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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-29 · 5 (29.1.1904) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 68 £>r. Dwcv s 'UülocDenöcbnu. »i. 5 die aus neuen Gesichtspunkten sich ergebenden Aufschlüsse über ganze Partien der Psalmen Davi d's, Sprüche Salomos, der Daniel-Apokalypse und die Anfänge des Christentums werden sicherlich bei bcn Fachgelehrten vollste Beachtung und verdiente Anerkennung finden. Aber auch gebildete Laien, welche über die jüdisch-hellenistische Literatur und über Religionsgeschichte sich belehren wollen, werden dieses lichtvolle, ansprechende und leicht verständliche Werk mit vielem Interesse lesen. E i b e n s ch i tz. Dr. H a n d l. vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. (D c r z ü r n e n d e G r e g o r i g. — F a l s ck e T a k t i k — Im A ii t i s c m i t e n b u ii d. — Mechaniker Schneider n n d der heilige 6t e i st.) „Es rauscht in den Schachtelhalmen, verdächtig blinkt das Meer." Schon lange ging ein angstvolles Raunen durch die Welt: Gregorig ist unzufrieden, Gregorig zürnt! — Als Achill in seinem Zelte saß und zürnte, da steckten die griechischen Könige und Feldherren die Köpse zusammen und hielten Rat in banger Sorge; die Trojaner aber atmeten aus und gaben sich neuer Hoffnung hin. Bei uns schienen sich die Könige und Feldherren aus der ganzen Geschichte nicht viel zu machen, und nur die Trooanrr. waren unklug genug, den Grimm des ebenso Worte für einen gelehrten christlichen Theologen, ciilgegnet Letzterer, da es unter den Pharisäern ernste und fronnne Männer gab, und die Kemizeichumig dieser historischen Partei als „unbefugte Obrigkeit" '.owd von B. mir Unwillen zurückgewiesen. ^Für diese konträre Auffassung der genannten 7o; cher ■ bt Tr. Friedländer's Geschichte der jüdischen Apologetik die ln-findst eiwc Äuiklärniig; da wird S 318 ff eingehend und höchst instrnltiv oachgcwiesen, dag dieser Wideispinch ui der Beurteilung der Pharisäer schon bei Joi phus zu finden ist. An inanchcn Stellen nämlich werden die Pharisäer von dem jüdischen Gcichichlschreiber 6 rühmt, an anderen wiederum scharf getadelt, obgleich er dr pharisäischen Partei angebörtc. Wie ist dieser krasse Widerspnich äti erklären? Es ist eben ein Unterschied zwischen Pharisäern nad Pharisäern. Josephus rühmt sic, wo sie uns als fromm rem, selbstlos und denriitsvoll cntqcgentrctki', alten politischen Aspirationen sirnstebeiiund nur in der Pflege der Gottcslchrc leben und sterben-, durch dieses Alles besitzen sie beim Volke einen solchen Einfluß, daß sä ntliche gottcsvicnstliche Verrichtungen, Opfer und Gebete nur nach ihren Auslegungen verrichtet werden, und ein so rühmliches Zeugn's geben ihnen bie Gemeinden, weil man überzeugt war, das; sie in Wort und Lebensführung nur das Edelste suchten. (Am. XVIII. 1, 3.) Diese unpolitischen demntsvoll gottergeben, n Pharisäer fühlten eine asketische Lebensweise, nach der Vorschrift der Schriftgelehrtcn: Biod mit Salz sollst du essen, Wasser knapp zngemcssen trinken, ans der Erde schlafen, ein kümmerliches Leben führen und mit der Thora dich abmühen, dann wohl dir in dieser, und Heil dir in der zukünftigen Welt. Strebe nicht nach Größe. verlange nicht nach Ehre, lasse dich nicht gelüsten nach dem Tisch der Könige (Abotl, VI. 4, v.). Josephus schildert aber auch den großen Einfluß, den die Pharisäer auf die Politik, ans die Negierung vor und nach den Makkabäer-Kämpfen und Siegen ausübtcn (Aut. XIII. 1<-, H, Bell. jud. I 5, I, 2). Diese politischen Pharisäer waren zu Ze icn Hyckan's die Erreger politischer Unruhen; so aroß war ihr Einfluß auf die Regierung, daß der sterbende König Janäns seiner Gauin empfahl: Fürchte dich nicht vor den Pharisäern, auch nicht vor denen, die keine sind, fürchte dich aber vor den Gefärbten, vor den Schcii'- pharisäern, welche die Schandtaten eines Simri ausüben und den Sohn eines für Gott eifernden Pinchas beanspruchen (Sota 22.). Tie Gefärbten, welche die Religion mißbrauchten, um ihre Ehrnur- Herrschsucht zu befriedigen, die den Namen Pharisäer schändeten und diskreditierten, sie werden von den wahrhaft frommen, pharis. Schriftgelehrten noch härter als vom Evangelium (Matth. 23, 1—: 4) verdammt. Eine ganze Reihe schädlicher Pharisäerspielarten zahlt der Talmud auf (Berachot j. 9, 4. Abot d. R. Nath. e. 37) und reißt ihnen ohne Erbarmen di heuchlerische Maske vom Gesicht, daß Josephus den durch die Politik korrumpierten Pharisäismus ebenso rückhallslos geißelt, als er den unpolitischen, der in seiner Miffion der religiösen Volkserziehung völlig aufgeht, verherrlicht, kann ihm nicht hoch genug angerechnet werden. Josephus und Talmud machen eine reine Scheidung zwischen den gefärbten und heuchlerischen und zwischen den echten, von frommer Einfalt erfüllten Pharisäern. Dieses muß man beachten und darnach das Urteil bilden, nicht aber unterschiedslos verdammen oder einseitig verteidigen. Dr H. H. tapferen wie beleibten Kämpfers ernst zu nehmen und sich von ihnl etwas für sich zu versprechen. Die liberale Presse vermochte nicht ihre Freude über den drohenden Zwiespalt in der christlich-sozialen Partei zu verbergen und gab sich alle Mühe, die latente Zunstigkeit zu einer offenkundigen zu machen. Die antisemitischen Preßhefefabriken dagegen blieben mit konsequenter Beflissenheit bestrebt, den Riß zu verkleistern und vor der Welt gewisse Erscheinungen zu verheimlichen, von welchen aus man leicht auf den Zerfall der herrschenden Partei hätte schließen können. Eine verfehlte Taktik auf beiden Seiten. Einfach verfehlt aus antisemitischer, doppelt verfehlt auf liberaler Seite. Denn während es für beide Teile sofort klar auf dsr Hand liegen mußte, daß eine Abstoßung von Elementen gewisser Beschaffenheit keiner Partei der Welt vom Nachteil sein könne, vielmehr jeder zum Nutzen ausschlagen müsse, hätte die liberale Presse außerdem vorher noch zu berücksichtigen gehabt, daß, wenn sie schon, natürlich irrtümlicherweise, von der erhofften Sezession eine Schwächung der antisemitischen Partei erwartete, sie nicht durch vorzeitiges Frohlocken den wünschenswerten Zersetzungsprozeß aufhalten dürfe. Es hätte kein besseres Mittel, als diesen voreiligen Ausdruck der Befriedigung geben können, um den hübschen häuslichen Zwist im antisemitischen Lager im Keime zu ersticken. Erfreulicherweise ist Herr Gregorig auch auf diesen Leim gegangen. Er wird den „Inden" nicht die Freude machen und sich gegen seinen Herrn und Meister Lueger auflehnen, sondern treu bei ihm ausharren trotz aller jüdischen Machenschaften. Das ist auch das Richtige, und endlich einmal hat sich die seltene und schöne Gelegenheit ergeben, wo wir ganz eines Sinnes mit Heren Gregorig sind. Er kann in der Tat nichts Besseres tun, als sich und seine Freunde, die Herren Purscht, Schneider u. s. w., u. s. w., der Partei erhalten. Auch wir wünschen nichts anderes, und unser Wunsch ist ein aufrichtiger. Denn wir bekämpfen die Partei. Jetzt ist es also auch nach und nach klar geworden, ..auA welchem tiefen Bedürfnis heraus der von uns bereits genügend gekennzeichnete neue Bund der Antisemiten in dem Wirtshaus de? Herrn Nagvrzanski geschaffen worden ist. Herr Gregorig brauchte eine Tribüne und einen Resonanzboden, er brauchte ein Hinterland und vor allem brauchte er, der große Heerführer, eine Armee- Und nun hat er alles schön beisammen, er und sein Freund Purscht, den Dr. Lueger ja auch schon gern los iiflie. Lueger hat als Parteiführer einige Praxis, und er weiß, was einer Partei zur Stärkung dient, und was für sie eine Sch wächung bedeutet. Unsere Ansichten decken sich da vollkommen mit den scinigen, nur unsere Wünsche nicht. Wir wünschen ihm auch fernerhin die treueste Bundesgenossenschaft solcher Mitkämpfer. Uns liegt nämlich nicht die Stärkung der Partei am Herzen. Da Herr Gregvrig alles so beisammen hatte, hielt er eine schöne Rede, die nun das Ereignis des Tages in Wien bildet. Jawohl, geehrte Mitwelt, so weit ist es mit uns gekommen, — die Rede eines Gregorig bildet ein Ereignis! Der Antisemitenbund war eine dringende Notwendigkeit. Es gährt und es kocht in Herrn Gregvrig, und er hat keine Gelegenheit zu explodieren. Er konnte es länger nicht anshalten. Spricht er im Gemeindcrat vom Scmmeringsest und tut er dar, daß die Südbahn verjudet sei, der Semmering verjudet sei, kurz, wenn er dort seinen Tiefsinn ausleuchten läßt, dann muß er sich von einem indiskreten Gesinnungsgenossen die Vermutung gefallen lassen, daß er wahrscheinlich nicht nisse, irer Ghega gewesen sei. Der Sitzungsbericht verzeichnet hier „stürmischen Widerspruch" — des Herrn Gregvrig. Spricht er von der Schamlosigkeit, mit der man sich nicht entblödet, auch den Schottenring zu bel.'uchten, da man den Ring überhaupt beleuchtet, so muß er sich vom Bürgermeister absühren lassen, der mit der glänzenden Tirade antwortet: „Ich beleuchte für Christen und Juden!" Das ist in unseren Tagen auch schon ein Ereigniß. Ein Bürgermeister, der den Mut hat, ein so kühnes Wort zu sprechen, — Heil uns! Das Wort ist für die Galerie gesprochen, ebenso wie Mechaniker Schneider, der Gesinnungsgenosse Dr. Lueger's, für die Galerie

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