Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021551--13295-3037938- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 3 Dr. Liocd's MocbenscvrM. Sette 41 sichert den Vereinsvorstand des Wohlwollens und der besonderen Anerkennung des Cultusvorstandes. Bezüglich der Nichtbewilligung des Jugendgottesdienstes für Mittelschüler erwähnt er, daß das Ansuchen dahingestellt wurde, diesen Jugendgottesdienst abwechselnd im IX. Bezirke und VIII. Bezirke abzuhalten, was dem Cultusvorstande mit Rücksicht auf die geringe Zahl der israelitischen Mittelschüler des VIII. Bezirkes nicht opportun war; er glaubt, wenn dieses Ansuchen nur für den IX. allein gestellt werde, es gewiß berücksichtigt werden wird; ebenso wird die so lange und so oft vorgebrachte Bitte, die Functionäre des Tempels im IX. Bezirke bei Leichenbegängnissen des IX. Bezirkes heranzuziehen, um ihre kargen Einkünfte theilweise zu bessern, sobald die Regelung der Taxen der Cultusgemeinde- Functionäre vorgenommen sein wird, in Erfüllung gehen. Während des Scrutiniums der Wahl von 4 Vorstands- und 8 Ausschußmitgliedern entwickelt sich eine längere lebhafte Discussion über die seitens des Vorstandes geplante Einführung eines gemischten Chores, an welcher Debatte sich die Herren Wilhelm Pappenheim, Architekt Oskar Marmorek, sowie Herr Rosenzweig in ablehnendem Sinne betheiligen. Der Vorsitzende Herr Bettel heim gibt die Absicht des Vorstandes zu, will aber — da kein statutarischer Antrag vorliegt — in der heutigen Generalversammlung keine diesbezügliche Abstimmung zulassen. Herr Pappenheim wendet sich gegen solche Tempel-Leitungen, die ausschließlich ästhetische und finanzielle, also theatralische Tendenzen verfolgen. Wenn selbst das Oberhaupt des aus Sinnesreiz angewiesenen Katholizismus infolge allbekannter Jnconvenienzen den weiblichenChor verdammt,sollteihndereinsache schlichte Ritus des Judenthums einführen? Redner erklärt, durchaus nicht orthodox zu sein; gerade deshalb ist er für die goldene Mittelstraße, welche zur Einigkeit der Glaubensbrüderschast führt. Auch soll die Cultusgemeinde nicht in die Lage versetzt werden, im IX. Bezirke zwei Richtungen erheblich subventioniren zu müssen. Unter offenkundiger Zustimmung der Majorität der Versammlung beantragt Herr Pappenheim, auszusprechen, daß die E i nsührung eines gemischten Chores, sowie der erweiterte Gebrauch der Orgel nicht gewünscht werde, daß aber im Interesse eines einheitlichenRitus derGottesdienstconsorm dem Gebrauchsthume der Tempel derWiener Cultusgemeinde abzuhalten sei. Der Vorsitzende widerlegt die Bedenken der Redner, indem er auf die biblischen Erzählungen von Mirjam und Deborah hinwies und sich aus die Tempel in Zürich und Haag berief, welche am Samstag von Andächtigen gefüllt sind und seit Jahrzehnten gemischten freiwilligen Chor verwenden. Er betrachte diese Neueinführung als keine Frage des Fortschrittes, sondern als eine rein ökonomische Frage, da einerseits stimmbegabte Knaben wegen ihrer Schulpflicht nicht zu bekommen seien und Männer zu große Anforderungen stellen, welche zu erfüllen die bescheidenen Mittel des Vereines nicht erlauben. Im selben Sinne äußerte sich der Vicepräsident Herr Dr. Schnepp. Nachdem Herr Cultusvorstand Dr. Berger auch seinen ablehnenden Standpunkt in dieser Frage betonte, wird die Debatte geschlossen. Der Vorsitzende gibt das Resultat der Wahlen bekannt. Es wurden gewählt in den Vorstand mit einer dreijährigen Mandatsdauer die Herren Dr. Moritz Schnepp, Ignaz Simon und kais. Rath Ignaz Wilhelm, mit zweijähriger Mandatsdauer Herr Emil Fürth. In den Ausschuß wurden gewählt die Herren Dr. Alfred Glogau, Leopold Hendl, Adolf Kohn, Wilhelm Pappenheim, Josef Steiner, Isidor Trebitsch, Addlf Frankl und Dr. Emanuel Quittner. Nachdem Niemand mehr das Wort verlangt, schließt der Vorsitzende mit Dank an die Erschienenen die Versammlung. Wien. (Trauerseier für Dr. Adolf Jellinek.) Der Wiener Beth Hamidrasch-SSeretit hielt Donnerstag den 7. Jänner d. I. aus Anlaß des 10. Todestages seines Begründers Dr. Adolf Jellinek in den Räumen des Beth Hamidrasch eine solenne Trauerfeier ab. Zu derselben hatten sich eingefunden: Univ.-Professor Dr. Max Jellinek, Herr und Frau Doetor Heinrich W e ch s b e r g, der Vicepräsident der israelit. Cultusgemeinde Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, der Vicepräsideru der Chewra-Kadischa Bezirksschulrath Dr. Markus Spitze r, die Rabbiner Dr. Bach, Dr. David, Dr. F e u ch t w a n g, Dr. G r u n w a l d, Dr. Gelbhaus, Dr. Mandl, Doctvr Rubin und Dr. T a g l i ch t, Rector Dr. Schwarz, Pros. Dr. B ü ch l e r, Lector F r i e d m a n n, die Vorsteher des Beth Hamidrasch kaiserl. Rath Fluß und Dr. Leopold Kohn, der Secretär der israelitischen Cultusgemeinde kaiserl. Rath Dr. Lieben, Secretür-Stellvertreter Dr. Adler, der Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" Tr. Bloch, Cantor Blatt, der Secretär des Beth Hamidrasch Ortsschulrath Fuchs, die Hörer des Seminars u. A. Die Gedenkrede hielt der Präsident des Wiener Beth Hamidrasch, Rabbiner Doetor Adolf S ch m i e d l, welcher das productive Wirken des Verewigten als Schriftsteller und Kanzelredner schilderte. In erhebender Weise recitirte sodann erster Cantor Blatt das Hl mol« rachamim, worauf Herr Lector Friedmann das Kaddischgebet verrichtete. Hierauf schloß die würdige Trauerfeier. Wien. (Der Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brust leidender aus dem Lande) versendet seinen Jahresbericht, dem wir nachstehende Mittheilungen entnehmen: Im abgelausenen Jahre verpflegte der Verein 112 Personen gegenüber 142 im Jahre 1902. Die Berpflegskosten betragen K 14.066 48: aus 4032 Verpflegstage berechnet, stellen sich die Kosten per Kopf und Tag aus X 3‘483. Der Fehlbetrag von X 1520 wurde wie im Vorjahre aus den Zinsen der Bettstistungen ergänzt. Zur Ausnahme meldeten sich 269 qualificirte Personen, von denen 112 ausgenommen wurden, während mangels der nöthigen Mittel 157 Petenten zurückgewiesen werden mußten. Diese Ziffern sprechen beredt genug, als daß der Verein es nöthig Hütte, des Näheren darzulegen, wie schwer die Erfüllung der Ausgabe ist, die er sich gestellt hat. Die Subvention des löblichen Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien hat wie im Vorjahre X 2000 betragen. Zu großem Danke ist der Verein dem verehrlichen Cultusvorstande verpflichtet für die erfolgte Bewilligung, seinen Namen an den Spendentafeln der Gemeindebethäuser anbringen zu dürfen. Weiters wird berichtet, daß die verehrliche Baron Hirsch'sche Stiftung eine dauernde Jahressubvention von X 500 bewilligte; die Bedingung, jährlich sechs aus Galizien stammende Mädchen der Verpflegung durch den Verein theilhaftig werden zu lassen, welche an diese Subvention geknüpft ist, wird der Verein getreulich erfüllen. Der Bericht gedenkt der aufopfernden Thätigkeit des Herrn Dr. Johann Perl, Curarztes in RoLnau, um ihm hiesür den Dank auszusprechen. Das Vorstandsmitglied Herr Dr. M. Koranyi, welcher sich der Mühe unterzog, die Pfleglinge in Ro2nau zu besuchen, überzeugte sich persönlich davon, daß die Wohnungs- und Verpslegsbedingungen günstige und zweckentsprechende waren. Im Hinblick aus die diesfalls gemachten Erfahrungen hat der Vereinsvorstand beschlossen, in Hinkunst für die Aufnahmsgesuche zur Verpflegung die Präklusivfrist bis zum 15. April eines jeden Jahres festzustellen, woraus die geehrten Stifter des Vereines besonders aufmerksam gemacht werden. Später einlausende Gesuche können leider nicht berücksichtigt werden. Zum Schluffe appellirt der Bericht an die gütige Unterstützung nicht nur der geehrten Vereinsmitglieder, sondern aller Menschenfreunde, damit der Verein, dem angestrebten Ziele nähergebracht, auch in der Folge im Interesse der leidenden Menschheit mit Erfolg thätig sein könne. Maimonides und die Philosophie des Aristoteles. Unser berühmter Glaubensgenosse Hosrath Dr. Theodor Gomperz, Mitglied der k. k. Akademie der Wissenschaften und des Herrenhauses, gibt ein Werk heraus über „Griechische Denker", welches von der Gelehrtenwelt mit dem größten Beisalle ausgenommen wird — hievon sind 2 Bände erschienen: in dem im Drucke befindlichen 3. Bande schildert der gelehrte Verfasser die Philosophie des „Aristoteles" und sagt von ihm: „Die