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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-02-05 · 6 (5.2.1904) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
6 (5.2.1904)
Date
1904-02-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 90 Dr. 38locb’s Mwcbenscbrttt. Nr. 6 gewaltigt, daß es kaum noch einem menschlichen Wesen ähnlich sah. Wöchnerinnen, sowie ihre Säuglinge wurden grausam entkleidet und aus die Straße geworfen. Die Zahl der an diesem Tage verwüsteten Häuser oder Geschäftslokale beträgt etwa 300 und beinahe 1500 Juden standen da ohne die geringsten Lebensmittel. Schon bis dahin war ihre Lage keine besonders glänzende. Sie lebten meistens spärlich als kleine Handwerker oder Hausierer; jetzt aber ist ihre Not unbeschreiblich. In ihrer Bestürzung flüchteten sich unsere Glaubensgenossen nach allen Richtungen, wohin sie nur konnten. So kam es, daß Kinder von chren Eltern getrennt wurden, eines blieb 24 Tage fern von seiner Familie, manche Frau wußte nicht, was aus ihrem Manne geworden, mancher Ehegatte suchte vergebens nach den Seinigen. Tagtäglich werden noch zahlreiche von ihnen gegen ein beträchtliches Lösegeld freigelassen und den ihrigen zurückgegeben. Mitten in diesem Wirrwarr benahmen sich die Araber zu Ouled Hriß den Flüchtlingen gegenüber höchst mildtätig. Sie nahmen manche in ihre Häuser auf und gaben ihnen das Nötige zum provisorischen Lebensunterhalt. Einer von ihnen, namens Mohamed ben Tami, ritt sogar an der Spitze mehrerer Araber, um die verirrten Mitglieder der jüdischen Familien aufzusuchen; andere Araber dagegen verhielten sich grausam und, unter dem Vorwände, den Juden ihr bischen Ware und Geld aufzubewahren, stahlen sie alles, was sie nur konnten. Der größte Teil der Flüchtlinge aber, etwa 700 an der Zahl, begab sich nach Casablanca. In ihrer Not kamen diese Unglücklichen zum dortigen Direktor der Allianzschule, um seine Hilfe zu erflehen. Man kann sich von ihrem Zustande eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt, daß sie, um die 50 Kilometer, die sie von Casablanca trennten, zurückzulegen, 10 Tage brauchten. Auch war der Anblick dieser verarmten und verhungerten, um ein Stück Brot, Kleidung und Unterkunft flehentlich bittenden Unglückseligen, nach dem Bericht des Direktors, ein herzzerreißender. Er ließ sofort Sammlungen in der Gemeinde Casablanca veranstalten, um den ersten und driugeudsten Bedürfniflen vorzubeugen; die eingesammelten Gelder waren aber bald verzehrt. Dank der Wohltätigkeit der Juden in Casablanca und der Vermittlung der europäischen Konsuln (besonders des englischen) werden allerdings die armen Juden aus Etat für einige Zeit das tägliche Brot sowie die unbedingt nötigen Kleider erhallen. Damit ist aber noch lange nicht ihrer Lage abgeholfen. Sie müssen zunächst und bis die Ordnung in Etat wiederhergestellt ist, in Casablanca verweilen und es soll für chren dortigen Unterhall gesorgt werden. Ferner aber und vor allem muß au chre baldmöglichste Repatriierung gedacht werden, die beträchtliche Summen in Anspruch nehmen dürste, da von der stüheren Wirtschaft nichts mehr besteht und demnach die Kosten der Wiederherstellung eines Heimes auf eine schr bedeutende Summe zu veranschlagen sind. Die Allianz hat sofort alle Kinder der Flüchtlinge aus Stal in ihre Schule in Casablanca ausgenommen, wo sie das Mittagessen und Kleider erhalten. Sie hat auch schon vorläufig 2000 Francs für Hilfsmittel nach Casablanca geschickt. Aber bedeutende Gelder sind nötig, denn die Katastrophe ist schrecklich. Andere Krawalle sollen in Marakesch, wo 14.000 Juden wohnen, ausgebrochen sein. Auch hier wird man vermutlich mit bedeutenden Geldmitteln helfen müfien. Das Bureau der „Israelitischen Allianz" in Wien, I., Wechburggasse 10, nimmt hochherzige Spenden für die verunglückten Glaubensgenossen dankend entgegen. Wie«. (Jubiläumsfeier.) Am 23. Jänner d. I. fand in dem Prachtsaale des Hotel „Guth", II., Stephaniestraße, eine erhebende Feier statt. Es galt, die Ehrung des verdienstvollen Religionsschulinspektors und Religionsprofessors Dr. Leopold Langfelder, der an diesem Tage seinen 70. Geburtstag feierte, festlich zu begehen. Alle Religionslehrer an Volks-, Bürger- und Mittelschulen hatten sich vereinigt, um dem ausgezeichneten Manne eine Huldigung darzubringen. Außer den Vertretern der Kullusgemeinde Herm Vizepräses Dr. Alsted Stern, Landesschulrat Dr. G. Kohn und Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer wohnten der Feier bei die Rabbiner Dr. David, Dr. Feuchtwang in ihrer Eigenschaft als Jnspelloren für den Unterricht an Mittelschulen, k. k. Professor Dr. Adolf Weiß, k. k. Prof. Pollak, k. k. Prof. Kollek, zahlreiche Lehrer an Volks-, Bürger- und Mittelschulen, endlich Oberkantor Gutmann. Der Obmann des Festkomitees, Herr Religionsschulinspellor k. k. Prof. M. Kanitz begrüßte den Jubilar sowie die erschienenen Festgäste in herzlichster Weise und feierte ihn in begeisterten Worten als das Muster eines charaktervollen, edlen, dabei über alle Maßen bescheidenen Mannes und überreichte ihm namens der Gesamtlehrerschaft einen prachtvollen Silberpokal sowie eine Adresse. Herr Dr. Feuchtwang überbrachte die Glückwünsche des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an österreichischen Mittelschulen, worauf Herr Prof. Dr. Adolf Weiß die Adresse der Mittelschullehrer übergab. Herr Benjamin Fuchs hob die Verdienste des Jubilars um den Pensions- und Unterstützungsverein „Palme" hervor und überreichte eine prachtvolle Adresse. Herr Moritz Antscherl beglückwünschte den Jubilar namens des Vereines „Esra". Herr Vizepräses Dottor Alfred Stern, sowie Landesschulrat Doktor Gustav Kohn gaben dem Gedanken Ausdruck, daß der Religionsunterricht die lebhafteste Sorge des Vorstandes bilde und sei derselbe demzufolge auch bestrebt, für die materielle Lage der Lehrer das Möglichste zu tun. Herr Dr. Markus Spitzer beleuchtete die Wichtigkeit des Lehrers für die Gemeinde, sowie für die Erhaltung und Erstarkung des Judentums. Herr Jul. Braun feierte in launigen Worten die edlen Eigenschaften des Jubilars. Namens der Lehrer aus dem Jnspektionsbezirk sprach Lehrer Schwarz. Der Jubilar gab in formvollendeter Rede ein Lebensbild von seiner frühesten Kindheit bis zum heutigen Tage, dankte dem löblichen Vorstande für die Würdigung seiner Verdienste, der Lehrerschaft für die ihm in so reichem Maße gewordene Auszeichnung. Herr Oberkantor Gutmann trug über stürmisches Verlangen der Anwesenden mehrere liturgische Stücke vor. Auch ein Lehrerquartett (Liftschütz, Kohn, Ascher, Rotter) trug zur Verschönerung des Abends wesentlich bei. Telegramme und Glückwünsche wurden zugesandt: vom Lehrkörper des k. k. Obergymnasiums im VI. Bezirk, vom Oesterreichischen Gemeindebund, vom Tempelvereine des VI. Bezirkes, Bethausverein des XV. Bezirkes, Bezirkskommission des XII.—XV. Bezirkes, vielen Lehrern, Freunden und Gemeindesunttionären. Erst in später Nachtstunde endete das schöne Lehrerfest. —r. Prag. Sehr geehrter Herr Redakteur! In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes wird — offenbar nach einem Kommunique des Vorstandes — ein Bericht über mein Referat in der letzten Verbandstagung der österreichischen Mittelschul-Religionslehrer gegeben, zu dem Sie mir eine kleine Bemerkung gestatten. Es ist gewiß nicht leicht, über einen einstündigen Vortrag in zirka 30 Zeilen zu referieren und ich bin gewiß der letzte, der durch Wortklauberei daran nörgeln möchte. Die von mir aufgestellten und vom Schriftführer stenographierten Thesen gaben ein klares Gerippe der Forderungen, die ich als Voraussetzung der Möglichkeit eines einheitlichen Lehrplanes stellte. Leider war der Abdruck dieser Thesen in extenso offenbar nicht möglich. Dieses Exzerpt stellt mich aber in Widerspruch mit mir selbst. D>nn eingangs verlange ich 1. Religionslehre und Geschichte (nicht biblische!), 2. Hebräische Sprache, 3. Religionsformalen Unterricht. Einige Zeilen später soll nur ein solches Ausmaß von Religionslehre, Geschichte und Wissenschaft gelehrt werden, wie es zum Ziele der sittlich-religiösen Eichung der Mittelschuljugend führe, also die bekannte „Moral". Ich behalte mir vor, einen ausführlichen Auszug aus meinem mit so lautem Beifall aufgenommenen Vortrage zu veröffentlichen, will mich aber schon jetzt vor den Lesern, die ja meinen Vortrag nicht kennen, dagegen verwahren, als hätte ich den Unterricht auf die bei uns von der Religionskenntnis unzertrennliche Morallehre beschränken wollen. Allerdings kämpfte ich gegen den bequemen Standpunkt der Gemeindevorstände an, die sich mit dem in der öffentlichen Mittelschule in zwei Stunden zu Leistenden zuftieden geben und verlangte zeitgemäße, von wiffenschastlich gebildeten Lehrern geleitete Religionsschulen. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Dr. Alex. Kisch, k. k. Professor.

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