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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-08 · 2 (8.1.1904) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Blocb’s Wocbenscbritt. Leite 29 von seinem Obincinne Herrn Nathan Oser, präsentirte dem Jubilar ein Tabteanx mit sämmtlichen Photographien des Vorstandes. Ferner beglückwünschten den Jubilar der Bürgermeister der israelitischen Gemeinde Herr Moriz Abeles, der Obmann des Ortsschulrathes Herr Bernhard I Teltscher und die Religionslehrer. Gerührt und tief bewegt dankte der Jubilar für die ihm zu Theil gewordene Ehrung mit dem Bemerken, daß er nur seiner Bürgerpflicht genügte. •2 ach an. Hier starb Frau Kathi F i s ch l, die Gattin unseres hochgeachteten Mitbürgers Herrn Moriz Fisch l. Die Heimgegairgene genoß wegen ihres edlen Charakters allgemeine Verehrung, welche sich auch in der Betheiligung am Leichenbegängniß zeigte. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Moriz Wohl und Herr Obercantor Schön recitirte die Trauergesänge. Bilin. Am 27. p. M. fand hier die Generalversammlung des Wohlthätigkeitsvereines „Jsr. Franenverein" statt. Die Betheiligung war sehr groß, außer den Mitgliedern waren der gesammte Cultusvorstand und viele Mitglieder von Nah und Fern erschienen. Nach Verlesung des ausgezeichneten Rechenschaftsberichtes und des emsiges Wirkens zeigenden Cassaberichtes hielt Ehrw. Rabbiner Brock die Festrede, in der er das goldene Herz der jüdischen Frauen an der Hand von Beispielen ans der heiligen Schrift schilderte und wofür er reichen Beifall erntete. Gewählt wurden Frau L. Klein als Präsidentin, Frau Vorsteher Hendl als Cassierin und zweite Präsidentin, Frau Lederer als Schriftführerin und die Frauen Abeles, Fantl und Koreff als Vorstandsdamen. Neu-Sandcz. Am 23. Decenlber v I fand hier in feierlicher Weise die Einweihung des von der israelitischen Cultnsgemeinde zur Erinnerung an das 50jährige Regierungs-Jubiläum Seiner Majestät erbauten Spitales für arme, kranke Israeliten statt. Das außerhalb der Peripherie gelegene Spital ist nach den kostenlos beigestcllten Plänen des Architekten Johann Pars in Krakau erbaut und entspricht allen modernen Anforderungen der Hygiene, und ward von der Obersten Sanitätsbehörde als Muster für Kleinspitäler anerkannt. Ueber Ansuchen des Cultusvorstandes wurde diesem Spitale die Allerhöchste Bewilligung ertheitt, für ewige Zeiten den Namen: „Israelitisches Kaiser Franz Josefs-Spital" zu führen. Der Eröffnungsfeier wohnten bei: Der k. k. Statthaltereirath und Bezirkshauptmann v. Jairsch, der Präsident des Kreisgerichtes v. Kostka, k. k. Finanzbezirks-Director Oberfinanzrath Dr. Pec, der k. k. Staatsanwalt Dr. Jasiewicz, Ober-Post-Berwalter Flach, der Bürgermeister Dr. Badlecki. der Bezirksmarschall Ritter v. Slembrcki, k u. k. Oberst v. .Jakesch, k. u. k. Major Karl Töpfer, eine Abordnung der evangelischen Cultnsgemeinde mit dem Pastor Suetzmacher an der Spitze, sämmtliche Civil- und Militärärzte und ein zahlreiches distinguirtes Publicum. In Verhinderung des erkrankten Cultuspräfidenten begrüßte Cultusausschuß Körbel die Festgäste und hob in seiner Ansprache hervor, daß diese aus Gemeindemitteln, an denen alle Gemeindemitglieder ohne Unterschied des Standes und Vermögens gleichmäßig participiren, erbaute humanitäre Anstalt für späte Zeilen noch als Wahrzeichen der Liebe, Treue und Hingebung der jüdischen Bevölkerung zur geheiligten Person Seiner Majestät unseres vielgeliebten Kaisers gelten wird, und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser, in das alle Anwesenden miteinstimmten. Cultusausschuß und Spitalsverwalter Saniuel Maschlcr schilderte in ausführlicher Rede die Geschichte des Baues, worauf an die Allerhöchste Cabiuetskanzlei nachstehende Depesche abgeschickt wurde: „Anläßlich der Eröffnung des zur Erinnerung an das 50jährige Regierungs- Jubiläum Euer Majestät von der israelitischen Cultnsgemeinde in Neu-Sandez erbauten Spitales für arme kranke Israeliten, welches durch Allerhöchste Gnade den von allln Völkern Oesterreichs heißverebrten Namen Eurer Majestät trägt, uuterbrcitcn die zur Eröffnungsfeier Versammelten an den Stufen des Allerhöchsten Thrones den Ausdruck aufrichtigster Loyalität, Huldigung und innigste Verehrung mit dem Wunsche: Gott segne. Gott schütze, Gott erhalte Eure Majestät zum Heile Oesterreichs und seiner Bewohner". Krakau. Bei der hier am 28. November vorgenommenen Ergänzungswahl in den hierortigen Cultusvorstand gingen folgende Vorsteher mit überwiegender Majorität aus der Urne hervor: l. Curie: Dr. Leo Horowitz, Dr. Heinrich Schornstein, Dr. Isidor Deiches, Maximilian Ehrenpreis, Dr. Samuel Dilles, Dr. Sigmund Lachs. II. Curie: Majer Jonkler, Mendel Pam, Lebel Landau, Josef Goldwasser, Salomon Süßer. -II. Curie: Abraham Margulies, Gedalie Langrock, Samuel Landau, Lebel S. Anisfeld, Abraham Deutscher. Riga. Endlich ist es auch uns gelungen, ein würdiges schönes Gotteshaus zu erlangen. Der Dank gebührt den unermüdlichen Bemühungen des Herrn Leib L i f s ch i tz, welcher alle Hindernisse zu überwinden wußte, welche hier in höherem Maße als anderwärts einem solchen Unternehmen entgegenstehen. Vor Allem war es wichtig, die Concefsion von der Regierung zu erhalten, sodann einen passenden und würdigen Platz auszusuchen. Der Platz ist im Centrum der Stadt gewählt worden. Das Gebäude wird sieb überaus schön und würdig repräsentiren und mit einer Bibliothek und mit einer Schule verbunden sein. Es wäre zu wünschen, daß die wohlhabenden Glaubensgenossen unserer Stadt das edle Unternehmen zum Zwecke der Vollendung hinreichend unterstützen. Feuilleton. Waffenstillstand. Novelle von Babette Fried-Prag. (Fortsetzung.) Die Erbitterung, ivelche sieh Fannis sonst so sanftes Gelnüth bemächtigt hatte, rvar nicht erst durch den heutigen feindlichen Uebersall entstanden. Sie hatte eine viel ernstere Ursache. In dem an das Häuschen ihrer Mutter angrenzenden Gebäude lebte eine Familie, mit welcher Frau Dora schon bei Lebzeiten ihres Mannes innig befreundet war. Es waren das die beiden einzigen jüdischen Familien des Ortes. Auch Lazar Fleischmann war nicht eigentlich reich zu nennen, jedoch warf sein Geschäft mit Ronprodueten immerhin nrehr ab, als der kleine Handel der Familie Hirsch. Die beiden Familien lebten einträchtig zusammen, halfen sich überall, wo es nothwendig war, gegenseitig ans, hielten auch gemeinschaftlich einen Hans lehrer, um ihre Kinder nicht in die czechisch-katholische Dorfschule schicken zu müssen, sondern sie in der deutschen Sprache und jüdischen Religion unterrichten zu lassen. 'Als Benjamin Hirsch erkrankte, waren es die treuen Nachbarn, welche der Gattin desselben in der Pflege des Kranken aushalfen, später auch der schier verzweifelnden Witwe Trost und Beistand spendeten und ihr in jeder Hinsicht mit Rath und Thal beisprangen. Diese Wohlthaten fielen auf keinen undankbaren Boden. In der letzten Zeit war Dora und ihrer Tochter reichlich Gelegenheit geboten, den theilnehmenden Nachbarn die ihr seinerzeit bewiesene Freundschaft abzuzahlen. Denn auch diese waren von einem schweren Schlage betroffen worden. Gleich unter den ersten Opfern des Krieges war der älteste Sohn Fleischmann's gewesen. Nach dem ersten feindlichen Zusammentreffen wurde er todt vom Schlachtfelde getragen. Eine Kugel durch die Brust hatte dem für Kaiser und Vaterland begeisterten Kämpfer niedergestreckt. Da galt es nun, den trostlosen Eltern und jammernden Geschwistern treu zur Seite zu stehen, gleichso, wie sie es damals gethan haben. In der Seele Fannis aber hatte der frühzeitige Tod des Jugendfreundes eine Lücke gebildet, die durch nichts ausgefüllt werden konnte. Die allgewaltige Macht der Gewohnheit hatte das ideaal veranlagte Mädchen an den um zwei Jahre älteren Nachbarssohn derart gefesselt, daß sie sich selber einredete, sie liebe ihn. Seit dem Tage, wo der zwanzigjährige Student nach einem herzzerreißenden Abschiedevon den Seinen und den treuen Nachbarn hinausgezogen war in den blutigen Kampf, da dachte sie an nichts anderes als an den abwesenden Freund. Die Gefahr, in der er schwebte, der Beruf, den er sich freiwillig erwählt hatte, umgaben ihn in ihren Angen mit einem Nimbus, dessen Macht sie sich nicht entziehen konnte. So lange die Zeitungen noch hie und da Berichte vom Kriegsschauplätze, wenn auch nicht immer ganz wahrheitsgetreue, brachten, warf sie sich mit Eifer auf das Lesen derselben. Kaum daß seine Mutter mit größerer Hast darnach gegriffen hatte, als sie. Trotz des angewendeten BertnschungssystemS klangen diese Berichte doch immer trostloser, immer weiter drangen die vaterländischen Truppen zurück, immer weiter drang der siegende Feind vor. Und von Lev immer noch keine Zeile, kein Lebenszeichen. Dann nach Wochen ängstlicher Spannung kam in den entlegenen Flecken die erste amtliche Verlustliste. Unter der ersten Gefallenen war auch Leo Fleischmann. Wer vermöchte den Jammer der armen Eltern zu schildern, deren Stolz und vermeintliche Stütze im Alter in fremder Erde eingeschaart wurde. Durch Fannis Herz.

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