Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-29 · 5 (29.1.1904) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021547-3021553--13322-3037967
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 66 Dr. Llocb's Mocbenscbrttt Nr. 5 «Ich beschäftige mich seit dem Jahre 1873 mit der Judenfrage und habe infolge dessen mich auch mit der antisemitischen Literatur besitzt. Aus diesem Studium, insbesondere aber aus den Uebersetzungen der talmudischen Schriften habe ich die Erkenntnis gewonnen, daß das talmndische Judentum (und ein anderes existiert heute nicht mehr) von einem so infernalischen Haffe gegen alles, was nicht Jude in durchdrungen ist, daß es allen Völkern, welche der jüdischen Raffe nicht angehören, einfach die Menschenwürde abspricht. « Und dies geschieht in zweierlei Weise: Entweder nehmen sie für sich geradezu den göttlichen Eharakter in Anspruch oder sie erklären die Nichtjnden als Tiere. Ich könnte eine Menge Stellen zttieren, glaube aber, daß folgende Zitate genügen dürften. In der Venediger Ausgabe des Talmud vom Jahre 1546 sind die Worte zu finden: «Die Worte der Rabbinen sind Worte des lebendigen Gottes". Meimonides, gestorben 1204, sagt: „Die Furcht der Rabbiner ist die Furcht Gottes". Im Traktat Sanhedrin sieht: „Wer einem Juden einen Backenstreich gibt, tut so viel, als ° ob er der göttlichen Majestät einen Backenstreich gäbe". In Zeror, Folio 107, Seite 2. steht: „Wie der Mensch über den Tieren, so steht der Jude über allen Völkern der Welt". Im Trattat Baba heißt es: «Weil die Juden allein Menschen sind, die übrigen Nationen aber die Art eines Tieres haben". In Leb —tob, Folio 46, ist zu finden: «Die Häuser der Gojims (Christen) sind Häuser der Tiere". Abarbanel schreibt: „Ein ftemdes Weib, das keine Tochter Israels ist, ist ein V i e h". In Jalkut Schimoneh ist zu finden: „Wer das Blut der Gottlosen (das sind nämlich die Nichtjuden) vergießt, bringt Gott ein Opfer dar". Ich könnte noch eine Menge Zitate bringen, glaube jedoch, daß diese wenigen genügen, um därzutun, daß die Lehrest des Talmud nicht gerade von Menschenfreundlichkeit triefen. Diesem Umstande ist meine Stellungnahme zuzuschreiben." Wir geben dieses klassische Produkt antisemitischen Wahnwitzes und blutlechzender Verlogenheit wörtlich wieder, um es spateren Zeiten aufzubewahren als Zeugnis jener Niedertracht, in welche unser antisemitisches Machthabertum versunken ist. Herr Schneider weiß sehr wohl, daß seine Behauptungen erlogen sind, ja daß sie im Prozeß Rohling- Bloch -gerichtlich als Lügen gebrandmarkt wurden. Das geniert ihn so wenig wie die Titulaturen, mit welchen ihn wiederholt die Herren Georg Schönerer Cornelius Vetter u. s. w. belegt haben. Er rechnet darauf, daß alles das längst aus der Erinnerung der Zeitgenossen geschwunden sei. Man erinnert sich aber doch noch, daß ihm gelegentlich einmal Dr. Bloch vorgehalten, daß er lediglich der „Nachsicht der Staatsanwaltschaft" es zu danken hat, wenn er frei herumlaufen darf. Und jener Nachsicht ist es wohl auch zuzuschreiben, daß die gemeinste Jnsultierung der jüdischen Religionsschriften unbehelligt von den behördlichen Aufsichtsorgauen erscheinen durste, während der Präsident der Delegation, Herr v. Gautsch, die Verlesung behinderte. — Herr von Gautsch, der einmal das Unterrichtsportefeuille in Oesterreich verwaltet hat, ohne daß er ernstliche Anstalten getroffen hätte, unsere Bildungsstätten von dem Gifte der antisemitischen Zersetzung fröizuhalten, Herr Gautsch hatte vielleicht bei seiner Reprimande gegenüber dem Delegierten Schneider eine Ahnung davon, daß nun auch die letzte parlamentarische Instanz, in welcher bisher noch ein gebildeter Ton. herrschte, von den Schlammwellen antisemitischer Roheit ergriffen worden ist, und er versuchte es, die Autorität, die er als Minister vermissen ließ, als Präsident der Delegation zur Geltung zu bringen. Das ist ihm nicht gelungen, wie es überhaupt nicht gelingt, die Geister, die man selbst gerufen, in einem unbequemen Moment zu bannen. Das ist eine Erfahrung, die auch Herr Lueger machen muß, der heute gesättigt auf dem kurulischen Stuhle sitzt und es vielleicht seinem historischen Prestige schuldig zu sein glaubt, die „Blut- und Faughunde", die er jahrzehntelang an seiner Koppel geführt hat, nunmehr vyn sich abzuschütteln. Der große Agitator, der sich so lange nur in der Atmosphäre vom „Goldenen Luchsen" und von der „Blauen Bretze" wohlgefühlt hat, sucht jetzt die Gesellschaft gebildeter Leute, und es geniert ihn nicht, wenn an dem Bankettisch auch die Vertreter jenes schaffenden und arbeitenden Judentumes Platz nehmen, dessen Tüchtigkeit unser Vaterland so große Erfolge auf allen kulturellen Gebieten zu verdanken hat. Aber er hat die Rechnung ohne seine alten Freunde, ohne die Herren Gregorig, Purscht 6t tutti quanti gemacht, die sich heute ungeschlacht gegen ihn auflehnen. Die Herren G r e g o r i g und Purscht repräsentieren heute die Reinheit der antisemitischen Prinzipien, den Katonismus des Judenhasses gegenüber dein Bürgermeister und seinem engeren Anhänge. In einer Versammlung des neugegründeten „Antisemitenbundes" hat Herr Gregorig am vorigen Sonntag eine merkwürdige Rede gehalten. Er erklärte, daß er es sich für den Rest seines tatenreichen Lebens zur Aufgabe gemacht habe, Herrn Dr. Lueger vor seinen eigenen Freunden zu schützen. Er betonte die Notwendigkeit, mit gewissen Herren aufzuräumeu, für die der Antisemitismus nur den Deckmantel ihrer Schandtaten bildet, er klagte darüber, daß Leute, die gestern noch über die Christlich-Sozialen in der erbärmlichsten Weise geschimpft hatten, heute schon in der Partei eine hervorragende Rolle spielen. Er trumpft gegen Dr. Lueger mit der Bemerkung auf, daß kein Mensch unfehlbar sei und daher auch der Bürgermeister nicht, daß er aber Leute an sich herandrängen lasse, die er sich besser hübsch vom Leibe halten müßte. Mit dem grimmigen Humor, der dem Thersites der antisemitischen Partei eigen ist, kennzeichnete er den engeren Anhang Luegers, den Stadtrat Zatzka, der der Meinung sei, daß er noch der alten kapitalistisch-liberalen Partei angehöre, den stadtrat-lüsternen Dr. Klotzberg, der längst nicht mehr am Leben sein könnte, wenn man dem Dr. Prix einen gewissen Körperteil mit einem giftigen Präparat bestrichen hätte. Das sind Christlich- Soziale. „Wir aber", ruft Herr Gregorig aus, „lassen uns damit nicht genügen, denn unter diesem Deckmantel sind die größten Gaukler in die Partei gekommen!" Man sieht, das Programm der Wiener Demagogie hat eine wesentliche Bereicherung erfahren. Der Kampf gegen die Juden genügt nicht mehr, die Christlich-Sozialen der schärferen Tonart proklamieren nun auch den Kampf gegen die — Christlich-Sozialen. Wer gedenkt da nicht des alten Griechengottes Kronos, der seine eigenen Kinder frißt? Wer sagt sich nicht, daß dieser alte Griechengott das Sinnbild des Radikalismus ist, der sich selbst in Aberwitz überbieten muß, um nicht von den nuchdrängenden, durch ihn fanatisierten Massen über den Haufen gerannt zu werden. Denselben Prozeß, den der österreichische Parlamentarismus durchzumachen hatte, macht nun auch die christlich-soziale Partei in Wien durch. Nieder mit der Vernunft! Nieder mit Staats¬ und aller sonstigen Weisheit! Das Wort Mephisto's erfüllt sich: „Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, so Hab' ich Dich schon wie Du bist." Geschichte btt jüdischen Apologetik als Uorgeschichte des Christentums. Von Dr. M. F r i e d l ä n d e r*). (Schluß.) Im Aristeasbriefe bildet die Sage von der Entstehung der Septuaginta nur den Rahmen zu dem eigentlichen Zwecke: das Gesetz und die religiösen Institutionen Mosis zu verherrlichen, die von heidnischer Seite gegen dieselben erhobenen Einwürfe zu widerlegen und den Heiden zu zeigen, welch hoher Geist aus dem mosaischen Gesetze spreche. Die ganze göttliche Lehre ist dem Aristeasbriefe zufolge: daß man Anderen nichts *) Verlag von Cäsar Schmidt. Zürich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.