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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-15 · 3 (15.1.1904) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
3 (15.1.1904)
Date
1904-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 36 Nr. 3 Dr. Mocb's MocbenscbrM. gern: Standesvorrechte finden eben nicht statt. Indessen muß man unter Umständen doch Ausnahmen zu machen wissen; es ist das, wie wir Juristen jagen, quaestio facti.“ Na, und meine quaestio facti habe ich Ihnen nun vorgetragen, lieber Baron. Ich bin nur ein einfältiger Kriegsknecht und so sinde ich mich nicht heraus. Alle Sacramente in Ehren; aber wenn die Leute vor der Taufe krumme Knochen haben, sind sie nachher vermuchlich auch nicht gerade; und der Arnsfeld muß doch die Nase des Aronsfeld weiter tragen. Uebrigens hat mein hoffnungsvoller Knappe eine merkwürdige Aehnlichkeit mit dem Prinzen Feuerburg, Durchlaucht; wissen Sie, wir nannten's immer: interessantes südliches Kolorit. Na, und dann die ganzen Anschauungen, Familientradition und so. Ich meine, trotz des neuen Glaubens und neuen Namens oder vielmehr gerade deswegen hat so'n Mensch innerlich einen gewissen Knax. Jedoch ich bekenne mich als Stümper in der Theologie und Kirchenpolitik usw. Das hat mir gerade jetzt auch noch ein anderer Fall zu Gemüche geführt. Habe da einen Leutnant von Kessen im Regiment, aus der stockkatholischen Familie; der Bischof v. Kessen ist sein Onkel. Als der junge Mann sich zum Eintritt meldete, wollte ich ihm dieserhalb von wegen der Duellsrage ein bischen den Puls fühlen. Aber mein damaliger Adjutant, ein Oberschlauer, der das Gras wachsen hört, hielt mich zurück. Was der Kessen sagen müßte, wäre ja klar; und dann gäbe es eventuell großen Spektakel; Onkel Bischof und Centrum und Reichstag und Strafgesetz und Parität und Tod und Teufel. Na schön, ich ließ es bleiben; und jetzt haben wir die Bescherung. Hat sich der junge Herr mit 'nem kleinen Bürgermädchen verplempert. Kommt vor. Da ist aber ein Bruder. Zahntechniker oder so was; der nimmt die Sache ritterlich und fordert meinen Leutnant. Tableau! Ist der Herr Bruder fatisfactionsfähig? Wir möchten gern beide Augen zudrücken; denn der Mann ist versessen auf die Ehre, sich mit einem veritablen Leutnant zu schießen. In dem Falle hielte er das Maul; anderenfalls schlägt er Lärm. Aber Kessen kann nicht; er ist ganz abhängig vom Onkel Bischof. Ach, Liebster, Religion muß sein, und zwar sehr; aber diese verschiedenen Religionen verwirren den ganzen Dienstbetrieb; es ist zum Tollwerden. Bei uns hier draußen weiß man nie so recht, woher der Wind weht; und das muß man doch in so heiklen casibus wiffen. Sie aber sind doch der bestorientirte Sterbliche; also, trautester Baron, geben Sie mir einen Wink^ aber bitte, ein bischen deutlich. Zu Gegendiensten gern bereit, soweit sie ein armer Reitersmann in der Provinz leisten kann. Stets der Ihre Rittwitz. Der Hofprediger Andreas Fuchs an denselben. Verehrter Freund! Daß Sie mir die interessanten Briefe, die anbei zurückfolgen, mitgetheilt haben und meinen Rath in diesen Fragen hören wollen, weiß ich als schönes Zeichen brüderlichen Vertrauens gebührend zu würdigen. Aber ich vermesse mich nicht, Ihnen Rathschläge für Ihr Handeln zu geben; das ist nicht meines Amtes. Ich bin kein Mann weltlichen ThunS, sondern ein stiller Diener am Wort; und nur soweit es in mein Feld einschlägt, will ich über die angeregten Fragen grundsätzlicher Art meine bescheidene Meinung sagen. Zunächst und vor Allem sollen wir nicht vorschnell und dünkelhaft mit einem Worte die tiefften Fragen abthun wollen, wie es die Pharisäer chaten. Macht die Taufe den Christen? Hier kann nun einmal unsere Rede nicht sein; ja ja, nein nein. Wer um äußeren Vortheils willen zum Kreuze kommt, der ist gewißlich schlimmer denn ein Jude; und es ist ein schweres Aergerniß, daß gewffse Geistliche es gar zu leicht nehmen mit der Prüfung des inneren Menschen. Doch wer vermag auch bei gewiffenhaftester Prüfung den Menschen ins Herz zu sehen? Auf der anderen Seite müffen wir doch die Vollkraft des Saeramentes anerkennen, wenn es in rechter Gesinnung empfangen ist. Welches aber die rechte Gesinnung sei, das können nur die beurtheilen, die selbst die rechte Gesinnung haben. Also wer mit uns ist und unserer Sache, der ist in Wahrheit ein Christenmensch; wer aber wider uns ist, der ist und bleibt ein Jude, und wäre er es nie gewesen! Auch ist es gewißlich nicht rathsam, gar zu bereitwillig alle Unterschiede hinwegzuräumen in Namen und Gunstbeweisen; das will erst durch lange, treue Bewährung für die gute Sache verdient sein; wir müssen unser christlich-germanisches Volk möglichst rein erhalten. Auf der anderen Seite können wir aber doch nicht allzu strenge sieben und seihen; das wäre nicht klug; denn wohin müßten wir auf dieser Bahn kommen? Sie wissen ja selbst, theuerst r Baron, wie große Trübsal dadurch über gar manche gut christliche, ja adelige Familie käme; denken Sie nur an das gräfliche Haus Eidam-Kudum und manche andere. Das gäbe wahrlich ein großes Aergerniß bei allen Guten. So also geht es nicht. Vergessen wollen wir doch auch nicht, wie manche Kräfte und große Mittel durch eine gewisse milde Nachsicht in diesem Punkte der guten Sache gewonnen werden. Und wenn die Leute wirklich, wie unser vortrefflicher Rittwitz meint, einen inneren Knax bekommen, dann haben wir sie nur um so fester in der Hand. Doch in die Klage des tapferen Grafen wegen der Religionsverschiedenheit kann ich — unter uns — nicht ganz einstimmen. Freilich, fteilich müssen wir von ganzem Herzen wünschen, daß dereinst alle Welt die reine Lehre erkenne und bekenne. Inzwischen aber hat doch auch der Gegensatz der Confessionen sein Gutes; ich fürchte, ohne diesen Gegensatz würde gerade unser Volk bald zu lau werden im Glauben; so jedoch entzündet sich der Eifer der einen immer wieder am Gegensatz zum Glauben der anderen. Indessen sollten wir an unserem Theile die Gefühle des katholischen Adels und Clerus gerade jetzt nicht reizen; Sie wissen, weshalb. Kann man die Kessensche Sache nicht todtmachen in der Stille? Vielleicht besänftigt man den eifrigen Bruder-durchweinen Titel oder dergleichen? , Und somit, liebster Baron, wünscht Ihnen ein frohes und gesegnetes neues Jahr Ihr stets ergebener _ Andreas Fuchs. Girr jüdisch-ungarisches Wrkimdenbuch. Es wäre wohl überflüssig, die Bedeutung von Urkunden als Geschichtsquelle eingehender zu erörtern. Darüber herrscht kein Zweifel, daß sie die klarste, unzweideutigste Quelle bilden. Während bei den Mittheilungen der Chronisten deren Parteistellung leicht die Tradition in bedenklichem Grade färbt und die Gesetze nicht immer ein sicheres Bild von den Zuständen liefern, da sie oft nur der Ausfluß einer augenblicklichen, günstigen oder ungünstigen Stimmung waren und überdies im Leben vielfach nicht beobachtet wurden, besitzen wir in den Urkunden die allerglaubwürdigsten Zeugnisse. Zumal für die Geschichte der Juden im Mittelalter und in der Neuzeit sind sie von dem unschätzbarsten Werthe; denn sie sind die einzige Quelle für die Geschichte der Juden, die durch keinerlei Parteistellung getrübt ist; während in den sonstigen Quellenschriften zur Geschichte der Juden sich der weitestgehende Subjeetivismus breit macht, bieten uns die Urkunden objektive Thatsachen. Es war darum ein glücklicher Gedanke, die auf die Geschichte der Juden in Ungarn sich beziehenden Urkunden zu sammeln und den Anforderungen der modernen Diplomatik entsprechend zu veröffentlichen. Die Israelitisch-Ungarische Literatur-Gesellschaft hat sich durch die Realisirung dieses Gedankens ein unstreitiges Verdienst erworben. Der soeben erschienene stattliche erste Band des jüdisch-ungarischen Urkundenbuches*) erstreckt sich bis zum Jahre 1540, also bis zum Tode des letzten ungarischen nationalen Königs. Dieses Jahr wurde mit gutem Grunde als Grenzpunkt gewählt, denn *) Magyar Zsido-Okleveltär. Kiadja az Izraelita Magyar Irodalmi Tärsulat. I. tötet, 1092—1539. Dr. Weisz M6r közremüködesevel szerkeszti Dr. Friss Armin, Budapest. 1903. Wodianer F. es fiai. Ära 10 korona. XLI, u. 524 S.

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