Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Dr. Blocb s MocbenscbrM. Seite 73 Nr. 5 wünschen, daß dieses von den besten Kreisen stark besuchte Fest die Mittel des Vereines auch für die neuen, stetig wachsenden Erfordernisse erheblich kräftige. Wien. (R e l i g i o n s l e h r e r v e r e i n „E s r a".) Dieser im Jahre 1895 zur Förderung der geistigen und materiellen Interessen der Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde Wien gegründete Verein hielt am 3. Jänner l. I. im Vereinslokale, I., Seitenstettengasse 2, seine 9. Generalversammlung ab. Herr R. L. Moritz A n t s ch e r l, der seit zwei Jahren die Obmannstelle bekleidete, hielt zunächst einen Rückblick auf die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre, betont die Notwendigkeit dieser Vereinigung und stellt hierauf aus persönlichen Motiven seine Obmannswürde dem Vereine zur Verfügung. Die Versammlung bedauert lebhaft den Rücktritt ihres Obmannes, spricht demselben auf Antrag des Schriftführers Herrn Rindskopf den aufrichtigsten Dank für seine ebenso umsichtige als hingebungsvolle Führung aus und schreitet zur Wahl der neuen Vereinsleitung. Mit absoluter Stimmenmehrheit wurden gewählt die Herren: Adolf R o t t e r, Obmann; Dr. Jakob Weis, Obmann-Stellvertreter; Max Rindskopf, Schriftführer; Lazar W i e s n e r, Kassier. Als Ausschußmitglieder . wurden gewählt die Herren: Wilhelm Breuer, Max Deutsch und Markus Stengel. Sämtliche Gewählte erklärten, die Wahl anzunehinen, worauf die Sitzung mit einer Ansprache des neugewählten Obmannes, Herrn Adolf R o t t e r, in der er das Wohl des Vereines nach Kräften zu fördern verspricht, geschlossen wird. Rf. Floridsdorf. (Israelitischer Frauen- Wohltätigkeits --Verein, Floridsdorf.) Ein merkwürdiger Zufall ist es. daß fast gleichzeitig mit der Drucklegung des in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes erschienenen instruktiven Artikels: „I ü d i f ch e P f l e gli n g e", seitens des hiesigen israelitischen Frauen-Wohltütigkeitsvereines ein Beschluß ähnlichen Sinnes gefaßt wurde. Hefter Anregung des Herrn Bezirksrabbiners Dr. M. Rofenmann, wurde nämlich in der Donnerstag den 21. d. M stattgefundenen Generalversammlung des Frauenvereines beschlossen, die Tätigkeit des Vereines dahin auszudehnen, daß eine ständige Aufsicht über die jüdischen Pfleglinge seitens der Vorstandsdamen eingeführt werde. Es ist dies wahrhaft ein Rettungswerk für so manches schütz- und hilflos der Behandlung Fremder anvertrautes Kind. Für das Prosperieren des Vereines legte auch dieses Jahr der Rechenschaftsbericht Zeugnis ab. Bekleidung armer Kinder, Unterstützung von Kranken, Beisteuer zu Brautausstattungen, Verteilung von Kohle und Kartoffel während der Wintermonate bildeten bis jetzt die Agenden dieses überaus segensreich wirkenden Vereines, wozu nun auch Inspizierung der jüdischen Pfleglinge hinzukommt. Bei den stattgefundenen Wahlen wurden Frau Henriette Grünwald als Präsidentin, Frau Dr. Rosenmann als Vizepräsidentin, Frau Dr. König als Schriftführerin, Frau Fanny Markus als Kassierin, Frau Eugenie Seidl als Kontrollorin, die Damen Dr. Baer, Dr. Tauber, Johanna Grünwald, Glaser, Hirsch, Duckes, Buchwald, Treibt wieder-, und Frau Max Stein neugewählt. Stuhtweißenburg. (An die verehrte Redaktionder„OesterreichischenWochenschrift".) Ich muß Ihnen leider Kunde geben von dem Hintritt eines sehr namhaften jüdisch-ungarischen Gelehrten. Professor Adolf Hahn (Havas) wurde nach einem zweijährigen unheilbaren Leiden am 18. d. M. in dem nächst Budapest gelegenen Teteny im Alter von 44 Jahren zur ewigen Ruhe bestattet. Der Verblichene war ein Patriot von seltenem Idealismus und beherrschte außer der heimatländischen Literatur auch die französische und deutsche mit seltener Gründlichkeit, wie man sie wohl nur in Deutschland anzutreffen pflegt. Seine Forschertätigkeit als Literarhistoriker war vornehmlich auf die Dichtung des weit über die Marken Ungarns gekannten Alexander Petöfi gerichtet, dessen Werke er mit gelehrten Anmerkungen von anerkannt bleibendem Werte neu herausgab. Zur Charakterifirung des vielverdienten Gelehrten sei auch erwähnt, daß er seine rühmliche Tätigkeit in bescheidener Stellung als Realschulprofessor ohne jeden Anflug des Strebertums unverdrossen fortsetzte, bis eine tückische Hirnkrankheit seinen Geist lähmte. Mit derselben Treue und Liebe aber, mit welcher der Verblichene der ungarischen Literatur anhing, war er auch dem Judentume ergeben. Als Professor der hiesigen Staats-Realschule war er Mitglied des israelitischen Gemeindevorstandes und Präses des Schulstuhles; auch bekleidete er im israelitischen Gemeindedistrikte die Schriftführerstelle und seine klassische Feder fand stets hohe Anerkennung. An seiner Bahre, wo sich seine Verehrer in reicher Anzahl eingesunden hatten, gaben dem unsäglichen Schmerz der greisen Eltern, die ihren Stolz und ihre Stütze in dem einzigen Sohn verloren, wie dem großen Verlust der ungarischen Literatur und der jüdischen Bekennerschaft tiefempfundenen Ausdruck: der Unterzeichnete, der Ortsrabbiner Ungar, und im Namen des Prosessoren-Collegiums der hiesigen Realschule ein Mitglied der erschienenen Deputation, Dr. Victor Exner. Das Andenken des reichverdienten Gelehrten und treuen Juden möge ein gesegnetes sein. Dr. Steinherz, Rabbiner. Berlin. In der Wohnung des Herrn Konsuls Friedemann fand am 11. d. M. eine Sitzung des „Esra", Vereines zur Kolonisation von Syrien und Palästina, statt, an der die Herren Dorm, Konsul Friedemann, Israel, Landau, Schottländer, Sobernheim, Professor Warburg und Turoff teilnahmen und der als Gäste die Herren Dr. Soskin und Assessor Friedemann beiwohnten. Zu Beginn derselben wird eine Depesche und ein auf diese bezugnehmendes Schreiben des zur Zeit in Jerusalem weilenden Herrn Bambus verlesen, in welchem dieser um die Bewilligung eines Darlehens von 3000 Frcs. für die Kolonie Castinje bittet, da die Kolonisten 14.000 Frcs. zum Ankauf von Vieh brauchen. Es wurde beschlossen, den erbetenen Betrag unter strenger Betonung des Charakters eines Darlehens zu bewilligen und in diesem Sinne an Herrn Bambus zu depeschiren. Ferner werden auf Antrag des Herrn Bambus einem Kolonisten in „Esra" bei Rochowoth 500 Frcs. zur Reparatur seines Hauses bewilligt. Herr Turoff berichtet über die Ergebnisse seiner Reise nach Sachsen, deren Nettoertrag er auf 400 Mk. veranschlagt, und beantragt für eine zweite dreißigtägige Agitationsreise die Kosten von 8 Mk. pro Tag zu bewilligen. Der Antrag wird genehmigt. Ebenso wird demselben sein Gehalt bis April bewilligt. Endlich wird beschlossen, für die Drucklegung und den Versandt einer aus der Feder des Herrn Professor Warburg herrührenden Agitationsschrift 100 Mk. zu bewilligen. Die Schrift soll dem Jahresbericht beigelegt werden. Doch soll in dieser Angelegenheit vorerst noch die Ansicht der Herren Bambus und Dr. Hildesheimer, welche der Sitzung nicht beiwohnen konnten, gehört werden. Berlin („P r o f e s s o r" Heinrich G r ü n s e l d.) Der Hofcellist Heinrich Grünfeld, als Künstler wie als guter Kamerad in allen Kreisen der Berliner Gesellschaft gleich beliebt, wurde kürzlich vom Kaiser persönlich zum Professor ernannt. Der Kaiser dankte mit freundlichen Worten dem Künstler für die Freude, die er ihm besonders in der Zeit seiner Krankheit durch seine Musik gemacht habe und sprach bei seinem Glückwunsch zur frischen Würde die Zuversicht aus, daß sich die Berliner ebenso herzlich wie er selbst über den neuen Professor freuen würden. Nach Heinrich Grünseld wurden die Kammermusiker Exner, Prill, Lüdmann, Pönitz und Fritsch empfangen und mit Busennadeln und Knöpfen beschenkt. Petersburg (Zahl der jüdischen Handwerker in Rußland.) Die antisemitische Lüge von den Juden, die die körperliche Arbeit scheuen, ist zwar so gründlich widerlegt worden, daß die klügeren Antisemiten diese abgetane Phrase nicht mehr in den Mund nehmen. Aber selbst für uns Juden ist es überraschend, wie sehr zahlreich das Handwerk unter den russischen, galizischen und rumänischen Juden vertreten ist. Aus der von der Jewish Kolonisation Assoziation gesammelten Privatstatistik über die russischen Juden geht die erstaunliche Tatsache hervor, daß von den 5,200.000 Juden Rußlands über 600.000 sich mit einem Handwerk befassen. Zieht man die Zahl der Kinder