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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-22 · 4 (22.1.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
4 (22.1.1904)
Date
1904-01-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Llocb's MocbenscbrLtt. Seite 53 fallen, weil es einige polnische Juven nicht erlaubten, daß er Papst wird. Und nun kommt eine Zuschrift aus Rom, wir sollen darüber ruhig sein. Nun, ich brauche ja nicht päpstlicher zu sein als der Papst selbst, aber die Erfahrungen, die ich um jene Zeit,' namentlich in Amerika, gesammelt habe, lassen einen nicht schweigen. Man hat verwundert die Köpfe geschüttelt und gefragt, ob denn Oesterreich wirklich noch ein katholischer Staat sei. Alles, was sich katholisch nennt, war im Ausland darüber entsetzt, daß Oesterreich ein Veto einlegen konnte. Unter den auswärtigen Katholiken hat Oesterreich, das als ein Hort der Kirche betrachtet wurde, im Ansehen außerordentlich gelitten. Und da soll man zu der Frage als Katholik und als Oesterreicher schweigen? Ich glaube nicht!" Wir bemerken noch, daß das „Vaterland" den Bericht wortlos übernimmt — also offenbar diese Auseinandersetzungen für völlig zutreffend erachtet. Allein auch dem deutschen Kaiser geht es nicht besser, auch er gehorcht blindlings galizischen Juden. Es ist bekannt, daß Kaiser Wilhelm wiederholt Gelegenheit genommen hat, die Mittellandcanal-Vorlage auf das Nachdrücklichste zu empfehlen und daß diese Empfehlung bei den Conservativen, namentlich bei denen agrarischer Richtung, ohne Erfolg geblieben ist. Die Vorlage ist jetzt zum drittenmal im preußischen Abgeordnetenhaus eingebracht und begegnet wieder der alten Gegnerschaft. Dieses Verhältniß erscheint in dem frommen „Reichsboten" in folgender Beleuchtung: „Da an der vom Barth'schen Standpunkt aus erwünschten Verschärfung des Conflictes zwischen der Krone und den Conservativen vorwiegend auch in den Redactionen der Berliner liberalen und socialdemokratischen Blätter sitzende Galizier und andere Juden interessirt waren, fehlte es selbstverständlich auch bei dieser neuesten Christenverfolgung nicht an dem möglichst ausschweifenden Gebrauch des Wortes Culturinteresse. Die Frage zu entscheiden, ob der Bau des Mittellandcanals nützlich oder unnützlich sei, sind die Juden'aus Galizien gar nicht im Stande." Es ist uns nicht recht erfindlich, weshalb das Berständniß für den Nutzen des Mittellandcanals einein „Juden aus Galizien" verschlossen sein soll, da weder Judenthum noch Galizierthum unseres Wissens ein Hinderniß für wirthschaftliche Erkenntniß sind. Wo aber findet hier; eine „ Christenverfolgung" statt? Wer sind hier die verfolgten Christen? Die Landräthe doch nicht, die wegen ihrer Canalfeindlichkeit abgesetzt und dann unter Beförderung wieder angestellt worden sind. Jedenfalls ist es wichtig, zu erfahren, daß der König von Preußen, Kaiser Wilhelm, den Juden aus Galizien zuliebe die Canalvorlage ausarbeiten und dem preußischen Landtag vorlegen läßt. Zur jüdischen Encyklopädie. Geehrte Redaction! In dem in Nr. 3 der „Oesterreichischen Wochenschrift" aus dem P. L. reproducirten Feuilleton, das unter der lieberschrift „Glossen und Erinnerungen" den neuesten Band von „The Jewisli Encyclopedia“ bespricht, ist Wilhelm Goldbaum ein Lapsus unterlaufen, der dem geistreichen Schriftsteller und gewiegten Kenner der Weltliteratur wohl nicht allzusehr angerechnet werden darf, weil die Detailkenntniß der jüdischen Literaturgeschichte denn doch etwas abseits von seinem Wege liegt, aber doch richtiggestellt werden soll. Goldbaum identificirt den „Dubner Maggid" mit Salamon Dubno (1734—1813). Indem er aus beiden Eine Person macht, ist es allerdings nicht zu verwundern, wenn er den „Dubner Maggid", der wohl kein „rühriger Wandersmann", auch nicht in Dubno geboren, sondern ständiger Prediger in Dubno, Meseritsch (bei Brisk) und Samosz war, zum Poeten und Grammatiker, zu einer „Legendengestalt, so einer Art von Troubadour", macht, ihn als Lehrer im Mendelssohn's Hause wirken läßt, um ihn dann nach Amsterdam zu schicken, wo er eine große Bibliothek sammelt und endlich dort stirbt.^) .z.^^-.MM Nun, ein Troubadour und Poe.t war Salamon Dubno, der ernste, gelehrte Mitarbeiter Mende'ssohn's an dem Werke des Bibelcommentars, ebensowenig als der „Dubner Maggid", der trotz seiner treffenden Gleichnisse, an denen sogar der „Gaon" Elie Wilna in seinen Mußestunden sich ergötzte, doch kaum irgend einen Einfluß auf den Entwicklungsgang des jüdischen Volkes geübt hat, um einen Platz in der Eucyelopedia beanspruchen zu können. Komürom, 19. Jänner 1904. Hochachtungsvoll ergebenst Dr. Winter. Wer waren die Pharisäer? Man sollte meinen, daß über diese Frage heute, nach mehr als achtzehnhundert Jahren, wenigstens die Fachgelehrten sich geeinigt hätten, aber das scheint nicht zutreffend zu sein. Das ersieht man aus einer interessanten Zusammenstellung in der letzten Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums", wo die Urtheile zweier Forscher über die Pharisäer, die sich diametral widersprechen, ja geradezu aufheben, einander gegenübergestellt werden. Das eine Urtheil ist von Professor Harnack in seinem viel besprochenen Buche „Das Wesen des Christenthums", die Antwort ist von Professor Baumann in Göttingen in einer Streitschrift gegen den erstgenannten Forscher „Neuchristenthum und reale Religion". Die beiden Urlheile lauten: H arnack: „In jedem Volke etablirt sich neben der befugten Obrigkeit eine unberufene oder vielmehr zwei unberufene. Das ist die politische Kirche, und das sind die politischen Parteien. — Die Priester und die Pharisäer hielten das Volk in Banden und mordeten ihm die Seele. Gegen diese unberufene Obrigkeit zeigte Jesus eine wahrhaft befreiende und erquickende Pietätlosigkeit." B a u m a n n: „Es sind das frevelhafte Worte für einen gelehrten christlichen Theologen. Daß die efraische Gesetzgebung das jüdische Volk vordem zur Prophetenzeit oft vorgekommenen Abfall zum Heidenthum bewahrt hat, wird selbst vonWellhauseu zugestanden. Daß es unter den damaligen Priestern und Pharisäern, die das auch blieben, ernste und fromme Männer gab, hat auch Schürer ausdrücklich anerkannt; sie waren aber nicht der Ansicht Jesu über sich selbst und über seii e Auslegung des alten Bundes. Und nun werden diese historischeu Parteien als unberufene Obrigkeit gekennzeichnet!" Ein russischer Nationalökonom über die Stellung der ruffischen Juden. In der Jänner-Nummer von „The Monthly Review" veröffentlicht der hervorragende russische Nationalvcvnvm, der, im vorigen Jahre seines Lehrstuhls an der Petersburger llniverfität enthoben, „auf adininistrativem Wege" nach der Provinz verbannt worden ist, Tugan-Baranowski, der Verfasser der bekannten, auch in deutscher Sprache erschienenen „Geschichte der russischen Fabrik", einen Artikel über den „Antisemitismus in dein gegenwärtigen Rußland" und stellt dabei auf Grund langjähriger Erfahrung aus dem Lande fest, daß die Quelle dieses Antisemitismus nicht im Hasse der Arbeiter gegen die Juden zu suchen sei. Tausende von Juden, führt der im Gouvernement Poltawa lebende Verfasser aus, leben seit Jahren unbelästigt und in freundlichem Verkehr unter den Bauern. Es ist oft von dem jüdischen Wucherer die Rede, allein der arme jüdische Colonist, der unter den kleinrussischen Bauern lebt, kann sicher keinen Credit geben. Dagegen hört man in der Gegend, in derber Verfasser wohnt, viel von russischen Grundbesitzern, die Wucher treiben. Die meisten jüdischen Dörfler sind nützliche Kleinhändler. Andere Juden sind Schneider, Schmiede u. s. w. Die Austreibung derselben mürbe die Bauern in eine unbequeme Lage versetzen; letztere begreifen dies auch sehr wohl und sie sind nicht für eine Beschränkung der Ansiedlungsrechte der Juden; jüdische Kinder besuchen die Dorfschulen. Allerdings ist der Jude in den Augen der Bauern, schon wegen des Religionsunterschiedes, ein Fremder, wenn auch kein Feind: der klein-russische Bauer hält sich für etwas Besseres als der Jude. Trotzdem fühlen letztere sich nie sicher, da man die christliche Bevölkerung zu der Ueberzeugung bringen kann, daß der Czar dies oder jenes wünsche. Der Verfasser war nach der Ermordung des Kaisers Alexander II. während der Judenhetze in Kiew an-

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