Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 5 I*■ Bloch 8 Jahrgang XXI Centrslorgsn für die gefammten Interessen des Iudenthnms. -—^- Mie«^ 20. IiLrrner 1004. -«. —- Lrsch eint jeden Freilag. -•» - Brief-Adreffe: Wien, IX/1, Berggaffe SS. Tkteqramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. * -=* B. ft. Postfparcaffrn-Arnk Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Led-rrtton unl> Administration Wien IX/1, Berggaffr Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. M ■■■ ■ --=% 3 — ■ ■=: ~=r-^2k Verugsxrri» für Srsterrrich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ansland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 . ■'] nzeigen: Die 4mal geipaliene Petitzeile 24 Heller. I ne - Inhalt: Leitartikel: Meister Stampiglius in der österreichischen Delegation. — Geschichte der jüdischen l/pologetik als Vorgeschichte des Christentums. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Joses J> eels. — Gleichheit in der preußischen Armee. — Neuentdeckte Aussprüche Christi. — Corres Pondenzen: XX. Generalv.rsanilulung des Teuipelbauvereines Josefstadt. Wien, Floridsdorf, Stuhlweißenburg, Berlin, Petersburg. Die Schließung des Petersburger technischen Kongresses. Bukarest. Josef Israels zu seinem 80. Geburtstag am 27. Jänner. New-Zloik. — Vermischtes: Kranzablö'ungsspenden zn Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien. Wien, Jungbunzlan, Budapest, Malaczka, Breslau, Posen. — Feuilleton: Waffenstillstand. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Meister Klampiglius in der österreichischen Delegation. Auch in jenen heiligen Hallen, wo der Minister des Aeußeru in den Falten seines Diplomaten frackes Krieg und Frieden trügt, wo das Mysterium der neuen Geschütze und Lafetten die Delegierten mit heiligen Schauern erfüllt, auch in jenen heiligen Hallen ist nun der ordinärste Hepp-Heppruf erklungen. Der ihn ausstieß, war der unvermeidliche Mechaniker Schneider, und nichts kennzeichnet besser die Eigenart der parlamentarischen Verhältnisse in. unserem lieben Oesterreich, als daß ein Mann, welcher der Stampiglienfälschung, der Verleitung zu falscher Zeugenaussage und der versuchten Stimmzcttelfälschuug überwiesen ist, auch in der gemeinsamen Vertretung, die über die wichtigsten Lebensfragen der Gesamtmvuarchie zu entscheiden hat, noch eine Rolle zu spielen vermag. Herr Schneider hat seine sattsam bekannte Unterscheidung zwischen „Mensch und Jude" auch in der Delegation des österreichischen Reichsrates zum Besten gegeben, nachdem er einen jüdischen K.nsnl beschimpft hatte, bei dem ihm nach seinem eigenen Geständnis eine gastfre § dliche Aufnahme bereitet worden war. Aus den stenographischen Protokollen der Delegationssitzung ist nicht klar ersichtlich, ob die Theorie des Stampiglienfälschers allgemeine oder auch nur teilweise Entrüstung erregt habe. Man erfährt nur, daß der Präsident der Delegation, Freiherr von Gautsch, in immerhin erfreulicher Unterscheidung von seinem Amtskollegen Grafen Vetter die Ausdrucksweise des Herrn Schneider für unzulässig erklärt hat. Das ist alles, wozu sich staatsmännische Bildung und Gesittung in Oesterreich gegen die blutrünstige Hetze der antisemitischen Exaltados aufzuraffen vermag. „Unzulässig!" Es mag dabingestellt bleiben, ob die Unzulässigkeit nur vom Standpunkte des saftlosen diplomatischen Tones, der in unserer Delegation zur Gewohnheit geworden ist, oder auch vom Standpunkte der menschlichen Zivilisation ausgesprochen worden ist. Die Episode ist aber für die ganze Entwicklung unseres öffentlichen Lebens zu lehrreich, als daß man achtlos an derselben vorübergeheu könnte. Sie ist eben eine neue Stufe in dieser Entwicklung. Das österreichische Parlament ist seit Jahren unfähig, seine Bestimmung zu erfüllen, und fragt man nach der Ursache dieser Entkräftung und Erniedrigung. daun muß nmu zurückgreifen auf jene Zeit, in welcher die Häupter des Wiener Straßenpöbels ihren siegreichen Einzug in das Hans der Gemeinen gehalten und dasselbe zum Haus der Gemeinheit gemacht haben. Von dem Tage an, da die Redeblüten unserer Vorstadtkneipen parlamentarisches Bürgerrecht erlangten, da die Schönerer und Wolf, die G r e g o r i g und Schneider, die B i e l o h l a w e k und P r o ch a s k a, die Lueger und Liechtenstein nicht nur allen menschlichen Gefühlen — eilt solches hat niemand von ihnen erwartet —. sondern auch allen Errungenschaften der Bildung und Gesittung Trotz boten, ist es mit dem Parlament abwärts gegangen, und mit den Rechten der Inden, die man konsiszieren wollte, sind auch die verfassungsmäßigen Rechte der christlichen Bevölkerung preisgegeben worden. Schritt für Schritt hat sich die Degenerierung des Parlamentes vollzogen, und wenn einmal die Verantwortlichkeiten festzustellen sein werden für den ungeheueren Betrug, für den namenlosen Verrath, der an den Rechten der österreichischen Bevölkerung begangen worden ist, daun wird man sagen müssen: Die Ohnmachr des Prrlameutes, die Aufrichtung des Absolutismus mi Wege des § 14 ist von den christlich-sozialen und deutschnationalen Antisemiten verschuldet worden. Und im Zuge dieser schrittweisen Vernichtung alles parlamentarischen Lebens in Oesterreich liegt es, daß nun auch die dümmste und brutalsteJudeuhetze ihren Einzug in die österreichischeDelegation hält, daß auch dort die Korrumpierung des öffentlichen Geistes durch einen Schneider und seine offenen oder versteckten Gesinnungsgenossen ihren Anfang nimmt.- Im Abgeordnetenhause hat Herr Mechaniker Schneider seit seiner derben Abfertigung durch den damaligen Abgeordneten Dr. Bloch Jahre hindurch still und geräuichivs sich verhalten. Nach dem Rücktritt B l o ch's brachte Herr Schneider wiederum „Talmudfolianten" ins Parlament. Da ein solch erleuchteter Fachmann in keinem Vertretungskörper fehlen darf, so sandten ihn die Wiener „Christlich- Sozialen" auch in die Delegation. Herr Schneider unterstützte seine Delegations-Rede mit einer Zuschrift an das „D. ursche Volksblatt" vom Dienstag den 36. Jänner, in welcher es wörtlich heißt: