Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 2 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Dr. Wlocb's MoebenscbrM. Seite 25 Eine Synagoge von der Feilbietung bedroht. Wir erhalten folgende Zuschrift: Der Aufruf, der an dieser Stelle wiederholt au unsere Glaubensgenoffen gerichtet wurde, durch edle Spenden ein Vörden Thoren Wiens befindliches jüdisches Gotteshaus vor der drohenden Execution zu retten, hat bisher leider nicht die erwartete volle und rafche W irku n g gesunde n. Immer näher rückt die Gefahr, daß der zur Hilfeleistung gebotene kurze Zeitraum unbenützt verstreicht, zumal die Zögerung auch noch zur Folge hat, daß die Schuldsumme durch auflaufende Kosten anwächst. Das gerichtliche Urtheil, welches jederzeit bei mir eingesehen werden kann, ist in den nächsten Tagen rechtskräftig. A m 15. Jänner soll das Execution sa n s u ch e n ü b e r reicht werde n. Seit meinem jüngsten an dieser Stelle erschienenen Ausrufe, sind an Spenden bei der Casse der Wiener israelitischen Cultusgemeinde eingelangt: K 5890. Da nunmehr die aufgelaufenen Nebengebühren K 518 ausmachen, handelt es sich jetzt noch um einen Fehlbetrag von K 3823. Kann dieser Betrag von unseren sonst so hilfsbereiten Glaubensbrüdern nicht rasch beschafft werden, so werden tvir demnächst in der Lage sein, in den öffentlichen Blättern unter der Rubrik „Tagesneuigkeiten" einen stimmungsvollen Bericht zu lesen über eine Auction: „Ein kleines, schmuckes jüdisches Gotteshaus vor den Thoren Wiens, an der Bahnstrecke Atzgersdors—Liesing, um so und so viel Kronen zum ersten, zlveiten und zum — dritten Mal! Der Ersteher war." Wien, am 8. Jänner 1904. A. 8. Der Tempelverein A tz g e r s d o r s - L i e s i n g ersucht uns, mit Rücksicht auf den Umstand, daß Herr Gustav P ollak, Gemeindeausschuß in Atzgersdvrs, durch eine anonyme Zuschrift wegen seiner angeblichen Indolenz gegenüber dem erwähnten Tempelvereine geschmäht wurde, um Veröffentlichung des nachstehenden an denselben gerichteten Offenen Dankschreibens. Dasselbe lautet: Ew. Wohlgeboren' Da es uns zur Kenntnis; gekommen ist, daß von anonymer Seite ein verletzendes Schreiben an Sie gelangt ist, fühlen wir uns gedrängt, Ihnen öffentlich den innigsten Dank für die hochherzige m un i s i c e n t e Weise, mit der Sie wiederholt uns anläßlich des Baues unserer Synagoge bedachten, a u s z u s p r e ch e n. Ew. Hochwohlgeboren haben nicht allein bei Beginn des Baues K 500.— gespendet, sondern auch für unsere Synagoge einen herrlichen Gasluster und eine künstlerisch auSgestattete Kaiser-Jubiläums-Denktafel mit einem K o st e n a u s w a n d von K 700.— g e w idme t. Schließlich haben Sie, hochgeehrter Herr, anläßlich unseres ersten in der „Oesterr. Wochenschrift" erschienenen Hilferufes weitere K 300.— gezeichne t. Die edle Hilfsbereitschaft, die Sie, hochgeehrter Herr, uns gegenüber bekundeten, hat bei uns allen nur ein Gefühl der tiefsten Dankbarkeit hervorgernsen, der wir nunmehr auch öffentlich Ausdruck zu verleihen als eine heilige Pflicht erachten. Mit vorzüglicher Hochachtung Der T e m p e l v o r st a n d. Wien. (Spende n.) Zur Erhaltung des Gotteshauses in Atzgersdorf-Liesing sind uns ferner zugekommen von Frau Rosa Wülsch in Bozen K 5.—, vom Herrn Fabrikanten Carl Grün in Wien R 20. —, von Frau Rosa Kowanitz in Wien K 2.—, von Fr. Julie Lunzer in Wien R 4. , unter „Die W lden" K 29.—, als Ergebniß einer Sammlung, zu welcher begesteuert hoben: Carla St. R 4.—, Caroline R. EL 4.—, Helene W. R 4.—, Therese T. R 4. —, Leontine F. Ri.-, Marie M. R 4.—, Bertha A. R 4.-. Kaiser Franz Josefs-Ferienheim. .Märchen von heute." Unter dieser Devise fand am 2. d. M. zu Gunsten des Kaiser Franz Josefs-Ferienheim in den Svphiensälen ein „Novitäten-Abend" statt, der von einem außerordentlich zahlreichen und sehr distinguirten Publicum besucht war und einen glänzenden Verlauf nahm. Nach einem vom Mitgliede des k. k. Hos-Burgtheaters Frau Claire Liesenberg mit warmer Empfindung vorgetragenen Prolog und nach vom Mimiker der k. k. Hofoper Carl Godlewski meisterhaft gestellten, die drei bekannten Märchen „Dornröschen", „Schneewittchen" und „Rothkäppchen" darstellenden lebenden Bildern wurden die von Alfred Deutsch-German verfaßten Operetten- und Märchenparodien „Dornröschen und Bruder Straubinger", „Schneewittchen, das süße Mädel" und „Rothkäppchen oder: Der Rastelbinder" ausgesührt, in welchen diese der Kinderwelt liebgewordenen Märchen mit großem Geschick und Humor der Jetztzeit angepaßt und mit den beliebtesten Figuren und Melodien der neuesten Operetten in Verbindung gebracht lvurden. Die Damen: Glöckner-Kramer, Pohl-Meiser, Biedermann, Liesenberg und Wohlmuth-Hernfeld und die Herren: Marx, Maran, Felix, Becker, Pagin, Rakowilsch, Russek, Binder und Hernseld boten glänzende Leistungen und wurden stürmisch acclamirt. Besonderen Beifall ernteten Frau Glöckner, deren Spiel, Gesang und Tanz wiederholt Beifallsstürme entfesselten, Frau Pohl- Meiser, die von der Bühne fast nicht wich und in allen drei Märchen Glänzendes leistete: Marx, der als „Straubinger" in Maske und Stimme vortrefflich Girardi copirte und Godlewski sowohl durch die sehr gelungenen lebenden Bilder, als durch von ihm einstudirte Tänze, und zwar einen Schleiertanz, der von Frau Pohl-Meiser kunstvoll ausgesührt, und durch eine allerliebste Glühlichr-Gavotte, die von sechs Kindern entzückend getanzt wurden. Wie Herr Felix, singen die Wölfe wohl nur in der Hof- Oper! Große Anerkennung fanden ferner Capellmeister Sänger und Hosopern-Oberinspicient Fried, der die Regie leitete, und welche beide mit außerordentlicher "Ausdauer und selbstloser Hingebung hauptsächlich zum glänzenden Erfolge des Festes beitrugen. Manche zeitgemäße Schlager, wie von der „Bivisection" und dem „Fremden von Distinction" n. s. w. übten zündende Wirkung. Die zahlreich versammelte Jugend gelangte erst gegen halb drei Uhr zum ersehnten Tanze, dem bis in die Morgenstunden flott gehuldigt wurde. Marienbad. (B e r e i n s g r ü n d u n g.) Am 13. December v. I. fand Hierselbst die Gründung des Zweigvereines des „Hilssvereines für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" statt, welcher den Namen „Ortsgruppe Marienbad und Umgebung" führt und die "Ausgabe hat, die Zwecke des Hilssvereines sowohl den Einheimischen als auch den zahlreichen im Sommer hier anwesenden Fremden näher zu bringen, die Theilnahme für seine Ziele zu wecken und also dieser nützlichen Vereinigung neue Kräfte zuzusühren. Bekanntlich will der genannte Verein, dessen Centrale sich in Wien befindet, die materielle Lage der Juden in Galizien verbessern und ihr Cultur-Niveau nach Möglichkeit heben. Dieses Ziel soll durch Schaffung von Arbeitsgelegenheit, Errichtung von Hausindustrien und gewerblichen Fachschulen, Beschaffung billigen Credites, Zuführung zur Landwirthschast rc. erreicht werden. Der Proponent, JUDr. Joses Steiner, Advocat Hierselbst, begrüßte die Erschienene:! und beleuchtete in klarer Weise den Zweck und die Ziele des Hilfsvereines im Allgemeinen, sowie der Ortsgruppe im Besonderen. Nach erfolgter Anmeldung neuer Mitglieder fand die Wahl in den Vorstand der Ortsgruppe statt. Sie erfolgte durch Zuruf und es wurden einstimmig gewählt: JUDr. Joses Steiner, Advocat, Obmann: Emil Baruch, Hotelier und Vorsteher der israel. Cultusgemeinde, Obmann- Stellvertreter: Phil. Dr. Philipp Goldberger, Rabbiner, Schriftführer : Karl Kohn, Kaufmann, Schriftführer - Stellvertreter : Sigmund Schneider, Kaufmann und Hausbesitzer, Cassier: Siegfried Fischt, Hausbesitzer, Cassier-Stellvertreter. Die Ortsgruppe zählt derzeit 38 Mitglieder, dürfte aber binnen Kurzem sich stattlich vermehren, da ihr Wirkungskreis sämmtliche israelitische Gemeinden der weiteren Umgebung einschließt. Wagstadt, Oesterr.-Schlesien. (B o n der 0 h e \v r a- Kadischa.) Unser neugegründeter Verein „Ohtztvra-Uackisclm" hielt am 29. December in den Localitäten des Herrn Leopold Großmann eine gemüthliche Unterhaltung ab. Herr ’i'l -Z I