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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-22 · 4 (22.1.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
4 (22.1.1904)
Date
1904-01-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Mocd's Mocdenscvrtn. «eite 83 Fanni gelesen, noch einmal durchblicken. Aus jeder Zeile, so hoffte er, würde ihm der Ton ihrer sanften und doch so ausdrucksvollen Stimme entgegentönen. Doch was war das? War es Zufall, war es Absicht gewesen? Alle die Bücher, welche ihm, als er sie mit Fanni las, solch' köstlichen Genuß gewährten, fehlten in dieser kleinen Büchersammlung, während die anderen Theile ein und desselben Werkes unberührt stehen geblieben waren. Traurig, gleich leeren Augenhöhlen, starrten ihn die Lücken in diesem Bücherschränke an, traurig wohl — und doch zog nach minutenlangem Nachdenken eine trostreiche Verheißung in sein betrübtes Herz ein. Daß sie bei ihrer schleunigen Abreise gerade diese Bücher zum Mitnehmen gewürdigt hatte, bewies dies nicht deutlich genug, daß sie ein Andenken an ihn mitnehmen wollte? Er hatte j a einigemale auf die Ränder der Bücher, die sie gelesen hatten, Anmerkungen gekritzelt, unbedeutende Randglossen, doch schienen sie dem guten Mädchen von Werth zu sein, sonst hätte sie dieselben nicht mitgenommen. Ja, sie wollte seiner nicht vergessen, ja, er fühlte es, er war ihr nicht gleichgiltig, sie liebte ihn vielleicht gar, vielleicht eben so glühend, wie er sie! Der Freudentaumel, in welchen ihn diese Wahrnehmung versetzte, wurde durch die Mahnung der Frau Hirsch unterbrochen: „Bitte, Herr Leutnant! Wählen Sie rasch ein Buch, ich muß in die Küche gehen und vorher das Stübchen verschließen, damit sich Niemand einschleicht." (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. Luncz. A. Mt. Literarischer Palästina-Almanach für das Jahr 5664 1903/4. Verlag des Herausgebers. In Einrichtung, Ausstattung und Reichhaltigkeit gleich seinen Vorgängern, kann auch der diesjährige Kalender den Palästinafreunden bestens empfohlen werden. Eine neue Ausgabe des jerusalemischen Talmud unternimmt der bekannte Schriftsteller A. M. Luncz in Jerusalem. Der vorliegende Probebogen zeigt, daß diese Ausgabe gegenüber den älteren vielfache Vorzüge besitzen wird. Herr Luncz besucht die großen Bibliotheken Europas um die dortigen Handschriften für sein Werk zu verwerthen. Der Subscriptionspreis dieser auf vier Bände berechneten Ausgabe des „Talmud I e r us ch a l m i" beträgt fünfzig Kronen. Briefkasten. V. Aplowitzer, XX., Bäuerlegasse 2). Sie haben recht und der Verfaffer des Aufsatzes über die „Jüdische Encyklopädie" hat in diesem Punkte geirrt, was auch von anderer Seite constatirt wurde. Z. 12. Wenden Sie sich an die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union", Wien, IX., Universitätsstraße 8. M. Weiß. Der mit dem Titel eines „Profesior" vom deutschen Kaiser ausgezeichnete Prediger Dr. M a y b a u m hält an der Berliner Universität keine Vorträge, wohl aber an der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums. Den Titel erhielt er aber nicht wegen dieser seiner Vorträge, sondern infolge mehrerer wissenschaftlicher Publicationen. K. R. Entgegen der von Dr. Gaster in der von ihm am 20. December in London veranstalteten Protestversammlung gegen das ostafrikanische Projekt aufgestellten Behauptung, der dem Zionismus feindlich gesinnte Lord Rothschild habe der englischen Regierung nahegelegt, den Zionisten das bekannte Anerbieten zu machen, hat Mr. Greenberg in einer am 27. December in Birmingham abgehaltenen Zionistenversammlung erklärt, daß kein Geringerer als Mr. Chamberlain selbst der Vater dieses Gedankens war. „Dieser", sagte Mr. Greenberg, „war auf seiner Reise in Ostafrika großmüthig genug, an die armen heimatlosen Juden zu denken." Als er nach London zurückgekehrt war, sagte er: „Ich habe ein Land gefunden, daß Dr. Herzl sehr gefallen wird. Dies Land liegt ungefähr 15—20 englische Meilen von der Ugandabahn entfernt." Als Dr. Herzl kurz darauf nach London kam und Mr. Chamberlain aufsuchte, sagte ihm dieser: „Ich habe ein Land gesehen, daß Ihnen wunderbar passen wird, ein Gebiet n Ostafrika", i K. in Eger. Die „Egerer Nachrichten" füib blöd und albern in den Schmähungen gegen Juden und Juventhum, wie es sich für einen echten und rechten Deutschnationalen gebührt. Darauf zu antworten, lohnt es sich wahrlich nicht. St. Dr. Carl Heinrich Cornill, ordentlicher Professor der Theologie an der Universität Breslau, sagt in seinem Buche: „Der israelitische Prophetismus", Straßburg 1894, Seite 176: „Die israelitische Prophetie ist die Maria, welche das Christenthum geboren hat, und die christliche Kirche selbst hat das Erdeuwallen ihres Stifters nicht besser zu bezeichnen gewußt, als daß sie von ihm als von seinem Prophetenamte redet. So weit der Einfluß des Christen thnms reicht, so weit reichen auch beute noch die Wirkungen der israelitischen Prophetie, und wenn schon der älteste der schriftstellernden Propheten, Amos, die Prophetie als die herrlichste Gnadengabe bezeichnet, welche Gott Israel und nur Israel gegeben habe, so hat eine Geschichte von zweieinhalb Jahrtausenden dies Wort nur bestätigt. Die Geschichte der gesummten Menschheit hat nichts hervorgebracht, was sich auch nur entfernt mit dem israelitischen Prophetismus vergleichen ließe: Durch seinen Prophetismus i st I s r a e l der Prophet derMenschheit geworden. Möchte das doch niemals übersehen und vergessen werden: Das Köstlichste und Edelste, was die Menschheit besitzt, sie verdankt es Israel und dem israelitischen Prophetismus." „Anstriacns." In einer Versammlung, die unter dem Vorsitz des Fürsterzbischofs Dr. Gruscha Sonntag abgehalten wurde, wurde endlich die Ursache des Verfalles Oesterreichs aufgedeckt. Dem Domcapitular und Gemeinderath Schöpfleuthner gebührt das Verdienst dieser Entdeckung. „Es liegt ein Unsegen auf unserem Vaterland", sprach der geistliche Herr, „den ich mir nur dadurch erkläre, daß man seit Jahren Gott nicht gibt, was Gottes ist! . . . Allüberall ertönt der Ruf nach neuen Kirchen!" Nun hat aber Spanien sehr viele Kirchen und wie ist sein Geschick? Oesterreich geht offenkundig dem Schicksal Spaniens entgegen. dSsNIMA Prachtstück hervorragender Firma, billig zu verkaufen. | IIIHiiIV VI., Gumpendorferstrasse 99, I. Stock. Th. 14. Steiner. InnÖPP Pflntnr sucht einen Rabbiner, der ihn schnellfördemd Ullllgol UuiliUl zum Religionslehrer, u. zw. gegen Honorar ausbilden und ihm dann ein Religionslehrerzeugniss ausstellen könnte. Offerte unter „J. F. 1904" an die Expedition dieses Blattes. Kundmachung. Die Religionsprüfungen für Schüler an Mittelschulen finden im ersten Semester des Schuljahres 1903/4 Montag den 25. Jänner von 4-6 Dhr Abends in der Religionsschule (I , Seitenstettengasse Nr. 2, EL Stock) durch den Herrn Professor Dr. H. Pollak statt Wien, im Jänner 1904. Der Vorstand _der israelitischen Cultusgemeinde Wien. Ein in einer deutschen Cultusgemeinde wirkender Rabbiner, der die böhmische Sprache in seltener Weise beherrscht, mit dem reinsten böhmischen Accent spricht, anerkannt guter Redner, rüstig, repräsentationsfähig, mit vorzüglichen Referenzen, sucht Stellung in einer Gemeinde mit böhmischem Gottesdienste. Geneigte Anträge unter Chiffre „Rabbiner und Prediger 50“ an Administration des Blattes. Samuel W. Pascheies, Verlagsbuchhandlung, Prag, Zeltnergasse 4, nächst dem Ring, ofterirt in reichster Auswahl Professor Kampfs allgemein beliebte Brautgtbdbicher tmd deutsche ftudachtsbücher für israelitische Frauen und Jungfrauen in elegantesten Einbänden, ferner Seiden- und Woll-Talesim Gold- und Silber-Borten. 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