Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 4 (22.1.1904)
- Date
- 1904-01-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 60 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Sir. 4 „Sturmgcfelle Soerates". Hochgeehrte Redaction! So wohlseil, wie es sich Herr Professor Dr. Gotthart Deutsch mit seiner Argumentation gegen eine durchaus richtige Bemerkung der Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift" vorstellt, können wir die Reform denn doch nicht davon kommen lassen. Da soll gar die Gesetzestreue mehr als die Reform zur Taufe fuhren. Die Statistik des Herrn Dr. Deutsch, dem wi ja anderweitig gerne Anerkennung zollen, ist entschieden eine verfehlte. Nicht ein einziges Beispiel ist dafür erbracht worden, daß ein gesetzestreuer Jude leichter als ein Reformjude zur Taufe gelangt. Seine Beispiele beziehen sich alle nur auf Söhne gesetzestreuer Juden. Da aber hätte er die Reihe noch durch die stattliche Anzahl mißrathener Söhne frommer, gottbegeisterter Eltern reicher ausstatten können. Da das Judenthum der früheren Generation im Allgemeinen gesetzestreu war, ist es selbstverständlich, daß nahezu alle getauften und auch Reformjuden entweder Söhne oder Enkel strenggläubiger Juden sind. Es hieße aber geradezu die Sache aus den Kops stellen, wollte man nicht anerkennen, daß die Gesetzestreue gewaltig vor der Taufe schütze und daß man bereits sehr locker in Befolgung des Gesetzes geworden sein muß, ehe man die Taufe über das jüdische Gewissen zu bringen vermag. In Lemberg war ein Jude am Bußtage des Passahfestes lange aus dem Hause geblieben. Dem Heimkehrenden kam auch die fromme Hausfrau besorgt mit dem Rufe entgegen: Aber Szender, wo bliebst Du so lange, da Du ja - noch nicht den Scder angerichtet hast? Doch dieser erwiderte lachend: Was brauche ich denn einen Seder, da ich soeben getauft wurde? Die Frau, welche sicher nicht in dogmatischen und theologischen Spitzftndigkeiten, wohl aber in der Gesetzestreue fester als ihr Mann war, blieb Jüdin, während Szender jene Christin heiratete, in deren Hause er schon lange vorher genußreiche und rituellfteie Tage verlebt hatte. Das ganze jüdische Resormschifflein segelt überhaupt unter falscher Flagge. Gesetzesabschaffung sind nicht Reform, sollte es heißen. Gottinnigkeit, Bethätigung der schönen Lehren: „Auf allen Deinen Wegen halte Dir Gottes Gegenwart vor Augen!" „Mein Gott ist mir stets gegenwärtig, darum stehe ich fest" — nennen wir Orthodoxie. Ungebundenheit, Tendcnzlosigkeit in dem Gedanken, daß sich der liebe, weite Gott sich gar wenig um unser Thun kümmert, wird Reform geheißen. Da reicht fürwahr die jüdische Reform kaum an die ernstere und auch bessere Reform eines Dr. Martin Luther hinan. Und wenn das Judenthum erst wirklich nur leeren Tisch und kahle Wände ohne jegliches Gottesbild dem nie ersterbenden religiösen Bedürfniß jedes menschlichen Gemüthes, dem nach Wärme und Himmelskost ftöstelnden Herzen selbst der aufgeklärtesten Geister zu bieten hätte, so wäre die Flucht zu den allenthalben ausgestellten und Sehnsucht erweckenden Götterbildern eine allgemeine. Das Judenthum ist von seinem Gesetze nicht loszulösen, welches ihm die mangelnde Leibhaftigkeit Gottes zu ersetzen und den vertrauten Verkehr mit der Moral und Geist erhaltenden Gotcheit zu verniitteln hat. Gerne jedoch wollen wir anerkennen, daß unsere Zeit einen reformatorischen Geist in der Handhabung des Gesetzes erheischt, — einen Geist der Milde und Duldsamkeit, der Versöhnung und Zwanglosigkeit, einen reformatorischen Geist, der die Gesetzestreue würdigt, liebt und mit den schönen Worten der Psalmen und Propheten predigt, während er jedoch die Bethätigung dieses Gesetzes und dessen würdige Anpassung an die obwaltenden Verhältnisse dem fteien Gewissen und der selbstständigen Bestimmung der urtheilsfähigen Geister überantwortet. Dr. M. L. Stern—Triesch. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Emil M i n tz: Bon I. M. L 10.—; Josef Kohn K 10.—. Zusammen K 20.— Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Elias Brunner: Von den Hinterbliebenen K 6.-; Leopold Bauer K 10.—; Leon Goldflamm K 4.—. Zusammen K 20.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Fr." Karoline Langstein: Von Anna Langstein K 20. -; Dr. F. S. L 6.—. Zusammen X 25.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Heinrich B r u ck n e r: Von J. Feitler K 10.—; Klara Bruckner L 40.—. Zusammen L 50—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Hermann W e r n er: Von Herrn Moriz Stern, Budapest, K 4.—; Familie Werner K 8.—; Ludwig Friedmann, Teplitz, K 10; M. Geiringer, Karmin, K10.—; Leopold Friedmann K 2.—. Zusammen K 84—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Max Bauer: Von Ernst und Hedwig Bauer K 20.—; Leopold, Adele und Gustav Schlesinger K 10.—. Zusammen K 30.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Fr. Katharina K a n i tz: Von Herrn Gustav Kanitz K 4. -; Dr. K. K 4.—; R. Spielmann K 10.—. Zusammen K 1--%-. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Dr. Hermann Elias Von Herrn Dr. Moriz Weil K 20.—; Friedrich Weil E. 10.— Dr. Josef Weil K 10.—. Zusammen K 40.—. Wien. (Auszeichnung.) Der König von R umänien hat dem Redacteur kaiserlichen Rath Johann L i ch t e n st a d t in Wien eine Brillantbusennadel mit Krone als Zeichen seines besonderen Wohlwollens übersendet. Wien. (Spenden.) Zur Erhaltung des Gotteshauses in Atzgersdorf-Liesing sind uns ferner zugekommen: von Herrn B. in B. K 3.—, von Frau Rosa Grünbaum in Karlsbad K 44.— als Ergebniß einer Sammlung, veranstaltet anläßlich einer Frauenvereinsversammlung; von Frau B. Meitner in Wien K 1.—, unter F. T. in Wien VI K 2.—, von Herrn Moriz Weiß, Obmann des Krankenunterstützungsvereines „Cliesed scliel Emes“ K 12.—, das Ergebniß einer beider Generalversammlung veranstalteten Collecte; von Frau H. W. in Wien K 2.—. Wi n. Infolge des Aufrufes in Nr. 3 unseres Blattes, betreffend zwei alleinstehende Mädchen (Schwestern), die sich in biterer Nothlage befinden, sind bei Herrn Wilhelm Morgenstern von Herrn Samuel Goldmann L 4, von M. Haas, Gutspächter in Welka, L 10 eingegangen. Weitere Spenden beliebe man von nun an direct an die beoauernswerthen Mädchen Sophie und Louise Axelrad, II., Kleine k chiffgasse 28, Thür 12, zu senden. Wien. (Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums.) Donnerstag den 28. Jänner 1904, präcise 7 Vs Uhr Abends, findet im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse Nr. 11, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Elieser David: „Heinrich Heine und seine Stellung zum Judenthum" statt. Wien. (Israelitischer Humanitäts-Verein für den zehnten Gemeindebezirk Wiens.) Der „Israelitische Humanitäts-Verein für den zehnten Gemeindebezirk' Wiens" veranstaltet wie alljährlich einen Wohlthätigkeits-Ball, dessen Reinerträgniß den Humanitären Bestrebungen des Vereines zugeführt werden soll. In Anbetracht des Humanitären Zweckes, und mit Rücksicht aus die thatsächlich große Nothlage der in diesem Bezirke zahlreich wohnenden armen Familien verdient das Unternehmen allseitige Unterstützung. Wien. (Israelitischer Humanitäts-Verein für den X. Gemeindebezirk Wiens, XXVIII. Jahrgang.) Sonntag den 24. Jänner 1904, präcise 6 Uhr Abends, findet in Jakob Oczcret's Restauration, X., Keplergasse Nr. 7 die Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht der Revisoren. 3. Wahlen in den Vorstand (nach 8 18). 4. Wahl von 2 Revisoren. 5. Anträge und Interpellationen. Unmittelbar vorher um 5 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel, X., Humboldtgasse 27 ein Trauergottesdienst statt.