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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-08 · 2 (8.1.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr. 2 Dr. Vlocb's Mocbenscvrttl. Teil« 31 Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für Mariahilf und Ueudan. Unter dem Vorsitze seines Präsidenten Architekten Max Fleischer hielt der israelitische Tempelverein für die westlichen Bezirke Wiens Dienstag den 29. December 1903 im Saale des „Hotel Savoy" seine dreißigste ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung, constatirte die Beschlußfähigkeit, begrüßte den anwesenden Rabbiner Dr. T a g l i ch t, den Vertreter des Cultusvorstandes Herrn Salo Cohn, den Obmann des Vereines „Naclilat Jesdiurun“ Herrn Dr. Carl L ö w y, die Vorsteherinnen des Frauenvereines Frau Dr. Engel und Frau Therese König und ertheilte das Wort dem Schriftführer Herrn Hermann Liebermann zur Verlesung des Protokolles der letzten Generalversammlung. Nach Verificirung des Protokolles erstattet der Vorsitzende den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Der Redner widmet vor Allem den verstorbenen Gönnern und Mitgliedern des Vereines: Josef Asche r, Alfred Eisenberger, Jos. I. Hock, Jakob Köhler, Moriz Krakauer und kais. Rath Hermann R o b i t s e k, deren Heimgang für die Vereinsinteressen einen schweren Verlust bedeutet, einen warmen Nachruf; er erwähnt den Tod des langjährigen Vereinsmitgliedes Moriz Krakauer, des Tempelbesuchers Herrn Moriz S p u l l e r und forderte zum Schlüsse die Generalversammlung auf, das Andenken dieser Verblichenen durch Erheben von den Sitzen zu ehren. (Geschieht.) Im abgelaufenen Jahre zählte der Verein 269 Mitglieder, und zwar 1 Mitglied mit einem Beitrag von 50 X, 1 Mitglied mit 40 X, 5 Mitglieder mit je 30 X, 2 Mitglieder mit je 24 X, 55 Mitglieder mit je 20 X, 6 Mitglieder mit je 16 X, 2 Mitglieder mit je 15 X und 197 Mitglieder mit je -12 X-.. Die Vereinsleitung hielt im Verwaltungsjahre acht Plenarsitzungen und zahlreiche Sections- und Comitesitzungen ab. Die Frage der baulichen Veränderung und Erweiterung des Tempels wurde eingehend erörtert und berathen; an die Lösung dieser Frage kann aber blos nach Maßgabe der zu Gebote stehenden Mittel geschritten werden. Zufolge einer Anregung des Vorstandsmitgliedes kais. Rathes T o s s l e r wurde die Anordnung getroffen, daß während der Trauungen I. Claffe beim Ausgange des Tempels eine Taffe aufgestellt wird, um den Hochzeitsgästen, die infolge der Uebersüllung im Tempel nicht persönlich gratuliren können, durch Einlegung ihrer Visitkarte Gelegenheit zu geben, ihre Anwesenheit zu documentiren. Diese Karten werden sofort und womöglich zur Gratulations-Cour dem Brautpaare übermittelt. Schon der erste Versuch hat sich sehr gut bewährt. Die alljährlich stattfindende Confirmation erfteut sich eines immer wachsenden Zuspruches, einer steten Zunahme der Theilnehmerinnen und eines immer größeren Zudranges von Zuhörern bei der Feier selbst. Der 18. August wurde durch einen solennen Gottesdienst begangen. Im abgelaufenen Vereinsjahre haben im Tempel 53 Trauungen stattgefunden. Ueberaus günstig war auch das Ergebniß der Betsitzvermiethung. Um vielfachen Wünschen zu entsprechen, hat der Verein einen besonderen Gottesdienst im Saale „zum grünen Baum" eingerichtet. Die Spenden am Sabbath und Feiertagen haben einen Betrag von fast 12.000 Kronen ergeben und der Bericht erwähnt eine munificente Spende von 1000 Kronen des Herrn Commercialrathes Max Eisenberger, dem der Dank votirt wird. Herr Philipp Weiß spendete eine kostbare silberne Jad, Herr Dr. - M. Politzer stiftete zur Erinnerung an seine verstorbenen Eltern eine Jahrzeit-Stiftung von 800 Kronen. Die Herren Adolf Markus und Moriz Mittler ebenfalls eine Jähheit-Stiftung im gleichen Betrage und eine weitere Gedächtniß-Stiftung mit dem vinculirten Capitale von 800 Kronen. Die Zinsen der Max Fleischer'schen Wohlthätigkeits- Stiftung kamen zum erstenmal zur Vertheilung. Der Nutznießer ist der Sohn eines ehemaligen Cantors des Mariahilfer Tempels. Der Vorsitzende spricht allen Spendern den Dank aus und gibt auch seiner Freude Ausdruck, daß der Gönner und Förderer des Vereines Herr Salo Cohn wie seit einer langen Reihe von Jahren auch heuer wieder den Cultusvorstand bei der Generalversammlung vertritt; er möge beim Cultusvorstand der Dolmetsch sein für ein einträchtiges Zusammenwirken zwischen der Muttergemeinde und dem Vereine, der nach wie vor bemüht bleibt, auf einem heiklen Posten gebührend Wacht zu halten zur Ehre Gottes und zur Ehre der jüdischen Gesammtheit. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Der Herr Cultusvorsteher Salo Cohn dankt tiefgerührt für die freundliche Begrüßung. Es gereicht ihm zur Freude, nach einer kurzen Pause wiederum bei einer Generalversammlung dieses ausgezeichneten Vereines zu erscheinen um die Cultusgemeinde hier zu vertreten. Ausgezeichnet durch eine musterhafte Verwaltung, welche weise Sparsamkeit mit echter wahrer Humanität zu vereinen weiß, ist der Tempelverein für Mariahilf und Neubau vielen anderen Vereinigungen ein edles Vorbild geworden und häufig ein unerreichtes geblieben. (Lebhafter Beifall.) Redner spricht zum Schluffe den Wunsch aus, daß der verehrte, zartbesaitete Mensch und Künstler Architekt Max Fleischer zur Freude aller derer, die ihn verehren und lieben, an der Spitze dieses ruhmreichen Vereines segensreich wirken möge. (Lebhafter Beifall.) Mit einem Dankeswort für die anläßlich seines 60. Geburtstages ihm überreichte Adresse spendete Herr Salo Cohn dem Max Fleischer-Fond 1000 X. (Beifall.) Der Vorsitzende dankte dem Vorredner in bewegten Worten und es gelangt sodann eine Zuschrift des Herrn Adolf Rosenbaum zur Verlesung, welcher den Verein zu der hohen Anerkennung beglückwünschte, welche der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Herr kais. Rath K l i n g e r in der letzten öffentlichen Sitzung dem segensreichen Wirken dieses Tempelvereines und seines Präsidenten feierlich gezollt hat. Gleichzeitig entschuldigt Herr Rosenbaum seine Abwesenheit von der Generalversammlung. Cassaverwalter kais. Rath Friedrich P o l l a k verliest den Rechenschaftsbericht und die Bilanz für das abgelaufene Verwaltungsjahr und erläuterte die interessanten Ziffern mit einigen geistreichen Bemerkungen, welche die Versammlung mit lebhaftem Beifalle aufnimmt. Im Namen der Revisoren stellt Herr Ignaz Reschovsky den Antrag, der Vereinsleitung das Absolutorium zu ertheilen und den Dank auszusprechen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Zum .2. Punkt der Tagesordnung: „Wahlen in den Vorstand" bringt der Vorsitzende ein Schreiben des Herrn Commercialrathes Max E i s e n b e r g e r zur Verlesung. Derselbe hatte nach dem unerwarteten Hinscheiden seines theuren Bruders die Absicht, von der Vereinsleitung, welcher er nicht mehr in dem Maße wie früher seine Kraft und seine Zeit widmen könne, sich zurückzuziehen. Doch der Gedanke an seinen Vater, welcher mit Liebe und Treue bis zum letzten Athemzug dem Vereine anhing, macht es ihm zur Pflicht, in der Stellung zu verbleiben, wenn die verehrten Vereinsmitglieder ihm weiterhin das Vertrauen bewahren. Es ergreift nunmehr das Wort der Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Jacob Engel. Er knüpft an die Thatsache an, daß der Verein seine dreißigste Generalversammlung abhält, genau die Hälfte dieser Zeit wirkt der Redner in dem Vereinsvorstand, genau vor fünfzehn Jahren wurde er assentirt und er arbeitet seitdem schlecht und recht unter dem Commando Max Fleische r's. Nach seinen Dienstjahren ist er berechtigt, sich zu der älteren Generation unter den Vorstandscollegen zu zählen, er fühle sich aber deffen ungeachtet arbeitskräftig und arbeitsfteudig und stelle sich gerne den Vereinsgenoffen zur Verfügung. Die Zukunft ist nur das Spiegelbild der Vergangenheit, und wie er bisher stets im Dienste des Judenthums treu gestrebt und ein aufrichtiger Freund des Vereines war, so ist er bereit, diese Thätigkeit auch in Zukunft fortzusetzen, wenn die Generalversammlung ihn mit dem Vertrauen weiter auszeichne. (Lebhafter Beifall.)

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