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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-29 · 5 (29.1.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 5 Dr. Blocb s Mocdenscbrttr. Seite 79 haben unsere Felder zertreten, unser Vieh verzehrt. Das unerwartete Auftauchen eines feindlichen Reiters gab das Signal zu einem wilden Ausbruche des lange zurückgehaltenen Hasses der mühsam eingedämmten Rachsucht. Straffer hätte unter anderen Umständen der erzürnten und verhetzten Menge Widerstand geleistet. Doch heute durfte er das kostbare Dokument, das er in Verwahrung hatte, keiner Gefahr der Beschädigung aussetzen. Handelte es sich ja um das Eigentum, ja das Lcbensglück der ihm teueren Familie. So gab er seinem Pferde die Sporen, und durch die ihn umdrängende Menge, welche entsetzt zu beiden Seiten zurückwich, jagte er dem Ausgange der Stadt zu. Die ihm nachgesandten Steinwürfe erreichten ihn nicht mehr. Als er sich aus deren Bereiche wußte, atmete er erleichtert aus. Nun erst hielt er das Schriftstück in Sicherheit, welches das Leben ihm so teuerer Personen günstig umgestalten sollte, und im rasenden Galopp jagte er dem Dorfe zu, wo er eine so günstige Aufnahme gefunden hatte, daß er es zu Hau s e nannte. Daselbst angekommen, machte er pflichtgemäß seinem Vorgesetzten die Anzeige von dem erfolgten Friedensschlüsse und der feindseligen Haltung der Bevölkerung gegen die Einquartierung. Erstere Nachricht, welche das entlegene Dörfchen noch nicht erreicht hatte, und deren erster Ueberbringer er war, wurde mit vollster.Befriedigung ausgenommen, denn alle Kameraden sehnten sich darnach, als Sieger in ihre Heimat zurückzukehren. Auch wurden Maßregeln getroffen, um einem feindseligen Angriffe oder Ueberfalle vorzubeugen oder doch ihm zu begegnen. (Forlsetzung folgt.) Literatur. Heijermans jr., Hermann, Interieurs. Uebersetzt von N. Rüben. Preis elegant broschiert Mk. 2.—, in Ganzleinen gebunden Mk. 2.80. Verlag von Bruno Feigenspan, Pößneck in Th. 8" IV. 320 Seiten Heijermans erscheint in seinem neuen Werk „Interieurs" wieder mit einer Reihe scharf und unbestechlich beobachteter Züge aus dem Leben. Es ist in diesem Schriftsteller etwas von der charakteristischen Meisterschaft der alten holländischen Maler, wodurch sich auch das Nationale in seiner Kunst kennzeichnet: kleine reizende Genrebildchen aus den innersten Winkeln des Bürgerhauses herausgegriffen und mit klarer ungeschminkter Realistik wiedergegeben. .Ein feiner Psychologe, weiß er das Seelenleben von der einfachsten Regung bis zur wilden Leidenschaft anatomisch genau zu zergliedern und runde, prononzierte Charaktere zu entwickeln. Keine komplizierte Komposition, lauter kleine Vorwürfe, — Alle^ in Beobachtung, Charakteristik, Stimmung aufgelöst, — kleine Ausschnitte aus dem Leben „vus par le tenaperament“, wie Zola sagt. „Amieke" und „Ein Judenstreich?" sind gewiß die tiefempfundensten und zartesten dieser Novellen; das innere Weh einer erblindeten blutjungen Frau, die in eifersüchtiger Sorge die frische Schönheit des Tienstmädchens heraustastet in dem einen, das schwer errungene Eheglück eines jüdisch-christlichen Paares, zwischen das zuletzt doch entfremdend der beschworene Schatten des Konfessions- Unterschiedes tritt, im andern, r.n keiner psychologischer Ziselirarbeit und kräftigem Humor ist die Skizze des jüdischen „Begräbnisses" reich, die tiefe Tragik eines jungen Mannes, dem eine unheilbare Krankheit nach scheinbarer Genesung das Glück einer tiefen, heißen Liebe vernichtet, ergreift in der „Heirat" das mitempfindende Herz. Von kunstreicher, feiner Zeichnung ist die kleine Novelle „Das Mädchen", wo die zärtlichen und zornigen Leidenschaften eines jungen Paares aus Rücksicht auf die Blamage vor dem Dienstmädchen „immer unter dem Eise sieden". „Bep, der thörichte Junge" flieht aus Furcht, für seinen Bruder, einen Mediziner, ein intereffanter Fall zu werden und stirbt auf dem Meere. — Auch diesem neuesten Werke Heijermans' ist die weiteste Verbreitung zu wünschen. In Bezug auf Ausstattung reiht sich dieses Buch dem im gleichen Verlage erschienenen Skizzenband würdig an. Eine neue Bibelausgabe. Die bestens bekannte Verlagsbuchhandlung Samuel W. Pascheles in Prag, Zeltnergasse 4, aus deren Verlage während seines 44jährigen Bestandes schon eine Reihe bedeutender Werke hervorgegangen ist, hat jetzt durch Herausgabe eines imposanten Werkes, nämlich der Illustrierten fünf Bücher Moses von Professor Julius Fürst ihren Verlag um ein Prachtwerk bereichert. Der rührige Verlag hat diesem gediegenen Werke, welches sich nun in seiner dritten Auflage im überaus vornehmen Gewände präsentiert, mit beträchtlichem Kostenaufwande eine würdige Ausstattung gegeben. Nicht nur das schöne Papier und die vielen kostspieligen Galvanos, sondern auch die mit großer Sorgfalt (jn der Druckerei Heinr. Mercy Sohn) durchgeführte typographische Arbeit und der Prachteinband machen dieses Werk zu einer hervorragenden Zierde einer jeden Bibliothek. Jn Großfolio-Format ausgeführt, stellt dieser illustrierte Pentateuch infolge der trefflichen deutschen Uebersetzung, der überaus in eressanten Erklärungen, welche die religiöse Anschauung und die wissenschaftlichen Ergebnisse in geistvoller Weise verbinden, unterstützt von über 230 erläuternden, künstlerisch ausgeführten Illustrationen ein wahres Familienbuch dar. Trotz der mit der Herstellung verbundenen hohen Kosten hat die Verlagsbuchhandlung den Preis dieses Prachtwerkes auf nur K 12.— festgesetzt, so daß dasselbe als hervorragendes Gelegenheitsgeschenk in jeder Familie willkommen geheißen werden wird. Neue Bücher. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Dr. Z. Frankel, fortgesetzt von Professor Dr. H. G r a e tz. Neue Folge im Verein mit Professor Dr. David K a u f m a n n s. A. ins Leben gerufen und herausgegeben von Dr. Nt. Brann. Siebenundvierzigster Jahrgang. Neue Folge, elfter Jahrgang, November-Dezember 1903. Verlag von Wilhelm Ko ebner, Breslau. Heft 11/12. Inhalt: S t e g m und Jampel: Die Wiederherstellung Israels unter den Archämeniden. (Schluß.) L. Treitl: Der Nomos, insonderheit Sabbath und Feste, in philonischer Beleuchtung an der Hand von Philo's Schrift De Septennario. (Schluß.) Dr. Moriz L ö w y: Die Paulinische Lehre vom Gesetz. (Fortsetzung.) Dr. Jos. Eschelbacher: Die Vorlesungen Ad. Harnack's über das Wesen des Christentums. (Schluß.) Dr. I. G u t t m a n n: lieber Abraham bar Chijja's Buch der Enthüllung. (Schluß.) Dr. M. Brann: Wer war R. Mose Mariel? Notiz betreffend die Gefellschaft zur Förderung der Wiffenfchaft des Judentums. Inhaltsverzeichnis. Allnculaud, so nennt sich eine neue, von den Herren F. O p p e n h e i m e r, S. S o s k i n und O. Marburg herausgegebene Monatsschrift, welche als Organ der zionistischen Kommission zur Erforschung Palästinas figuriert. Die erste Nummer dieser Zeitschrift, die bereits vor einigen Wochen au- . gekündigt wurde, ist nunmehr erschienen. Die Namen der Herausgeber berechtigen zu großen Erwartungen, und wir gestehen gern, daß wir nicht enttäuscht worden sind. Was die Zeitschrift beabsichtigt, geht aus dem einleitenden Artikel klar hervor, und wir möchten ihm nur folgende charakteristische Sätze entnehmen: „Wir müssen den Boden genau kennen, auf dem das Haus Ahasvers stehen soll, wir miissen den Bairplan durcharbeiten bis ins letzte und tiefste; wir müssen die Bauleute werben und schulen, die den Plan ausführen sollen, wir müssen Vorsorgen, daß die Bewohner in redlicher, schaffender Arbeit ihr reichlich Brot zu finden wissen, so daß sie auch Zeit und Kraft be- .halten, um den Blick auswärts zu richten zu höheren Menschheitszielen." Von den Originalaufsätzen stammt der eine, „Palästina als Kolonisationsgebiet", aus der Feder des Herrn Professors O. Marburg. Ein anderer interessanter Beitrag, „Reiseeindrücke" von A. Aaronsohn und Dr. Soskin, behandelt „Die Rosinenstadt Es-Salt". Es folgen darauf eine Reihe wichtiger Mitteilungen über „Palästina und Nachbargebiete" und Originaldepeschen aus den Jüdischen Kolonien, ferner Besprechungen von Büchern aus der einschlägigen Literatur und einige „vermischte" Nachrichten. Am Schluß wird der Hamburger Marktbericht über Palästinaprodukte veröffentlicht, um „den jüdischen Kaufmann durch regelmäßige Marktberichte aus den Haupthandelszentren zu Unternehmungen anzuregen, die später dem Kolonisationswerk nützlich sein können". Die Zeitschrift bringt so viel Schönes und Belehrendes in angenehmer Form, daß auch Nichtzionisten sie gern lesen werden. Ueber die Musik der Juden. Der böhmische Mufikschriftsteller und Kritiker Jan B r o m b e r g e r hat mit großer Gewissenhaftigkeit das Gebiet der Musik der Juden durchge-

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