in Sulzburg. 3. Jelamdenu Rabbenu. Bon Oberrabbiner Dr. M. L e r n e r in Altona. 4. Der Kaiser Diokletian in Palästina. — Paneas. Von Rabbiner Dr. H. K o t t e k in Homburg. 5. Zur Methodologie der halachischen Exegese. Von Dr. Eduard B i b e r f e l d. 6. Rabbi Jochanan. Von Rabbiner Dr. I. B o n d i. 6. Babylonien um das Ende der Tannaitenzeit. Von Dr. Jsak Unna, Rabbiner in Mannheim. 8. Zur talmudischen Lexikographie. Von Rektor Dr. D. Hoff mann in Berlin. 9. Diminutiv-Bildungen im Talmnd. Bon Rabbiner Dr. Leopold W r e s ch n e r in Samter. 10. Die neuesten Veröffentlichungen aus dem arabischen Mischnakommentar des Maimonides. Von Rabbiner Dr. Salomon Bamberger in Hanau. 11. Die diesjährige Lieferung des Vereines „Mekize Nirdamim“. Besprochen von Professor Dr. A. S u l z b a ch in Frankfurt a. M. 12. Miscellen: Ueber einige Inschriften aus Südrußland. Von H. Lapinsky in Frankfurt a. M. Zur Charakteristik des Verhältnisses zwischen R. Jecheskel Landau und R. Jonathan Eibenschitz. Von Salomon Hugo Lieben in Prag. _ Briefkasten. K. Der Mittwoch war ein schwarzer Tag fiir die Antisemiten. An diesem Mittwoch erhielt Herr Ballin vom Kaiser Wilhelm deffen Marmorbüste, Frau Rosalie Mosler, geborene Lewinsohn, von der deutschen Kaiserin das silberne Frauenverdienstkreuz am weißen Bande. L. Die jüdische Bevölkerung des Königreichs Holland umfaßt nach der neuesten Volkszählung 103.988 Seelen; davon gehören 98 343 den aschkenasischen und 5645 den sephardischen Gemeinden an. Z. Josef Israels ist vom Senat der Berliner Akademie der Künste für den Orden xonr le mörite in Vorschlag gebracht worden. K. Die jüngsten Auslassungen des Herrn Ernst Schneider über den „heiligen Geist" beginnen in ernsten katholischen Kreisen vielfache Bedenken zu erregen. Die „Neuen Tiroler Stimmen" geben ihrer Verwahrung Ausdruck: „Die Aeußerungen des Delegierten Schneider

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