Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 6 (5.2.1904)
- Date
- 1904-02-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Dr. Mocd's KaocbenscbUtt. Seite 93 Leben zu rufen, ist leicht begreiflich, da die Mitgliederzahl eine sehr kleine war, dann schloß sich der nahe Betverein Petrowitz ihnen an. Es wurde ein geeignetes Grundstück in der Nähe von Kovürov angekauft und mit Mauern zum Bes-Hakworos umgeben. Doch sollte dieser Verein nicht bloß eine Beerdigungsbrüderschaft werden, sondern auch ein Wohltätigkeitsverein zur Unterstützung armer und hilfsbedürftiger Glaubensgenossen. Dieser Verein entwickelte sich mit der Zeit so, daß er einen gang- und fahrbaren Weg zum Friedhofe ankaufen und Herrichten lassen konnte, so daß man jetzt mit einem Wagen bis auf das Los-olom kommen kann, während man früher beschwerlich zu Fuß dahin gelangen konnte. In letzter Zeit schaffte der Verein einen dauerhaften und modernen Leichenwagen samt zugehörigen Requisiten an. Am 18. Jänner, Tags zuvor war ein Leichenbegängnis, fand eine Generalversammlung der Mitglieder der Chewra-Kadischa unter sehr zahlreicher Beteiligung statt und wurde das vierzigjährige Jubiläum ihres Bestandes gefeiert. Aus diesem Anlasse hielt nach Abhaltung des Mincha-Gebetes der Rabbiner G. I. Utitz eine Predigt, in welcher er der verstorbenen Gründer und Vereinsmitglieder gedachte. Nach dem Gottesdienste versammelten sich sämtliche Anwesenden zu einer Sude, die einen animierten Verlauf nahm und bei welcher auch eine Kollekte für die Waisen der Tags zuvor beerdigten Frau veranstaltet wurde. Mit einem Toast auf den jetzigen Vorsteher und würdigen Leiter des Vereines, Herrn Jgn. Neumann in Laschovitz, und dem Wunsche auf Wiederseier nach 10 Jahren endigte die Feier. Olmüy. (Wissenschaftlicher Vortrag.) Zu dem am 30. v. M. seitens des Herrn Rabbiners Dr. B. Oppenheim abgehaltenen Vortrage „Begriff und Wesen der Prophetie Israels" hatte sich in dem Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde ein zahlreiches Publikum, darunter viele Damen, eingefunden, welches die instruktiven und interessanten, dabei aber auch volkstümlichen auf einem intensiven Studium des Themas basierenden Ausführungen des Redners mit Aufmerksamkeit und reichem Beifall begleitete. — Nach Schluß derselben wurde Herrn Dr. Oppenheim durch Herrn Sigmund Zweig der Dank der Versammlung ausgesprochen, welcher Kundgebung sich auch Herr Kammerrat Wilhelm Brieß unter Anerkennung der Notwendigkeit und Nützlichkeit derartiger volksbildender Vorträge anschloß. Brodv. Am 29. Jänner, 5 Uhr morgens, hat Herr Julius M. L a n d a u im 63. Lebensjahre zu leben und zu leiden aufgehört. Einer gelehrten und angesehenen Rabbinerfamilie entstammend, zeichnete er sich durch Rechtschaffenheit und Frömmigkeit aus, er war Mitglied vieler humanitärer Vereine, und hat als Vorstand und Präsident des hiesigen israelitischen Spitales eine lange Reihe von Jahren in Bezug aus Pflege der armen Kranken sehr Vieles geleistet. Sein Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung der hiesigen Bevölkerung. Vor der großen Synagoge gab Rabbi Abraham Kluger dem allgemeinen Schmerze in seinem rührenden „Lesspck" Ausdruck. Ll. LI. KLattan. In der am 31. Jänner l. I. stattgefundenen Sitzung des verstärkten Ausschusses wurde Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Siegfried B r e t, derzeit Rabbiner in Patzau in Böhmen, zum Rabbiner in Klattau gewählt. Prag. Mittwoch den 20. d. M. hielt Herr Religionslehrer und Rabbiner Dr. Nathan Grün im Vereine „Afikö Jehuda“ einen Vortrag, der das zahlreich erschienene Auditorium zu lautem Beifalle begeisterte. Ein Kenner der jüdischen Geschichte, namentlich der Prager, wie selten einer, wußte der Redner über die sagenumwobene Alt-Neusynagoge soviel Neues und Fesselndes zu erzählen, daß man nicht müde wurde, diesem gediegenen, mit . so manchen humoristischen Bemerkungen gewürzten Vortrag zu lauschen, und nur mit Bedauern dem Schluß entgegensah. Ein gemütlicher Geselligkeitsabend, wobei viele und gute Trinksprüche und Tischreden gehalten wurden, schloß diese schöne Feier, welche allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben dürfte. Troppau. Am 16. d. M. hielt im „Jüdisch-literarischen Vereine" Herr Dr. I. Moses aus Berlin einen Vortrag über „Jung-jüdische Dichtung". Ausgehend von dem Aufblühen einer neuen Dichterperiode im Judentume, die sowohl das Hebräische als auch den Jargon für ihre Schöpfungen zur Grundlage hat, entwarf der Vortragende zunächst ein Bild von dem Leben und Wirken der namhaftesten Vertreter dieser Epoche und wußte sodann durch Rezitation einiger ergreifenden Dichtungen von Rosenfeld, Zlocisti, Donath und Perez bei dem geradezu andächtig lauschenden Publikum tiefgehende Wirkung zu erzielen. Troppau. (Neuer S a ch v e r st än d i g e r.) Das Präsidium des hiesigen k. k. Landesgerichtes hat Herrn Eduard I. Goldwasser, Bnreauchef der Troppauer Jutefabrik Gebrüder Hatschet, zum ständigen Sachverständigen in Angelegenheiten des Handels und der Prüfung von Handelsbüchern bestellt und denselben heute in dieser Eigenschaft beeidigt.. Grätz. In der ersten diesjährigen Stadtverordneten-Sitznng wurde der Ziegeleibesitzer A. Herzfeld zum 25. Male als Stadtverordneten-Vorsteher gewählt. Bürgermeister Howe feierte den Jubilar in längerer Rede. Namens der Stadtverordneten-Bersammlung beglückwünschte Postmeister Braun den Jubilar. In den 25 Jahren ist Herr Herzseld 21 mal einstimmig und 4mal fast einstimmig zum Vorsitzenden gewählt worden. Waag-Neustadtl. Freitag den 29. Jänner feierte der hiesige Banldirektor Herr Moritz H e r z f e l d mit seiner Gattin in Budapest die 25. Jahreswende ihrer Eheschließung im intimen Kreise der dortigen Verwandten und Bekannten. Herr Herzfeld stand eine längere Reihe von Jahren als Präses an der Spitze der hiesigen Kultusr.emeinde, erwarb sich um das hiesige israelitische Real- und Mädchenbür, er-Schulwesen hervorragende Verdienste. Im Namen der Kultusgemeinde gratulierte Präses Dr. Bernhard Sonnenfeld mit dem Gesamtvorstande. Tie Kreditbank ehrte ihren Direktor durch Ueberreichung eines sehr wertvollen Cadeaus und die Ban beamten widmeten ihm einen prächtigen Lorbeerkranz. Ferner entsandten Beglückwünschungs- Deputationen : Der „Rabbi Josef Weisse-Verein zur Bekleidung armer Schulkinder", das Lokalkomitee der Alliaueo iZraelits HuivarokUk,. welchen beiden Vereinen der Jubilar als Präses vorsteht, der Schulstuhl und die Kaufmännische Lesehalle. Unter den demselben gewidmeten Geschenken figuriert auch eine von einem Wiener Maler hergestellte Kopie des in der kaiserlichen Bildergalerie bewahrten Originalbildnisses des berühmten Rabbiners Lippman Heller, eines Urahns Herzfeld's. Anläßlich seines Jubelfestes spendete Herr Herzfeld einen Betrag von sehr namhafter Höhe für die hiesigen Wohltätigkeitsvereine. Lipto-Szt.-M,klos. Vor sechs Jahren starb hier der reiche Jude Samuel Herz. Bei Gelegenheit der Inventarisierung des Nachlasses wurde außer einigen alten Kleidern nichts gefunden. Der Präsident der israelitischen Gemeinde schenkte die alten Kleider dem Diener der Kultusgemeinde, der eines Tages in einem alten Kleidungsstück eingenäht ein Packet Wertpapiere im Werte von 500.000 Kronen fand und diese Papiere sofort dem Präsidenten der Gemeinde übergab. Laut dem Testamente entfielen ein Drittel des Betrages auf die israelitische Gemeinde, zwei Tritt l auf den jüdischen Verein Chewra- Kadischa. Die erstere sollte von dem Gelde eine Schule errichten, die letztere aber wäre verpflichtet, die Armen zu unterstützen. Die Seitenverwandten des Verstorbenen hatten wohl dieses Testament angefochten, doch ohne Erfolg. Im vorigen Jahre kamen die Gemeinde und die Chewra-Kadlscha dahin überein, daß die gesamte Verlassenschaft auf die Errichtung eines staatlich subventionierten israelitischen (!) Gymnasiums verwendet werde. Der Kultusminister verweigerte jedoch die staatliche Subvention mit Hinweis darauf, daß das Gymnasium die Bürgerschule schädigen würde. In neuester Zeit ist wieder ein heftiger Konflikt zwischen der Gemeinde und dem Verein entstanden. Die Gemeinde möchte um jeden Preis eine Schule erbauen, während die Chewra- Kadischa jüdische „Arme" unterstützen will. Bei der letzten Generalversammlung kam es zu stürmischen Szenen. Der Präsident ließ — während die Gegenpartei sich entfernte — durch seine Anhänger die Errichtung einer Schule um den Preis von 80.000 Kronen aus dem Herrschen Nachlasse votieren. Die Gegenpartei bereitet deshalb eine heftige Gegenaktion gegen den Präsidenten der Gemeinde vor. Budapest. Der verstorbene Philanthrop Ignaz Wechselmann hinterließ unter anderem der Pester „Chewra-Kadischa" ein Legat von. 1000 Kronen und dem Pester israelitischen Greisenasyl ein Legat von 6000 Kronen. Nach durchgeführter Verlassenschaftsabhandlung wurde das erste Legat aus 1250 Kronen, das letztere auf 7500 Kronen erhöht. Da das Verlassenschastsgericht die Legate nur nach der Ausstellung der Stiftungsurkunden und deren Genehmigung seitens der Regierung ausfolgt, haben die beiden genannten Institute an den Magistrat das Ersuchen gerichtet, die betreffenden Stiftungsurkunden behufs Genehmigung dem Minister des Innern zu unterbreiten. 0 tzBonyhäd. Wir erhalten folgende Mittheilungen: Im benachbarten Dorfe Zsibrik bestand vor vielleicht mehr als hundert Jahren eine recht ansehnliche jüdische Gemeinde. Heute ist aus dem Gebiete der Ortschaft kein Jude mehr ansäffig, und an die einstige Existenz jener Religionskörperschaft erinnert heute nur mehr ein verlassen und verödet daliegender alter Friedhof. Seine