Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 72 Dr. Dwcb's MocvenscvrM. S.r. 5 Dr. Berger begrüßt es sodann freudigst, daß der langgehegte Wunsch der Erbauung eines Tempels in der Josefstadt erfüllt ist. Damit, sagt der Redner, ist wohl ein sehr schwieriger, aber noch immer nicht der schwierigste Punkt gelöst. Die Hauptaufgabe des Vereines ist es, sehr weite Kreise, die sich bisher indolent zeigten, für die Erhaltung des Tempels zu interessieren, und bei den bisher gemachten angenehmen Erfahrungen ist der Redner überzeugt, daß der Tempelbauvcrein bestrebt sein wird, dieser Ausgabe voll und ganz gerecht zu werden. Hierauf trug Herr Hermann Beck, der seit dem Bestände des Vereines die Kassagebarung versehen hatte, den Kassabericht des Tempelbauvereines vor und wurde, nachdem die Herren Revisoren die ziffernmäßige Richtigkeit des Kassabcrichtes konstatierten, das 'Absolutorium einstimmig erteilt und dem Herrn Hermann Beck für seine aufopfernde und vieljährige Tätigkeit für den Tempel, so nne auch für das Gedeihen des Vereines der wärmste Dank ausgesprochen. Den nächsten Gegenstand der Beratung bildet die Statutenänderung des Tempelbauvereines in den Tempelverein. Es entsteht hierüber eine lebhafte Debatte, an welcher sich der Gesamtvorstand, sowie die Mitglieder L. V i t a l i und Dr. Zins beteiligten. Herr Dr. Berger gibt der Freude Ausdruck, daß die Generalversammlung einen streng sachlichen Verlauf genommen hat, und gibt bekannt, daß er der Kultusgemeinde hierüber berichten tvird. Das Vorstandsmitglied Herr Architekt Modern bringt der Generalversammlung zur Kenntnis, daß Herr Dr. Sigmund Goldberger in Anbetracht seiner vieljährigen und außerordentlichen Verdienste um den Tempelbauvcrein zum Ehrenmitgliede einstinimig ernannt tvurde. Diese Mitteilung wird mit allseitiger Befriedigung zur Kenntnis genommen. Nachdem sich keiner der Anwesenden mehr zum Worte gemeldet, schließt der Vorsitzende Herr Hermann Beck mit dem Ausdrucke des Dankes für das zahlreiche Erscheinen die Generalversammlung und ersucht, für das Gedeihen des Tempels zu wirken: er selbst wird sein Können und Wollen darein setzen, dieses schöne Werk, woran er zwanzig Jahre mitgearbeitet hat, tatkräftigst zu fördern. Wien. Der Vorstand der isr. Kultusgcmeindc hat an Hern: Religionsschulinspektor Professor Dr. Langfelder aus Anlaß seines 70. Geburtsseftes nachstehendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Doktor! Die Feier Ihres siebzigsten Geburtstages hat bei dem Vorstände der Kultusgemeindc freudigetl Widerhall erweckt. Ist es ja die Festesfreude eines Mannes, der sein ganzes Leben dem Dienste der Religion und der Wissenschaft gewidu'et. Ihre Tätigkeit als Rabbiner ist noch beute, nach drei Dezennien, in verehrungsvoller Erinnerung jener Gemeinde, in der Sie gewirkt. Die hohen Aufgaben Ihres Berufes erkennend, haben Sie die Jugend in Ihr Herz geschlossen, sie am Seile der Liebe und Milde geleitet, um durch den Religionsunterricht die Liebe zu unserem Glauben wachzurusen und zu erhalten und Geist, Gemüth und Charakter zu bilden. An heiliger Stätte verkünden Sie mit Wärme und Ucbcrzeugung das Wort Gottes, unsere Jugend im Herzen erbauend, im Glauben stärkend. Mit ungeheucheltcr Liebe blicken Schüler nnd Lehrer aus Sie, den durch Bildung und Gelehrsamkeit ausgezeichneten Mann. Ihre auf mehrfachen Gebieten fruchtbringende Tätigkeit behinderte Sie aber nicht, sich auch in der: Dienst der Wohltätigkeit zu stellen. Und so geben wir an Ihrem Jubeltage gerne der vollsten Anerkeitnung Ihrer Leistungen Ausdruck und wünschen heute mit Ihnen: Möge die Saat, die Sie in die Herzen der Schüler durch Wort und Beispiel gestreut, fortwirken und lebendig bleiben, aus daß unsere Jugend heranreife zur Ehre unserer .Gemeinde und an ihr in Erfüllung gehe der Spruch: 'lms' lynb» nnarü "i jvm ö'binw und an Ihnen selbst erfülle sich das Wort: t,t O’Mjni dt^h na-tsn pmr Wien am 17. Jänner 1904. Der I. Vize-Präsident: Dr. Alfred Stern. D r. Adler Der II. Vize-Präsident: Sekretär-Stellvertreter. D r. G u st a v K o h n. Wien. („£> esterre i chisch-Jsraelitische Union".) Im großen Saale des „Hotel Guth" fand am 21. d. M. unter ' dem Vorsitze des Vizepräsidenten Prof. Ehrmann eine Vereinsversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" statt, in welcher der Landesrabbiner' für Tirol und Vorarlberg Dr. A. Tänzer aus Hohenems einen Vortrag über das Thema: „Selbsthilfe — ein Naturgesetz" hielt. In überaus geistvoller Weise und an der Hand einer umfassenden naturwissenschaftlichen Bildung zeigte der Vortragende zunächst, wie in der großen Union der Natur alles dem Gesetze der Entwicklung folge, wie alle organischen Wesen im Wege der Auslese, der Anpassung nnd der Selbsthilfe nach Vervollkommnung streben. Von der organischen Welt überträgt'sich dieses Gesetz auf die menschlichen Individuen und auf die menschliche Gesellschaft. Auch hier sehen nur unsausgesetzt den Sieg des Starken über das Schwache, die Auslese der Besseren und Besten, die stetige Vervollkommnung durch Anpassung und Selbsthilfe. Ueberaus interessant waren die Ausführungen des Redners, durch welche er den Nachweis zu erbringen suchte, daß die jüdische Religion der modernen Entwicklungslehre keineswegs feindlich gegenüberstehe, ja daß sogar im mosaischen Gesetz vielfache Vorahnungen und Anlehnungen an die Entwicklungslehre zu konstatieren seien. Das zahlreich versammelte Publikum folgte den eineinhalbstündigen Ausführungen des Redners mit gespannter Auftnerksamkeit. An len Vortrag schloß sich eine höchst anregende Diskussion, an welcher sich die Herren Architekt Marmorek, Dr. I. S. Bloch, Lucian Brunner, Bernhard Hofbauer,. Dr. Schreiber, Markus'' und Baumeister Schwadron beteiligten. Die Versammlung endete erst nach Mitternacht. Wien. (B r i g i t t e u a u e r israelitischer Unterstützungs-Verein.) Am 18. Jänner fand in Gerbcr's Nestaurationssaal die diesjährige ordentliche Generalversammlung des israelitischen Unterstützungs-Vereines in der Brigittenau statt. Zahlreiche Mitglieder und Gäste hatten sich mit ihren Damen eingefunden, die den Obmannstellvertreter Herrn Adolf Schreiber lebhaft akklamierten, als er in seiner beredten Ansprache die Wirksamkeit und die rühmenswerten Erfolge dieses Wohltätigkeitsvereines an der Hand des Rechenschaftsberichtes aufzählte. Herr Schreiber, der selbst unermüdlich im Dienste der Wohltätigkeit schafft, gedachte mit warmen Dank aller Gönner des Vereines, widmete eine pietätvolle Erinnerung den verstorbenen Förderern, in erster Linie der sel. Frau Katharina Wunsch, der Frau Bärnkopf und des Herrn Jakob Lieb lein und wies mit Genugtuung auf die stetigen Fortschritte des Vereines hin. Im Berichtsjahre sind 40 neue Mitglieder.beigetreten, und die Einnahmen haben namhaft zugenommen; natürlich auch die an Unterstützungen verausgabten Spenden, die das krasse Elend mildern sollen, welches im Bezirke Brigittenau speziell unter unseren Glaubensgenossen herrscht. Mit Recht klang die Rede des Obmannstellvertreters in einen eindringlichen Appell aus, dem Verein auch weiterhin in seinem Liebeswerke zur Seite zu stehen und so zur Hilfe für die jüdischen Notleidenden, Bedrängten, Armen und Kranken beizutragen. Dem 'abtretenden Ausschüsse wurde unter lautem Beifall das Absolutorium erteilt und zur Neuwahl des Ausschusses geschritten. Gewählt wurden die Herren Josef Wünsch (Obmann), Adolf Schreiber (Obmannstellvertreter), Jakob G o l d n e r (Kassier), David Pollatschek (Schriftft'ihrer), Heinrich G l a i e r (Schriftführerstellvertreter), Adolf und Philipp Weiß (Kontrollore) und A. K u m m e r m a um, Ignatz Körner, Cafetier, G. Eigner, Hermann K o h n, Bernhard P o l l a k (Ausschußmitglieder). Der Verein wird auch Heuer eine seiner beliebten Maskenredoutcn abhalten, und es ist zu