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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-22 · 4 (22.1.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
4 (22.1.1904)
Date
1904-01-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 56 Dr. Dloeb's Mloebenscbritt. Nr. 4 Traun mit 30 Dienstjahren. Ferner sind mehrere genannt zwischen 20 und 30 Dienstjahren. Die Schrift gibt auch interessante Mitteilungen über die Wohlfahrtseinrichtungen der Fabrik. Der Central-Gewerbeinspector k. k. Hosrath Dr. Franz Migerka äußerte sich in seinem Jahresberichte über die Amtsthätigkeit der Gewerbeinspectoren pro 1886 (Band 1887) S. H. in Bezug auf diese Fabrik, „daß ihr Eigenthümer bemüht ist, das Wohl seiner Arbeiter thunlichst zu fördern." Die Schrift des Herrn Leopold Baß bietet zweifelsohne einen interessanten und werthvollen Beitrag zur Beurtheilung der Frage, welche Verdienste die Juden in Oesterreich um die Entwicklung und Förderung einzelner hervorragender Industriezweige sich erworben haben, und es wäre nur zu wünschen, daß aus den Kreisen anderer Branchen ähnliche Publicationcn mit gleicher Genauigkeit erfolgen. Das wären wichtige Bausteine für die künftige Darstellung eines Gesammtbildes der „Juden in der österreichischen Industrie". -d icn Am 17. December 1903 fand die Generalversammlung des Brigittenauer Tempclvereines statt. Herr Eltbogen begrüßt die Erschienenen, stellt den Delegirten des Cultusgemeinde-Vorstandes Herrn Teltscher vor, dankt diesem, dem Herrn Leopold Weiß, Obmann des Bethausvereines Simmering, und sämmtlichen Anwesenden für ihr Erscheinen, gedenkt des Ablebens des Cultusvorstehers Herrn Arthur Edlen v. Mises in ehrenden Worten, hebt ganz besonders hervor dessen Wirken im Vertreter-Collegium für die Bethausvercine und feine ver-' dienstvolle Thätigkeit als Obmann des Tempelvereines in der Leopoldsgasse. Der Herr Obmann gedenkt ferner des Ablebens des Vereinsmitgliedes Herrn Arnold Braun und des Herrn Moriz Kohn, eines der Gründer des israelitischen Bethausvereines Brigittenau, und regt die Protokollirung der Trauerkundgebung für die genannten Verstorbenen und Verstäudignng der Hinterbliebenen hievon an. Die Erschienenen erheben sich zum Zeichen der Trauer und ertheilen einhellig ihre Zustimmung zu der von dem Herrn Obmann gemachten Anregung. Derselbe bringt zur Kenntnis;, daß Herr Dr. Gustav Kohn sein Fernbleiben von der Versammlung entschuldigt hat. Von der Verlesung des gedruckten Rechenschaftsberichtes nimmt die Versammlung Umgang. Herr Eltbogen hebt hervor, daß von allen Tempelvereinen der Brigittenauer die meisten Mitglieder zählt, gedenkt hiebei lobend der Thätigkeit des Herrn Adolf Schreiberbezüglich der Anwerbung neuer Mitglieder und richtet an die Anwesenden einen Appell, sich in der Anwerbung von Mitgliedern in der gleichen Weife zu bethätigen. Er bemerkt ferner, daß die Zahl der Trauungen sich bedeutend vermehrt hat, was darauf zurückzuführen ist, daß dieselben in mustergiltiger Weise vollzogen wurden und hiebei die größte Ordnung geherrscht hat. Dies wurde auch von Bctheiligten wiederholt brieflich anerkannt. Um die Aufrechthalrung der Ordnung bei den Trauungen habe sich die interne Section besondere Verdienste erworben. Die Bilanz fei eine günstige: der Tempelbesuch war in absoluter Beziehung gut, jedoch der jüdischen Bevölkerung der Brigittenau von 12.000 bis 14.000 Einwohnern nicht entsprechend. Zum Theile sei dies znrückzuführen ans den Mangel eines Seelsorgers, dessen Nothwendigkeit an sich unzweifelhaft feststcht, insbesondere aber im Hinblicke auf das dringende Bedürsniß einer Religionsschule. Es sei jedoch zu hoffen, daß die Angelegenheit in Plenum des Cultusgemeinde-Vorstandes eine günstige Erledigung finden werde, wir feien eine Gemeinde und es werde unseren Wünschen von dem Cultusgemeinde-Vorstande wahrscheinlich Rechnung getragen werden. Der Herr Obmann schließt sodann seine Ansprache mit den». Appell an die Anwesenden, Frieden zu halten nach Innen und nach Außen. Sohin wird eine Zuschrift Seiner Ehrwürden des Herrn Dr. Bach verlesen, welche die besten Wünsche für die Versammlung und den Verein zum Ausdrucke bringt. Herr Secretär Josef Kohn bittet den Dank auszusprechen dem Bezirkscollegium für den II. und XX. Bezirk, insbesondere den Brigittenauer Mitgliedern dieses Collegiums für den in demselben gefaßten Beschluß in unserer Rabbinerfrage, er beantragt auch Dankerstattung an den Herrn Obmann für seine Haltung in dieser Frage im Cultusvorstande. Er begründet die Verpflichtung des Cultusvorstandes zur Bestellung eines Rabbiners in der Brigittenau durch einen Hinweis auf die Geschichte des Judenthums in Wien und auf das Gesetz über die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der jüdischen Religionsgesellschaft. Selbst wenn kein Gesetz diesbezüglich bestünde, so wäre maßgebend der Usus, welcher gleichfalls die Verpflichtung begründe. Anderswo, wo eine geringere Bevölkerungszahl besteht, sei ein Gemeinderabbiner bestellt, bei uns aber nicht. Von den Vereinsmitgliedern zahlen 220 Cultussteuer, die Bestellung eines Rabbiners liege im Interesse des XX. Bezirkes, nicht blos des Vereines. Mehr noch als das Ministerium, sei das Magisterium von Wichtigkeit, der Rabbiner sei auch Lehrer: Herr Secretär Kohn schließt mit einem Appell an den Vertreter der Cultusgemeinde wegen Bestellung eines ständigen Gemeinderabbiners für die Brigittenau. Herr Hermann Plaschkes tritt dafür ein, daß uns der Cultusvorstand die Geldmittel gewähren möge, daß wir uns selbst einen Rabbiner bestellen, indem er die Subvention für unseren Verein erhöhe. Herr Jgn. Friedmann beantragt die Ertheilung des Absolutoriums an den Vorstand. Herr Engel, Privatbeamter, regt an, daß der Cultusvorstand uns durch Erlaß der Zinsen von seiner Forderung die Subvention erhöhe. Herr Cultusvorsteher Teltscher erklärt, die Cultusvorstehung verfolge das Wirken dieses Vereines mit Sympathie, denn derselbe besorge. im übertragenen Wirkungskreise die Agenden der Cultusgemeinde. Aber so wie die Cultusvorstehung unserem Vereine ihr Wohüvollcn zuwende, erheische sie selber Wohlwollen. Unsere Bestrebungen in der Rabbinerfrage werden anerkannt, aber ultra, posse nemo tonetur. Herr Secretär Kohn habe den Wunsch ausgesprochen, seine Worte mögen bei dem Vertreter der Cultusgemcinde Wohlgefallen finden; dieses Wunsches bedarf es aber nicht, Sie werden in der Rabbinerfrage geneigtes Ohr finden. Herr Teltscher stimmt als Privatmann den Ausführungen des Herrn Plaschkes bei und als solcher erkenne er eine Subvention von 2000 Kr. als unzulänglich. Er verspricht, im Cultusvorstande sich für eine Erhöhung der Subvention an unseren Verein einzusetzen. Der Cultusvorstand strebe das Beste der Gesammtheit an, er sei selbstlos und uneigennützig. Herr Dr. Heinrich Schreiber bemerkt, es bleibe ihm nach den Ausführungen der Herren Vorredner nur wenig mehr zu sprechen übrig. Ein Rabbiner sei bei uns ein unabweisliches Bedürfniß, welchem durch eine fallweise Beistellung eines Rabbiners für die rabbinischen Functionen, wie sie in der Zuschrift des Cultusgemeindevorstandes in Aussicht gestellt wurde, nicht entsprochen werden kann. Wenn er auch dankbar sei dafür, was die Cultusvorstehung unserem Vereine Gutes gethan habe, wende er sich dennoch an dieselbe und deren Herren Vertreter in der Versammlung wegen einer günstigeren Erledigung der Rabbinersrage. Herr Rubinstein ist der Ansicht des Herrn Plaschkes und beantragt eine Resolution: der Vereinsvorstand wird beauftragt, die Cultusgemeinde zu bitten, ihm eine Subvention zur Verfügung zu stellen, damit ein Rabbiner bei uns angestellt werden könne. Herr Secretär Josef Kohn beantragt die Votirnng des Dankes an Herrn Cultusvorsteher Teltscher für seine Zusage, sich im Cultusvorstande für eine günstige Erledigung unserer Rabbinerfrage einzusetzen. Herr Bernhard Pollak beantragt eine Resolution: Die heutige Versammlung beschließt, die Cultusgemeinde aufzufordern, daß für den Tempel ein Rabbiner beigestellt werde. Zu dem Anträge auf Ertheilung des Absolutoriums ergreift Herr Dub das Wort und begründet ihn. Hierauf wird dem Vereinsvorstande der Dank ausgedrückt und das Absolutorium ertheilt. Es erscheinen gewählt für den engeren Vorstand auf die Dauer von drei Jahren: Die Herren Jacob Goldner, Dawid Pollatschek, Dawid Spitz und Heinrich Weiner, auf die Dauer eines Jahres Herr Moritz Traube. Hinsichtlich der Wahlen in den verstärkten Vorstand wird das Scrutinium auf den 20. December 1903 in den Sitzungssaal des Tempelgebäudes mit Zustimmung der Versammlung verlegt. Sämmtliche Gewählte,, deren Wahl enunzirt wurde, haben dieselbe angenommen.

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