Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 4 (22.1.1904)
- Date
- 1904-01-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 4 Dr. Dlocb s MlocbenscbrM. Seite Kl Wien. (Trauung.) Mittwoch den 27. d. M., um halb 2 Uhr, findet im isr. Tempel, II., Tempelgafie, die Trauung des Fräulein Bertha L e i n k a u f mit Herrn Nathan Offenburg aus Hamburg statt. icn. Samstag den 28. d. M. begeht der Religionsfchulinspector Herr Dr. Leopold L a n g f e l d e r die Feier feines 70. Geburtstages. Der Jubilar erfreut sich in Gelehrtenkreifen wegen seines fachmännischen Wissens eines hohen Ansehens, die Bürgerschaft des Vi. und VII. Bezirkes aber verehrt in ihm den ausgezeichneten Lehrer, der durch mehrere Generationen der Jugend ein treuer Führer war. Wien. (Todesfälle.) Dieser Tage verschied hochbetagt Herr Jacob Mvor, welcher viele Jahrzehnte hindurch als Mitglied dem Bethausvorstande und der Leitung der Chewra-Kadischa angehört hat. Die Beerdigung fand unter zahlreicher BctheiUgniig aller Kreise der Wiener Cultusgemeinde statt. — In seiner Wohnung, Elisabethstraße 16, ist vorgestern der Arzt Dr. Paul Mittler, der mehr als 40 Jahre lang in Wicn seine ärztliche Thätigkeit ausübte, gestorben. Er zählte zu den gesuchtetsten und beliebtesten Aerztcn der Residenz. Neulitschcin. Kürzlich fand in unserer Gemeinde einer der hier eingeführten, zwanglos wiedcrkehrenden Literaturabende statt. Auf demselben hielt Herr Buchhalter I. Barber einen Vortrag über das Thema: „Der Kampf um die Sprachen". Die Ausführungen des Herrn Vortragenden gipfelten in dem Nachweis, daß der Dialect unserer Brüder im Osten nicht nur als lebendige Volks- und Umgangssprache seine Daseinsberechtigung habe, sondern auch als der Ausdruck tiefempfundener Poesie, Me sie in den unsäglich ergreifenden Liedern der jungen jüdischen Dichtung wiederhallt, die in der gottbegnadeten Dichterseele ü. In Morris R o s e n f e l d und seiner Richtung erklingt. Brünn. Der Gesangsmeister Herr Leopold Schmidt, Professor an der hiesigen Musikvereinsschule, feiert am 1. Februar d. I. das Jubiläum seiner 25jährigen Thätigkeit als Chordirigent der israelitischen Cultusgemeinde in Brünn. Zwiltau Der Vorsteher unserer Cultusgemeinde Herr- Fabrikant Josef Stein spendete aus Anlaß der Confirmationsfeier seines Sohnes ein prachtvolles Porauches, welches am letzten Samstag feierlich seiner Bestimmung übergeben wurde. Ung.-Hradisch. Der hiesige israelitische Fraueuwohlthätigkeits- und Freitischverein, unter der Leitung der Präsidentin Frau Flora Braun, veranstaltete am 17. Jänner die erste Festlichkeit mit einer Tanzunterhaltung. Der Besuch des Festes war äußerst zahlreich — das gestimmte Osficierscorps und viele Notabilitäten der Stadt waren vertreten — und ergab für den Wohlthätigkeitsfond einen Reinertrag von sechshundert Kronen. Bisenz. (S t e r b e f a l l.) Der 13. Jänner versetzre unsere Gemeinde in liefe Trauer, denn unser verdienstvoller, allverehrter Cultusvorsteher Herr Sawuel Königstein wurde zu Grabe getragen. In der opferwilligsten Weise wirkte der Berewigle als Haupt der Gemeinde und erfreute sich solch' inniger Verehrung, daß sein Hingang nicht nur von seinen Nächsten, sondern auch von Fernstehenden aufs Tiefste'beklagt wurde. Das Leichenbegängniß^gestaltete sich daher zu einer imposanten Trauerkundgebung, wie sie Bisenz kaum je gesehen. Von Nah und Fern strömten die Trauergäste aus den intelligentesten Gesellschaftskreisen herbei, um dem hochverdienten Manne die letzte Ehre zu erweisen. So sah man Deputationen der Cultusgemeinden: Ung.-Ostra, Hradisch, Gaya, Göding, Prerau, Leipnik rc. sowie eine Abordnung des Euratoriums des Mähr.-jüd. Landesmassafondes unter den Anwesenden. Die Trauer ceremonicn wurden mit einem vor dem Trauerhause executirten Choral eröffnet, worauf der Sarg in feierlichem Zuge nach dem schwarz drapirten Gotteshause gebracht und dort aufgebahrt wurde. Es folgte nun die eigentliche Trauerfeier, die durch das Absingen des „ckosellow desssiisr", durch Cantor S. Weiß mit mächtig klangvoller Stimme ergreifend vorgetragen, eingeleitet wurde. Sodann bestieg unser allverehrter Herr Rabbiner Se. Ehrwürden Dr. Josef Hoff die Kanzel und schilderte in trefflicher Weise die Verdienste des Verklärten als Gemeindevorsteher, als Gatte, Vater und Bruder. Der Leichenzug bewegte sich dann vom Gotteshause nach dem Friedhof, wo Herr Dr. Hoff nach Recitation des „Ua2ur tomim“ durch Cantor Schulz noch das Seelengebet verrichtete, worauf die sterblichen Ueberreste des Verewigten der Erde übergeben wurden. Klattau. Am 17. Jänner 1904 hielt die „Chewra-Kadischa ' die Generalversammlung ab. Um 2 Uhr Nachmittags fand aus diesem Anlasse ein Festgottesdienft statt, bei welcher Herr Rabbiner Dr. R a n ch m n t h ans Schattenhofen eine eindrucksvolle Predigt hielt und den verstorbenen Vereins-Mitgliedern riihrcnie Worte des Gedenkens gewidmet hat. Bei der Generalversammlung legten dieFunctionäre Rechenschaft über ihre Tbätigleit und der Bericht wurde mit Beifall aufgenommen. Ans den Mittheilungen des Caffiers ergibt sich, daß der Vere n im letzten Jahre 1600 Kronen für Wohlthätigkeitszwecke verausgabt hat. Bei den vorgenomineiien Neuwahlen wurden sämmtliche ansscheideudc Mitglieder neu cewählt. u. z. S. I. Krauskopf zum Obm in» Dr. Steine r. S. H a b n, Jgn. Lederer. I. Fei gl, L. Schlcißner, Jonas Steiner zu Vorstandsmitgliedern; als Ersatzmänner die Herren: Adolf Drucker, Heinrich L a s ch a n s k y, Jg. P o l l a k. Bei der Cbewra-Sude sprachen zuerst der Vereinsobmann I. I. K r a u s k o p f. der Herr Rabbiner Dr. Rauchmuth, der Cultusvorsteher Dr. I Fleischer und Herr Dr. I. Steiner. Letzterer gedachte besonders der Veteranen. Weiters sprach Rudolf F l e i s ch e r, Obmann des Chorgesangs- und Geselligkecksvereiues; Oberlehrer A. B a u m, Oberlehrer Berk c, Max Singer, Ob rcantor Kornitzer, Heinrich Lasch a n sky, W. Bruml in Velsen; Fritz Laschansky. Adolf Drucker, L. Schlcißner, Adolf Löwy, Simon Hahn und Adolf Wiener. Eine Sammlung für die Volksküche in Jerusalem ergab 18-52, während für das „Benschen- K 180-— gezahlt und für die Ortsarmen bestimmt wurden. „Ersteher" war Herr Ignaz Lederer, doch übertrug er dem Herrn Rabbiner die Ehreuaufgabe es Recitirens. Für die Cbanukagruppe wurde der Betrag von K 17-48 gesammelt. Das schöne Fest der Chewra-Kadischa wird allen Theilnehmern i» freundlichster Erinnerung bleibe». 'Agram. Sonntag den 17. d. M feierte der neu gegründete Agramer israelitisch-croatische literari'che Verein seinen Eröff ungsabend. In Verhinderung des Vereinspräsidenten Herrn Oberrabbiner Dr. Jacobi begrüßte der Vicepräsident Herr Dr. Goldniaiin die Anwesenden und kennzeichuete die Ziele des Vereines, welcher die Pflege der jüdischen Wissenschaft auf seine Fahne geschrieben und sich die hohe Aufgabe gestellt, bte Jugend zu guten Juden und guten Croaten zu erziehen, welcher aber alle modern-zionistischen in d jüdisch-nationalen Sonderbestrebnngen perhorreScirt. (Allgemeine Zustimmung.) Hierauf hielt Herr Prof. Dr. Gavro Schwarz eineu sehr interessanten Vortrag unter dem Titel „lieber die Entstehung der Bibel" Der Vortragende setzte auseinander, daß die heilige Schrift nicht das einzige literarische Product des jüdischen Volkes in seiner tausendjährigen Geschichte sei. Eine reichhaltige Literatur wurde aus dem Kanon ausgeschlossen und ist entweder ganz verschwunden oder in fremden Sprachen erhalten geblieben. Diese Ausschließung sei das Werk der Censurbehördc, die wahrscheinlich mit Esra beginnt und mit dem Priester Ananias, dein Führer der Kriegspartei, knapp vor der Zerstörung des Tempels endet. Der Grundstock der heiligen Schrift ist in \ em im Talmud ost erwähnten „Tempelhof-Buch" — murrt “2D — zu suchen, welcher im Laufe der Zeck die 24 Bücher der heiligen Schrift umfaßte. Tann schiloert der Vortragende die Debatten im Talmud über die Heiligkeit der drei salomonischen Schriften und führt die Principien an, wclcke von der großen Synagoge bei der Aufnahme der Bücher in die Sammlung der heiligen Schrift befolgt wurden, charakterisirt das Sirach-Buch, bespricht die Zahl der Bücher und die in der traditionellen Literatur angeführten Institutionen, in denen dieselbe Zahl — 24 — wiederkehrt, und schließt mit der These, daß die Bibel die Einheit des Judenthums bewahrt hat! Die glänzenden Ausführungen des Redners wurden von dem zahlreichen Auditorium mit lautem Beifalle ausgezeichnet. Arad. Die Araber Reliaionsgemeinde hat den Bau einer neuen Synagoge beschlossen und für diesen Zweck einen Bauplatz von der Stadt verlangt. Ganz unerwartet erhebt nun gegen diesen Plan der Csanader Diöcesanbischof seine Stimme, indem er dem Araber Magistrate die 'eit Jahrzehnten obschwcbende Frage der Errichtung einer zweiten Pfarrkirche und Pfarre in Erinnerung bringt, unter ausdrücklicher Betonung dessen, daß die bischöfliche Behörde gerade den jetzt von den Israeliten beanspruchten Franzplatz für die dringend benöthigte zweite Pfarrkirche als den geeignetsten Bauplatz betrachtet und der Befürchtung Ausdruck gibt, daß, wenn der Franzplatz für die Synagoge übe: lassen wird, die Frage der zweiten Pfarre, welche angesichts der Zahl von 30.000 katholischen Gläubigen als dringendes Bedürsuiß bezeichnet werden muß. — wieder auf unabsehbare Zeit liinansgcschoben werden könnte, da in ganz Arad kein geeigneter Bauplatz ermiitelt werden kann. Berlin. (Ein Besuch des Kaisers Wilhelm.) Kaiser Wilhelm hat kürzlich Nachmittags, wie das „Kleine Journal" meldet, dem bekannten Berliner Großkausmann Herrn James Simon, der der Hauptsörderer der Ausgrabungen in Babylon ist, einen Besuch abgestattet. Der Kaiser erschien gegen 2 Uhr in Begleitung von drei Adjutanten vor der Billa des Herrn Simon in der Thiergartenstraße, wo er von dem Besitzer empfangen und in die Räume der ersten Etage geleitet wurde, in denen die neuesten und seltensten Stücke der Ausgrabungen aufgestellt worden waren. Der Kaiser besichtigte die Antiquitäten mit großem Interesse und weilte etwa eindreiviertel Stunden im Hause des Herrn Simon.