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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-02-05 · 6 (5.2.1904) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
6 (5.2.1904)
Date
1904-02-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Llocb s MocbenscvrM. Sette 89 möge Sie der Allmächtige Ihrer vortrefflichen Familie, Ihrem großen Freundeskreise, unserer dankbaren Gemeinde noch lange, lange Jahre in wiederhergestelltem, ungetrübten Wohlsein erhalten." In der Zuschrift an den Kultusvorstand, mit welcher Herr kais. Rat K l i n g e r diese Adresse erwiderte, sagt derselbe Folgendes: „In mich hochehrenden Ausdrücken gibt die am 15. d. Mts. empfangene verehrliche Zuschrift eines löblichen Vorstandes, Z. 91 ex 1904, mir Kenntnis von dem in der Plenarsitzung vom 6. Januar l. I. aus Anlaß der Zurücklegung meines Vorstands-Mandates gefaßten Beschlüsse. Es sei mir hiemit gestattet, tief bewegt, für diese neuerlich mir erwiesene, weit über mein Verdienst hinausreichende Ehrung meinen ergebenen Dank auszusprechen. Nicht unterlassen aber kann ich es, der Bemerkung Raum zu geben, resp. es als Tatsache zu konstatieren, daß, was zur Zeit, da ich die Ehre hatte, als Präsident der Kultusgemeinde zu fungieren, erstrebt.) oder erzielt wurde, sei es die Wahrung des Ansehens und der Würde des Vorstandes, sei es zur Wahrung des so wichtigen Friedens in der Gemeinde, oder betreffe es die Herstellung der Ordnung im Gemeindehaushalte, nur durch die tatkräftige Mitwirkung und Unterstützung, und in vielen Fällen durch die Initiative seitens der hochgeehrten Mitglieder des Vorstandes ermöglicht worden. Die mir ausgesprochene Versicherung eines wohlwollenden Gedenkens seitens der gewesenen Herren Kollegen, wie nicht minder das Bewußtsein, die Führung der Angelegenheiten und der Verwaltung unserer Gemeinde so bewährt gewissenhaften Kräften, wie den Ihren, anvertraut zu wissen, mildern den wehmütigen Eindruck, welchen ich nachhaltig über das Scheiden aus Ihrer Körperschaft empfinde. Mit der Bitte, meinen herzlichsten Dank auch für Ihre Wünsche wegen Besserung meiner Gesundheit entgcgenzunehmen, zeichne ich in vorzüglicher Hochachtung und Ergebenheit Heinrich Kling er." Eine Synagoge von der Feilbietung bedroht. Na naumer, ma nedaber! Was kann ich den wiederholten Aufrufen an meine Glaubensbrüder um Hilfeleistung für unser jüdisches Gotteshaus in Atzgersdorf-Liesing noch beifügen! Die Gefahr steigt. Die mit der Exekutionsführung verbundenen Nebenkosten wachsen an, und wenn es, ungeachtet des wiederholten Appells an meine Glaubensbrüder, bisher nicht gelungen ist, die Schuldsumme zu beschaffen, so wird bald jeder weitere Appell überflüssig, das kleine bescheidene,' vor den Thoren Wiens an der Bahnstrecke Atzgersdorf-Liesing befindliche Gotteshaus verschwunden sein. Nachfolgend das Verzeichnis der bisher eingelangten Spenden, wonach sich bereit noch ein Fehlbetrag von 3363 Kronen ergibt. Sollte wirklich behufs dessen Beschaffung mein neuerlicher Appell an die sonst so hilfsbereite Judenheit in Wien nicht die von mir angehoffte, Erhörung finden!? Wien, 1. Februar 1904. * -st!st Dr. Moriz Güdemann, Oberrabbiuer, Kronen 50.—; M. S. 200.—; Firma Gebrüder A. H. Elias 150.—; I. Feitler 20.—; Leopold Sachs, kais. Rat, .50.—; A. N. 40.—; F. K. 50.—; „Einer" 2.—; Kleine Rosa Singer, ans deren Sparbüchse. 2.—; Sammlung Motto: „O armes Judentum", 14.-; „Jsch kemathnath Jodau" in Budapest 3.—; Sammlung Vorstand Tempelverein VIII. Bez., 60.-; Kalman Taster 60.-; Dr. Arnold von Rappoport 200.—; Moriz Braur jnn. in Köflach 10.-; Viktor Koref 2 —; Brüder Böhm 20.—; Dr. Leop. Berg 10.—; Ludwig Weishut 50.—; Rudolf Kohn 50.—; Gottlieb Taussig 40.-; Lederer u. Wolf 40.—; Familie Robitschek 6.; Frau Betty Frankel 50.— H. Klinger, kais. Rat, U>0.—; Ignaz Rumpler 10.—; Dr. Jakob Ornstein 1".-; Sammlung Rabbiner D. Stransky in Melnik, 30.—; Sammlung Rabbiner M. Lewin in Malaczka 20.—; Dr. M. Passauer 20.—; Arthur Steiner in Pardubitz 2—; Julius S. Reich 10.-; Anonymus 5.—; Rudolf Auspitz u. Komp. 400. -; Leopold Trebitsch 50. —; Anonym 200.— und 400.—, zusammen 600.—; Marie Lustig 30.—; Littmann, in Firma Jgn. Lustig. 20.—; Jeanette Reich in M.-Budwitz 5. -; Julie Pollak 10.—; Anonym 30.—; I. B 300.—; PH. Thorsch 50.—; Sigmund Kauders 40.—; Sigmund Schlesinger 20.—; Dr. Türkl 10.-; Sammlung Vorstand Bethausverein Atzgersdorf-Liesing 1200. -, Sammlung „Oesterr. Wochenschrift" bis 29. Dezember 1903 248.—; Sammlung „Oesterr. Wochenschrift" bis 25. Jänner >904 179.—; Letzter Eingang bei der „Oesterr. Wochenschrift" 72.—. Zusammen K 4650.—. Hiezu stehen mir weiters für den Fall der völligen Begleichung der Schuld zur Verfügung K 1700.—. Total-Summe K 6350.—. Es fehlen also noch 2850 Kronen, hiezu die seither ausgelaufenen Nebengebühren per 513 Kronen, zusammen der Betrag von 3363 Kronen. Wien. (D r. Theodor H e r z l beim P a p st.) Dr. Theodor H e r z l, der gegenwärtig in Rom weilt und in seiner Eigenschaft als Führer der zionistischen Bewegung vor einigen Tagen vom König Viktor Emanuel empfangen wurde, hatte unlängst eine Audienz bei Papst Pius X., der sich von ihm über die Verhältnisse der Juden in Rußland und in den anderen östlichen Ländern informieren ließ und seiner Sympathie für die von Dr. Herzl initiierten Bestrebungen Ausdruck gab. Dr. Herzl hatte außerdem Unterredungen mit dem Minister des Aeußern Tittoni und dem Kardinal-Staatssekretär Merry bei Val. Wien. (Schönlatern-Bethaus.) Der Festgottesdienst, welcher am 31. Jänner anläßlich des 50jährigen Bestandes des Bethauses abgehalten wurde, vereinigte eine auserlesene Gemeinde in den bescheidenen Räumen dieses Gotteshauses. Es waren in Vertretung des Kultusvorstandes erschienen: Vizepräsident Dr. Alfted Stern mit den Vorstandsmitgliedern Vertreter Dr. M. Steiner, Vertreter Dr. Alfted Berger, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer und kaiserl. Rat I. Weil — vom Rabbinat Oberrabbiner Dr. M. Güdemann und die Rabbiner Meyersohn, Kramer, Dr. Bach, Dr. Bauer, Dr. David, Dr. Feuchtwang, Dr. Gelbhaus, Dr. Kaminka, Dr. Rosenmann und Dr. Rosenfeld — ferner die Herren Prof. Büchler, Marcus Bondi, Ortsschulrat S. Heit, B. Hosbauer, Leo Hildesheimer, I. Nußbaum, Vereinsvorsteher Goldmann, Oberkantor M. Schorr, Kantor Don Fuchs u. A. Nach dem vom Kantor S. Weinstein weihevoll vorgetragenen Mincha - Gebet hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann die Festrede, in welcher derselbe einleitend hervorhob, daß er vor langer Zeit wiederholt von dieser Stätte zu der thorakundigen Zuhörerschaft, welche sich hier versammelte, gesprochen habe, so daß ihm die Gründer des Bethauses in bester Erinnerung seien; sodann gedachte derselbe seines Vorgängers, des Rabbiners Lazar Horwitz s. A., welcher zuerst an dieser Stätte das Wort Gottes verkündet habe, und führte schließlich anknüpfend an die Anfangsverse des Psalm 78 aus, daß dieses Bethaus das historische Zeugnis dafür sei, daß auch bei Verschiedenheit des Ritus und der religiösen Meinungen die Einheit in der Gemeinde gewahrt werden könne. — Hieraus sprach der Bethausrabbiner und Lehrer der Chewra Muchsika- Thora Aron Friedmann ein von ihm in hebräischer Sprache verfaßtes Gebet für den Rabbiner L. Horwitz s. A. und die ersten Vorsteher des Bethauses in der Obevvra und sagte den Rebbonim-Kadisch. Es folgte das vom Kantor Weinstein rezitierte Kaisergebet, worauf nach Absolvierung des Maarhv die erhebende Feier ihren Abschluß fand. — Tags darauf wurde der vormalige Kantor des Schönlatern-Bethauses, I. H. Glück, welcher durch 40 Jahre sein Amt in trefflicher Weise versehen hatte und seit 10 Jahren in Pension war, zu Grabe getragen. An seinem Sarge sprach Lettor Friedmann warme Worte der Anerkennung für den Dahingeschiedenen, indem er unter Hinweis auf 2. Mos. 18. 19 die Stellung des Scheliach-Zibbur im allgemeinen und des Verstorbenen insbesondere in schlichten Worten charatterisierte. Wien Die „Israelitische Allianz" in Wien hat von der „Alliance Israölite Universelle" in Paris nachstehende Mitteilungen erhalten: Am 17. Dezember v. I. entstanden in Stat, etwa 50 Kilometer von Casablanca (Marokko) Unruhen, welche die ganze dortige jüdische Bevölkerung (1500 ungefähr) ins Unglück brachten und dem Elend Preisgaben. Während die Juden in der Synagoge das Morgengebet hielten, stürzten zahlreiche berittene Kabylen aus der Umgebung in das jüdische Stadtviertel (Mellah), wo sie das Hab und Gut der Juden raubten und verheerten, Frauen und Kinder als Geiseln Mitnahmen. Im Laufe der Krawalle starben zwei Juden, die von den Pferden zertreten wurden. Außerdem geschahen ungeheuere Szenen der Gewalttätigkeit und der Schändung, so würde z. B. ein zwölfjähriges Mädchen, ein armseliger Krüppel, derart ver

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