Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 6 (5.2.1904)
- Date
- 1904-02-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 92 Dr. IBlocb’s TWlocbenscbrtft. Nr. 6 Unterhandlungen über den neunstündigen Arbeitstag einzulassen, sondern sie hat die Lehrlingsfrage unter dem Vorwände, daß der Diamantenmarkt durch Mangel an Arbeitern geschädigt werden könnte, wieder aufgerollt. Infolgedessen fanden am vorigen Mittwoch und Donnerstag im Jndustriepalast zwei große Versammlungen statt, in denen die Arbeiter durch gedruckte Zettel aufgefordert wurden, in der Lehrlingsfrage keine Zugeständnisse zu machen und dem Vorstand zu untersagen, sich mit der Juweliersvereinigung über diese Frage überhaupt in Unterhandlungen einzulaffen. In letzterer-Hinsicht war aber Henri Polak mit dem Vorstand anderer Meinung und als es zur Abstimmung kam, wurde letzterer mit 3572 Stimmen gegen 1400 ermächtigt, in Unterhandlungen wegen der Lehrlingsfrage zu treten. Es kommt jetzt nur darauf an, wie hoch die Juweliere ihre Forderungen spannen; wenn es sich bestätigen sollte, daß sie, wie die Blätter melden, sich mit der Einstellung von 750 neuen Lehrlingen zufrieden geben, dann wären Aussichten auf eine Verständigung vorhanden. Bemerkt mag noch werden, daß, während früher das Diamantenarbeiterfach sich ausschließlich in jüdischen Händen befand, seit etwa 15 Jahren auch eine protestantische und eine katholische Facharbeitervereinigung besteht, die übrigens beide, besonders bei Ausständen, mit dem fast ganz jüdischen „Allgemeinen niederländischen Diamantenarbeiterbund" bis jetzt stets gemeinschaftliche Sache gemacht haben. Haag. Zur Feier des 80. Geburtstages Josef Israels versammelte sich das intellektuelle Niederland, Maler, Dichter und Staatsmänner, im Saale Pnlehri Studio. Der Ministerpräsident Dr. Kuyper überbrachte das Kommandeurkreuz des niederländischen Löwen und hielt eine glänzende Rede. „Ich, als Ritter des Ordens, beuge mich vor meinem Kommandeur", sagte er am Schluß seiner Rede. Hierauf erschien Israels im Saal, lebensfrisch und munter wie immer. Ein Chor Hub an: „Heil Dir, großer Mann des alten Volkes!," worauf der Maler Mesdag die erste öffentliche Ansprache hielt. Zu Ehren Israels ist eine Medaille geprägt worden; die Kosten dafür wurden durch Beiträge aus der ganzen Welt aufgebracht. Israels stammt von streng-frommen Eltern, ist auch selbst noch Jude mit Leib und Seele. Am Sabbat hat derselbe noch nie in feinem Leben sein Atelier besucht, während er sonst jeden Nachmittag fleißig arbeitet. Vermischtes. Wien. (Trauung.) Sonntag den 7. Februar l. I. um halb 3 nachmittags findet im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Irene Grünfeld, Tochter des Dozenten Dr. Josef Grünfeld, mit dem Fabrikanten Herrn Max Reschovsky statt. Wien. (Jüdisches Museum.) Mittwoch den 10. Februar 1904, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines, L, Eschenbachgaffe Nr. 9, folgender Vortrag statt: Reverend William H. Hechler, königl. großbrit. Botschafts-Pfarrer in Wien: Die Palästina-Reise Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1898. — Mittwoch den 2. März 1904 wird Herr Oberrabbiner Dr. Immanuel Löw—Szegedin im Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines,!., Eschenbachgasse 9, einen Vortrag abhalten. Wien. Herr Max Z e r n i k, Vorstandsmitglied der Chewra-Kadischa Währing, beging Samstag den 30. Jänner d. I. das Barmizwahfest seines Sohnes Ernst im israelitischen Tempel Schopenhauergaffe. Wien. Der „Lehrerverein im II. Bezirk" veranstaltet Samstag den 13. Februar 1904 im Kursalon der Stadt Wien (I., Parkring) eine Wohltätigkeits-Akademie mit anschließendem Tanzkränzchen. Mit Rücksicht darauf, daß das Reinerträgnis Lehrerwitwen und -Waisen zugeführt wird, wäre diesem edlen Unternehmen weiteste Förderung zu wünschen. Wien. (S p e n d e.) Zur Erhaltung des Gotteshauses Atzgersdorf-Liesing sind uns ferner zugekommen unter B. K., Budapest, Erzsebet körnt 28, K. 72.—. Wer lügt? Die bitteren Wahrheiten, die Gregorig in der Versammlung des „Antisemitenbundes" der verjudeten christlich-sozialen Majorität gesagt hat, wurden von den angegriffenen Herrschaften — nur Klotzberg und Zatzka erklärten zu klagen — damit beantwortet, daß man den Bericht im „Deutschen Volksblatt" „entstellt" nannte. Daraufhin hat nun Herr Vergani der „Deutschen Zeitung" ein Schreiben zugesendet, in dem es heißt: Unser Berichterstatter hat die Ausführungen der einzelnen Redner stenographisch aufgenommen und kann in das betreffende Stenogramm jederzeit Einsicht genommen werden. In dem Berichte, der in unserem Blatt über die Versammlung erschienen ist, sind diese Ausführungen teils wörtlich genau, teils sinngemäß wiedergegeben. Die Herren Abgeordneter Gregorig und Gemeinderat Purscht haben am Tage nach dem Erscheinen des Berichtes erklärt, daß ihre und die Ausführungen der anderen Redner vollständig wiedergegeben sind. In unserem Bericht wurde demnach der Verlauf der Dinge in der Versamnilung des „Bundes der Antisemiten" nicht anders gestaltet, als derselbe tatsächlich war. Am allerwenigsten wurde in dem Bericht aber eine Rede oder auch nur ein Satz schärfer pointiert, als gesprochen worden war. Im Gegenteil, wir haben vieles in den Reden sinngemäß gemildert, um den Herren, die vielleicht nur in der Hitze so weit gegangen sind, keine Ungelegenheiten zu bereiten. Die Herren Abgeordneter Gregorig und Gemeinderat Purscht sind bereit, jedermann das zu bestätigen. Wir haben demnach keineswegs anders berichtet als wahrheitsgetreu, cs sei denn, daß man uns daraus einen Vorwurf machen will, daß wir dievehementen Angriffe, die gegen Ihr geschätztes Blatt in der Versammlung erhoben wurden, kollegialer Weise verschwiegen haben. Die „Deutsche Zeitung" hat diese Erklärung natürlich nicht veröffentlicht. Wenn man bedenkt, daß ihr in der Versammlung des Antisemitenbundes recht deutlich gesagt wurde, daß sie dessen Bestrebungen nur deshalb nicht unterstütze, weil der Antisemitenbund zu wenig Geld habe — womit ziemlich deutlich gesagt ist, unter welchen Umständen das christlich-soziale Blatt zu haben ist! —, so begreift man, daß Vergani diesen Brief in seiner eigenen Zeitung abdrucken müßte. Die Herren von der „Deutschen Zeitung" werden wohl, ebenso die Oberhäupter der Christlich-Sozialen selbst, Vergani's Zurechtweisung ebenso wie Gregorig's Ohrfeigen stillschweigend einstecken. Lundenburg. Hier ist jüngsthin Herr Adolf Schreiber, Prokurist und Inspektor der Kuffner'schen Zuckerfabrik in Lundenburg, im Alter von 68 Jahren gestorben. Er war auch Vorsteher der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Mitglied des Ortsschulrates und Ehrenmitglied mehrerer humanitärer Vereine. Adolf Schreiber, zu Proßnitz am 1. Juli 1836 geboren, arbeitete nach Absolvierung seiner kaufmännischen Studien in verschiedenen Etablissements in Proßnitz, Olmütz, Neupest, Neustadt und Wien und übernahm 1862 die Stelle eines Buchhalters in der Kuffner'schen Lundenburger Zuckerfabrik. Wegen seines Biedersinnes wurde Schreiber 1873 in den Ausschuß der Lundenburger Stadtgemeinde berufen und war auch bei der Errichtung der städtischen Sparkasse tätig. In den israelitischen Kultusvorstand wurde er im Jahre 1881 gewählt, in welcher Korporation er die Ehrenstelle eines Vorstehers von 1886 bis jetzt bekleidete. Infolge seiner Anregung wurden viele Stiftungen für humanitäre Zwecke errichtet. Unter außerordentlicher Beteiligung fand das Leichenbegängnis vom Tempel aus statt, wo Rabbiner Dr. Groß dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf widmete. Linz. Der Rechtsanwalt Herr Dr. Julius Ungar in Linz feiert Samstag den 6. Februar 1904 um 10 Uhr vormittags im Provisorium der Neusynagoge zu Prag, II., Jerusalemgaffe, die Konfirmation seines Sohnes Erich, Schüler der dritten Klasse am k. k. Staatsgymnasium zu Prag. Klutschenitz. Im Jahre 1864, also vor 40 Jahren, rafften sich einige glaubenstreue Männer der Minjanim in Klutschenitz und Kovärov auf, um eine Chewra-Kadischa zu gründen. Diese Minjanim requirieren sich aus meist in Dörfern zerstreuten Juden, die die Leichen ihrer Angehörigen 4—5 Stunden Weges, oft noch weiter, zur Beerdigung führen mußten. Welche Opfer an Geld und Gut gebracht wurden, um die Chewra in's