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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-15 · 3 (15.1.1904) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
3 (15.1.1904)
Date
1904-01-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 42 Dr. Mocb's MwcbenscbrLkt. Ar. s Erfolge dieses Mannes sind unübertroffen. Jahrhunderte nach feinem Tode unterwarfen sich seinen Thesen sowohl die i s l amische als die christliche Religion". Es ist nun sehr interessant, daß auch die jüdischen Philosophen des Mittelalters, äst der Spitze unser großer Lehrer R. Moses benMaimun, dessen Lehren mit Begeisterung aufnahmen. Ein Biograph von Maimunides erwähnt geradezu: „Er vertiefte sich in die Philosophie des Aristoteles und machte sie zu seinem Geisteseigenthum; sie wurde gleichsam Geist von seinem Geiste, da seine ganze Weltanschauung von dieser Philosophie beherrscht war rc." Ich theilte dies dem Hofrathe Dr. Gomperz mit Belegen mit, woraus derselbe die Güte hatte, mir zu antworten: „Sie haben die Freundlichkeit gehabt, eine Zuschrift an mich zu richten, in welcher Sie aus das Verhältniß des Aristoteles zur Welt des Judenthums hinwiesen. Haben Sie Dank für die freundliche Absicht, mich über etwas zu belehren, was mir freilich nicht völlig unbekannt war. Von Maimonides alias Ramban habe ich schon als halbes Kind sprechen hören. Seinen Führer der Verirrten habe ich in Munk's französischer Uebersetzung (Le guide des egares) wenn auch nicht studirt, so doch gelegentlich eingesehen. Der Grund, aus welchem ich in jener Skizze nicht neben der islamischen Welt auch die jüdische erwähnt habe, ist der folgende: Maimonides und andere jüdische Aristoteliker gehören dem arabischen Cultuskreise an und haben zwar für das damals noch immer kleine Volk und seine geistige Entwicklung eine erhebliche Bedeutung, greisen jedoch in die allgemeine menschheitliche Culturentwicklung nicht tief genug ein, um eine Erwähnung bei solchem Anlässe nothweudig zu machen. Wer den Einfluß des Aristoteles auf das mittelalterliche Geistesleben eingehend schildern wollte, könnte allerdings an dem Verfasser des ,.More Nebuchiin ‘ nicht stillschweigend vorübergehen." Jedenfalls sollte bei einer Darstellung der Geschichte der Philosophie die Thatsache niemals vermißt werden, daß die Schriften des Aristoteles erst durch Vermittlung jüdischer Uebersetzer zur Kenntniß der christlichen Schriftsteller gekommen sind, daß somit um die Verbreitung der Wissenschaften die Juden sich ein Verdienst erworben haben. S. L e w i n. Wie«. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Am Dienstag den 5. Jänner fand im Festsaale des „Hotel Central" eine Monatsversammlung des Vereines statt. Man glaubte sich in einer Gewerbeausstellung zu befinden. Das Jntereffe der Besucher steigerte sich immer mehr, als die Aussteller ihre vorgestellten Objecte mit den nöthigen Erläuterungen veranschaulichten. Vor Allem machte Präsident Brod die Versammlung auf einen interessanten Zufall aufmerksam: „Es sind nämlich genau heute 13 Jahre, seitdem unser Gewerbeverein, dessen Plenarversammlung wir heute abhalten, das Llcht der Welt erblickte. Es war am 5. Jänner 1891, als ich zum erstenmale die Ehre hatte, in Ihrem Kreise für den damals tief darniederliegenden Gewerbestand die Schaffung unseres Gewerbevereines zu proponiren. Wir haben durchaus keine Veranlassung, diese Gründung zu beklagen. Im Gegentheile. wir können uns darob freuen; denn alle diese Mittel, die ich Ihnen seinerzeit für die Hebung des Gewerbestandes vorgestellt, sie alle sind nach Anwendung von segensreichen Erfolgen begleitet gewesen. Der Verein ist ein Bedürfniß geworden und gleichzeitig auch eine praktische geistige Bildungsstätte nicht blos für unfern engen Kreis, sondern er hat es auch verstanden, weitere Kreise heranzuziehen und sich das Ansehen und die Achtung aller gewerblichen Behörden und Körperschaften zu sichern. Möge die Einigkeit, die wir 13 Jahre in dem Vereine zu erhalten verständen, auch weiters erhalten bleiben. In der Einigkeit liegt die Macht und Sonderbestrebungeu führen heute zu keinem glücklichen Resultate". Die Firma TheodorWeißLCie. demonstrirte ihre patentirte amerikanische „Empire" Schreibmaschine und einen „Automatischen Vervielfältigungsapparat". Der Chef der Firma, Herr Theodor Weiß besprach die einfache Construction, das unverwüstliche Material, die vollständig sichtbare Schrift und die garantirte Zeilengeradheit in sehr überzeugender Weise. Herr Armin Jarmay ließ von 2 Mädchen vor den Augen der Anwesenden seine patentirte Strickmaschine sehr nette Arbeiten ansführen. Herr Josef I u e r stellte künstlerisch ausgeführte lithographische Gravurearbeiten aus: Actien, Checks, Antheilscheinc, Factureu und Briefköpfe in siguralischer und ornamentaler Ausstattung; die Meinung der Fachleute von diesen Objecten war eine besonders günstige, Nun eröffnete Herr Stadtbaumeister und Bezirksrath Melcher an der Hand von Plänen eine hochintereffante Discuffion über die Ursachen der in letzter Zeit wiederholt aufgetretenen Brände in Wien, Pest und Chicago. Seine vorgeschlagenen Maßregeln fanden allseitigen Beifall und werden dieselben demnächst ausführlich besprochen werden. Herr Architekt Friedrich Schön theilte seine persönlich gemachten Wahrnehmungen aus dem Brande in Budapest mit und überzeugte die Versammlung an der Hand von Plänen, daß bei seinen in Wien ausgeführten Warenhäusern, zum Beispiel Zwieback, Schwarz & Kößler rc., gegen Feuersgefahr die denkbarst möglichen Maßnahmen getroffen sind. Herr Baurath Wilhelm Stiaßny wußte aus seinen reichen Erfahrungen und als langjähriges Mitglied der Theater-Feuercommission Episoden von Theaterbränden zu erzählen, die alle Anwesenden fesselten und allgemeinen Beifall hervorriefen. Herr Stadtzimmermeister Djörup berichtet über die Situation des abgebrannten Theaters in Chicago. Nachdem noch mehrere Herren, insbesonders die Vorstandsmitglieder Miederfabrikant Klein, Buchdruckereibesitzer Kisch,ferner Kaufmann Wilhelm Löw y an der Discuffion theilnahmen, schloß der Präsident in später Stunde die interessante Versammlung. Berlin. Der in weiten Kreisen bekannte Pfarrer Dr. A. Jeremias an der Leipziger Luther-Kirche hielt am 4. d. M. Abends vor Mitgliedern der Vorderasiatischen Gesellschaft und zahlreichen Hörern aus den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung im Musiksaale der neuen Charlottenburger Hochschule einen durch die Fülle des dargebotenen thatsächlichen Materials, wie durch die vielfachen allgemeinen Anregungen ungemein interessanten Vortrag über das Thema Kanaan in vorisraelitischer Zeit. Dem Redner gelang es, durch die anschauliche Art seines Vortrages, sowie durch eine außerordentlich geschickte Verwerthung sowohl der literarischen wie der künstlerischen Funde aus jenen Urzeiten der.Menschheitsgeschichte die Hörer in der gespanntesten Aufmerksamkeit zu erhalten und ihm auf ein doch im Ganzen für die Laien schwer zugängliches Gebiet zu folgen. Herr Dr. Jeremias wies mit Hilfe schöner Lichtbilder nach, daß schon in den entrücktesten Vorzeiten unserer Geschichte, zurückgehend bis auf das vierte Jahrtausend unserer Zeitrechnung, ein ungemein lebendiger Zusammenhang zwischen den großen centralasiatischen Weltmonarchien einerseits und dem sogenannten Westlande, sowie Egypten andererseits bestanden hat. Man kann vielleicht die Behauptung aufftellen, daß ein Theil des vorderasiatischen Gebietes, Syrien, Kanaan, eine Art von Pufferstaat zu einer Zeit gebildet haben mag zwischen Egypten und den centralasiatischen Großstaaten, namentlich Babylon. Es ist durch die neuerdings gemachten literarischen Funde nachgewiesen, daß ihatsächlich Kanaan von babylonischen Culturelementen förmlich durchsetzt gewesen sein muß. Der Vortragende brachte aus den,in der letzten Zeit entzifferten Keilschriften und namentlich aus den neuerdings entzifferten Papyrusfunden eine Fülle von Mittheilungen, die eine ftappante Aehnlichkeit mit vielen der bekannten Erzählungen aus dem 1. Buche Moses darboten. Aus der Frühzeit des vorisraelitischen Kanaan, das damals noch „Emori" hieß, gab Herr Dr. Jeremias eine Anzahl interessanter literarischer Proben und eine Fülle von bildnerischen Darstellungen, die durch ihre Kunst geradezu verblüffend wirken. Besonders hervorzuheben ist die Nachbildung des Siegelcylinders des sagenumwobenen Königs Sargon von Lagasch. Ferner die Abbildung einer wundervollen Silbervase aus dem Funde von Felloh, sowie eines Mercurstabes von der Vase des Königs Gudea. Alle diese künstlerischen Reste stammen aus dem vierten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Im Verlause seines Vortrages erörterte Herr Dr. Jeremias eingehend die Denkmäler von Nahr-el-Kelb, würdigte die sogenannte Hammurabi-Zeit eingehend und kam ausführlich auf die politischen Beziehungen zwischen Egypten und Syrien zu sprechen. Er schilderte in großen Zügen die Oberherrschaft zur Zeit Tutmes III., um dann mit der Amasua-Zeit unter Amanophis III. und IV. abzuschließen. Sehr interessante Streiflichter ließ Herr Doctor Jeremias auf das interessante romantische Volk der Hetiter fallen, dessen literarische Denkmäler noch unentziffert sind. Merkwürdig ist es, wie der Vortragende mit Recht hervorhob, daß in Palästina selbst noch so wenig Funde gemacht werden konnten. Allein man darf sich nach einigen unerwarteten Ausgrabungsergebnissen des Wiener Professors Sellin der Hoffnung hingeben, daß es nach und nach doch gelingen werde, dem palästinensischen Boden weitere werthvolle archäologische Schätze abzuringen. Hamburg. (Warnung.) Ein gewisser H. Levinsohn aus Berlin hat neulich die hiesige Schiffsrheder-Firma Woermann ausgesucht und ihr mitgetheilt, daß er von der Alliance Israelite Universelle beauftragt sei, sich nach dem billigsten Passagepreis nach Südaftika zu erkundigen, da die Allianz beabsichtige, in diesem Jahr etwa zehntausend russische Juden nach Südafrika

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